Buchtipp: Die Menschheit schafft sich ab

Ausbeutung der Bodenschätze, Verschmutzung der Weltmeere, Verpestung der Lufthülle, Klimaerwärmung: Wir Menschen zerstören unseren Planeten Erde mit großer Geschwindigkeit. Astrophysiker Harald Lesch, bekannt durch seine Wissenschafts-TV-Sendungen, zieht in seinem aktuellen Buch Bilanz und fragt: Schaffen wir uns allmählich selbst ab, wenn wir so weiter machen?

Seit 4,5 Milliarden Jahren zieht die Erde ungestört ihre Bahn. Das Leben gesellte sich viel später dazu. Erst seit rund 160.000 Jahren erschien der aufrecht gehende Homo sapiens, der Mensch, auf der Erdoberfläche. Mit Ackerbau und Viehzucht, Rohdungen und Bewässerungssystemen griff er immer radikaler in die Natur ein, vermehrte sich rasant und besiedelte entlegenste Gebiete. Seit einigen Jahren erörtern Wissenschaftler deshalb die Frage, ob der Eingriff des Menschen die Definition eines neuen Zeitalters rechtfertigt. Die Ursache, das Motiv? Energiehunger und virtuelles Kapital treiben einen zerstörerischen Kreislauf an.

Der Mensch sägt kontinuierlich am Ast, auf dem er sitzt
Geologen, Biologen, Meteorologen und Philosophen stellen die These auf, dass wir bereits im Menschzeitalter angekommen sind. Eines steht bereits fest: Noch nie – außer bei Asteroideneinschlägen und Ausbrüchen von Supervulkanen – hat ein Ereignis das Leben auf dem Planeten Erde so stark beeinflusst wie der Mensch. Immer tiefere hinterließ das sogenannte Anthropozän (Menschenzeitalter) in den letzten 2.000 Jahren seine Spuren. Doch erst seit kurzer Zeit (im jetzigen 21. Jahrhundert) erörtern wir das Thema und wissen, dass wir was ändern müssen.
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Über den Autor Harald Lesch ist Professor für Theoretische Astrophysik am Institut für Astronomie und Astrophysik der Universität München. Einer breiteren Öffentlichkeit ist er durch die im Bayerischen Fernsehen laufende Sendereihe „alpha-Centauri“ bekannt. Seit September 2008 moderiert er die ZDF-Reihe „Abenteuer Forschung“, die 2014 in „Leschs Kosmos“ unbenannt wurde. Er hat mehrere erfolgreiche Bücher veröffentlicht und betreibt bei Komplett-Media zusammen mit dem Physiker Joseph Gaßner den YouTube Channel „Urknall, Weltall und das Leben“.

Harald Lesch ist eine Art von postmodernem Phänomen der Wissenschaftskommunikation: seine Bühne kommt ohne den leicht zu durchschauenden Populismus aus. Sein Ziel: das humanistische Anteilnehmenlassen an dem, was Alexander von Humboldt mit „Genuß“ in Form des Erlebens von Wissen bezeichnet hat. Er hat – auch für das aktuelle Buch – mit anderen Experten gesprochen, auch mit dem Meteorologen und Klimaforscher Prof. Dr. Mojib Latif, der beispielsweise die verursachte Klimaerwärmung von 1,5 Grad Celsius bestätigt.

Die Temperatur steigt also, der Meeresspiegel steigt, das Eis auf Grönland schmilzt, das Eis in der Antarktis schmilzt, die Gebirgsgletscher ziehen sich zurück. Das sind Fakten, die schön längst bekannt sind – und deshalb ist sein Buchtitel gerechtfertigt. Denn das ist für die Meisten noch keine direkte Bedrohung, kein Grund, das Verhalten drastisch zu ändern. Sollte es aber. Und so erklärt Harald Lesch in einem Interview im Blog.diare:

Wenn wir uns unsere tatsächlichen Handlungen anschauen, diese unfassbare Kluft zwischen dem, was wir wissen und machen könnten und dem, was tatsächlich passiert, ist leider erschreckend.

Das Anthropozän liefert uns jedoch die ideale Gelegenheit, Inventur zu machen und nachzuhaken: Was machen wir mit der Inventur? Was sollen wir tun? Wir können dem Anthropozän einen ethischen Platz einräumen. Ich weiß, das ist nicht so gerne gesehen. Ethische Themen sind immer schwierig. Warum? Weil sie keine einfachen Ja- und Nein-Antworten liefern. Bei einem ethischen Thema geht es darum, abzuwägen. Wie können wir in der Weltgemeinschaft, innerhalb einer Gesellschaft, Gerechtigkeit verhandeln?“

Und deshalb ist das Buch auch so wichtig: es stellt wichtige Fragen, deren Antworten bekannt und deren Akzeptanz entscheidend für unseren Fortbestand und auch dem der Erde ist.

Die Menschheit schafft sich ab
Die Erde im Griff des Anthropozän

Komplett-Media, 2016, 29,95 Euro

Kaufen bei Ecobookstore.de

Quelle: Utopia.de
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Klimaschutz und Gerechtigkeit

Du hast einen schrulligen Onkel der immer noch sagt „Hör‘ mir auf mit Klimawandel, die Wissenschaftler sagen jedes Jahr was anderes? Einen Kollegen, der kundtut „alles halb so schlimm, was geht mich der Klimawandel an“? Einen Chef der ruft: „Wachstum ist am wichtigsten für uns, später werden wir schon was gegen den Klimawandel erfinden“?

Der RBB Film Klimaschutz und Gerechtigkeit ist bestens geeignet für Aufklärung zu sorgen.

Klimaschutz und Gerechtigkeit

16.11.2015 | 28:53 Min. | UT | Verfügbar bis 16.11.2016 | Quelle: Rundfunk Berlin-Brandenburg

KlimaschutzUndGerechtigkeit3Trotz der blutigen Anschläge will Frankreich Ende des Monats Gastgeber des Klimagipfels in Paris bleiben. Die hohen Kohlenstoffwerte in der Atmosphäre und die Erderwärmung zwingen zum Handeln. Der heißeste Sommer seit Beginn der Messungen brachte Deutschland Tornados, brennende Getreidefelder und einen riesigen Flüchtlingsstrom. Gibt es da Zusammenhänge?

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Öl-Lobby sponserte Kriegsverbrecher

Klasse Beiträge gibt es von der RBB OZON Redaktion.

Populäre Wissenschaft
Auf allen weiteren Montags-Sendeplätzen setzt die Redaktion Wissenschaft/Bildung populäre Wissenschafts-, Tier- und Naturfilme ein, die selbst produziert oder von anderen ARD-Anstalten übernommen werden.

WissensZeit im rbb
Das Bildungsangebot des rbb Fernsehens, montags bis freitags, 6:20 Uhr bis 6:50 Uhr.

nano
Die Redaktion arbeitet am 3sat-Wissenschaftsmagazin „nano“ mit, das gemeinsam von ARD, ZDF, ORF und dem Schweizer Fernsehen produziert wird. Das rbb Fernsehen sendet „nano“ montags bis freitags um 6:50 Uhr.

 

Birgit Berg: „Wer sich das Denken abnehmen läßt, darf sich nicht wundern, wenn man ihm bald auch den Kopf abnimmt.“

Syrisches Elend: Ursachen

Klimawandel, Dürre, Bush, IS, Assad, Bürgerkrieg

Den Irakkrieg von Georg W. Bush, IS und Assad, diese Ursachen des Elends sind mittlerweile weitläufig bekannt. Wie die Erderwärmung politische Konflikte befeuert, erklärt Klimaforscher Stefan Rahmstorf im Interview mit der Frankfurter Rundschau.

Syrien wurde in den Jahren 2007 bis 2010 von der schlimmsten Dürre in der mehr als 100-jährigen Geschichte der dortigen Wetteraufzeichnungen heimgesucht. Die Folgen: Ernteausfälle, verendetes Vieh, Armut. Wohlhabende Staaten kämen mit einer Dürre zurecht, so der Experte.

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Veränderungen der Niederschläge im Mittelmeerraum. „Climate scientists have been warning for over a decade that global warming is going to produce environmental stresses and severe weather patterns that will have devastating impacts on countries that are none too stable to begin with.“

Professor Rahmstorf, der Bürgerkrieg in Syrien eskaliert und erzeugt immer mehr Flüchtlinge. Der Konflikt begann jedoch schon vor vier Jahren, nach einer schweren Dürreperiode im Land. Haben Dürre und Gewalt etwas miteinander zu tun?
Der Ausbruch von Unruhen und Gewalt hat natürlich immer eine ganze Reihe von Ursachen, darunter vor allem politische und gesellschaftliche Voraussetzungen. Eine wohlhabende, stabile Demokratie wie die USA kommt auch mit einer Dürre zurecht. Leider gibt es auf der Erde aber auch viele verletzliche und schwache Staaten, wo Naturkatastrophen oder Ernteausfälle durchaus ein Auslöser für Instabilität sein können – insbesondere wenn die Regierung bei der Bewältigung der Situation versagt oder überfordert ist. Ein 2013 in der Fachzeitschrift Science publizierter Überblick über 60 einzelne Studien zeigte, dass Abweichungen von normalen Niederschlägen und erhöhte Temperaturen systematisch die Gefahr von Konflikten erhöhen.

Gibt es konkrete Hinweise zu Syrien?
Eine weitere Studie hat belegt, dass zahlreiche gewaltsame Proteste in Nordafrika und dem mittleren Osten in den Jahren 2008 und 2011 gerade mit den beiden großen Spitzen der Nahrungsmittelpreise auf dem Weltmarkt zusammenfallen. Auch die Weltbank findet in einem Report aus dem letzten Jahr einen Zusammenhang des „arabischen Frühlings“ mit den durch Missernten bedingt hohen Nahrungsmittelpreisen plausibel, wenn auch kaum beweisbar. Was die Lage in Syrien angeht: Fakt ist, dass das Land in den Jahren 2007 bis 2010 von der schlimmsten Dürre in der mehr als 100-jährigen Geschichte der dortigen Wetteraufzeichnungen heimgesucht wurde. Ernten blieben aus, sehr viel Vieh verendete.

Was genau geschah in Syrien als Folge davon?
Rund anderthalb Millionen Menschen flohen aus Not aus den ländlichen Gebieten Syriens und suchten Zuflucht in der Peripherie großer Städte wie Homs und Aleppo. Dort gab es Arbeitslosigkeit, Überfüllung, unzureichende Infrastruktur und Kriminalität, und daher eine massive Unzufriedenheit. Dort lag dann auch die Keimzelle der syrischen Revolte – die aber, das muss noch mal betont werden, natürlich eine ganze Reihe von Gründen hatte.

Welche Schuld trägt das Assad-Regime an der Eskalation?
Die Eskalation war im Wesentlichen sicher eine politische. Aber schon im Vorfeld der Dürre gab es Fehler. Eine dieses Jahr in den renommierten Proceedings of the National Academy of Sciences der USA erschienene Studie sieht einen wichtigen Grund für den massiven Einbruch der Landwirtschaft in einer verfehlten, nicht nachhaltigen Agrarpolitik: wie Satellitendaten zeigen wurden die Grundwasservorräte übernutzt, was Syrien dann sehr anfällig in der Dürre machte. Der Fluss Chabur, ein Zufluss des Euphrat, trocknete aus. Später versagte das Regime dann dabei, den von der Dürre betroffenen Menschen zu helfen.

Die globale Erwärmung führt nach Voraussagen des UN-Klimarats IPCC verstärkt zu Dürren und Missernten. Könnten dadurch weitere „Syriens“ entstehen?
Die schon genannte Studie zeigt, dass bereits die schwere syrische Dürre wahrscheinlich eine Folge der globalen Erwärmung war. Da die Dürren weiter zunehmen werden und es in absehbarer Zeit auch weiterhin fragile Staaten geben wird, dürfte durch die globale Erwärmung die Zahl der Flüchtlinge in den nächsten Jahrzehnten weiter zunehmen. Der Klimawandel ist hier ein zusätzlicher Faktor, aber natürlich haben Flüchtlingsströme immer mehrere Auslöser.