Christiane Wirtz liest im Bukafski am 13. April 2018

Christiane Wirtz wohnte lange Zeit in der Mainzer Neustadt.

Sie ist 34, als plötzlich die erste Psychose auftritt. »Schizophrenie« lautet die Diagnose. Diese schwere Krankheit von großer Zerstörungskraft ist nach wie vor stark angst- und schambehaftet, und es herrscht große Unkenntnis, obwohl Millionen Menschen in Deutschland von ihr direkt oder indirekt betroffen sind. Die sozialen Konsequenzen dieser Mischung aus Krankheitsfolgen, ChristinaeWirtz_NebenDerSpurUnkenntnis und Ablehnung bekommt Christiane Wirtz grausam zu spüren. Sie verliert alles: Job, Freunde, Eigentumswohnung, Altersvorsorge. Das Leben war vorbei. Aber darf die Gesellschaft zulassen, dass Menschen so tief fallen?

Wirtz erzählt, wie sie komplett abrutschte, lässt Ärzte, Psychologen, Anwälte, Eltern, ehemalige Kollegen zu Wort kommen. Sie fordert eine breite Debatte über psychische Krankheiten, ein Ende der Diskriminierung. Sie appelliert an die soziale Verantwortung der Gesellschaft. Ihre Botschaft an die Betroffenen: Lasst Euch nicht stigmatisieren. Und an die anderen: Baut Vorurteile ab und erkennt, dass eine Krankheit Menschen nicht aussondern darf, dass sie während und nach einer Psychose Solidarität verdienen.

20180310_132609b
Bukafski Buchhandlung und Café, Kurfürstenstrasse, 9, 55118 Mainz

SWR2_CW

SWR2: Nimm doch einfach deine Tabletten

ChristinaeWirtzFASNachtcafe1Bericht in der AZ-Mainz vom 8.4.2018

Nur in meinem Kopf: Christiane Wirtz beschreibt, wie es ist, „verrückt“ zu sein

Von Christiane Wirtz

MAINZ – Vor etwa 17 Jahren: Ich bin 34 Jahre, wohne in der Mainzer Neustadt in der Leibnizstraße, ich bin festangestellte Hörfunkjournalistin, habe in Mainz studiert, doch mein Leben erscheint mir sinnlos. Ich habe mich in jemanden verliebt, den ich kenne, seit ich 19 bin. Wir arbeiten zusammen, wir sind uns sehr nahe, wir schätzen uns sehr, wir flirten miteinander, doch er ist gebunden. In einer Ehekrise lässt er sich trotzdem auf mich ein, ich mich auch auf ihn, aber die Sache geht nicht zu meinen Gunsten aus.

Ich werde merkwürdig. Findet mein Umfeld. Ich kann mich nicht mehr konzentrieren während der Arbeitszeit. Die Buchstaben verschwimmen vor meinen Augen auf dem Computerbildschirm, alles ist zu viel, zu viele Eindrücke, zu viel Kummer, zu wenig Halt.

Keiner weiß genau, was mit mir los ist und ich auch nicht. Ich fühle, dass etwas mit mir nicht stimmt, weil alles so unglaublich stressig ist. Ich beantrage Urlaub, buche einen Aufenthalt in Zypern, doch ich habe plötzlich Angst vor dem Flug, irgendetwas Schlimmes wird passieren, ich trete die Reise nicht an. Nach dem Urlaub hat sich nichts verändert, die Situation ist eher noch dramatischer geworden.

Unsinnige Fragen, unsinnige Sachen

 Ich gehe einfach nicht zur Arbeit, ich verbarrikadiere mich in meiner Wohnung in der Leibnizstraße. Ich sitze an meinem Esstisch, rauche und trinke Tee, trinke Tee und rauche. Ich grübele ununterbrochen. Ich frage mich, was ich nur falsch gemacht habe, aber ich frage mich auch völlig unsinnige Sachen, wie, ob der Bergkäse, den ich in einem Bioladen in der Nähe gekauft habe, mit einem Freund aus Holzkirchen zu tun hat, dessen Hobby Bergsteigen ist. Die unsinnigen Fragen, die verrückten Fragen in meinem Leben nehmen zu. Ich frage mich auch, ob der vorbeifahrende Käfer mit dem Kennzeichen MZ-JH2876 etwas mit jemand zu tun hat, dessen Namensinitialen JH sind. Ich vermute, dass der etwas Böses im Schilde führt. Der verfolgt mich wegen irgendwas. Wegen was? Ich fliehe wieder in meine Wohnung und grübele. Wie eine Verrückte.

Denn das bin ich. Verrückt. Am Ende eines langwierigen, mehrmonatigen Prozesses lande ich in der Psychiatrie der Mainzer Unikliniken. „Psychose aus dem schizophrenen Formenkreis“ lautet die vorläufige Diagnose nach vier Wochen Aufenthalt. Ich bekomme Medikamente, verschiedene werden ausprobiert. Ich bin aber völlig unvorbereitet, mit so einem grausamen Urteil umzugehen. Die Psychiater sagen recht hilflos, was damals Stand der Forschung war: Tabletten nehmen, ruhig verhalten, nicht nachdenken. Für mich ein recht unbefriedigender Rat. Für mich eine Diagnose, die ich nicht akzeptieren will. Ich kämpfe gegen die Krankheit und habe noch viermal eine Psychose, weil ich viermal glaube, ich könnte doch ohne Tabletten auskommen, es ginge mir jetzt gut und ich wäre geheilt. Doch die Krankheit zeigt mir ihre Zähne.

Die vierte Psychose ist die schlimmste

Beim letzten Mal, also durch die letzte Psychose, habe ich sehr viel verloren: meinen Job, meine Eigentumswohnung, habe meine Lebensversicherung aufgebraucht. Vielen Freunden war mein bizarres Verhalten zu viel, viele Bekannte haben sich zurückgezogen. Denn die Wahnvorstellungen wurden immer abstruser: So glaubte ich, ich sei die Tochter von Mick Jagger und die Nichte von John F. Kennedy, mein Bruder der „Red Hot Chili Peppers“-Leadsänger Anthony Kiedis. Einmal dachte ich, mein Vater käme mich mit einem Raumschiff abholen. In der glutheißen Sommermittagssonne habe ich auf dem Kölner Friesenplatz auf ihn gewartet bis in die Nacht. Er kam nicht. Aber ich in die Psychiatrie. Wieder.

Doch ich habe nicht aufgegeben. Die Krankheit hat auch eines erreicht: Sie hat Kraft in mir mobilisiert, von der ich nie geahnt hätte, dass ich sie besitze. Auf die Frage, was mit so einem von vielen Brüchen gekennzeichneten Leben anzufangen ist, habe ich mir die Antwort gegeben: über die Krankheit zu informieren, Missstände, die mir aufgefallen sind, zu benennen und zur Diskussion darüber beizutragen.

Wer schizophren ist, wird ausgegrenzt

Eine Untersuchung der Universität Greifswald aus dem Jahr 2011 nennt erschreckende Zahlen hinsichtlich Stigmatisierungen von Menschen mit einer schizophrenen Erkrankung. Über die Hälfte der Befragten würde es ablehnen, einen Menschen mit Schizophrenie einem Freund vorzustellen (53 Prozent), ihn für einen Job zu empfehlen (63 Prozent), ihn als Mieter zu akzeptieren (58 Prozent), oder in der Familie (60 Prozent). 49 Prozent der Befragten sagen, dass sie sich in Gegenwart eines an Schizophrenie erkrankten Menschen unwohl fühlen, 37 Prozent haben Angst vor ihm. Das sind grausame Zahlen, meine ich. So schlimm habe ich es selbst nicht empfunden, obwohl ich auch Ablehnung und Unsicherheit im Zusammenhang mit meiner Krankheit erlebt habe. Und da muss sich etwas bewegen. Deshalb habe ich meine Geschichte im Hörfunk veröffentlicht. Deshalb habe ich nun ein Buch geschrieben.

Mittlerweile geht es mir ganz gut. Ich wohne in Köln, habe einen Job und einige der Beziehungen, die geruht haben oder die sogar zerrissen waren, sind neu geknüpft. Gerade das Ansprechen dieser Problematik brachte mir viel Resonanz von Betroffenen und Angehörigen. Es haben sich Menschen bei mir gemeldet, die vorher Berührungsängste hatten, nicht wussten, wie sie mit mir umgehen sollen.

„Ich will etwas gegen die Stigmatisierung tun“

Ich nehme Tabletten, aber relativ niedrig dosiert. Die Medikamente haben gar nicht so harmlose Nebenwirkungen, zu denen eine Art gefühlsmäßiges Eingefrorensein gehört. Beispiel: ein Mensch, der hochdosiert Tabletten nimmt, wird ohne Interesse auf erste Anzeichen des Frühlings reagieren. Während „normale“ Menschen ein Gefühl von Begeisterung und Aufbruch empfinden, spürt ein solcher Mensch wenig oder nichts. Das nimmt Lebensfreude. Ich habe die Krankheit, so schwer es ist, angenommen. Ein Schritt war, diesen Artikel unter meinem Namen zu veröffentlichen. So kann ich mir kein Türchen aufhalten, dass ich ja doch nicht wirklich ein Problem habe. Für das es allerdings nicht „die“ Lösung gibt, sondern nur verschiedene Ansätze. Das eventuell immer mit Tabletten begleitet sein wird. Das Stigmatisierungen mit sich bringt. Aber dagegen, dass die Krankheit ein Tabu ist, tue ich ja jetzt etwas.

Unterstützung für psychisch Kranke in Südafrika

Die Sczech-Stiftung unterstützt mit 10.000 ZAR (Südafrikanische Rand) ein Fountain House Projekt, eine Organisation der Cape Mental Health Society in Südafrika. Diese engagiert sich das Stigma zu beseitigen, das mit Problemen der psychischen Gesundheit verbunden ist. Das Fountain House Team wurde um neue Mitarbeiter erweitert, damit mehr Menschen in Not erreicht werden können.

Africa_1Cape Mental Health bietet 22 Programme in schlecht ausgestatteten Gemeinden an um die Versorgungslücke im Bereich der psychiatrischen Versorgung zu verringern. Die Eden Karoo ist mit einer Gesamtbevölkerung von 574.265 Einwohnern, der größten Bevölkerung im Alter von 0-39 Jahren und nur 14,9% der Bevölkerung in der Krankenversicherung als das schlimmste Gebiet des Westkaps identifiziert worden.

Fountain House (SA) ist ein gemeindebasiertes PSR-Zentrum (psychosoziale Rehabilitation), das Menschen mit psychiatrischer Behinderung Dienstleistungen anbietet, um ihre Wiedereingliederung in die Gesellschaft und den Arbeitsplatz zu erleichtern. Dies geschieht durch die Erleichterung des Erlernens von Arbeitsfähigkeiten, die soziale Kompetenzen fördern.

Zibele Qwemesha und Brunnen Hou schrieben an die Sczech-Stiftung:

Bei Fountain House (SA) haben wir es uns zur Aufgabe gemacht, Menschen mit psychiatrischer Behinderung die Möglichkeit zu geben, so unabhängig wie möglich in ihren Gemeinschaften zu leben. Die Teilnahme von Dienstleistungsnutzern an Kunsthandwerk und Kunsthandwerk wird als therapeutische Modalität in unseren täglichen Programmen eingesetzt. Wir führen ein preisgekröntes Programm durch, weil wir zweifelsohne der Meinung sind, dass Menschen mit psychosozialen Behinderungen die gleichen Rechte und Möglichkeiten eingeräumt werden sollten wie jedem anderen Bürger. Unsere Botschaft ist kraftvoll und klar - wir konzentrieren uns auf die Fähigkeiten von Menschen mit geistiger Behinderung und nicht auf ihre Diagnosen oder auf das, was andere als Einschränkungen ansehen.
Im Geschäftsjahr 2015/16 waren es 526 Mitglieder, die unseren Service in Anspruch genommen haben.  Die Mitglieder erhielten durch ihre Teilnahme an den Aktivitäten der vier Arbeitseinheiten des Zentrums, nämlich der Verwaltung, der Gastronomie, der Werkstatt für Kunsthandwerk und der Abteilung für Arbeit und Kommunikation, eine "Training on-the-job"-Ausbildung in einer Vielzahl von Fertigkeiten. Es gab 115 Mitglieder, die Zugang zu Beschäftigungs- oder Qualifizierungsangeboten wie dem Übergangs-Beschäftigungsprogramm (TEP), geförderten Beschäftigungsmöglichkeiten, Praktika in Observatorien und Lernangeboten hatten.
Neben der starken psychosozialen Fähigkeit der Kunst, Einzelpersonen dabei zu helfen, Vertrauen zu gewinnen und sich in die Gesellschaft zu integrieren und zu vernetzen, hat die Kunst die Fähigkeit, das Leben unserer Dienstleistungsnutzer auf tiefgreifende Weise zu verändern. Es ermöglicht den Ausdruck in Form von Bildern und Symbolen, um gelebte Erfahrungen unserer Servicenutzer zu erzählen, wenn Worte nicht ausreichen. So ebnet die Kunst den Weg zu Wellness, emotionaler Wiedergutmachung und letztendlich zur Genesung. Unser Hauptziel ist es, unseren Individuen zu ermöglichen, wettbewerbsfähige Partner in der Kunstwelt zu sein. Durch unsere verschiedenen Initiativen im Rahmen unseres Tagesprogramms hoffen wir, dies zu ermöglichen.

Unsere jährliche Ausstellung (Einladung wird nach Fertigstellung verschickt) findet am 22. und 23. Februar 2018 im Theater Nassau statt. Damit diese Veranstaltung ein Erfolg wird, benötigen wir die Unterstützung von Sponsoren wie Ihnen, die uns helfen, das Gespräch zu ändern und etwas anderes auszuprobieren. Alle im Vorjahr getätigten Spenden haben uns im Werkstattbereich enorm geholfen, da es uns gelungen ist, Materialien für die von uns hergestellten und später verkauften Produkte zu beschaffen. Es ist uns auch gelungen, neue Tische und Stühle zusammen mit Schränken zu kaufen, mit denen wir unseren Lagerbestand in der Einheit sicher aufbewahren. In diesem Jahr haben wir die Kunstausstellung mit einem Musikkonzert kombiniert; Ziel ist es, die Talente unseres Künstlers einem anderen Publikum zugänglich zu machen, damit wir seine Verkaufschancen erhöhen und seine Bekanntheit als Kunsthandwerker erhöhen können. Wir haben eine Patenschaft erhalten, die unsere Standardkosten für die Zusammenstellung dieser Veranstaltung decken würde und benötigen Ihre Unterstützung mit finanziellen Mitteln, damit wir unser Projekt kunsthandwerklich aufwerten und unseren Künstlern und Handwerkern ein Stipendium zur Verfügung stellen können. Es ist unsere langfristige Strategie, unsere Ausstellungen und Stände, an denen wir jedes Jahr teilnehmen, zu verbessern, was uns hilft, ein Einkommen zu generieren und unsere Türen offen zu halten.
Africa_2
Mitgliedern, die in der Werkstatteinheit arbeiten, das Foto zeigt die neuen Tische und Stühle, die wir gekauft haben. Wir hoffen, dass die Fotos zeigen, wie Ihre Beiträge zu bedeutenden Fortschritten in unserer Welt beigetragen haben, sowohl in ästhetischer Hinsicht als auch dadurch, dass sie unseren Mitgliedern helfen, Produkte in einer geeigneten und ergonomisch akzeptablen Umgebung zu betreuen und zu produzieren.
Wir sind dankbar für Ihre konsequente und kontinuierliche Unterstützung, vor allem in einer Zeit, in der unser finanzielles Klima nicht gerade für psychiatrische Dienste attraktiv ist. Fountain House würde es sehr begrüßen, wenn Sie an dieser bedeutenden sozialen Investition in Bezug auf die Förderung unserer Künstler und Handwerker durch Sponsoring unserer Veranstaltung teilnehmen würden.

Mit freundlichen Grüßen,
Zibele Qwemesha,
Brunnen Hou

Mitbringsel aus Paris

Alle Fotos zur freien Verwendung, 12.12.2015 Reinhard Sczech

Motivation und Erleichterung

Ich war drauf und dran zu verzweifeln. Kann die Menschheit denn wirklich so blöd sein? Jetzt bin ich wieder hoch motiviert. Das waren lehrreiche Tage in Paris.

ClimateJustice_2015_12_12_Paris_23Ein Gruß an alle Freunde der Hunsrücker Höhenwind Gesellschafter und Bertram Fleck: In einem Pariser Café habe ich einen tollen holländischen Aktivisten getroffen, der voller Begeisterung die Entwicklung im Hunsrück wahrgenommen hat. Eine Botschaft an alle die jetzt noch gegen die Windenergie kämpfen: Ja, es gibt Beeinträchtigungen, ja das Landschaftsbild ändert sich, ja es gibt Fehlplanungen. Aber ihr könnt euch überhaupt nicht vorstellen, mit wie vielen Hoffnungen Menschen aus aller Welt auf Deutschland schauen.

ClimateJustice_2015_12_12_Paris_24

Der Hunsrück exportiert erneuerbare Energie. Nachhaltig! Bitte macht mit, oder wenn ihr schon nicht mitmachen wollt, macht den Weg frei. Ihr wollt die Heimat erhalten wie sie ist – aber Zerstörungen währen die Folge, die unsichtbar für unsere Kameras und Reporter bei den ärmsten der Armen angefangen haben und auch uns erreichen werden.

Die Prinzen

Saudi-Arabien alimentiert 7000 (geldgierige?) Prinzen. Prinz al-Walid Bin Talil, seine Frau und seine Kinder wohnen in 320 Zimmern in einem sandfarbenen Palast, der mit italienischem Marmor ausgekleidet ist, mitten in Riad.

ClimateJustice_2015_12_12_Paris_30

Dazu kommen drei Hallen-Schwimmbäder, Tennisplätze, 250 Fernseher, ein Kinosaal und fünf Küchen, die 2000 Gäste auf einmal beköstigen können. In der Garage des Prinzen stehClimateJustice_2015_12_12_Paris_31en 200 Luxusautos, darunter Rolls-Royce, Ferrari und Lamborghini. Dieser Reichtum wird von Öl gespeist. Könnt ihr euch vorstellen, welcher Kampf es war die Zustimmung der Saudis zu bekommen? Könnt ihr euch vorstellen, wie bitter die neusten Abschätzungen der Klimaforscher sind, um selbst ein Kopfnicken zu bekommen, das Saudi Arabiens Geschäftsmodell völlig in Frage  stellt?

 

2050 „klimaneutral“

Die Koalition der „Ambitionierten“ hat sich in Paris durchgesetzt. Beschlossen wurde, dass die Menschheit ab 2050 „klimaneutral“ lebt. Ursprünglich sollte im Vertrag stehen, dass die Menschheit ab 2050 „Treibhausgas-frei“ lebt. Aber das scheiterte an den erdölproduzierenden Ländern. „Treibhausgas-frei“ hätte bedeutet, dass diese Länder bald kein Erdöl mehr fördern dürften. Der jetzige Beschluss besagt, dass die Treibhausgase, die nach 2050 noch entstehen, kompensiert werden müssen – etwa durch Aufforstung oder neue Technologien.

ClimateJustice_2015_12_12_Paris_34
Climate Justice! Now!ClimateJustice_2015_12_12_Paris_35

„Die Weltgemeinschaft hat verstanden, dass die Gefahren durch den Klimawandel viel größer sind als zuvor angenommen“, sagte Bill Hare, der Chef des Forschungsinstituts Climate Analytics. „Das Paris-Abkommen ist ein historischer Wendepunkt für die ganze Welt.“

ClimateJustice_2015_12_12_Paris_37
Die roten Linien werden gezogen: Clim Acts aus Australien

Ärmel aufkrempeln

„Wir sind extrem glücklich“, erklärte EU-Klimakommissar Miguel Arias Cañete. Die Schweizer Bundesrätin Doris Leuthard sagte: „Für die Schweiz war es wichtig, dass alle Verantwortung übernehmen und die Zweiteilung aufgehoben wird.“ Aber auch Südafrikas Umweltministerin Edna Molewa sieht einen „Wendepunkt zu einer besseren und sichereren Welt“. ClimateJustice_2015_12_12_Paris_36

Frankreichs Präsident François Hollande sagte sogar: „Wir haben heute die beste und friedlichste Revolution geschafft – eine Revolution für den Klimaschutz“. Und Bubu Pateh Jallow, einer der Chefunterhändler der ärmsten Staaten, sagte: „Der Vertrag ist eine wirklich gute Arbeitsbasis“.

ClimateJustice_2015_12_12_Paris_38

„Die Unterschrift ist nur der Anfang, jetzt geht es darum, ihn auch umzusetzen.“ Russlands Umweltminister Sergej Donskoj betonte: „Jetzt steht uns die Ratifikation bevor!“ Der hintere Teil der Vereinbarung nämlich, zwölf der 31 Seiten, muss zu nationalem Recht werden. Und das in jedem der 195 Mitgliedsländer, ein Prozess, der im Falle des Kyoto-Vertrages acht Jahre gedauert hat. Aber diesmal soll der Paris-Vertrag bereits ab 2020 gelten – in vier Jahren.

ClimateJustice_2015_12_12_Paris_39Dass dieses Ziel nun benannt wird, bedeutet: Die Weltgemeinschaft hat endlich realisiert, wie ernst die Warnungen sind, die die Klimaforscher aufgestellt haben. So weit, so gut, aber auch so unzulänglich. Denn diese Erkenntnis wird – zumindest noch – nicht ausreichend in konkretes Handeln umgesetzt.

ClimateJustice_2015_12_12_Paris_40

Fakt ist: Die Treibhausgas-Limits, die die Länder der Erde sich gegeben haben und die die Basis des Paris-Vertrags bilden, bringen die Welt nur auf einen Drei-Grad-Pfad – also auf einen Kurs, bei dem Elemente des Klimasystems destabilisiert würden, darunter der Grönland-Eisschild, die Permafrostböden und die Regenwälder. Höhere Ansprüche trauten sich die Architekten des Paris-Deals nach dem Kopenhagen-Debakel nicht mehr zu stellen.

Gewaltfrei und ohne Presse

ClimateJustice_2015_12_12_Paris_22
Tolle Tage in Paris, mit Wechselbädern der Gefühle

Tja Leute, wir haben uns das Demonstrationsrecht erkämpft. Entschieden und gewaltfrei. In der deutschen Presse habe ich noch kein Wort darüber gelesen. Über die Demo am Eifelturm wurde bischen berichtet. Aber die vorhergehende und aus meiner Sicht wichtigere in der Avenue de la Grande Armée vor dem Arc de Triomphe wurde fast ausschließlich über soziale Medien, wie diesen Blog transportiert.

ClimateJustice_2015_12_12_Paris_41

Sind wir mal milde, das Demonstrationsverbot hat natürlich dazu geführt, dass auch die Presse nicht über die Details der Planungen informiert war.

ClimateJustice_2015_12_12_Paris_21

ClimateJustice_2015_12_12_Paris_42
Ein Tourist aus China macht auch spontan mit. „Very big problems in China“
ClimateJustice_2015_12_12_Paris_43
und Mainz trifft auf Oppenheim (on the left side Esmathe Gandi, Président ATTAC Togo)

 

ClimateJustice_2015_12_12_Paris_44
und Mainz trifft auf Oppenheim
ClimateJustice_2015_12_12_Paris_45
zum Abschluss wird ergreifend mitreißend gesungen
_J4A0614_v2
Reinhard Sczech

Quellen

Klimaretter.Info

Skeptical Science

350.org   

Video von der Demo

DemocracyNOW

ARD Tagesschau COP21 live Blog

SonnenSeite

germanwatch

 

HeaderReflecta_3

Südafrika: Kunst mit psychisch Kranken

Seit 25 Jahren gibt das Fountain House in Kapstadt, Südafrika, psychisch Kranken und Behinderten eine Zuflucht. Ungefähr hundert Betroffene verbringen hier täglich ihre Zeit. Engagierte Betreuer versuchen sie wieder in die Gesellschaft und in ein „normales“ Leben zu integrieren. Hierbei stehen künstlerische Aktivitäten im Vordergrund; einmal im Jahr gibt es eine Art „Kunstevent“: Eine Kunstausstellung, die ausschließlich von Menschen mit psychischen Krankheiten erstellt wird. Es werden Bilder ausgestellt, sowie getöpferte oder aus Perlenhandwerk hergestellte Gegenstände.

Seit 2007 wird von der Sczech-Stiftung das jährliche Kunstevent finanziell unterstützt

MentalHealth2015_2

Für die ausstellenden Künstler ist dies meist die einzige Gelegenheit im Jahr zu zeigen, was sie können und ein wenig aus ihrem Schattendasein herauszutreten. Da die staatliche Pension von Menschen mit psychischen Krankheiten in Südafrika sehr, sehr gering ausfällt, ist alleine die Beschaffung der Materialien eine große Herausforderung für die Künstler. Zu diesem Event werden Geschäfte der Umgebung, Galerien und Menschen eingeMentalHealth2015_3laden, die das Fountain House unterstützen, um eine möglichst hohe Aussenwirkung zu erzielen. Die meisten Kunstwerke werden zum Verkauf angeboten.

 

——————————————————————————-

Post aus Südafrika

29 October 2015

Dear Reinhard

All of us at Fountain House, SA would like to take this opportunity to acknowledge, with much appreciation, your generous support and donation of funding for our Annual Art Exhibition. Your donation will greatly contribute to the event’s success!

Your social investment enables us to continue to pursue our goals of providing a service to people with intellectual and psychiatric disability. Also, your support means that those who suffer from being marginalised and stigmatised as a result of their condition, are supported and held within their community by our social workers and Volunteers, through programmes that are run.

The Arts provide a creative and stimulating outlet for individuals. The aesthetics allow for interpretation and inspiration to those who come and embrace the experience of our Arts and Craft Exhibition. Not to mention the support and self-confidence it gives our members who partake in the event.

More extensively, this event will help us raise awareness about intellectual and mental illness, as well as promote mental health. By educating those around us, we hope to reduce the incidences of prejudice of intellectual disability and mental illness and promote social inclusion.

Once again we would like to thank you and express our sincerest gratitude. We value your input as a partner committed to on-going social change.

 

Kind regards,

Zaida Frank

Psychosocial Rehabilitation Worker: Fountain House SA

MentalHealth2015_4

Verena Sczech im Kuratorium

VerenaSczech
Verena Sczech

Das Kuratorium der Sczech-Stiftung tagte am 20.9.2015 in Mainz. Verena Sczech wurde neu in das Kuratorium der Sczech-Stiftung als Nachfolgerin für ihren leider so früh verstorbenen Vater Martin Sczech aufgenommen.

Schwerpunkte der Sitzung waren die Haushaltsentwicklung in 2015 und Planung der Stiftungsaktivitäten. Es wurde beschlossen, wie schon in den vergangenen Jahren eine Kunstausstellung mit psychisch Kranken des Fountain House / Cape Mental Health in Südafrika zu unterstützen.  Ein Schwerpunkt der Cape Mental Health Organisation wird in der sehr armen „Western Cape“ Region Eden Karoo sein, wo bei einer sehr jungen Bevölkerung von fast 600 Tausend Menschen,  85% keine Krankenversicherung haben.

Weiterhin wurde beschlossen zu prüfen, wie noch in diesem Jahr kulturelle, künstlerische oder soziale Projekte mit Flüchtlingen gefördert werden können.

 

’Off the Wall’ Art & Craft Exhibition

centenarylogo

Fountain House (South Africa) hat einige Bilder der von der Sczech-Stiftung geförderten  „Annual Art and Craft Exhibition, ’Off The Wall’“ in der St. George’s Grammar School  in das Internet gestellt.

foutain2012