Wir sind dann mal weg …

Einer dieser wunderschönen und denkwürdigen Abende im Hunsrück. In der Ohlweiler Mühle des Tagungshaus Hunsrück eV. feiern Petra und Hans Preuß ihren Abschied. Es geht für drei Jahre nach Benin in Afrika.

Die sehr emotionale und persönliche Verabschiedung ihrer Eltern durch die drei Töchter war zweifellos der Höhepunkt des Abends.

Zurück bleiben viele Weggefährten, Freunde und Familie. Hans Preuß war einer der Mitbegründer des Tagungshaus Hunsrück e.V. und kam auch wenn er ansonsten sehr oft als Generalsekretär der Deutschen Welthungerhilfe oder Vorstand der GIZ weltweit unterwegs war, immer wieder in den Hunsrück zurück.

Nach der Hitzewelle waren einige der vielen auch von weither angereisten Besucher überrascht, ein Satz der Einladung bewahrheitete sich völlig: „Da ihr alle sturmerprobt seid, wird euch das späte Datum (der 25. August ist im Hunsrück der meteorologische Winterbeginn) nicht schrecken!“

Nachschub aus dem Keller.
So voll war es hier wohl selten und unten am Bach standen die Zelte.
Anfang der 80er Jahre. Zivildienstleistender „Hansi“ Preuß in Simmern bei einer Aktion der sich gerade formierenden Hunsrücker Friedensbewegung.
Flugblattverteilung in Simmern.
Vor 30 Jahren, Anfänge des Tagungshaus Hunsrück eV: Waffeln, Kuchen und Hunsrücker Kartoffelpuffer.

Pressemeldung der GIZ vom 13.04.2018

Preuß wechselt zur Friedrich-Ebert-Stiftung

Prozess der Nachfolge ist angestoßen
Bonn/Eschborn. Vorstandsmitglied Hans-Joachim Preuß wird ab dem 1. Juli 2018 Länderrepräsentant der Friedrich-Ebert-Stiftung in Cotonou, Benin. In seiner Sitzung am 13. April hatte der Aufsichtsrat der vorzeitigen Aufhebung seines bis Mitte 2019 laufenden Vertrages zugestimmt. „Wir sehen den Wechsel des Kollegen mit einem lachenden und einem weinenden Auge“, sagt Tanja Gönner, Vorstandssprecherin der Deutschen Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) GmbH. „Einerseits freuen wir uns mit dem Kollegen über diese spannende Auslandsaufgabe für eine der großen politischen Stiftungen Deutschlands. Zugleich verlieren wir mit ihm einen vertrauten und sehr geschätzten Kollegen und eine wichtige Stütze in der Gestaltung der unternehmerischen Führungs- und Managementaufgaben“.„Den größten Teil meines Berufslebens habe ich in der GIZ gearbeitet und schätze das Unternehmen und all seine Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sehr“, so Preuß. „Mit meinem Wechsel nach Afrika zur Friedrich-Ebert-Stiftung bleibe ich den Themen der internationalen Zusammenarbeit verbunden.“Der neue Aufsichtsratsvorsitzende der GIZ, der Staatssekretär des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung Martin Jäger, würdigte seine Leistung: „Ich danke Hans-Joachim Preuß für seine langjährige engagierte Arbeit und wünsche ihm das Beste für seine künftige Tätigkeit in Benin.“Preuß arbeitete zwischen 1986 und 1996 in verschiedenen Funktionen für die damalige Deutsche Gesellschaft für Technische Zusammenarbeit (GTZ) GmbH. Nach weiteren beruflichen Stationen unter anderem als Generalsekretär der Deutschen Welthungerhilfe kam er zum 1. Juli 2009 als Mitglied der Geschäftsführung zurück ins Unternehmen und ist seit Gründung der GIZ im Januar 2011 Mitglied des Vorstands. Dort erfüllt er unter anderem die Funktion des Arbeitsdirektors. Der Prozess zu seiner Nachfolge ist angestoßen.Die Deutsche Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) GmbH ist ein weltweit tätiges Bundesunternehmen. Sie unterstützt die Bundesregierung in der internationalen Zusammenarbeit für nachhaltige Entwicklung und in der internationalen Bildungsarbeit. Die GIZ trägt dazu bei, dass Menschen und Gesellschaften eigene Perspektiven entwickeln und ihre Lebensbedingungen verbessern.

Die Klimatabelle für Cotonou/Benin. Ob das so bleibt? James Hansen denkt, dort ist einer der Brennpunkte in denen sich der Klimawandel viel deutlicher als in USA oder Mitteleuropa bemerkbar macht.

Klimatabelle Cotonou

In "Welt-Sichten": 
 „Ich wollte auf jeden Fall noch einmal ins Ausland“, sagt Preuß, der vor 30 Jahren schon einmal für drei Jahre in dem westafrikanischen Staat gelebt und gearbeitet hat, damals für die GTZ. Nach insgesamt neun Jahren als Geschäftsführer bei der GTZ und Vorstandsmitglied bei der GIZ habe er Lust, wieder stärker an der Basis und vornehmlich inhaltlich zu arbeiten.

Auf seinem neuen Posten in Benin will der promovierte Agrarökonom unter anderem zu der Frage arbeiten, wie in Afrika Beschäftigung gefördert werden kann. Zudem wolle er mit seinem Team vor Ort den Austausch von einheimischen Institutionen wie Gewerkschaften und Universitäten zu arbeitsmarktpolitischen Fragen fördern, sagt Preuß. „Und wenn Zeit bleibt, werde ich auf Spurensuche gehen: Was ist geblieben von den Vorhaben, die wir Ende der 1980er Jahre in Benin angestoßen haben?“

Auf seine Zeit in leitender Position in der staatlichen Entwicklungspolitik zurückblickend sagt Preuß, die Wertschätzung der technischen Zusammenarbeit in der Bundesregierung sei gestiegen. Damit gehe einher, dass innenpolitische Interessen, etwa das Anliegen, Migration und Flucht nach Europa einzudämmen, einen größeren Stellenwert erhalten hätten. Es bleibe eine Herausforderung, mit diesen Erwartungen umzugehen und gleichzeitig die Perspektive von Menschen, Institutionen und Regierungen der Partnerländer in Entwicklungsprogramme einzubringen.

Beruf und Karriere und Karriere

Nach dem Schulabschluss absolvierte Preuß zunächst eine kaufmännische Ausbildung. 1980 nahm er das Studium der Agrarwissenschaften in Gießen auf. Im Anschluss belegte er ein Postgraduiertenstudium am Deutschen Institut für Entwicklungspolitik. 1986 begann Preuß seine berufliche Tätigkeit in der Entwicklungszusammenarbeit bei der GTZ als Projektassistent in Mauretanien: Bis 1990 war er in verschiedenen Funktionen in Afrika und in der Eschborner Zentrale tätig. In der Zeit von 1991 bis 1994 arbeitete Preuß als wissenschaftlicher Mitarbeiter am Zentrum für regionale Entwicklungsforschung der Justus-Liebig-Universität in Gießen, wo er mit einer Fallstudie zur zielgruppenorientierten Agrarforschung in Entwicklungsländern promovierte. Nach seiner Rückkehr in die GTZ 1994 gehörte er bis 1996 der Stabsstelle Unternehmensentwicklung an. 1996 wechselte Preuß zur Welthungerhilfe in Bonn, wo er zunächst als Leiter des Bereichs „Programme und Projekte“ tätig war. Von 2003 bis 2009 war er Generalsekretär der Welthungerhilfe und leitete die Organisation als Geschäftsführer. Ab dem 1. Juli 2009 ist HansJoachim Preuß Geschäftsführer der GIZ, seit 2011 Mitglied des fünfköpfigen Vorstands. In seinen Verantwortungsbereich gehören der Personalbereich sowie die Stabsstellen Informationstechnologie und Revision.

Sein Credo

Um unsere Arbeit mit Herz, Hand und Hirn wirklich gut zu machen, brauchen wir mehr als Engagement und Professionalität. Wir brauchen Leidenschaft und Exzellenz.


Hier ist der neue Wirkungskreis, Friedrich Ebert Stiftung, Benin:

Der neue Wirkungskreis.

ARD Brennpunkt Klimawandel Sven Plöger und Prof. Lesch

Im ARD Brennpunkt zur Sommerhitze 2018 erklärt Sven Plöger den Einfluss des Klimawandels.
Anschließend ein Schnappschuss aus einem Vortrag von Harald Lesch zu dem Thema.

Christoph Albuschkat, in der Mainzer Urstrom Genossenschaft engagiert: „Zur Veranschaulichung: Wir müssen runter von 11 auf 3 Tonnen CO2 pro Kopf und Jahr in Deutschland. Also etwa -75 %. Im Durchschnitt! Sehr schnell!“

Handlungsroutinen
Aufbau neuer Handlungsroutinen

Der volle Vortrag von Harald Lesch.

… und nochmal in englisch aktuell die Hitzewelle erklärt.

Als Atomraketen den Hunsrück veränderten

Ausschnitte aus einer ARD Dokumentation von Andreas Orth: „Geschichte im Ersten: Als Atombomben Deutschland veränderten“
Quellen: ARD Mediathek

Das nukleare Gerassel zwischen Nordkorea und den Vereinigten Staaten von Amerika weckt bei vielen Menschen Erinnerungen an die Zeit, als der „Kalte Krieg“ Millionen Deutsche auf die Straßen trieb, um im „Heißen Herbst“ gegen neue Atomwaffen in Europa zu demonstrieren. Kürzlich freigegebene, ehemals TOP SECRET Dokumente belegen heute: 1983 ereignete sich mitten in Deutschland eine zweite Kuba-Krise. Nur Minuten trennten die Welt von einem Atomkrieg, der Deutschland zum letzten Schlachtfeld gemacht hätte.


ARD-Autor Andreas Orth erinnert mit seiner Zeitreise an diese Jahre, die Deutschland auch spalteten. Es ging damals vor allem um die Stationierung neuer sowjetischer und amerikanischer Mittelstreckenraketen. Es war die größte Protestwelle gegen eine Entscheidung des Bundestages in der Geschichte der Bundesrepublik.

Auch die Popmusik wurde von der Angst vor einem Atomkrieg geprägt. Gruppen wie Genesis, Alphaville und sogar Boney M spiegelten die Angst vor dem nuklearen Desaster in ihren Songs.
Mit Stricknadeln, Sitzblockaden, Menschenketten und Latsch-Demos mobilisierten vor allem kirchliche Gruppen und 5000 lokale Friedensinitiativen gegen die atomare Aufrüstung. Sie sahen die Welt und besonders Deutschland am Rand des Untergangs.

Die Stasi versuchte, an manchem Friedensmanifest im Westen mitzuwirken, bekämpfte aber die Friedensbewegung, die sich damals auch in der DDR bildete und die – wie wir heute wissen – einen starken Einfluss auf die Wende hatte. Andreas Orth begibt sich auf Spurensuche, besucht die alten Friedensaktivisten aus Mutlangen, dem Hunsrück und der Kleinstadt Nottuln bei Münster, die heute noch aktiv sind. Sie erzählen, wie sie es damals – ganz ohne Facebook und soziale Medien – schafften, die Straßen in Stadt und Land zu erobern. Auch der legendäre Spielfilmregisseur Edgar Reitz schildert seine Erfahrungen mit der Friedensbewegung während der Dreharbeiten für seine „Heimat“-Trilogie.

Als der damalige US Präsident Ronald Reagan und Russlands Michail Gorbatschow die Verträge über die Abrüstung der Mittelstreckenraketen schlossen, dünnte die Friedensbewegung aus. Die gewaltigen Bunkeranlagen für die nuklearen Cruise Missiles im Hunsrück dienen heute als Bühne für das Technofestival Nature One. In den Atombunkern von Mutlangen, weil lange immer wieder von Aktivisten blockiert, lagert heute Streusalz für die Gemeinde.

Wie geht es weiter?

Doch 30 Jahre nach dem Inkrafttreten der Abrüstungsverträge droht deren Aufkündigung, und die alten Großmächte planen wieder eine nukleare Aufrüstung. Vor einer neuen gefährlichen Situation für Europa warnt der SPD-Politiker Erhard Eppler, der damals einer der schärfsten Kritiker der sogenannten Nachrüstung war.

Ein Film von Andreas Orth

Kommentare auf der ARD Webseite

Ingrid und Manfred Stübecke am 26.03.2018 um 21:25 Uhr

Weiter so!

Wir fanden es sehr gut, dass mit dem Film die Erinnerung an die Ereignisse in den 80er jahren neu bewusst gemacht wurde. Wir erleben die Friedensinitiative in Nottuln als eine Gruppe, die sich sehr gut informiert und diese Informationen auch der Öffentlichkeit anbietet durch qualifizierte Vorträge von Experten. Wir wünschen allen Friedensgruppen, dass sie nicht nachlassen in ihrem Engagement für den Frieden und denken dabei an das afrikanische Sprichwort: „Wenn viele kleine Leute an vielen kleinen Orten viele kleine Dinge tun, können sie das Gesicht der Welt verändern.“ – Weiter so!

Balmer Landwehr Brigitte am 25.03.2018 um 19:47 Uhr

Widerstand ist heute nötig – wir brauchen die Jugend!

Der Film ist sehr informativ und macht Mut – gerade heute, in einer Zeit, wo Widerstand wichtiger ist denn je. Damals hat die Friedensbewegung hunderttausende auf die Straße gebracht… vor allem auch viele junge Leute. Wir brauchen auch heute die Jugend, auch wenn wir selbst mit über 60 Jahren noch aktiv sind in der Friedensbewegung. Wir brauchen die Jugend, die auf die Straße geht, die mitmacht!Zusammen können wir etwas erreichen.

Dr. Michael Stiels-Glenn am 23.03.2018 um 22:12 Uhr

Neuer Anlauf nötig – neuer Anlauf möglich

Ich habe lange keinen Film mehr gesehen, der die „zweite“ Friedensbewegung (die „erste“ Friedensbewegung begann mit der „Ohne mich-Bewegung“ gegen den Wehrdienst und ging dann über „Kampf dem Atomtod“ und die Campaign Nuclear Disarmament (CND), die zu den Ostermärschen wurde) darstellte, alte Erinnerungen wachrief und deutlich machte, wie gefährlich die Situation damals war. Und es waren die vielen kleinen Leute, die damals ihren Alltag Alltag sein ließen und angesichts der Gefahren aktiv wurden. Diese kleinen Leute, die Andreas Orth sensibel zeigt, waren es, die eine weitere Runde der Hochrüstung gestoppt haben: Der politische Preis – der politische Verlust der Massen für die Rüstungspolitik – wurde höher als der Nutzen. Und der Film erreicht etwas ganz anderes: Er kann Mut machen, sich heute wieder einzuklinken in die weltweiten Bemühungen kleiner Leute um Frieden und Völkerverständigung!

Hunsrücker Friedensbewegung, Zeitzeugen Trailer

In den 1980-er Jahren bewegte die Stationierung von atomaren Marschflugkörpern in der Nähe von Hasselbach die Menschen im Hunsrück. Hier auf der Pydna, wo heute einmal im Jahr die „Nature One“ Tausende von Ravern anlockt, sollten 96 Cruise Missiles aufgestellt werden.

Die Proteste der Friedensbewegung gegen diese Aufrüstung mobilisierte viele Menschen, im Hunsrück und bundesweit. Die Zeit im Hunsrück war in diesen Jahren geprägt von Mahnwachen, Demonstrationen, Friedensgebeten, Ostermärschen, Sitzblockaden und Widerstandscamps. 30 Jahre später blicken Zeitzeugen zurück auf diese bewegte Zeit, sie sprechen über ihre Motivation zum Protest, über ihre Erlebnisse und was davon geblieben ist. Zu Wort kommen Mitglieder der Friedensbewegung, Pfarrer, Forstleute, Organisatorinnen des Frauenwiderstandscamps, Bürgerinnen und Bürger aus Bell sowie Politiker. Und sie lassen ein für den Hunsrück spannendes und für viele unvergessenes Stück Zeitgeschichte nochmals lebendig werden.

Die kompletten Interviews können auf einer DVD über
http://www.fi-hunsrueck.de bezogen werden.

Korfu goes Waldeck

Quelle: Köpfchen 2-2018

„Korfu goes Waldeck“ wird eine erste Fortsetzung schon in diesem Sommer in Kastellaun haben, wo Hotte mit einem Teil der Gruppe einen kleineren Workshop speziell zur Schauspielerei leitet. Auf Einladung unseres Freakquenz-Festival-Teams besuchen sie dabei das Festival und beraten, ob und wie sie 2019 ihr Stück hier aufführen können.

Kurfu4Vorher soll am 6. Oktober 2018 „Waldeck goes Korfu“ in Korfu Premiere feiern. Es handelt sich um ein Projekt des Wilde Rose e.V. und wird gefördert vom BMFFSJ, der Peter Rohland Stiftung und der Sczech-Stiftung.

Kurfu3Weitere Infos auf: waldeck.de

 

Kastellaun: Cantania 2018

Cantania findet seit 2012 in Rheinland-Pfalz unter der Federführung des gemeinnützigen Vereines „Musikforum Kastellaun e.V.“ und unter der künstlerischen Leitung von Volker Klein statt. Bisher haben über 6000 Kinder teilgenommen, die in 16 Konzerten in Mainz, Koblenz und Neustadt a. d. Weinstraße die Kantaten „50 Millionen Sekunden“, „Rambla Libertad“ (Straße der Freiheit) und „Babaua. Die Leiden der Mimi“ zu Aufführung gebracht haben. Die Sczech-Stiftung unterstützt das Projekt wie in den vergangenen Jahren auch 2018.

siehe auch Musikforum-Kastellaun

Christiane Wirtz liest im Bukafski am 13. April 2018

Christiane Wirtz wohnte lange Zeit in der Mainzer Neustadt.

Sie ist 34, als plötzlich die erste Psychose auftritt. »Schizophrenie« lautet die Diagnose. Diese schwere Krankheit von großer Zerstörungskraft ist nach wie vor stark angst- und schambehaftet, und es herrscht große Unkenntnis, obwohl Millionen Menschen in Deutschland von ihr direkt oder indirekt betroffen sind. Die sozialen Konsequenzen dieser Mischung aus Krankheitsfolgen, ChristinaeWirtz_NebenDerSpurUnkenntnis und Ablehnung bekommt Christiane Wirtz grausam zu spüren. Sie verliert alles: Job, Freunde, Eigentumswohnung, Altersvorsorge. Das Leben war vorbei. Aber darf die Gesellschaft zulassen, dass Menschen so tief fallen?

Wirtz erzählt, wie sie komplett abrutschte, lässt Ärzte, Psychologen, Anwälte, Eltern, ehemalige Kollegen zu Wort kommen. Sie fordert eine breite Debatte über psychische Krankheiten, ein Ende der Diskriminierung. Sie appelliert an die soziale Verantwortung der Gesellschaft. Ihre Botschaft an die Betroffenen: Lasst Euch nicht stigmatisieren. Und an die anderen: Baut Vorurteile ab und erkennt, dass eine Krankheit Menschen nicht aussondern darf, dass sie während und nach einer Psychose Solidarität verdienen.

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Bukafski Buchhandlung und Café, Kurfürstenstrasse, 9, 55118 Mainz

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SWR2: Nimm doch einfach deine Tabletten

ChristinaeWirtzFASNachtcafe1Bericht in der AZ-Mainz vom 8.4.2018

Nur in meinem Kopf: Christiane Wirtz beschreibt, wie es ist, „verrückt“ zu sein

Von Christiane Wirtz

MAINZ – Vor etwa 17 Jahren: Ich bin 34 Jahre, wohne in der Mainzer Neustadt in der Leibnizstraße, ich bin festangestellte Hörfunkjournalistin, habe in Mainz studiert, doch mein Leben erscheint mir sinnlos. Ich habe mich in jemanden verliebt, den ich kenne, seit ich 19 bin. Wir arbeiten zusammen, wir sind uns sehr nahe, wir schätzen uns sehr, wir flirten miteinander, doch er ist gebunden. In einer Ehekrise lässt er sich trotzdem auf mich ein, ich mich auch auf ihn, aber die Sache geht nicht zu meinen Gunsten aus.

Ich werde merkwürdig. Findet mein Umfeld. Ich kann mich nicht mehr konzentrieren während der Arbeitszeit. Die Buchstaben verschwimmen vor meinen Augen auf dem Computerbildschirm, alles ist zu viel, zu viele Eindrücke, zu viel Kummer, zu wenig Halt.

Keiner weiß genau, was mit mir los ist und ich auch nicht. Ich fühle, dass etwas mit mir nicht stimmt, weil alles so unglaublich stressig ist. Ich beantrage Urlaub, buche einen Aufenthalt in Zypern, doch ich habe plötzlich Angst vor dem Flug, irgendetwas Schlimmes wird passieren, ich trete die Reise nicht an. Nach dem Urlaub hat sich nichts verändert, die Situation ist eher noch dramatischer geworden.

Unsinnige Fragen, unsinnige Sachen

 Ich gehe einfach nicht zur Arbeit, ich verbarrikadiere mich in meiner Wohnung in der Leibnizstraße. Ich sitze an meinem Esstisch, rauche und trinke Tee, trinke Tee und rauche. Ich grübele ununterbrochen. Ich frage mich, was ich nur falsch gemacht habe, aber ich frage mich auch völlig unsinnige Sachen, wie, ob der Bergkäse, den ich in einem Bioladen in der Nähe gekauft habe, mit einem Freund aus Holzkirchen zu tun hat, dessen Hobby Bergsteigen ist. Die unsinnigen Fragen, die verrückten Fragen in meinem Leben nehmen zu. Ich frage mich auch, ob der vorbeifahrende Käfer mit dem Kennzeichen MZ-JH2876 etwas mit jemand zu tun hat, dessen Namensinitialen JH sind. Ich vermute, dass der etwas Böses im Schilde führt. Der verfolgt mich wegen irgendwas. Wegen was? Ich fliehe wieder in meine Wohnung und grübele. Wie eine Verrückte.

Denn das bin ich. Verrückt. Am Ende eines langwierigen, mehrmonatigen Prozesses lande ich in der Psychiatrie der Mainzer Unikliniken. „Psychose aus dem schizophrenen Formenkreis“ lautet die vorläufige Diagnose nach vier Wochen Aufenthalt. Ich bekomme Medikamente, verschiedene werden ausprobiert. Ich bin aber völlig unvorbereitet, mit so einem grausamen Urteil umzugehen. Die Psychiater sagen recht hilflos, was damals Stand der Forschung war: Tabletten nehmen, ruhig verhalten, nicht nachdenken. Für mich ein recht unbefriedigender Rat. Für mich eine Diagnose, die ich nicht akzeptieren will. Ich kämpfe gegen die Krankheit und habe noch viermal eine Psychose, weil ich viermal glaube, ich könnte doch ohne Tabletten auskommen, es ginge mir jetzt gut und ich wäre geheilt. Doch die Krankheit zeigt mir ihre Zähne.

Die vierte Psychose ist die schlimmste

Beim letzten Mal, also durch die letzte Psychose, habe ich sehr viel verloren: meinen Job, meine Eigentumswohnung, habe meine Lebensversicherung aufgebraucht. Vielen Freunden war mein bizarres Verhalten zu viel, viele Bekannte haben sich zurückgezogen. Denn die Wahnvorstellungen wurden immer abstruser: So glaubte ich, ich sei die Tochter von Mick Jagger und die Nichte von John F. Kennedy, mein Bruder der „Red Hot Chili Peppers“-Leadsänger Anthony Kiedis. Einmal dachte ich, mein Vater käme mich mit einem Raumschiff abholen. In der glutheißen Sommermittagssonne habe ich auf dem Kölner Friesenplatz auf ihn gewartet bis in die Nacht. Er kam nicht. Aber ich in die Psychiatrie. Wieder.

Doch ich habe nicht aufgegeben. Die Krankheit hat auch eines erreicht: Sie hat Kraft in mir mobilisiert, von der ich nie geahnt hätte, dass ich sie besitze. Auf die Frage, was mit so einem von vielen Brüchen gekennzeichneten Leben anzufangen ist, habe ich mir die Antwort gegeben: über die Krankheit zu informieren, Missstände, die mir aufgefallen sind, zu benennen und zur Diskussion darüber beizutragen.

Wer schizophren ist, wird ausgegrenzt

Eine Untersuchung der Universität Greifswald aus dem Jahr 2011 nennt erschreckende Zahlen hinsichtlich Stigmatisierungen von Menschen mit einer schizophrenen Erkrankung. Über die Hälfte der Befragten würde es ablehnen, einen Menschen mit Schizophrenie einem Freund vorzustellen (53 Prozent), ihn für einen Job zu empfehlen (63 Prozent), ihn als Mieter zu akzeptieren (58 Prozent), oder in der Familie (60 Prozent). 49 Prozent der Befragten sagen, dass sie sich in Gegenwart eines an Schizophrenie erkrankten Menschen unwohl fühlen, 37 Prozent haben Angst vor ihm. Das sind grausame Zahlen, meine ich. So schlimm habe ich es selbst nicht empfunden, obwohl ich auch Ablehnung und Unsicherheit im Zusammenhang mit meiner Krankheit erlebt habe. Und da muss sich etwas bewegen. Deshalb habe ich meine Geschichte im Hörfunk veröffentlicht. Deshalb habe ich nun ein Buch geschrieben.

Mittlerweile geht es mir ganz gut. Ich wohne in Köln, habe einen Job und einige der Beziehungen, die geruht haben oder die sogar zerrissen waren, sind neu geknüpft. Gerade das Ansprechen dieser Problematik brachte mir viel Resonanz von Betroffenen und Angehörigen. Es haben sich Menschen bei mir gemeldet, die vorher Berührungsängste hatten, nicht wussten, wie sie mit mir umgehen sollen.

„Ich will etwas gegen die Stigmatisierung tun“

Ich nehme Tabletten, aber relativ niedrig dosiert. Die Medikamente haben gar nicht so harmlose Nebenwirkungen, zu denen eine Art gefühlsmäßiges Eingefrorensein gehört. Beispiel: ein Mensch, der hochdosiert Tabletten nimmt, wird ohne Interesse auf erste Anzeichen des Frühlings reagieren. Während „normale“ Menschen ein Gefühl von Begeisterung und Aufbruch empfinden, spürt ein solcher Mensch wenig oder nichts. Das nimmt Lebensfreude. Ich habe die Krankheit, so schwer es ist, angenommen. Ein Schritt war, diesen Artikel unter meinem Namen zu veröffentlichen. So kann ich mir kein Türchen aufhalten, dass ich ja doch nicht wirklich ein Problem habe. Für das es allerdings nicht „die“ Lösung gibt, sondern nur verschiedene Ansätze. Das eventuell immer mit Tabletten begleitet sein wird. Das Stigmatisierungen mit sich bringt. Aber dagegen, dass die Krankheit ein Tabu ist, tue ich ja jetzt etwas.

Ein Traum ist Wirklichkeit geworden…

Ein Dankesbrief erreichte uns zu Weihnachten von Achim Fuchs aus Beltheim, dem Gründer von Home of Smile: Homeofsmile Brief

Wir haben das Projekt sehr gerne unterstützt.

Link zu Home of Smile

 

Foto: Home of Smile

Unterstützung für psychisch Kranke in Südafrika

Die Sczech-Stiftung unterstützt mit 10.000 ZAR (Südafrikanische Rand) ein Fountain House Projekt, eine Organisation der Cape Mental Health Society in Südafrika. Diese engagiert sich das Stigma zu beseitigen, das mit Problemen der psychischen Gesundheit verbunden ist. Das Fountain House Team wurde um neue Mitarbeiter erweitert, damit mehr Menschen in Not erreicht werden können.

Africa_1Cape Mental Health bietet 22 Programme in schlecht ausgestatteten Gemeinden an um die Versorgungslücke im Bereich der psychiatrischen Versorgung zu verringern. Die Eden Karoo ist mit einer Gesamtbevölkerung von 574.265 Einwohnern, der größten Bevölkerung im Alter von 0-39 Jahren und nur 14,9% der Bevölkerung in der Krankenversicherung als das schlimmste Gebiet des Westkaps identifiziert worden.

Fountain House (SA) ist ein gemeindebasiertes PSR-Zentrum (psychosoziale Rehabilitation), das Menschen mit psychiatrischer Behinderung Dienstleistungen anbietet, um ihre Wiedereingliederung in die Gesellschaft und den Arbeitsplatz zu erleichtern. Dies geschieht durch die Erleichterung des Erlernens von Arbeitsfähigkeiten, die soziale Kompetenzen fördern.

Zibele Qwemesha und Brunnen Hou schrieben an die Sczech-Stiftung:

Bei Fountain House (SA) haben wir es uns zur Aufgabe gemacht, Menschen mit psychiatrischer Behinderung die Möglichkeit zu geben, so unabhängig wie möglich in ihren Gemeinschaften zu leben. Die Teilnahme von Dienstleistungsnutzern an Kunsthandwerk und Kunsthandwerk wird als therapeutische Modalität in unseren täglichen Programmen eingesetzt. Wir führen ein preisgekröntes Programm durch, weil wir zweifelsohne der Meinung sind, dass Menschen mit psychosozialen Behinderungen die gleichen Rechte und Möglichkeiten eingeräumt werden sollten wie jedem anderen Bürger. Unsere Botschaft ist kraftvoll und klar - wir konzentrieren uns auf die Fähigkeiten von Menschen mit geistiger Behinderung und nicht auf ihre Diagnosen oder auf das, was andere als Einschränkungen ansehen.
Im Geschäftsjahr 2015/16 waren es 526 Mitglieder, die unseren Service in Anspruch genommen haben.  Die Mitglieder erhielten durch ihre Teilnahme an den Aktivitäten der vier Arbeitseinheiten des Zentrums, nämlich der Verwaltung, der Gastronomie, der Werkstatt für Kunsthandwerk und der Abteilung für Arbeit und Kommunikation, eine "Training on-the-job"-Ausbildung in einer Vielzahl von Fertigkeiten. Es gab 115 Mitglieder, die Zugang zu Beschäftigungs- oder Qualifizierungsangeboten wie dem Übergangs-Beschäftigungsprogramm (TEP), geförderten Beschäftigungsmöglichkeiten, Praktika in Observatorien und Lernangeboten hatten.
Neben der starken psychosozialen Fähigkeit der Kunst, Einzelpersonen dabei zu helfen, Vertrauen zu gewinnen und sich in die Gesellschaft zu integrieren und zu vernetzen, hat die Kunst die Fähigkeit, das Leben unserer Dienstleistungsnutzer auf tiefgreifende Weise zu verändern. Es ermöglicht den Ausdruck in Form von Bildern und Symbolen, um gelebte Erfahrungen unserer Servicenutzer zu erzählen, wenn Worte nicht ausreichen. So ebnet die Kunst den Weg zu Wellness, emotionaler Wiedergutmachung und letztendlich zur Genesung. Unser Hauptziel ist es, unseren Individuen zu ermöglichen, wettbewerbsfähige Partner in der Kunstwelt zu sein. Durch unsere verschiedenen Initiativen im Rahmen unseres Tagesprogramms hoffen wir, dies zu ermöglichen.

Unsere jährliche Ausstellung (Einladung wird nach Fertigstellung verschickt) findet am 22. und 23. Februar 2018 im Theater Nassau statt. Damit diese Veranstaltung ein Erfolg wird, benötigen wir die Unterstützung von Sponsoren wie Ihnen, die uns helfen, das Gespräch zu ändern und etwas anderes auszuprobieren. Alle im Vorjahr getätigten Spenden haben uns im Werkstattbereich enorm geholfen, da es uns gelungen ist, Materialien für die von uns hergestellten und später verkauften Produkte zu beschaffen. Es ist uns auch gelungen, neue Tische und Stühle zusammen mit Schränken zu kaufen, mit denen wir unseren Lagerbestand in der Einheit sicher aufbewahren. In diesem Jahr haben wir die Kunstausstellung mit einem Musikkonzert kombiniert; Ziel ist es, die Talente unseres Künstlers einem anderen Publikum zugänglich zu machen, damit wir seine Verkaufschancen erhöhen und seine Bekanntheit als Kunsthandwerker erhöhen können. Wir haben eine Patenschaft erhalten, die unsere Standardkosten für die Zusammenstellung dieser Veranstaltung decken würde und benötigen Ihre Unterstützung mit finanziellen Mitteln, damit wir unser Projekt kunsthandwerklich aufwerten und unseren Künstlern und Handwerkern ein Stipendium zur Verfügung stellen können. Es ist unsere langfristige Strategie, unsere Ausstellungen und Stände, an denen wir jedes Jahr teilnehmen, zu verbessern, was uns hilft, ein Einkommen zu generieren und unsere Türen offen zu halten.
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Mitgliedern, die in der Werkstatteinheit arbeiten, das Foto zeigt die neuen Tische und Stühle, die wir gekauft haben. Wir hoffen, dass die Fotos zeigen, wie Ihre Beiträge zu bedeutenden Fortschritten in unserer Welt beigetragen haben, sowohl in ästhetischer Hinsicht als auch dadurch, dass sie unseren Mitgliedern helfen, Produkte in einer geeigneten und ergonomisch akzeptablen Umgebung zu betreuen und zu produzieren.
Wir sind dankbar für Ihre konsequente und kontinuierliche Unterstützung, vor allem in einer Zeit, in der unser finanzielles Klima nicht gerade für psychiatrische Dienste attraktiv ist. Fountain House würde es sehr begrüßen, wenn Sie an dieser bedeutenden sozialen Investition in Bezug auf die Förderung unserer Künstler und Handwerker durch Sponsoring unserer Veranstaltung teilnehmen würden.

Mit freundlichen Grüßen,
Zibele Qwemesha,
Brunnen Hou

Der Rhein-Hunsrück-Kreis verzaubert die Energiewelt

Ausgerechnet der strukturschwache Rhein-Hunsrück-Kreis gilt international als Vorbild für erneuerbare Energien. Von Japan bis Afrika kommen Experten und lassen sich inspirieren.

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9.11.2017 SWR2 Wissen: Vorbild Rhein-Hunsrueck -ein Landkreis-verzaubert-die-energiewelt

Ein Gruß an alle Freunde der Hunsrücker Höhenwind und den ehemaligen Landrat Bertram Fleck: In einem Pariser Café habe ich schon 2015 einen holländischen Wissenschaftler getroffen, der voller Begeisterung die Entwicklung im Hunsrück wahrgenommen hat.

Der Kreis produziert heute dreimal so viel erneuerbaren Strom wie er selbst verbrauchen kann. Vor 20 Jahren sah das hier noch ganz anderes aus – keine einzige Kilowattstunde wurde vor Ort erzeugt. Auch im Wärmebereich schreitet die Entwicklung stetig voran. Bei Einsparungen, dem Bau von Nahwärmenetzen und Fotovoltaikanlagen. Der Erfolg des Rhein-Hunsrück-Kreises macht immer mehr Menschen neugierig. Nicht zuletzt durch den Gewinn des Europäischen Solarpreises im Jahr 2011. Wie geht so was? Rechnet sich das – auch wenn es keine staatliche Förderung erneuerbarer Energien gibt? Bisher haben Delegationen aus 34 Nationen den Kreis besucht, um sich von der Energiewende berichten zu lassen … weiterlesen bei SWR2