Generationenmanifest unterstützen

Unser Wachstumswahn droht die Erde für unsere Nachkommen unwirtlich zu machen, warnen 45 Persönlichkeiten und legen ein „Generationen-Manifest“ vor, um den kurzsichtigen politischen Debatten hierzulande etwas entgegenzusetzen. Es enthält zehn Forderungen für den Koalitionsvertrag.

Hans Joachim Schellnhuber ist genauso dabei wie Ernst Ulrich von WeizsäckerHannes Jaenicke oder Felix Finkbeiner: 45 Persönlichkeiten aus Wissenschaft, Kultur, Wirtschaft und öffentlichem Leben appellieren an die nächste Bundesregierung, sich den zehn größten Gefahren für die kommenden Generationen zu stellen. Es geht um Herausforderungen wie Krieg, Klimawandel, Armut, Hunger und Ungerechtigkeit.

Die Lage fassen die Initiatoren in einem Satz zusammen: „Unsere Leistungsgesellschaft mit ihrem Produktions- und Wachstumswahn ist dabei, die Erde für unsere Nachkommen unwirtlich und unbewohnbar zu machen.“ In Deutschland hätten die meisten Parteien aber nicht einmal einen Planungsmaßstab, der die Interessen der nächsten Generation angemessen berücksichtigen könne.

MainzJan2016In einem „Generationen-Manifest“ haben die 45 Aufrufer deshalb zehn Punkte aufgelistet, die die kommende Bundesregierung im Koalitionsvertrag unbedingt berücksichtigen soll. So heißt es zum Klimaschutz: „Wir fordern die Bundesregierung auf, den Einsatz fossiler Brennstoffe bis 2040 zu beenden sowie ein tragfähiges Konzept für CO2-Besteuerung beziehungsweise Emissionshandel vorzulegen.“ Weitere konkrete Forderungen betreffen Bildung, Migration, Digitalisierung, Müll und Unternehmenshaftung.

Das Generationen-Manifest ist die Fortschreibung eines ersten Manifests von 2013, das mehr als 105.000 Menschen unterzeichneten. Nach einer intensiven Diskussion mit Experten aller Altersstufen formulierte eine Gruppe um den Klimaforscher Schellnhuber, die Ökonomin Maja Göpel und andere vor einigen Wochen die Endfassung.

 

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Die Generationen-Initiative richtet den Blick auf Entscheidungen, die erst unsere Nachkommen betreffen – wie beim Klimaschutz.

 „Nicht länger so tun, als wäre nichts“

Die Initiatoren sehen ihr Manifest als Startschuss für einen langfristigen Dialog mit der Zivilgesellschaft. Generationengerechtigkeit soll wieder in den Mittelpunkt der gesellschaftlichen Debatte rücken. Die abschließende Forderung lautet, „Generationengerechtigkeit in das Grundgesetz aufzunehmen und so sicherzustellen, dass Haftungsforderungen im Namen zukünftiger Generationen eingeklagt werden können“.

Das Generationen-Manifest könne viel bewegen, „wenn wir aufhören so zu tun, als wäre nichts“, sagt Ko-Autorin Maja Göpel. Stattdessen sei jetzt die Zeit, „die Themen auf den Tisch legen und gemeinsam an der Welt arbeiten, die wir uns alle zusammen vorstellen“. Auch Schellnhuber sieht die Krise als Chance: „Wir können vermeiden, dass unsere Nachkommen schlechtere Lebenschancen haben als wir.“

Hier können Sie sich den Forderungen im Generationen-Manifest mit Ihrer Unterschrift anschließen.

Eine Petition auf Change.org fordert, die zehn Punkte in den Koalitionsvertrag aufzunehmen

Quelle: klimaretter.info

Brief an meine Bank wg. Donald Trump

Guten Tag sehr geehrte Damen und Herren Banker,

Sie haben mir eine Werbemail in mein Bank Postfach geschickt.

Überschrift: „Amtseinführung: Donald Trump bewegt die Märkte. Profitieren Sie von Kursbewegungen“

Ich finde das einfach widerlich und bin geschockt von Ihrem Versuch mit Donald Trump Umsatz zu generieren. Sie fordern mich auf „Nutzen Sie Ihre Renditechancen und viel Erfolg beim US-Handel!“

Nehmen Sie bitte zur Kenntnis: Ich finde Donald Trump unmoralisch und gefährlich. Es kommt für mich nicht in Betracht von den Auswirkungen der Politik dieses Menschen Profit zu schlagen. Außerdem ist Donald Trump sprunghaft und unberechenbar.
Wenn Sie Anlageempfehlungen auf Basis dieser Politik aussprechen, muss ich nicht nur an Ihrem Sachverstand zweifeln.

Gruß aus Mainz,
Reinhard SczechComdirectTrumpBankBoni

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Mitbringsel aus Paris

Alle Fotos zur freien Verwendung, 12.12.2015 Reinhard Sczech

Motivation und Erleichterung

Ich war drauf und dran zu verzweifeln. Kann die Menschheit denn wirklich so blöd sein? Jetzt bin ich wieder hoch motiviert. Das waren lehrreiche Tage in Paris.

ClimateJustice_2015_12_12_Paris_23Ein Gruß an alle Freunde der Hunsrücker Höhenwind Gesellschafter und Bertram Fleck: In einem Pariser Café habe ich einen tollen holländischen Aktivisten getroffen, der voller Begeisterung die Entwicklung im Hunsrück wahrgenommen hat. Eine Botschaft an alle die jetzt noch gegen die Windenergie kämpfen: Ja, es gibt Beeinträchtigungen, ja das Landschaftsbild ändert sich, ja es gibt Fehlplanungen. Aber ihr könnt euch überhaupt nicht vorstellen, mit wie vielen Hoffnungen Menschen aus aller Welt auf Deutschland schauen.

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Der Hunsrück exportiert erneuerbare Energie. Nachhaltig! Bitte macht mit, oder wenn ihr schon nicht mitmachen wollt, macht den Weg frei. Ihr wollt die Heimat erhalten wie sie ist – aber Zerstörungen währen die Folge, die unsichtbar für unsere Kameras und Reporter bei den ärmsten der Armen angefangen haben und auch uns erreichen werden.

Die Prinzen

Saudi-Arabien alimentiert 7000 (geldgierige?) Prinzen. Prinz al-Walid Bin Talil, seine Frau und seine Kinder wohnen in 320 Zimmern in einem sandfarbenen Palast, der mit italienischem Marmor ausgekleidet ist, mitten in Riad.

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Dazu kommen drei Hallen-Schwimmbäder, Tennisplätze, 250 Fernseher, ein Kinosaal und fünf Küchen, die 2000 Gäste auf einmal beköstigen können. In der Garage des Prinzen stehClimateJustice_2015_12_12_Paris_31en 200 Luxusautos, darunter Rolls-Royce, Ferrari und Lamborghini. Dieser Reichtum wird von Öl gespeist. Könnt ihr euch vorstellen, welcher Kampf es war die Zustimmung der Saudis zu bekommen? Könnt ihr euch vorstellen, wie bitter die neusten Abschätzungen der Klimaforscher sind, um selbst ein Kopfnicken zu bekommen, das Saudi Arabiens Geschäftsmodell völlig in Frage  stellt?

 

2050 „klimaneutral“

Die Koalition der „Ambitionierten“ hat sich in Paris durchgesetzt. Beschlossen wurde, dass die Menschheit ab 2050 „klimaneutral“ lebt. Ursprünglich sollte im Vertrag stehen, dass die Menschheit ab 2050 „Treibhausgas-frei“ lebt. Aber das scheiterte an den erdölproduzierenden Ländern. „Treibhausgas-frei“ hätte bedeutet, dass diese Länder bald kein Erdöl mehr fördern dürften. Der jetzige Beschluss besagt, dass die Treibhausgase, die nach 2050 noch entstehen, kompensiert werden müssen – etwa durch Aufforstung oder neue Technologien.

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Climate Justice! Now!ClimateJustice_2015_12_12_Paris_35

„Die Weltgemeinschaft hat verstanden, dass die Gefahren durch den Klimawandel viel größer sind als zuvor angenommen“, sagte Bill Hare, der Chef des Forschungsinstituts Climate Analytics. „Das Paris-Abkommen ist ein historischer Wendepunkt für die ganze Welt.“

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Die roten Linien werden gezogen: Clim Acts aus Australien

Ärmel aufkrempeln

„Wir sind extrem glücklich“, erklärte EU-Klimakommissar Miguel Arias Cañete. Die Schweizer Bundesrätin Doris Leuthard sagte: „Für die Schweiz war es wichtig, dass alle Verantwortung übernehmen und die Zweiteilung aufgehoben wird.“ Aber auch Südafrikas Umweltministerin Edna Molewa sieht einen „Wendepunkt zu einer besseren und sichereren Welt“. ClimateJustice_2015_12_12_Paris_36

Frankreichs Präsident François Hollande sagte sogar: „Wir haben heute die beste und friedlichste Revolution geschafft – eine Revolution für den Klimaschutz“. Und Bubu Pateh Jallow, einer der Chefunterhändler der ärmsten Staaten, sagte: „Der Vertrag ist eine wirklich gute Arbeitsbasis“.

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„Die Unterschrift ist nur der Anfang, jetzt geht es darum, ihn auch umzusetzen.“ Russlands Umweltminister Sergej Donskoj betonte: „Jetzt steht uns die Ratifikation bevor!“ Der hintere Teil der Vereinbarung nämlich, zwölf der 31 Seiten, muss zu nationalem Recht werden. Und das in jedem der 195 Mitgliedsländer, ein Prozess, der im Falle des Kyoto-Vertrages acht Jahre gedauert hat. Aber diesmal soll der Paris-Vertrag bereits ab 2020 gelten – in vier Jahren.

ClimateJustice_2015_12_12_Paris_39Dass dieses Ziel nun benannt wird, bedeutet: Die Weltgemeinschaft hat endlich realisiert, wie ernst die Warnungen sind, die die Klimaforscher aufgestellt haben. So weit, so gut, aber auch so unzulänglich. Denn diese Erkenntnis wird – zumindest noch – nicht ausreichend in konkretes Handeln umgesetzt.

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Fakt ist: Die Treibhausgas-Limits, die die Länder der Erde sich gegeben haben und die die Basis des Paris-Vertrags bilden, bringen die Welt nur auf einen Drei-Grad-Pfad – also auf einen Kurs, bei dem Elemente des Klimasystems destabilisiert würden, darunter der Grönland-Eisschild, die Permafrostböden und die Regenwälder. Höhere Ansprüche trauten sich die Architekten des Paris-Deals nach dem Kopenhagen-Debakel nicht mehr zu stellen.

Gewaltfrei und ohne Presse

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Tolle Tage in Paris, mit Wechselbädern der Gefühle

Tja Leute, wir haben uns das Demonstrationsrecht erkämpft. Entschieden und gewaltfrei. In der deutschen Presse habe ich noch kein Wort darüber gelesen. Über die Demo am Eifelturm wurde bischen berichtet. Aber die vorhergehende und aus meiner Sicht wichtigere in der Avenue de la Grande Armée vor dem Arc de Triomphe wurde fast ausschließlich über soziale Medien, wie diesen Blog transportiert.

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Sind wir mal milde, das Demonstrationsverbot hat natürlich dazu geführt, dass auch die Presse nicht über die Details der Planungen informiert war.

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Ein Tourist aus China macht auch spontan mit. „Very big problems in China“
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und Mainz trifft auf Oppenheim (on the left side Esmathe Gandi, Président ATTAC Togo)

 

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und Mainz trifft auf Oppenheim
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zum Abschluss wird ergreifend mitreißend gesungen

 

Quellen

Klimaretter.Info

Skeptical Science

350.org   

Video von der Demo

DemocracyNOW

ARD Tagesschau COP21 live Blog

SonnenSeite

germanwatch

Paris 2015 kann die Welt ändern

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Die Demonstranten sind entschlossen

Die politische Führung der Pariser Polizei hat die Situation richtig eingeschätzt. Die Demonstranten waren zwar nicht in riesengroßen Massen, aber dafür umso fester entschlossen ein Zeichen zu setzen.

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Es wurde klar gemacht, um 12 Uhr werden wir auf die Avenue de la Grande Armée strömen, den Verkehr stoppen und auf der breiten Prachtstraße vor dem Arc de Triomphe unsere roten Linien ziehen.

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1,5 Grad oder Chaos

Wir fordern Klimagerechtigkeit. Jetzt.

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Ami Goodman von Democracy Now interviewt ein Paar. Democracy Now hat eine fantastische Berichterstattung während des Gipfels gemacht.

Ich saß schon eine Stunde vorher am vereinbarten Treffpunkt unserer Gruppe im Café Victor Hugo. Schnell erkannte ich an den roten Utensilien wer wohl noch alles zu bereit ist, sich über das Demonstrationsverbot hinwegzusetzten.

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Wir brachen auf. In den Nebenstraßen viel Polizei, alle schwer bewaffnet aber entspannt. Wir wussten: diese Auseinandersetzung haben wir gewonnen. Auf der Avenue de la Grande Armée angekommen, war ich einfach nur überwältigt. Die Straße war uns.

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Die Straße gehört uns
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Vorne ringen Clowns den Polizisten ein lächeln ab.

 

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… jetzt bin ich etwas schlapp und trinke mal zur Feier des Tages einen guten Rotwein.

Blockade bei den Klimaverhandlungen in Paris

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Broschüren mit Gesundheitshinweisen und rechtlichen Infos werden verteilt

Ich bin völlig fasziniert mit welcher Entschlossenheit, Mut, sozialer Kompetenz und vor allen Dingen Phantasie und Intelligenz hier in kleinen Gruppen die Aktionen für morgen vorbereitet werden.

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An alle Aktivisten wird eine rote Blume verteilt

Ich habe aber auch Angst vor der französischen Polizei. Tipps wie „wickele dir Zeitungen ums Schienbein, da hauen die gerne drauf“ beunruhigen mich Schisser eher. Es wird eine Aktionsbereitschaft ermittelt. In die eine Ecke des Raumes gehen die, die sich zutrauen vorne mit dabei zu sein, in die zweite Ecke die, die mehr zuschauen. Dann können sich auch Kleinstgruppen auf dieser Raumachse dazwischen positionieren. Ich stehe im Raum, aber sehr nahe an Ecke zwo.

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Tag der Vorbereitungen, durchdacht und klasse organisiert

Was ist eine Demonstration?

Demonstrationen sind morgen in Paris strengstens verboten. Was ist eine Demonstration? Wenn mehr als zwei Menschen die gleiche politische Meinung kundtun. Deshalb werden wir alle nur zu zweit losschwärmen.

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Neben den roten Blumen wird es morgen viele rote Regenschirme, Jacken und Schals geben, um die symbolischen roten Linien zu ziehen.

Zum Abschluss der Klimaverhandlungen werden also Tausende von Menschen paarweise auf die Straßen ziehen, um das letzte Wort zu haben und um zu zeigen, dass wir unsere Zukunft selbst in die Hand nehmen. So schaffen wir die Voraussetzungen für weitere Aktionen im Jahr 2016.

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So soll es ablaufen: Gegen 11:45 Uhr treffen wir uns auf den Bürgersteigen entlang der Avenue de la Grande Armée zwischen der Place de Etoile und Porte Maillot. (nicht am Arc de Triomphe — dort werden Versammlungen sofort aufgelöst).

 

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Folgen den roten Pfeilen entlang der Straße, um zum Veranstaltungsort zu gelangen

12:00 Uhr sollen Signale eines Nebelhorns ertönen, dann schlendern wir paarweisen Fußgänger auf die Avenue de la Grande Armée bis es anfängt zu strömen. Dort den roten Schirmen und Pfeilen die uns leiten hinterher. Auf der Straße, so der Plan, Tausende roter Tulpen verteilen, riesigen Transparente entrollen und eine lange „rote Linie” bilden.

Wenn die Nebelhörner ein zweites Mal ertönen, heißt es zwei Minuten lang schweigend innehalten, bis Blaskapellen anfangen zu spielen. Danach legen wir unsere Blumen zum Gedenken an die Opfer des Klimawandels auf die Straße.

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Hochkonzentriert werden im Plenum Fragen gestellt und beantwortet
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Der Plan für morgen: Wie auch immer das Gipfeltreffen ausgehen mag, Folgendes gilt weiterhin: Es sind nicht Politiker*innen die Bewegungen anführen – sondern die Menschen.

Der Veranstaltungsort wurde bis jetzt geheim gehalten, damit  effektiv mobilisiert werden kann. Nachdem jetzt alle Details feststehen und noch 24 Stunden bleiben, ist es an der Zeit, dass die Öffentlichkeit über die Aktionen informiert wird.

Die Lösungen liegen auf der Hand: Wir müssen aufhören, fossile Brennstoffe zu fördern und zu verbrennen. Stattdessen, wo immer möglich, erneuerbare Energien ausbauen und Sorge tragen, dass die am schlimmsten vom Klimawandel betroffenen Regionen über die nötigen Ressourcen verfügen um der Krise zu begegnen. Dies könnte ein Wendepunkt sein – dafür kämpfen die Demonstranten in Paris.

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noch einige juristische Hinweise zum mitschreiben

ARD-Reporter Werner Eckert hat beim Klimagipfel eine Veranstaltung von Wissenschaftlern besucht, die Auswirkungen des künftigen Klimavertrags untersuchen. Hier sind seine Eindrücke: „Gefährlich bis tödlich nennt Professor Kevin Anderson vom „Tyndall Center for climate change“ den derzeitigen Verhandlungsstand. Fünf wissenschaftliche Institute sind sich einig: dass darin maximal 1,5 bis zwei Grad Erderwärmung als Ziel festgeschrieben werden, ist gut, aber für sich genommen nur eine Hausnummer. Alle konkreten Vorgaben für die Staaten sind bereits aus dem Entwurf gestrichen. Das ist alles vage und setzt keine klaren Signale, sagt Professor Johan Rockström von der Universität Stockholm. Er rechnet vor: Wenn nur die bereits eingereichten, freiwilligen Selbstverpflichtungen der Länder umgesetzt werden, dann führt das die Welt auf mehr als drei Grad zu. Und da es bis 2030 auch keine Verbesserungen geben muss, wird bis dahin so viel Co2 ausgestoßen, dass damit auch die Chance vertan ist, jemals unter zwei Grad zu bleiben.

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Die Zukunft des Kindes dass dieses Bild zum Klimagipfel gemalt hat, steht auf der Kippe. Bitte auf das Bild doppelt klicken um es zu vergrößern.

Ungenügend nennt auch Professor Hans Joachim Schellnhuber vom Potsdam Institut für Klimafolgenforschung die konkreten Vorgaben für den Klimaschutz. Er vertritt allerdings die Auffassung, dass die Atmosphäre vorübergehend mehr CO2 vertragen würde, wenn man es anschließend – durch Aufforstung zum Beispiel – wieder herausholt. 1,5 Grad erscheinen nach Angaben der Wissenschaftler unrealistisch. Dazu müsste der Kohle-, Öl- und Gasverbrauch der gesamten Welt schon 2020 seinen Höhepunkt erreichen und danach stark sinken, spätesten 2050 „0“ sein. Die Wissenschaftler sind auch enttäuscht davon, dass von „Dekarbonisierung“, also vom Abschied von fossilen Brennstoffen, nicht mehr die Rede ist. Stattdessen ist nun von „Treibhausgas-Neutralität“ die Rede. Das unterstellt nämlich, dass Wälder und Ozeane CO2 aufnehmen. Steffen Kallbekken von der Universität Oslo nennt das riskant. Bislang speichere der Ozean nämlich 55 Prozent der Treibhausgase. Aber erstens wird er dadurch immer saurer und zweitens werde das nicht unbeschränkt weiter so gehen.“

 

 

Climate Action Zone ZAC

Fotos: Reinhard Sczech, 10.12.2015

Wie bei allen meinen Reisen: etwas abgehetzt und vermutlich was Wichtiges vergessen, Einstieg in den IC, Mainz Hauptbahnhof Richtung Mannheim, von dort mit dem französischen TGV weiter. In Schnellzugsteige n in Saarbrücken fünf fett bewaffnete französische Polizisten ein. Sofort Unruhe, kurz darauf Schreie und Sc20151210_solutions_3himpfen. Dann Ruhe. Auf dem Sitz links vor mir, schläft ein junger Mann. Ich wundere mich, warum er trotz dem Lärm nicht einmal den Kopf hebt. Dann kommen drei Beamte zu uns. Sehen mich kurz an, rütteln an dem jungen Mann: „Passport?“. Der etwa 19-jährige schüttelt den Kopf. „Nationality?“ „Afghanistan“. Routiniert zieht einer den Jungen aus dem Sitz, mit traurigem Gesicht und stumm lässt er es geschehen, alle verschwinden im nächsten Wagen. Eine Frau schimpft auf französisch. Zwei Minuten später „außerplanmäßiger Halt in Forebach“. Die Polizisten und sechs junge Männer verlassen den Zug. Die verbleibenden schauen sich betroffen an.
So verlaufen die ersten Stunden meiner Reise zum Klimagipfel nach Paris. Wir fahren gerade 311 Kilometer pro Stunde.

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Solutions COP21

Nachmittags besuche ich das offizielle Rahmenprogramm für den Weltklimagipfel: „Solutions COP21“ im Grand Palais. Wegen Kontrollen wie am Frankfurter Flughafen eine Stunde Wartezeit, obwohl nicht besonders viel los ist. Das Programm finde ich großenteils enttäuschend. 20151210_solutions_2Einige Firmen sind echt bemüht, aber beispielsweise bei Coca Cola werde ich reflexartig misstrauisch. Von einem Schweizer Forscher der „Horizon Social Media Analytics“ nehme ich am meisten mit. Darüber werde ich einen eigenen Beitrag schreiben.

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Viele Kameras, viele Reden, wenig Publikum bei den Solutions COP21
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Bei der Rheinland-Pfalz Ausstellung in Mainz war deutlich mehr los als bei den Lösungen für die Weltrettung in Paris 2015
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Ein spannendes Gespräch, wie man die Stimmungen in den Social Media analysiert
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In der ZAC war nun aber richtig was los

Climate Action Zone (ZAC)

In der ZAC sollte eigentlich von den Umweltgruppen die gr20151210_ZAC_6oße Klimaschutzdemonstration am Ende des Klimagipfels vorbereitet werden. Bündnisse aller Schattierungen rund um den Globus hatten ihre Mitarbeit angekündigt. Dann kamen die Terroranschläge am 13. November wie eine Seuche über Paris. Vollständiges Demonstrationsverbot.

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Überwiegend junge Menschen interessiert die Rettung der Zivilisation, die anderen kämpfen mit den Alltagsproblemen

Als Alternative werden nun fantasievolle, gut organisierte, gewaltfreie aber entschiedene Aktionen geplant. Als ich ins ZAC komme, ist die Plenumshalle rappelvoll. Es wird diskutiert was zu tun ist und wie die Lage politisch einzuordnen ist. Im Plenum sitzt auch Naomi Klein. Die anderen kenne ich nicht, viele der Redebeiträge sind in französisch. Sprachbegabung hat man mir leider nicht mit in die Wiege gelegt.

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Diese Menschen zu erleben…. ich bin froh, doch nach Paris gefahren zu sein

Naomi Klein räumt freimütig ein, dass auch sie erst vor 10 Jahren die volle Brisanz des Klimawandels begriffen hat.

Klick gemacht

Wenn ich tief in mich gehe, muss ich gestehen bei mir sind es weniger als fünf Jahre her bis es „klick“ machte. Was eigentlich schon beschämend ist, da ich als Ingenieur sowohl mit Regelkreisen wie auch Statistik und nichtlinearen Simulationsverfahren reichlich Erfahrung sammeln durfte. Aber trotz vielfältiger Literatur hat mein Gehirn sich einfach geweigert die bittere Wahrheit voll zu realisieren. Wie auch. Da liest du eine alptraumhafte Analyse, die menschliche Zivilisation ist dabei sich auszulöschen, das sechste große Massensterben auf dem Planeten hat begonnen, du schaltest den Fernseher an, „und nun die Lottozahlen“.

Sicher, ich war schon viele Jahre vorher umweltbewusst, habe in Windenergie investiert (und damit sehr gut verdient), Müll getrennt, dicke Autos vermieden, Greenpeace unterstützt, die Grünen (oft sehr zähneknirschend) gewählt und nur Ökostrom durch die Steckdosen gejagt. Aber begriffen hatte ich es nicht wirklich.
Jetzt bin ich in Paris, um die Luft um den Weltklimagipfel einzuatmen und ein Gefühl dafür zu bekommen: Wie groß sind die Chancen der Menschheit die Kurve zu bekommen?
Es muss zweifellos eine sehr scharfe Kurve sein, eine Revolution. Die Zeit zum herumzackern haben wir nun wirklich nicht mehr.

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Etwas wehmütig kommt mir der Eiffelturm vor

Die Zukunft schmilzt

Ich habe gerade des Buch von Nick Reimer „Schlusskonferenz – Geschichte und Zukunft der Klimadiplomatie“  gelesen.  Franz Alt schreibt dazu auf seiner SONNENSEITE:

Summa Summarum: Dieses „Schluss-Konferenz“ -Buch „packt“ einen! Jeder, der sich wirklich für den Klimaschutz engagiert, sollte es unbedingt lesen! Es ist eines der, nein DAS spannendste Sachbuch, das der Rezensent je gelesen hat!“

Hier folgt ein Beitrag von Nick Reimer, erschienen im FREITAG, Ausgabe 30/15.

Erderwärmung Die Daten sind eindeutig. Bald könnte der Punkt erreicht sein, an dem der Klimawandel unumkehrbar wird. Doch die internationale Politik findet bisher keine Antwort

Der 9. Mai 2013 war ein gewöhnlicher Donnerstag. Der ADAC und die Post gaben den Start ihrer ersten Fernbuslinie von München nach Köln bekannt, der Aufsichtsrat des zukünftigen Hauptstadtflughafens BER verlangte „endlich ein realisierbares Eröffnungskonzept“. Kanada besiegte Schweden im Eishockey.

Ein ziemlich normaler Tag also. Und doch wird dieser Donnerstag in die Geschichte eingehen. Zum ersten Mal nämlich haben die Wissenschaftler der Forschungseinrichtung Mauna Loa auf Hawaii in der Luft eine Treibhausgaskonzentration von 400 pro Million Teile gemessen. „Was wir heute sehen, ist zu 100 Prozent von Menschen verursacht“, erklärte Pieter Tans von der US-Behörde für die Ozeane und die Atmosphäre, NOAA. So hoch wie an diesem 9. Mai sei die Treibhausgasbelastung der Atmosphäre zuletzt vor zwei Millionen Jahren gewesen.

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Die Bedingungen für atmosphärische Untersuchungen sind ideal auf dem 4.170 Meter hohen Vulkan Mauna Loa, die Höhenluft unterliegt kaum lokalen oder von Menschen verursachten Einflüssen – die nächsten Industrieschlote sind tausende Kilometer weit weg. Seit Beginn der Messreihe 1958 hat sich an der Ausrüstung und den Messmethoden nichts wesentlich verändert, die Wissenschaftler um Pieter Tans nehmen vier Proben pro Stunde. 1958 waren darin 315 Teile Kohlendioxid pro Million Teile Luft enthalten, 1970 waren es 324 „parts per million“, abgekürzt ppm.

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NOAA CO2 Oktober 2015

Als die Staatschefs der Welt 1992 auf dem Gipfel von Rio de Janeiro die Klimarahmenkonvention beschlossen, registrierten die Wissenschaftler bereits 354 ppm. Man wolle „gefährliche Störungen“ des Klimasystems der Erde vermeiden, heißt es in der Konvention. Seit 20 Jahren treffen sich jährlich die 195 Staaten, die unterschrieben haben, zur Vertragsstaatenkonferenz COP. Doch statt der klimatischen Entwicklung Einhalt zu gebieten, steigt Jahr für Jahr die Treibhausgaskonzentration in der Atmosphäre weiter an. In diesem Frühjahr registrierten erstmals alle Messstationen dieser Welt Werte oberhalb von 400 ppm.

Kipp-Elemente

Die Wissenschaft hat ziemlich genau berechnet, ab welchem Punkt „gefährliche Störungen“ eintreten werden. Jenseits von einer Konzentration von 450 ppm wird die globale Oberflächentemperatur um zwei Grad im Durchschnitt steigen – ein Punkt, ab dem sich die Erderwärmung aller Voraussicht nach verselbstständigen wird. Die Forschung hat sogenannte Kipp-Elemente ausgemacht, die Permafrostböden zum Beispiel. Unter der dauergefrorenen Erde Sibiriens und Nordamerikas sind Abermilliarden Kubikmeter Methan eingesperrt. Wenn es austritt, heizt es den Klimawandel zusätzlich an. Der Effekt ist bei Methan 21 Mal so stark wie bei Kohlendioxid.

Tipping Point

An den Polen verläuft die Erderwärmung deutlich stärker als am Äquator, eine um zwei Grad gestiegene Globaltemperatur bedeutet dort fünf bis sechs Grad mehr. Deshalb ist dort ein zweiter Kipp-Punkt zu befürchten. Durch die Erwärmung schmelzen die „schwimmenden Spiegel“, das Eis auf dem Nordpol. Die unbedeckte Wasseroberfläche reflektiert aber die Sonnenenergie nicht mehr, das dunkle Meerwasser schluckt die Energie, speichert sie und beschleunigt so die Erderwärmung weiter. Mehr als zehn solcher Kipp-Elemente hat die Wissenschaft lokalisiert.

Die Klimadiplomaten haben auf ihrer Vertragsstaatenkonferenz im Jahr 2010 deshalb das Zwei-Grad-Ziel beschlossen. Dazu müssen die Emissionen spätestens 2020 jährlich sinken. 2050 sollen die Emissionen dann 80 Prozent unter dem Niveau von 1990 liegen und in der zweiten Hälfte des Jahrhunderts muss die Wirtschaft praktisch ohne fossile Rohstoffe auskommen.

Deshalb – das ist Beschlusslage der Weltklimadiplomatie – sollen ab 2020 alle Staaten Klimaschutz betreiben. Das wird nur mit einem neuen Weltklimavertrag gehen: Im bestehenden Regime, dem Kyoto-Protokoll von 1997, müssen nämlich nur die Industriestaaten ihre Emissionen reduzieren. Sie sind für 80 Prozent aller Treibhausgase verantwortlich, weshalb sie sich im Kyoto-Protokoll verpflichteten, ihre Emissionen bis 2012 um 5,2 Prozent unter das Niveau von 1990 zu senken. Allerdings haben die USA als ehemals größter Kohlendioxid-Produzent das Protokoll nie in nationales Recht umgesetzt. China ist heute zum größten CO2-Verursacher aufgestiegen, Schwellenländer wie Brasilien, Indien, Saudi-Arabien oder Südkorea in die Top Ten der größten Klimasünder aufgerückt. Auch auf diese Veränderungen muss die Klimapolitik reagieren.

Klimabotschaft
Betrifft mich nicht, die Welt geht sowieso unter, Fleisch schmeckt und fliegen ist schön, die können sich doch irren, und ich?

Seit Jahren wird nun um einen neuen Vertrag verhandelt, im Dezember findet der nächste große Klimagipfel in Paris statt. Er soll endlich eine Einigung bringen. Zugleich ist Paris aber auch die letzte Chance der Klimadiplomatie. Sollten die Staatsvertreter tatsächlich einen neuen Weltklima-Vertrag beschließen, blieben lediglich vier Jahre Zeit, um diesen zu ratifizieren, ihn also in nationales Recht umzusetzen. Beispielsweise muss der Deutsche Bundestag ein „Gesetz zur Ratifizierung des Paris-Protokolls“ beschließen. Der Bundesrat muss am Verfahren beteiligt werden. Die Erfahrung zeigt, dass dieser Prozess zeitraubend ist: Beim Kyoto-Protokoll dauerte es acht Jahre, bis genug Staaten an Bord waren und der Vertrag gültig wurde.

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Wie schwierig internationaler Klimaschutz ist, verdeutlichen die nackten Zahlen: In der Erdkruste sind insgesamt noch 12.000 Gigatonnen fossiler Kohlenstoff vorhanden – genug, um die globale Oberflächentemperatur auf über 50 Grad anzuheizen. Immer tiefer dringen die Ölkonzerne in die schmelzende Arktis vor, um den Schmierstoff des Kapitalismus zu fördern, immer tiefer werden Bohrungen in den Meeresboden gerammt, immer euphorischer werden neue Technologien wie das Fracking propagiert. Soll der globale Temperaturanstieg aber auf zwei Grad begrenzt werden, müssen 11.770 Gigatonnen dieses Kohlenstoffvorrats in der Erde bleiben. Verbrannt, also zu Treibhausgasen umgewandelt werden dürfen lediglich noch 230 Gigatonnen.

Die fossilen Konzerne sind die wirtschaftlich potentesten der Welt. In Russland, Saudi-Arabien, Angola oder Venezuela sind sie Staatskonzerne. Regierungsamtlich auf die Förderung von Öl und Gas zu verzichten, käme da faktisch einer selbstorganisierten Staatskrise gleich. Nicht von ungefähr kommen die größten Bremser des Prozesses aus diesen Staaten. Gesellschaften, die wie die USA, Katar, Australien oder Kanada ihren Reichtum auf das Fördern von fossilen Brennstoffen gründen, haben ebenfalls kein Interesse an einem Rückgang. Und warum sollte Wladimir Putin den Kohlenstoff in der Erdkruste belassen, wenn dies nicht einmal die deutschen Sozialdemokraten bei der Brandenburger Braunkohle in Betracht ziehen?

Es geht in der Klimadiplomatie aber längst nicht mehr nur um Treibhausgase: Beschlusslage ist ebenfalls, dass die Industriestaaten ab 2020 jährlich 100 Milliarden US-Dollar in den globalen Süden transferieren. Denn dort sind die Folgen de2015-05-29_SilentClimateParadeMainz_3r Erderwärmung bereits heute zu spüren. Stürme, Dürren und Überschwemmungen nehmen zu. Den Ländern fehlt aber oft das Geld, sich daran anzupassen. Für die Jahre bis 2020 stellten die Industriestaaten jeweils 2,5 Milliarden zur Verfügung, woher die fehlenden 97,5 Milliarden kommen sollen, ist derzeit völlig unklar. „Wir verhandeln über ein Umweltabkommen. Finanztitel werden nicht in Umweltabkommen festgeschrieben, sondern in den dafür vorgesehenen Foren und Mechanismen“, sagte der Schweizer Verhandlungsführer Franz Perrez. Finanzfragen würden von den Finanzministern und den Parlamenten entschieden – und zwar innerhalb der jährlichen Haushaltsberatungen. Nur was sind die Absichtserklärungen dann überhaupt wert?

 

Ökodiktatur vs. Ökokratie

Auf dem Spiel steht aber noch mehr als nur die Stabilisierung des Weltklimas. Die Klimakonferenz COP 21 wird in Paris auch darüber entscheiden, ob die Vereinten Nationen in der Lage sind, Menschheitsprobleme des 21. Jahrhunderts zu lösen. Keine andere multilaterale Organisation hat sich demokratische Prinzipien in dem Maße zu eigen gemacht wie die UNO. Jeder Staat hat eine Stimme, beschlossen werden kann gemäß UN-Statuten nur, was alle Staaten mittragen.

Sogar die Diktatoren dieser Welt haben sich bei der Klimadiplomatie auf diese Prinzipien eingelassen. Zudem hat jede Interessengruppe Zugang zu den Verhandlungen, Greenpeace genau so wie Indigenen-Vertreter, die Weltbank, Wirtschaftslobbyisten oder Frauenrechtlerinnen. Kein anderer Prozess in der Menschheitsgeschichte ist über zwei Jahrzehnte je transparenter verlaufen als die Klimadiplomatie unter dem Dach der UNO.

Ein neuerliches Scheitern der Klimadiplomaten würde zeigen, dass die Rivalität der Staaten um den Lagerplatz in der Atmosphäre nicht gemeinschaftlich zu lösen ist. Hans Joachim Schellnhuber, Chef des Potsdam-Instituts für Klimafolgenforschung, hatte bereits vor dem Klimagipfel in Kopenhagen gewarnt, wenn die Treibhausgasemissionen nicht schnell verringert würden, sei Klimaschutz nur noch „im Rahmen einer Kriegswirtschaft zu leisten“. Die Klimadiplomaten verhandeln darüber, ob die Kriegserklärung noch vermeidbar ist.

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Seit zehn Jahren diskutieren die Klimadiplomaten über das neue Abkommen, im Fall eines Scheiterns wird das System der Klimagipfel jede Legitimität verlieren. Die UNO wäre als Anlaufort für Menschheitsfragen schwer angeschlagen. In Paris haben die Klimadiplomaten zum letzten Mal die Chance, zu beweisen, dass demokratische Prozesse und Strukturen am besten für die Entfaltung der menschlichen Spezies sind.

Scheitern die Diplomaten, kommt das, was am Ende einer jeden Epoche auf die Spezies zukam: Verteilungskämpfe, Überlebenskämpfe, kriegerische Auseinandersetzungen oder womöglich auch ein neuer Weltkrieg. Der Schriftsteller Dirk Fleck, von der taz einst als „Erfinder des Ökothrillers“ geadelt, entwarf in seinem Roman GO! Die Ökodiktatur von 1993 eine Welt im Jahr 2040, nach dem klimatischen Kollaps. Zur Linderung herrschen „Ökoräte“, die den Menschen den Speiseplan vegetarisch verordnen, Geld und Reisen abschaffen, Arbeitsdienste für das Überleben vorschreiben und Neubauten verbieten. Es ist eine Dystopie, die Hardcore-Variante einer möglichen Zukunft nach dem Kollaps.

Die andere Variante lieferte der Journalist und Autor Bernhard Pötter mit seinem Fragebuch: Ausweg Ökodiktatur? Pötter versucht der Diktatoren-Prophezeihung etwas entgegenzusetzen, er nennt es Ökokratie: „Die Ökokratie ist keine Ökodiktatur, die die individuellen Rechte grundsätzlich abschafft und alle Lebensbereiche autoritär gestaltet. Die Ökokratie fordert Beschränkungen, um die Freiheit zu erhalten. Denn die Freiheit in unserer Zeit ist nicht nur die Freiheit der Andersdenkenden. Heute ist sie auch die Freiheit der anderswo Lebenden und der Nachgeborenen.“

Nick Reimer ist Chefredakteur von klimaretter.info und Autor von Schlusskonferenz. Geschichte und Zukunft der Klimadiplomatie (Oekom)

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Was wenn das alles nur ein Scherz ist und wir bauen eine besser Welt für nix?

Science: Hilfe, es reicht bei weitem nicht

Quelle:Siencemag.org

Die internationale Staatengemeinschaft haben Verpflichtungen zur Reduzierung der Treibhausgase abgegeben. Viel zu wenig. Mit diesen schon sehr wackeligen Zusagen würde wahrscheinlich die globalen Durchschnittstemperaturen bis zum Jahr 2100 um 3,5 ° C steigen. Diese Modellierungsergebnisse wurden aktuell in Science veröffentlicht. Das ist weit mehr als die 2 ° C die von vielen politischen Entscheidungsträgern und Forschern als höchster Grenzwert nach gerade so verkraftbar angesehen werden.

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Die Analyse, ca. 2 Monate vor dem Treffen der Vereinten Nationen zu Verhandlungen für ein globales Klimaabkommen in Paris veröffentlicht, konzentriert sich auf die Emissionswerte, die die Staaten bisher zugesagt haben. Sie werden offiziell INDCs [intended nationally determined contributions] genannt. Bisher haben etwa 72 Staaten die für rund 65% der weltweiten Emissionen verantwortlich sind, INDCs eingereicht (mehr als 190 Nationen sollen sich beteiligen.) Größere Emittenten , die noch nicht abgegeben haben, sind Indien, Iran, Indonesien, Saudi-Arabien, Südafrika, Thailand, Türkei, Ukraine und Pakistan.

Mehr Infos auch bei  http://climateactiontracker.org/. Dort werden die INDCs mit Kriterien aus vielen unterschiedlichen Studien abgeglichen.

Umwelt und Ersparnisse retten, jetzt!

Stiftungen, die ihr Geld langfristig sicher anlegen müssen, haben in großem Umfang weltweit angefangen ihre Vermögen umzuschichten. Warum?

Die Kohlenstoffblase wird platzen

Die Kohlenstoffblase (Carbon Bubble), beschreibt eine mögliche Blase an den Finanzmärkten. Die Anleger pumpen ihr Geld in Energiekonzerne, weil sie glauben, dass deren fossile Reserven sich in Zukunft zu Geld machen lassen. Dadurch steigen die Aktienkurse, was noch mehr Anleger animiert, in diese Unternehmen zu investieren. Dadurch wird die Blase weiter befeuert. Dass die Reserven angesichts der weltweiten Klimaziele gar nicht alle verbrannt werden können, ist den Anlegern entweder nicht klar oder sie spekulieren darauf, dass sie selbst aussteigen, bevor die Kurse sinken. Die Blase beruht also auf falschen Erwartungen der Anleger sowie auf ihrer Selbstüberschätzung. Sobald Zweifel an derwem tatsächlichen Wert der Reserven überhand nehmen, kann es an den Märkten zu plötzlicher Panik kommen. Die Investoren würden ihr Geld dann abziehen und die Blase platzen.

Der Rhein-Hunsrück-Kreis und viele Kommunen in NRW können ein Lied davon singen. Ihre Vermögen in Form von RWE Aktien sind dramatisch gefallen. RWE ist die deutsche Firma mit dem größten „Carbon Bubble“ Anteil.

 

Reinhard Bütikofer, Mitglied im Europäischen Parlament für die Grünen, hat die Zusammenhänge in einer Grafik aufbereitet:

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Was für ein Talent, toll!

Xiuhtezcatl Martinez: Wie ein 15-jähriger „Anti-Bieber“ gegen den Klimawandel kämpft

Rolling Stone, August 2015

Es geht Xiuhtezcatl Martinez um nichts Geringeres, als die Welt zu retten. Kürzlich sprach der 15-jährige bei einer U.N.-Versammlung neben Leuten wie Ban Ki-moon vor Vertretern aus über 200 Ländern.

Seine Stimme klang aufrüttelnd, kämpferisch:  „Ich stehe hier vor euch als Repräsentant einer ganzen Generation! Die Jugend dieser Welt sucht nach Lösungen. Wir werden auf die Straße gehen und die Gerichte fluten“ rief er. „Wir müssen jetzt etwas unternehmen. Wir sind alle Eingeborene dieses Planeten“.

„Eco-Rapper“ und „Anti-Justin-Bieber“

Martinez, ein 15-Jähriger „Eco-Rapper“ mit aztekischen Wurzeln, ist das Gesicht einer neuen Generation von Klimaschützern. Mit der Organisation „Earth Guardians“ will er ein altes Gesetz ausnutzen, um die politischen Führer zur Verantwortung zu ziehen.

Wir trafen den Idealisten, der drei Sprachen spricht (spanisch, englisch und Nahuatl) und wegen seiner Jugend und seinem selbstlosen Engagement auch „Anti-Justin-Bieber“ genannt wird, zum Interview.

Du hast darüber gesprochen, dass sich das menschliche Bewusstsein wandeln muss, wenn wir etwas gegen den Klimawandel tun wollen. Was meintest du damit?

Wir müssen nicht komplett auf fossile Energiequellen verzichten oder in die Wälder ziehen. Darum geht es nicht. Es ist wichtig, das wir verstehen, dass wir auf zerstörerische Art mit unserer Umwelt interagieren. Wir betrachten die Erde als etwas, das wir ausschöpfen können und wir machen weiter, bis der letzte Wald abgeholzt und der letzte Fisch gefischt ist. Wir bringen das Problem nicht richtig mit der Ursache zusammen. Wir haben diese Katastrophe geschaffen. Diese Verbindung herzustellen ist für viele schwer, weil sie eine neue Weltsicht verlangt. Das ist eine größere Herausforderung, als Menschen davon zu überzeugen, auf andere Glühbirnen umzusteigen.

Du sprichst in diesem Zusammenhang immer wieder über deine aztekischen Wurzeln und die Traditionen, die dein Vater an dich weitergegeben hat. Kannst du uns mehr davon erzählen?

Meine Familie, Nachfahren der Azteken in Mexiko City, teilen viele Ideen und Glaubensmuster mit eingeborenen Völkern auf der ganzen Welt: ein Gefühl für das Wohl des Planeten und den Glauben, dass die Dinge um uns ein Geschenk sind. Das es nicht einen Gott gibt, aber alles um uns beseelt ist. Sobald ich laufen konnte, lernte ich die traditionellen Tänze und ich lernte die Sprache Nahuatl. Man vermittelte mir eine wunderschöne, magische Verbindung zur Welt. Ich sah die Berge, Wälder und Flüsse von Colorado und betrachtete sie als mein Zuhause. Ich begriff, dass ich sie beschützen muss, egal, was es kostet. Und so begann ich, mich zu engagieren.

Deine Mutter, Tamara Roske, hat die Gruppe „Earth Guardians“ 1992 auf Hawaii gegründet. War es abzusehen, dass du ein Umwelt-Aktivist werden würdest?

Meine Mutter ist eine Kriegerin, sie hat Kraft und Leidenschaft. Ich beneide ihre Fähigkeit, alles beiseite zu lassen und für die Dinge zu kämpfen, die wirklich wichtig sind.  Die meisten anderen Kinder hatten nicht, was ich habe. Nicht die Eltern, die Gemeinschaft und die Unterstützung. Ich habe so viele wichtige Lektionen von meiner Mutter gelernt. Wir sind für unser Glück verantwortlich, und wahres Glück ist, alles zu akzeptieren was passiert, egal ob gut oder schlecht. Ich glaube nicht, dass das vielen Kindern beigebracht wird.

 

Es gibt eine Denkschule, die besagt, dass unsere Art von Kapitalismus die Ursache der globalen Erwärmung sei.

Wir haben diese Weltsicht vererbt bekommen: erobere die Erde, erkläre sie zu deinem Besitz, mache dich zu ihrem Herrscher. Ich glaube nicht, dass der Planet uns gerade als Teil von sich wahrnimmt. Wir, die wir Wälder abholzen und Berge sprengen, um an die Kohle im Inneren zu gelangen. Wir zerstören das einzige Zuhause, das wir haben.

Ihr benutzt die „public trust doctrine“ um vor Gericht gegen den Klimawandel zu kämpfen. Wie funktioniert das?

Die „public trust doctrine“ ist ein Rechtsgrundsatz, der vor langer Zeit verfasst wurde und in vielen US-Staaten gilt. Er besagt, dass wir unsere natürlichen Ressourcen, – Luft, Wasser, den Boden, – für zukünftige Generationen schützen müssen und es in der Verantwortung der Führer liegt, das zu garantieren. Dazu gehört auch der Klimaschutz, der alle betrifft. Wir haben Jugendorganisationen in allen 50 Staaten, die Klage gegen ihre Landesregierungen eingereicht haben. In New Mexico und Washington gab es erste Erfolge. Derzeit arbeiten wir an Möglichkeiten, unser Projekt global auszuweiten.

Zusammen mit deinem Bruder Itzcuauhtli machst du auch Musik. Die Klimarahmenkonvention der Vereinten Nationen wählte euren Song „Speak for the Trees“ als Hymne für die UN-Klimakonferenz in Paris 2015 aus.

Musik ist ein bestimmender Teil meiner Persönlichkeit. „Speak for the Trees“ stammt von unserem neuen Album, „Generation RYSE“. Wir haben viele Wochen im Studio verbracht.

Was für Musik hörst du privat?

Ich liebe Michael Franti, besonders seine älteren Alben mit Spearhead, die waren radikal und poetisch. Unglaublich inspirierend. Ansonsten mag ich Tupac, Ludacris, Jurassic 5, Common, aber auch EDM und Trap.

Integrierst du traditionelle aztekische Tänze in deine Live-Auftritte?

Nein, diese Tänze sind zu zeremoniell, sie eignen sich nicht zur Unterhaltung.

 

Dazu passt diese Meldung:

Unglaubliche Hitze im Iran, könnte ich da noch leben?

Im Süden Irans am Persischen Golf wurde Ende Juli 2015 ein Hitzerekord gebrochen. Der Hitze-Index, auch bekannt als die gefühlte Temperatur, betrug in der Stadt Bandar-e Mahschahr knapp 73 Grad Celsius, wie der Wetterdienst accuweather.com berichtete.
Dies soll die höchste jemals auf der Welt gemessene Temperatur gewesen sein.Der Hitzeindex setzt sich unter anderem aus der gemessenen Lufttemperatur von 68 Grad Celsius sowie der relativen Luftfeuchtigkeit zusammen.

Fast während des gesamten Monats Juli lag der Nahe Osten unter einem starkten Hochdruckgebiet. Die Wassertemperatur im Persischen Golf lag bei über 30 Grad.

In Bagdad erreichte die Temperatur mit 51 Grad einen Höchststand. Die jordanische Hauptstadt Amman wurde durch einen gewaltigen Sandsturm förmlich verschluckt. Dadurch konnten mehrere ankommende Flugzeuge nicht landen und mussten umgeleitet werden.