
Am 20. Juli 2015 hauchte Martin seine letzten Atemzüge und starb mit einem Lächeln im Gesicht. Ich bin unendlich traurig, erschüttert aber auch dankbar. Dankbar, weil er trotz seinem unsagbar schweren und langem Leiden mir zurückgebliebenem Zuversicht, Kraft und zum Abschied diese wunderbare Leichtigkeit mit auf den Weg gegeben hat. "Angst vor dem Tod habe ich nicht" hat er oft gesagt - an seinem Totenbett ergriff mich dann dieser Frieden zu seinem letzten Abschied, der alle seine Qualen beendete.


Martin hatte noch unzähliges vor. Unser traditionelles Dezember-Gänseessen im Hunsrück hatte er schon geplant, mit Friedbert wollte er noch unbedingt in die Alpen fahren und mit Jola so intensiv leben. Und er hat gelitten an dieser Welt. An Not, Elend, Umweltzerstörung, Ausbeutung und Ungerechtigkeit. Er wollte helfen, er wollte seinen Glauben weitergeben, der ihm Kraft und Zuversicht gegeben und durch viele Schicksalsschläge geholfen hat. Martin hat sich gekümmert. Er war die treue, große und warme Seele, die regelmäßig die kranken und einsamen besuchte, Friedchen, Tante Pida, Walter, Hedwig, Spenden für Kinder in Indien, Campact, kirchliche Missionsarbeit, Greenpeace, …...
O je, diese Welt. Wie oft hat er mich in Rage versetzt, wenn er sich bereitwillig auf diverse Heilsversprechen einließ. Gutmütig hat er bis zur Selbstzerstörung Gleichstrombehandlungen, Lecherantennendiagnosen, Blasenkatheter, Hyperthermien und Insulin-potenzierten Therapien erlitten oder

voller Zuversicht Misteltherapie, B17, Horvi, hochdosiertem Vitamin C, andere Vitamine, Kurkuma, Kräuterölen, Enzymen, Pfirsichkernen, Nosoden, Zäpfchen, Brokkoli, Himbeeren, Ölen und anderer Mixturen, Kapseln Pillen, Tropfen, Einläufen und diversen Infusionen sein Vertrauen geschenkt.
Aber Martin erlebte die andere Seite, die „moderne Onkologie“, als seelenlose, technische Medizin. Dabei ging der Blick auf seine Bedürfnisse als kranker Mensch verloren. Die

nebenwirkungsreichen Therapien mit brutalen, bleibenden Auswirkungen musste er erdulden und hatte nur die „Alternativmedizin“ in der einfühlsamen Auseinandersetzung mit seiner von Anfang an lebensbedrohlichen Erkrankung.


Wie deprimiert war ich, wenn ich miterleben musste, wie kalt und unfähig zu jeder gescheiten Kommunikation und Beratung entscheidende Krankenhausbesuche abliefen. Wie konnte ich da noch die Kunst der Wissenschaft verteidigen? Gefangen in einer bürokratischen Rationalisierungsmaschine. Unvergessen ist mir der Besuch in der Uniklinik in Mainz, in der eine grimmig gestresste Krankenschwester regelrecht die Arztvisite abblockte, dem schwerkranken, frischoperierten Bruder Rinderbraten statt Schonkost brachte und die notwendigen Medikamente in Eigenregie verweigerte. Pech gehabt. Der einfühlsame und hochqualifizierte Pfleger der vorhergehenden Tage hatte sich in seinen wohlverdienten Urlaub verabschiedet. Der Chefarzt hatte keine Zeit und Martin wollte nur noch so schnell wie möglich raus.

In einem Krankenhausbesuch zwei Jahre vorher hatte ich es am eigenen Leibe erfahren. Ohne Selbsthilfe? Geht gar nicht! Da wurden mir einfach ohne Anleitung und Aufklärung diverse Tabletten hingelegt. Einzige Hilfe war eine funktionierende Internetverbindung.

Rückblende. Dicker Zigarettenrauch wabert durch die Kneipe im Hunsrück und nach etlichen Bieren und Schnäpsen ist die Stimmung ausgelassen. Wir sind jung. Natürlich habe ich schon davon gehört, irgendwie soll Rauchen auch mit Krebs zusammenhängen. Aber bei mir doch nicht. Mein Opa hatte Krebs und meine Mutter hatte Krebs. Genetisches Risiko? Umweltfaktoren? Lebensstil? Alles kein Thema. "Martin, gib noch mal ne Marlboro rüber." Obwohl ich eigentlich lieber gedreht habe, oder war es meine rebellische Gauloises, Weltenbummler Camel oder alternative Lucky Strike Zeit? Vaters HB habe ich zwar gerne gerochen, aber nur im Notfall angerührt. Roth Händle war auch "in" und für mein abfahren auf das Peter Stuyvesant Image habe ich mich dann irgendwann geschämt.

Auf einmal mache ich mir Sorgen. Martin macht alles intensiver. Mehr Zigaretten, mehr Alkohol, mehr Stimmung, mehr Feier. Ob das gut geht? Aber Creedence Clearwater Revival und Carlos Santana wischen alle meine Bedenken hinweg. Rainer winkt mir zu, während Stöps am Tresen langsam einpennt. Nach einem verträumten „Let it be“ hämmert Miriam Makebas Pata Pata aus den Musikboxen und wir sind ausgelassen, glücklich, Zeit hat keine Bedeutung, Zukunft ist völlig unwichtig.



Juni 2015. Ich habe gerade ein Hörbuch beendet und Martin eine Kopie geschickt. Der Onkologe Bleif plante ein Buch über den Krebs. Dann erkrankte seine Frau an Brustkrebs, nach wenigen Jahren starb sie. Bleif schrieb ein Buch, das er so nie schreiben wollte. Kaum eine andere Krankheit ist so mit Vorurteilen und Tabus überfrachtet wie der Krebs. In den Augen vieler Menschen ist Krebs ein schicksalhaftes Ereignis, das sich nicht beeinflussen lässt. Gesunde blenden den Gedanken daran üblicherweise aus. Sie schätzen das Risiko, Opfer eines Unfalls oder Verbrechens zu werden, um ein Vielfaches höher ein als die Wahrscheinlichkeit, an Krebs zu sterben. Dabei ist Krebs die zweithäufigste Todesursache in den Industrienationen. Fast jeder dritte Mitteleuropäer erkrankt daran – in Deutschland waren es im vergangenen Jahr über 500.000 Menschen – und mehr als vier von zehn Krebskranken sterben. Von einer "verschwiegenen Katastrophe" spricht Bleif und hat sich vorgenommen, den Nebel aus Unwissenheit und Unsicherheit, der einen unverstellten Blick auf diese Krankheit verhindert, zu lichten.

Hätten Martin und ich dieses Buch nur dreißig Jahre früher besprochen, simuliere ich jetzt um sechs Uhr morgens, nach dem Tag, an dem Martin zum Abschied aus seinem Leben lächelte, ich denke er wollt mir sagen, "siehst du, der Kampf gegen den Krebs ist vorbei, jetzt kann ich genau dorthin in Frieden weitergehen, wo schon immer mein letztes Ziel war........"


Geschützte Links:
Tröstende Worte
Worte von Freundinnen und Freunden, die die Familie nach Martins Tod erreicht haben.
[alles etwas gekürzt]
von Ulla
Wir kennen uns nicht persönlich, da ich Martin aber schon über 20 Jahre kenne, kenne ich irgendwie auch seine Familie, seine Freunde, und sehr viele Geschichten und Anekdoten aus Martins Leben durch seine Erzählungen.
Martin kenne ich so wie Du ihn beschrieben hast, hilfsbereit, vertrauenswürdig, liebevoll, engagiert, verrückt, verpeilt, draufgängerisch, verträumt, realistisch, vertrauensvoll, neugierig, kämpferisch, rebellisch, loyal, sozial, emphatisch, optimistisch manchmal auch wütend aber selten bis nie resignierend. Ich habe Martin für seinen ungebrochenen Willen und seine Kraft und seinen Optimismus in der letzen Zeit sehr bewundert oder eigentlich auch nicht, weil ich ja weiß wie er ist/war, das war eben der "Maddin" so wie ich ihn kenne. Vor ca. 3 Wochen haben wir telefoniert, da war er einen Tag zuvor bei dem Arzt der ihm deutlich zu verstehen gegeben hat, dass das mit ihm nichts mehr wird. Ab diesem Moment hatte Martin eine andere Stimme, ich habe zu meinem Mann gesagt, "dem Martin ist heute die Stimme gebrochen", ab diesem Moment hat er meiner Meinung nach seine Kraft und seinen grenzenlosen Optimismus verloren. Er wurde wütend und traurig und hat sich, zumindest bei mir, zum ersten mal die Frage gestellt, "warum ich" . Solche Worte oder Einstellungen kannte ich von Martin bisher nicht. Mein Gefühl hat mir gesagt, jetzt wird es Zeit sich von Martin zu verabschieden und so sind wir dann "als spontane Motorradtour getarnt" am 5. Juli zum Kaffee bei Martin und Jola vorbei gefahren. Ich hatte den Eindruck, dass er an diesem Nachmittag alle Kraftreserven mobilisiert hat und dabei war er doch schon so schwach. Verena sagte mir letzte Woche am Telefon, dass wäre der letzte Tag gewesen wo er im Garten war. Wir haben uns dann mit einem "machs gut" verabschiedet beide wohlwissend, dass ist jetzt der Abschied in diesem Leben.
Ihr ALLE als Familie habt Euch in jeder Hinsicht rührend um Martin gekümmert, er fühlte sich nie allein gelassen, auch seine Freunde und seine Gemeinde waren immer da und haben ihn liebevoll begleitet, und wenn das einer verdient hat, dann war es der "Maddin" denn nichts anderes, hätte er auch getan.
Ich habe mit Martin meinen besten und ehrlichsten Freund verloren, wir haben viel und oft und über alles geredet und diskutiert (oft auch kontrovers) zusammen gelacht und geweint und Martin hatte auch diesen "schwarzen Humor", den ich so mochte. Manchmal haben wir uns 1 Jahr nicht gesehen, aber sehr oft telefoniert, manchmal täglich und dann mal wieder ein paar Wochen nicht, aber wir waren immer auf dem neuesten Stand was in dem Leben des anderen gerade ansteht.
Ich bin sehr traurig aber auch froh, ihn kennen gelernt zu haben. Stelle mir einfach vor, dass er jetzt auf der Wolke 7 sitzt, wissend und weiße, mit dem Grinsen im Gesicht so wie auf dem Bild mit der Krone und dass er sagt, stellt Euch nicht so an, ich habe es schon hinter mir, Ihr habt es noch vor Euch
Folgendes Gedicht habe ich vor Jahren geschrieben und es hilft mir "eigentlich" immer, nur gerade jetzt noch nicht so ganz.....
Immer wenn ich traurig bin, setz ich mich in eine Ecke hin,
lass meinen Tränen freien Lauf und steh danach erleichtert auf.
Denn alles was mich traurig macht, hat mir im Leben sehr viel Freude gebracht,
dann bin ich dankbar, für diese Freude im Leben
und kann mit meiner Traurigkeit etwas besser leben.
Liebe Grüße
Ulla
Nadja
Hallo, leider habe ich gar nicht so viele Fotos gefunden, aber immerhin...
Liebe Grüße,
Nadja




Andrea und Dieter
Dieter und ich haben viele schöne Stunden mit ihm in diversen Ardeche Urlauben verbracht und werden ihn in Erinnerung behalten.
Dir möchten wir unser herzlichsten Beileid aussprechen.
Ganz liebe Grüße
von Andrea
und Dieter
Karin
Vor ca. 40 Jahren habe ich Martin als wilden Draufgänger kennengelernt, vor nichts Angst, keine Scheu und mit immer witzigen Lösungen.
Stimmt, er hat nichts ausgelassen, alles mitgenommen, auch die schmerzlichen Momente. Ich habe ihn auch einfühlsam, nachdenklich und sehr bewußt kennengelernt.
Unsere Wege haben sich oft und immer mal wieder gekreuzt, wir haben zusammen einige Abenteuer erlebt, vom Campen auf dem Pavillon-Dach in Kastellaun, bis zu wilden Kajakfahrten an der Ardeche. Einmal hatte er mich zusammen mit Kraut entführt, hinten im Renaultkastenwagen, um mich vor der Arbeit zu retten :-)
Mal hatte ich ihm mein nagelneues Motorrad geliehen, er wollte mit Friedbert die Alpen bezwingen. Alle haben mich gewarnt, dem "Äther" ein Kfz zu leihen, dem Draufgänger, aber ich hatte zu keiner Zeit Bedenken und habe es auch im Ganzen wieder bekommen, zwar mit etwas angekratzten Fußrasten und abgekratztem Auspuff, aber das war völlig ok für mich auch, weil man mich dann noch bewundert hat, dass ich so einen heißen Fahrstil habe, wegen den Kratzern an diesen Stellen :-)
Nicht zuletzt haben wir uns bei der Suche nach dem Sinn und Zweck des Lebens im gleichen Glauben wiedergefunden. Wir hatten dazu sehr interessante wirklich gute Gespräche. Er wußte wohin er geht.
Ein guter alter Freund ist gegangen. Unvergessen! Immer wieder werden wir Geschichten erzählen in denen er die Hauptrolle gespielt hat, wir werden lachen und weinen und froh sein, dass wir ihn kennenlernen durften.
Was kann ich noch sagen?
Tschüß Martin wir sehen uns....
Karin
Carola
nochmals, mein aufrichtiges Beileid und Euch allen viel Kraft.
Ich möchte auf diesem Wege einfach DANKE sagen:
DANKE, daß Ihr alle mich immer so sehr nett empfangen habt,
DANKE für die schönen, wenn auch manchmal nur kurzen Gespräche,
DANKE für all die Höflichkeiten, Euer Zuvorkommen und für Eure sehr sehr liebe Art.
Schön, daß ich Euch alle „kennenlernen durfte“, wobei kennenlernen vielleicht falsch ausgedrückt ist, vielleicht ist „erleben dürfen“ besser.
DANKE einfach für ALLES.
Schön zu wissen, daß Martin eine so super tolle Familie hat.
Sollte ich jemals irgendwas für Euch tun können, so stehe ich Euch jeder Zeit zur Verfügung.
Von Herzen alles erdenklich Liebe
Carola
Karin
Grüße aus Weimar
Liebe Cousine, liebe Cousins,
Ute hat die traurige Nachricht weiter geleitet. Es tut mir so leid für euch alle. Seit ich an Mutters Geburtstag davon erfahren habe, habe ich oft an euch gedacht,, aber mir fehlt auch nach vier Jahren, seit mein Mann an Krebs gestorben ist, die Kraft um Trost zu geben. Ich bin aber vor allem morgen in Gedanken bei euch und der restlichen Familie seid umarmt Karin
Jaqueline
.... der Tod von Martin hat mich erschrocken, da ich nicht wußte, dass Martin krank war … Ich hatte ihn in letzter Zeit ein paar Mal im KirchenKino in der evangelischen Kirche von Kastellaun gesehen und war nur erstaunt, dass er mit einer anderen Frau da war … Annette habe ich auch gesehen und da habe ich mir dann einen Reim darauf gemacht … Das ist aber nicht so wichtig … Es war für mich interessant von Dir zu lesen, welche Lebenseinstellung er hatte und im nachhinein bin ich von seiner Stärke beeindruckt. Immer, wenn ich ihn getroffen habe, hat er mir zugelacht und war absolut freundlich und offen für mich. So habe ich ihn auch mit anderen erlebt. Da war nichts von einem leidenden, in sich gekehrten, nur mit sich selbst beschäftigten oder sich als Opfer einer Krankheit fühlenden Menschen! Wer so mit sich und dem drohenden Tod umgeht, der kann nur in sich ruhen und eine tiefe Zuversicht in sich selbst oder in eine Vision haben. Nach Deiner Schilderung von ihm ist mir wieder mal klar geworden, wieviel doch in jedem Menschen steckt, wenn man nur bereit ist zuzuhören und genauer hinzusehen und die eigene Person mit ihren vielen Meinungen und Urteilen nicht so wichtig zu nehmen.
...... Kraft und Zuversicht, besonders für morgen und die kommenden Wochen und Monate. Ich wünsche Dir von Herzen, dass sein Lächeln ein Hoffnungsschimmer und Kraftimpuls in jedem schweren und traurigen Moment für Dich sein wird.
Alles Liebe
Jaqueline
Jürgen
....... trotz aller Widrigkeiten mit einem Lächeln im Gesicht gestorben.
Ich denke, so was kann uns Hinterbliebenen Zuversicht für unseren eigenen, irgendwann anstehenden Tod geben......
..... Ich werde hier [Altrip] ab 14.oo Uhr eine Kerze anzünden. Dir und Deiner Familie wünsche ich für die kommenden Tage
alles Liebe und Gute.
Abschließend noch ein paar kurze Verse von Hermann Hesse
Einschlafen dürfen, wenn man müde ist,
und eine Last fallen lassen dürfen,
die man lange getragen hat,
das ist eine tröstliche, eine wunderbare Sache.
Alles Liebe
Jürgen
Rita
ja...... so war er, dein Bruder! Ich habe ihn sehr gemocht. Wir kennen uns seit Kindheit. Mal mehr, mal weniger hatten wir miteinander zu tun.
Zusammen haben wir einen Teil der Seelsorgeausbildung gemacht. Schöne, intensive Zeiten . Mir ging es sehr schlecht in der Zeit und plötzlich war Martin da, wie aus dem Nichts. Später war es auch mal anders herum. Gott hat uns beide sehr reich beschenkt.
Mittwoch vor drei Wochen hab ich Martin gefragt, wenn er sich jetzt etwas wünschen dürfte, was wäre es? Er schaute mich an, schnipste mit den Fingern und flüsterte.....schnell. Er wusste seinen Weg . Aber sein Lebensstil war lebendig, auf der Überholspur, sich kümmern, organisieren, trotz Mann ... multitasking, der Held sein, immer in der Diskussion, auch mit Gott.
Gerechtigkeit! Leben! Lieben ! Lachen!
Wenn man das alles endgültig an Gott abgeben kann, kommt das Lächeln , der Frieden und das Gehen. Ich bin sicher, Martin ist dort, wo er am Ende unbedingt sein wollte.
Rita
Heiko
eben aus dem Urlaub gekommen, lese ich deine unglaublich traurige Nachricht. Ich war mit Martin in der 80´er Jahren des letzten Jh. in einem Hausbibelkreis der Kastellauner Kirchengemeinde und hatte ihn bis auf seltene eher oberflächliche Mailkontakte ein wenig aus den Augen verloren und auch von seiner Erkrankung noch nichts gewusst. In deiner sehr warmherzigen Schilderung habe ich ihn aber sofort wieder erkannt. Ja, so war er der Martin: voller Optimismus, Glaubensfreude und Hilfsbereitschaft, mit vielen Plänen, aber auch manchmal über das Ziel hinausschiessend. Es tut gut zu lesen, dass er trotz aller Dramatik und Leiden diese positiven Eigenschaften bis zum Schluss bewahrt hat und nun heimgegangen ist.
Kotze Gott deine Angst und Anklagen vor die Füße, wie es in den Klagepsalmen (z.B. Ps 6 oder 22) oder an anderen Stellen der Bibel Menschen getan haben. Ich sage das als einer, der leider auch mit ansehen musste, wie seine Mutter mit nur 60 Jahren vom Bauchspeicheldrüsenkrebs in kaum einem Jahr hinweggerafft wurde. Der Tumor ließ sich damals nicht aufhalten, aber Leiden erträglicher gestalten – medizinisch und v.a. psychisch, durch unser Mitleiden.
Sehr lyrisch, aber doch auch sehr tröstlich drückt das, was ich dir mit diesen Zeilen sagen möchte R. Traitler in dem folgenden Gedicht aus.
Manchmal zerreißt eine Sehne mitten im Sprung
die Kraft die uns getragen hat lässt uns fallen
und wir wissen nicht warum
Manchmal versagt unsere Stimme mitten im Lied
noch schwingt die Ahnung von einem Ton in unseren Herzen,
zitternd weil sich die Vollendung verweigert
und wir wissen nicht warum
Manchmal machen wir das Bett wie jeden Tag
ehe ein Windstoss durch das Zimmer fegt.
die Wärme der letzten Nacht ist weniger als eine Erinnerung
und wir wissen nicht warum
Manchmal gehen die Lichter aus mitten im Fest
noch ist der Wein in den Krügen nicht geleert.
aus der Umarmung der Liebe taumeln wir ins Dunkel
und wir wissen nicht warum
Manchmal ist es als ob die große Hand einhält in der Bewegung
wir sitzen erstarrt in der Mitte der Zeit
Kein Wort des Trostes trägt in der Einsamkeit
und wir wissen nicht warum
Wir wissen nicht was sich verwandelt aus einer Kraft in die andere
klingt jenseits des Liedes ein anderes Lied singen die Sphären das abgebrochene weiter ohne Bruch
Werden wir noch einmal das Brot brechen und den Wein der Liebe trinken vertraut im milden Licht des Abends?
Werden wir uns die Tränen von den Wangen küssen
und das Fest feiern gekleidet in das lichte Kleid deiner neuen Welt?
Wir wissen es nicht
Wir wissen es nicht
Du weißt es
Aus: Reinhild Traitler, „in den gärten der freiheit“, Zürich 1990, S. 551.
Lieben Gruß und fühl dich gedrückt und im Gebet bedacht von Heiko
Anke
.......
Wie tröstlich, dass er erlöst ist von seinen Schmerzen.
Wie schrecklich, welche Lücke er hinterlässt, wo er so einen großen Raum ausgefüllt hat.
Wie schmerzlich für Dich, Anette und Jola und die Kinder.
Wie schmerzlich für unsere Kirchengemeinde.
Wie erhebend, dass er übergegangen ist zu Gott seinem Vater.
......
In Verbundenheit,
Anke
Bernadette und Niko
für Martin ist jetzt alles gut und für die Hinterbliebenen kommen viele Fragen hoch neben der Traurigkeit, die so ein Tod, auch wenn er nicht wirklich plötzlich kam, mit sich bringt.
Ich hoffe, das der Samen, den Martin gesät hat so aufgeht, wie er es sich dachte.
LG Bernadette und Niko
Gabi und Familie
wir sind mit unseren Gedanke bei Euch.
Martin kennen wir aus der Zeit, als er Elternausschuss-Vorsitzender im ev. Kindergarten war.
Ich habe die Funktion von Ihm übernommen. Es gab schöne Stunden wo gelacht wurde.
Stunden in denen wir zum Wohle der Kinder kräftig diskutiert haben.
Dann haben sich unsere Wege im Hauskreis wieder gekreuzt.
Das waren sehr besinnliche Stunden.
Er hat mich dann letztes Jahr im Hallenbad Kastellaun besucht und da habe ich erst mit bekommen das Martin so krank war.
Wir haben einige Zeit geredet es hat Ihm gut getan Dinge los zu werden.
Martin findet einen schönen Platz in unserem Herzen.
Der liebe Gott möge Euch für die kommende Zeit, viel Kraft schenken.
Gabi und die Familie
Renate und Claus
wir sind Ardecher´s der ersten Stunde aber schon seit mehreren Jahren
nicht mehr dabei.
wir sahen uns am Donnerstag.
Ich habe noch immer keine Worte, aber mit Martin zu sprechen
..........die Wege des Herrn sind unergründlich
wir verstehen das nicht, wir müssen das auch nicht verstehen
es verwirrt uns nur
nochmals unser Beileid für diesen Verlust
mit lieben Grüssen
renate und claus
PS
noch eines:
Martin wollte statt Blumen lieber Geld für irgendein Projekt gespendet haben bitte gib uns doch einmal Infos darüber und eine Kontoverbindung
danke
[siehe Liebenzeller Mission]
weiter Links:
zur Ansprache von Knut bei Martins Beerdigung

Ansprache von Knut bei Martins Beerdigung
Beerdigung Martin, Ansprache von Knut
23.07.2015 / 14h Ev. Kirche Kastellaun
Lesung Lk 16,19-31
Am 7. Juni noch hat Martin hier bei uns den Gottesdienst besucht.
In meiner Erinnerung war das eines der letzten Male.
Damals hat Gottfried Lunkenheimer über das Evangelium vom reichen Mann und dem armen Lazarus gepredigt.
Als wir später zu dritt beim Kaffee über die Predigt sprachen, war Martin davon begeistert und sagte:
„Das wäre ein guter Text für meine Beerdigung!“
Auch wenn ich es nicht mehr mit ihm besprechen konnte, habe ich diese Geschichte deshalb für heute ausgewählt.
Hört die Worte von Jesus aus dem Lukasevangelium, Kap. 16.
à Lesung Guido
2 Lieder mit Gemeinde mit Klavier / Gitarre & Team (s. Liedblatt):
- Kraftlos und müde (LL+ 109)
- Herr ich komme zu dir (LL+ 115)
Ansprache Lk 16,19-31
Liebe Jola,
liebe Verena, lieber Lukas, lieber Simon,
liebe Angehörige von Martin Sczech,
liebe Freunde, Nachbarn und Bekannte,
liebe Trauergemeinde,
was hat Martin wohl bewogen, diese Geschichte vom reichen Mann und vom armen Lazarus in Verbindung zu bringen mit dem Tag seiner Beerdigung?
Dem Tag, an dem wir, die ihn geliebt haben, alle noch einmal da sind, um uns an ihn zu erinnern.
An das, was ihn ausgemacht hat und an das, was ihm wichtig war.
Ich stelle mir vor, dass vor allem letzteres ihm vorschwebte.
Die Geschichte ist ja eine merkwürdige Geschichte.
Eine Geschichte darüber, dass Menschen ganz Unterschiedliches nach ihrem Tod erleben können: Gutes und Qualvolles
Und vor allem das, was manche Übersetzungen gar mit „Hölle“ übersetzen, kommt uns fremd und bedrohlich vor an einem Tag, wo wir doch Trost suchen.
Ich will aber direkt sagen: Ich glaube nicht, dass wir heute alles 1 zu 1 übertragen können oder das Martin das wollte.
Es ist aber eine Geschichte immerhin von einem kranken Mann (voller Geschwüre), der stirbt und anschließend von den Engeln in Gottes gute Arme getragen wird, wo es ihm besser geht als zuletzt auf der Erde.
Es ist auch eine Geschichte über eine Botschaft aus dem Jenseits oder dem Totenreich (oder dem Himmel).
Und sie will uns mahnend erinnern an den Zusammenhang, der besteht zwischen unserem Leben und unserem Sterben und der Ewigkeit.
Und der Zusammenhang ist: ob wir auf Jesus Christus und seine Gnade und Liebe vertrauen und diese Liebe an andere weitergeben.
(oder eben nicht)
Viele von euch, die ihr heute hier sitzt, wird Martin in seinem Leben einmal oder mehrmals angesprochen haben auf Fragen des Glaubens oder den Sinn des Lebens – ob ihr in dem Moment wolltet oder nicht.
Viele von euch wird er irgendwann einmal eingeladen haben zu einer Veranstaltung unserer Kirchengemeinde.
Manche gibt es vielleicht, die im Rückblick sagen: Dieser Anstoß von Martin hat mir gut getan. Es hat mir gut getan, dass er in seiner charmant-sturen Art nicht locker gelassen hat.
Dass er dran geblieben ist. Dass er sich nicht von meiner ersten Absage hat täuschen lassen.
Dass er sogar so hilfsbereit war, mich abzuholen und wieder nach Hause zu bringen.
So war Martin.
Alles was er gelebt hat, hat er mit Leidenschaft gelebt. Da kommen wir später noch drauf.
Eben auch seinen Glauben und die Einladung dazu.
Und weil er sich nicht selbst genug war, war es ihm wichtig, dass viele andere auch merken, wie gut es ist, mit Gott zu leben.
Und ich denke, er wollte - so will ich es einmal sagen – viele von uns in der Ewigkeit bei Gott wiedersehen.
Das war ihm ein wichtiger Trost im Sterben.
Auch darum kam er vermutlich auf diese Geschichte.
Er wusste sich – hier auf der Erde , aber auch in der Ewigkeit – verbunden mit der großen Gemeinschaft von Männern und Frauen, die an Jesus Christus glauben – egal in welcher Konfession oder Kirche.
Nur wenige in unserer Kirchengemeinde hatten oder haben ein so großes Herz für die Ökumene wie Martin.
Unsere Kirchengemeinde ist ihm dafür und für sein vielseitiges Engagement zu Dank verpflichtet.
Er war viele ( ) Jahre Presbyter und stellvertretender Vorsitzender im Presbyterium.
Auch im Kirchenkreis hat er sich lange Jahre eingebracht.
Und er hat überall dort mitangepackt, wo es nötig war.
Stühle stellen, Gemeindefeste organisieren, Menschen besuchen, Geld sammeln für die Bedürftigen oder die historische Kirche und vieles mehr.
Er hat in den letzten Jahrzehnten durch seine Visionen von einer modernen lebendigen Kirche für Jung und Alt, für Nah und Fern maßgeblich dazu beigetragen, dass wir als Kastellauner Kirchengemeinde heute auf diesem Wege sind.
Und manche seiner Visionen – wie die Feier eines Gottesdienstes, der auch Spass macht oder die Gemeinschaft, die Fremde zu Freunden macht - bleiben uns dauerhaft Leitbild.
Martin hatte eine Fürsorge und Leidenschaft für andere Menschen.
Das habt ihr als Familie oft gespürt.
Gerade auch in der letzten Zeit – in der er so viel mit seiner Krebskrankheit beschäftigt war – hat er immer auch an seine Lieben gedacht und wie es ihnen geht.
In seiner Krankheit und bei seinem Sterben, aber auch danach.
Manchmal hättet ihr euch vielleicht auch gewünscht, er hätte euch etwas weniger schonen wollen.
Aber auch das war seine Art: Er hat nicht gefragt, wenn es darum ging anderen zu helfen und zuzupacken.
Und solchen Menschen ist es oft schwer, sich selbst helfen zu lassen und Hilfe anzunehmen
Die Geschichte von Lazarus ist ja auch eine Geschichte von arm und reich, und zwar eine kritisch-ernste!
Martin hatte auch eine Leidenschaft und ein Herz für die Armen.
Ihr als Familie habt das in der Nacht nach seinem Tod so ausgedrückt.
„Er hat gelitten an dieser Welt. An Not, Elend, Umweltzerstörung, Ausbeutung und Ungerechtigkeit. Er wollte helfen, er wollte seinen Glauben weitergeben, der ihm Kraft und Zuversicht gegeben und durch viele Schicksalsschläge geholfen hat. Martin hat sich gekümmert. Er war die treue, große und warme Seele, die regelmäßig die kranken und einsamen besuchte.“
Auch (aber nicht nur) in unserer Kirchengemeinde hat er das getan.
Hat sich eingesetzt für die Menschen ganz persönlich und die politischen und gesellschaftlichen Strukturen im Großen.
Er hat sich engagiert für die Erlassjahrkampagne, eine Entschuldungsinitiative für die ärmsten Länder, um nur ein Beispiel von vielen zu nennen, wo sein Hunger nach Gerechtigkeit zum Tragen kam.
Und so gibt es viele Beispiele – und sicher fallen auch euch heute welche ein – wo deutlich wird: Martin hat ein intensives und leidenschaftliches Leben für andere geführt.
Er war ein guter Freund.
Er war dir Jola – so hast du es formuliert – ein guter Ehemann in dieser viel zu kurzen Zeit, die noch so viele Pläne offen gelassen hat.
Und er hat euch als Kindern vieles hinterlassen, was ihr als Vorbild mitnehmt oder schon mitgenommen habt in euer Leben.
Und wenigstens in den letzten Jahrzehnten war der Motor für sein intensives und leidenschaftliches Leben sein Glauben an Jesus Christus.
Aber intensiv und leidenschaftlich hat er eben auch sonst gelebt.
Motorradtouren mit dem Motorradclub Hunsrück – oft genug hart an der Grenze zum Unvernünftigen. Und oft genug auch hier schon dem Tod von der Schippe gesprungen oder gefahren.
Zuletzt bist du, Jola mit ihm noch an eurem Hochzeitstag am 4. Juli nach Boppard auf dem Motorrad unterwegs gewesen.
Kopfstände auf den Kneipentisch und anderswo mit anschließendem Schlüsselsuchen.
Verrückte kreative Ideen, die sonst niemand hatte: Schlittenaufzug mit der alten Glockensteuerung aus dem Kirchturm zum Beispiel.
Die einbetonierte Kleiderstange im Auto.
Und oft genug hat er Dinge getan, bei dem ihm ganz egal war, was die anderen denken.
Z.B. in den Osterferien an der Ardeche – in seiner Ardeche-Gemeinschaft: Da wurde dann am Ostersonntag zu Ehren des Auferstandenen der Jogging-Anzug gegen Sakko und weißes Hemd getauscht und am Tisch gebetet.
Gelächter oder Spott hat ihm nichts ausgemacht. Auch da war er unbekümmert.
Manche von euch haben seine verrückte Dichtkunst zu später Stunde gekannt.
Und die meisten von uns haben sicher auch schon mit ihm gefeiert. Das mochte und konnte er.
Gastfreundlich war er und einladend und offen. Das bezeugen Hunderte Feiern, Grillabende und Feste im Hause Sczech.
Eine lange Familienzeit mit euch drei Kindern, aus der euch über den Tod hinaus viel Gutes verbindet und bleibt.
Martin wusste aber auch, dass er nicht alles richtig gemacht hat im Leben. Und er hat dafür Versöhnung und Verzeihung gesucht.
Auch das gehörte für ihn zu einem Leben, das sich ernsthaft auf die Ewigkeit bei Gott vorbereitet.
Gerade in der letzten Zeit war es ihm wichtig,– wie die Bibel sagt – die Sonne über dem Zorn und den Fehlern nicht untergehen zu lassen, sondern sich rechtzeitig jeden Tag zu versöhnen.
Die Krebsdiagnose im Februar letzten Jahres und die Erkrankung hat er in der ihm eigenen Art zu meistern versucht: Er hat es mehr als aktiv angepackt.
Aber er musste hierbei auch erleben, dass er an seine Grenzen kam. Zuletzt an seine letzte Lebensgrenze.
Er hat sich akribisch auseinandergesetzt mit allen möglichen und unmöglichen Therapieformen, um für sich den besten Weg zur Heilung zu finden.
Das war für viele von uns oft schwer nachzuvollziehen.
Und es war tragisch, dass er dabei auch zwischen die Mühlen mancher alternativer und klassischer Mediziner geraten ist, die nicht so im guten und hilfreichen Gespräch waren, wie Martin sich das gewünscht hätte.
Am Ende blieb ihm und bleibt uns die schwere Aufgabe, zu akzeptieren und Frieden damit zu schließen, dass es zu einer Heilung nicht gekommen ist.
Dass auch Gott offensichtlich einen anderen Plan hatte, als ihm noch die 20 Jahre zu schenken, die er sich vor wenigen Wochen noch gewünscht hat – und wir alle mit ihm.
Das ist heute ein harter Brocken für uns alle.
Mag sein: Martin wollte uns in seiner Fürsorge diesen Brocken leichter machen mit der Geschichte von dem (armen und) kranken Mann, der erleben darf:
Hoffnung kommt nicht nur auf dieser Erde zum Ziel. Sondern im letzten eben erst in der Ewigkeit bei Gott. Dort aber dann richtig!!!
Wenn wir irgendwo so richtig intensiv und in Fülle leben und feiern können, dann eines Tages dort bei Gott.
Martin ist schon einmal vorausgegangen. (Amen)
..... Martin hätte sich sehr gefreut, wie Predigt und Lieder auch bei anderen Glaubensrichtungen (und damit sind nicht nur die katholischen gemeint) angekommen sind. Herzlichen Dank an alle Mitwirkenden.
Links:
Traueranzeigen
Erschienen im Amtsblatt Kastellaun und in der Hunsrücker Zeitung, August 2015.


Ardéche-Freunde


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