Mitbringsel aus Paris

Alle Fotos zur freien Verwendung, 12.12.2015 Reinhard Sczech

Motivation und Erleichterung

Ich war drauf und dran zu verzweifeln. Kann die Menschheit denn wirklich so blöd sein? Jetzt bin ich wieder hoch motiviert. Das waren lehrreiche Tage in Paris.

ClimateJustice_2015_12_12_Paris_23Ein Gruß an alle Freunde der Hunsrücker Höhenwind Gesellschafter und Bertram Fleck: In einem Pariser Café habe ich einen tollen holländischen Aktivisten getroffen, der voller Begeisterung die Entwicklung im Hunsrück wahrgenommen hat. Eine Botschaft an alle die jetzt noch gegen die Windenergie kämpfen: Ja, es gibt Beeinträchtigungen, ja das Landschaftsbild ändert sich, ja es gibt Fehlplanungen. Aber ihr könnt euch überhaupt nicht vorstellen, mit wie vielen Hoffnungen Menschen aus aller Welt auf Deutschland schauen.

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Der Hunsrück exportiert erneuerbare Energie. Nachhaltig! Bitte macht mit, oder wenn ihr schon nicht mitmachen wollt, macht den Weg frei. Ihr wollt die Heimat erhalten wie sie ist – aber Zerstörungen währen die Folge, die unsichtbar für unsere Kameras und Reporter bei den ärmsten der Armen angefangen haben und auch uns erreichen werden.

Die Prinzen

Saudi-Arabien alimentiert 7000 (geldgierige?) Prinzen. Prinz al-Walid Bin Talil, seine Frau und seine Kinder wohnen in 320 Zimmern in einem sandfarbenen Palast, der mit italienischem Marmor ausgekleidet ist, mitten in Riad.

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Dazu kommen drei Hallen-Schwimmbäder, Tennisplätze, 250 Fernseher, ein Kinosaal und fünf Küchen, die 2000 Gäste auf einmal beköstigen können. In der Garage des Prinzen stehClimateJustice_2015_12_12_Paris_31en 200 Luxusautos, darunter Rolls-Royce, Ferrari und Lamborghini. Dieser Reichtum wird von Öl gespeist. Könnt ihr euch vorstellen, welcher Kampf es war die Zustimmung der Saudis zu bekommen? Könnt ihr euch vorstellen, wie bitter die neusten Abschätzungen der Klimaforscher sind, um selbst ein Kopfnicken zu bekommen, das Saudi Arabiens Geschäftsmodell völlig in Frage  stellt?

 

2050 „klimaneutral“

Die Koalition der „Ambitionierten“ hat sich in Paris durchgesetzt. Beschlossen wurde, dass die Menschheit ab 2050 „klimaneutral“ lebt. Ursprünglich sollte im Vertrag stehen, dass die Menschheit ab 2050 „Treibhausgas-frei“ lebt. Aber das scheiterte an den erdölproduzierenden Ländern. „Treibhausgas-frei“ hätte bedeutet, dass diese Länder bald kein Erdöl mehr fördern dürften. Der jetzige Beschluss besagt, dass die Treibhausgase, die nach 2050 noch entstehen, kompensiert werden müssen – etwa durch Aufforstung oder neue Technologien.

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Climate Justice! Now!ClimateJustice_2015_12_12_Paris_35

„Die Weltgemeinschaft hat verstanden, dass die Gefahren durch den Klimawandel viel größer sind als zuvor angenommen“, sagte Bill Hare, der Chef des Forschungsinstituts Climate Analytics. „Das Paris-Abkommen ist ein historischer Wendepunkt für die ganze Welt.“

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Die roten Linien werden gezogen: Clim Acts aus Australien

Ärmel aufkrempeln

„Wir sind extrem glücklich“, erklärte EU-Klimakommissar Miguel Arias Cañete. Die Schweizer Bundesrätin Doris Leuthard sagte: „Für die Schweiz war es wichtig, dass alle Verantwortung übernehmen und die Zweiteilung aufgehoben wird.“ Aber auch Südafrikas Umweltministerin Edna Molewa sieht einen „Wendepunkt zu einer besseren und sichereren Welt“. ClimateJustice_2015_12_12_Paris_36

Frankreichs Präsident François Hollande sagte sogar: „Wir haben heute die beste und friedlichste Revolution geschafft – eine Revolution für den Klimaschutz“. Und Bubu Pateh Jallow, einer der Chefunterhändler der ärmsten Staaten, sagte: „Der Vertrag ist eine wirklich gute Arbeitsbasis“.

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„Die Unterschrift ist nur der Anfang, jetzt geht es darum, ihn auch umzusetzen.“ Russlands Umweltminister Sergej Donskoj betonte: „Jetzt steht uns die Ratifikation bevor!“ Der hintere Teil der Vereinbarung nämlich, zwölf der 31 Seiten, muss zu nationalem Recht werden. Und das in jedem der 195 Mitgliedsländer, ein Prozess, der im Falle des Kyoto-Vertrages acht Jahre gedauert hat. Aber diesmal soll der Paris-Vertrag bereits ab 2020 gelten – in vier Jahren.

ClimateJustice_2015_12_12_Paris_39Dass dieses Ziel nun benannt wird, bedeutet: Die Weltgemeinschaft hat endlich realisiert, wie ernst die Warnungen sind, die die Klimaforscher aufgestellt haben. So weit, so gut, aber auch so unzulänglich. Denn diese Erkenntnis wird – zumindest noch – nicht ausreichend in konkretes Handeln umgesetzt.

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Fakt ist: Die Treibhausgas-Limits, die die Länder der Erde sich gegeben haben und die die Basis des Paris-Vertrags bilden, bringen die Welt nur auf einen Drei-Grad-Pfad – also auf einen Kurs, bei dem Elemente des Klimasystems destabilisiert würden, darunter der Grönland-Eisschild, die Permafrostböden und die Regenwälder. Höhere Ansprüche trauten sich die Architekten des Paris-Deals nach dem Kopenhagen-Debakel nicht mehr zu stellen.

Gewaltfrei und ohne Presse

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Tolle Tage in Paris, mit Wechselbädern der Gefühle

Tja Leute, wir haben uns das Demonstrationsrecht erkämpft. Entschieden und gewaltfrei. In der deutschen Presse habe ich noch kein Wort darüber gelesen. Über die Demo am Eifelturm wurde bischen berichtet. Aber die vorhergehende und aus meiner Sicht wichtigere in der Avenue de la Grande Armée vor dem Arc de Triomphe wurde fast ausschließlich über soziale Medien, wie diesen Blog transportiert.

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Sind wir mal milde, das Demonstrationsverbot hat natürlich dazu geführt, dass auch die Presse nicht über die Details der Planungen informiert war.

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Ein Tourist aus China macht auch spontan mit. „Very big problems in China“
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und Mainz trifft auf Oppenheim (on the left side Esmathe Gandi, Président ATTAC Togo)

 

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und Mainz trifft auf Oppenheim
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zum Abschluss wird ergreifend mitreißend gesungen
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Reinhard Sczech

Quellen

Klimaretter.Info

Skeptical Science

350.org   

Video von der Demo

DemocracyNOW

ARD Tagesschau COP21 live Blog

SonnenSeite

germanwatch

 

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Paris 2015 kann die Welt ändern

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Die Demonstranten sind entschlossen

Die politische Führung der Pariser Polizei hat die Situation richtig eingeschätzt. Die Demonstranten waren zwar nicht in riesengroßen Massen, aber dafür umso fester entschlossen ein Zeichen zu setzen.

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Es wurde klar gemacht, um 12 Uhr werden wir auf die Avenue de la Grande Armée strömen, den Verkehr stoppen und auf der breiten Prachtstraße vor dem Arc de Triomphe unsere roten Linien ziehen.

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1,5 Grad oder Chaos

Wir fordern Klimagerechtigkeit. Jetzt.

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Ami Goodman von Democracy Now interviewt ein Paar. Democracy Now hat eine fantastische Berichterstattung während des Gipfels gemacht.

Ich saß schon eine Stunde vorher am vereinbarten Treffpunkt unserer Gruppe im Café Victor Hugo. Schnell erkannte ich an den roten Utensilien wer wohl noch alles zu bereit ist, sich über das Demonstrationsverbot hinwegzusetzten.

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Wir brachen auf. In den Nebenstraßen viel Polizei, alle schwer bewaffnet aber entspannt. Wir wussten: diese Auseinandersetzung haben wir gewonnen. Auf der Avenue de la Grande Armée angekommen, war ich einfach nur überwältigt. Die Straße war uns.

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Die Straße gehört uns
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Vorne ringen Clowns den Polizisten ein lächeln ab.

 

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… jetzt bin ich etwas schlapp und trinke mal zur Feier des Tages einen guten Rotwein.

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Reinhard Sczech, Paris 2015

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Blockade bei den Klimaverhandlungen in Paris

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Broschüren mit Gesundheitshinweisen und rechtlichen Infos werden verteilt

Ich bin völlig fasziniert mit welcher Entschlossenheit, Mut, sozialer Kompetenz und vor allen Dingen Phantasie und Intelligenz hier in kleinen Gruppen die Aktionen für morgen vorbereitet werden.

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An alle Aktivisten wird eine rote Blume verteilt

Ich habe aber auch Angst vor der französischen Polizei. Tipps wie „wickele dir Zeitungen ums Schienbein, da hauen die gerne drauf“ beunruhigen mich Schisser eher. Es wird eine Aktionsbereitschaft ermittelt. In die eine Ecke des Raumes gehen die, die sich zutrauen vorne mit dabei zu sein, in die zweite Ecke die, die mehr zuschauen. Dann können sich auch Kleinstgruppen auf dieser Raumachse dazwischen positionieren. Ich stehe im Raum, aber sehr nahe an Ecke zwo.

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Tag der Vorbereitungen, durchdacht und klasse organisiert

Was ist eine Demonstration?

Demonstrationen sind morgen in Paris strengstens verboten. Was ist eine Demonstration? Wenn mehr als zwei Menschen die gleiche politische Meinung kundtun. Deshalb werden wir alle nur zu zweit losschwärmen.

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Neben den roten Blumen wird es morgen viele rote Regenschirme, Jacken und Schals geben, um die symbolischen roten Linien zu ziehen.

Zum Abschluss der Klimaverhandlungen werden also Tausende von Menschen paarweise auf die Straßen ziehen, um das letzte Wort zu haben und um zu zeigen, dass wir unsere Zukunft selbst in die Hand nehmen. So schaffen wir die Voraussetzungen für weitere Aktionen im Jahr 2016.

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So soll es ablaufen: Gegen 11:45 Uhr treffen wir uns auf den Bürgersteigen entlang der Avenue de la Grande Armée zwischen der Place de Etoile und Porte Maillot. (nicht am Arc de Triomphe — dort werden Versammlungen sofort aufgelöst).

 

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Folgen den roten Pfeilen entlang der Straße, um zum Veranstaltungsort zu gelangen

12:00 Uhr sollen Signale eines Nebelhorns ertönen, dann schlendern wir paarweisen Fußgänger auf die Avenue de la Grande Armée bis es anfängt zu strömen. Dort den roten Schirmen und Pfeilen die uns leiten hinterher. Auf der Straße, so der Plan, Tausende roter Tulpen verteilen, riesigen Transparente entrollen und eine lange „rote Linie” bilden.

Wenn die Nebelhörner ein zweites Mal ertönen, heißt es zwei Minuten lang schweigend innehalten, bis Blaskapellen anfangen zu spielen. Danach legen wir unsere Blumen zum Gedenken an die Opfer des Klimawandels auf die Straße.

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Hochkonzentriert werden im Plenum Fragen gestellt und beantwortet
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Der Plan für morgen: Wie auch immer das Gipfeltreffen ausgehen mag, Folgendes gilt weiterhin: Es sind nicht Politiker*innen die Bewegungen anführen – sondern die Menschen.

Der Veranstaltungsort wurde bis jetzt geheim gehalten, damit  effektiv mobilisiert werden kann. Nachdem jetzt alle Details feststehen und noch 24 Stunden bleiben, ist es an der Zeit, dass die Öffentlichkeit über die Aktionen informiert wird.

Die Lösungen liegen auf der Hand: Wir müssen aufhören, fossile Brennstoffe zu fördern und zu verbrennen. Stattdessen, wo immer möglich, erneuerbare Energien ausbauen und Sorge tragen, dass die am schlimmsten vom Klimawandel betroffenen Regionen über die nötigen Ressourcen verfügen um der Krise zu begegnen. Dies könnte ein Wendepunkt sein – dafür kämpfen die Demonstranten in Paris.

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noch einige juristische Hinweise zum mitschreiben

ARD-Reporter Werner Eckert hat beim Klimagipfel eine Veranstaltung von Wissenschaftlern besucht, die Auswirkungen des künftigen Klimavertrags untersuchen. Hier sind seine Eindrücke: „Gefährlich bis tödlich nennt Professor Kevin Anderson vom „Tyndall Center for climate change“ den derzeitigen Verhandlungsstand. Fünf wissenschaftliche Institute sind sich einig: dass darin maximal 1,5 bis zwei Grad Erderwärmung als Ziel festgeschrieben werden, ist gut, aber für sich genommen nur eine Hausnummer. Alle konkreten Vorgaben für die Staaten sind bereits aus dem Entwurf gestrichen. Das ist alles vage und setzt keine klaren Signale, sagt Professor Johan Rockström von der Universität Stockholm. Er rechnet vor: Wenn nur die bereits eingereichten, freiwilligen Selbstverpflichtungen der Länder umgesetzt werden, dann führt das die Welt auf mehr als drei Grad zu. Und da es bis 2030 auch keine Verbesserungen geben muss, wird bis dahin so viel Co2 ausgestoßen, dass damit auch die Chance vertan ist, jemals unter zwei Grad zu bleiben.

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Die Zukunft des Kindes dass dieses Bild zum Klimagipfel gemalt hat, steht auf der Kippe. Bitte auf das Bild doppelt klicken um es zu vergrößern.

Ungenügend nennt auch Professor Hans Joachim Schellnhuber vom Potsdam Institut für Klimafolgenforschung die konkreten Vorgaben für den Klimaschutz. Er vertritt allerdings die Auffassung, dass die Atmosphäre vorübergehend mehr CO2 vertragen würde, wenn man es anschließend – durch Aufforstung zum Beispiel – wieder herausholt. 1,5 Grad erscheinen nach Angaben der Wissenschaftler unrealistisch. Dazu müsste der Kohle-, Öl- und Gasverbrauch der gesamten Welt schon 2020 seinen Höhepunkt erreichen und danach stark sinken, spätesten 2050 „0“ sein. Die Wissenschaftler sind auch enttäuscht davon, dass von „Dekarbonisierung“, also vom Abschied von fossilen Brennstoffen, nicht mehr die Rede ist. Stattdessen ist nun von „Treibhausgas-Neutralität“ die Rede. Das unterstellt nämlich, dass Wälder und Ozeane CO2 aufnehmen. Steffen Kallbekken von der Universität Oslo nennt das riskant. Bislang speichere der Ozean nämlich 55 Prozent der Treibhausgase. Aber erstens wird er dadurch immer saurer und zweitens werde das nicht unbeschränkt weiter so gehen.“

 

 

Climate Action Zone ZAC

Fotos: Reinhard Sczech, 10.12.2015

Wie bei allen meinen Reisen: etwas abgehetzt und vermutlich was Wichtiges vergessen, Einstieg in den IC, Mainz Hauptbahnhof Richtung Mannheim, von dort mit dem französischen TGV weiter. In Schnellzugsteige n in Saarbrücken fünf fett bewaffnete französische Polizisten ein. Sofort Unruhe, kurz darauf Schreie und Sc20151210_solutions_3himpfen. Dann Ruhe. Auf dem Sitz links vor mir, schläft ein junger Mann. Ich wundere mich, warum er trotz dem Lärm nicht einmal den Kopf hebt. Dann kommen drei Beamte zu uns. Sehen mich kurz an, rütteln an dem jungen Mann: „Passport?“. Der etwa 19-jährige schüttelt den Kopf. „Nationality?“ „Afghanistan“. Routiniert zieht einer den Jungen aus dem Sitz, mit traurigem Gesicht und stumm lässt er es geschehen, alle verschwinden im nächsten Wagen. Eine Frau schimpft auf französisch. Zwei Minuten später „außerplanmäßiger Halt in Forebach“. Die Polizisten und sechs junge Männer verlassen den Zug. Die verbleibenden schauen sich betroffen an.
So verlaufen die ersten Stunden meiner Reise zum Klimagipfel nach Paris. Wir fahren gerade 311 Kilometer pro Stunde.

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Solutions COP21

Nachmittags besuche ich das offizielle Rahmenprogramm für den Weltklimagipfel: „Solutions COP21“ im Grand Palais. Wegen Kontrollen wie am Frankfurter Flughafen eine Stunde Wartezeit, obwohl nicht besonders viel los ist. Das Programm finde ich großenteils enttäuschend. 20151210_solutions_2Einige Firmen sind echt bemüht, aber beispielsweise bei Coca Cola werde ich reflexartig misstrauisch. Von einem Schweizer Forscher der „Horizon Social Media Analytics“ nehme ich am meisten mit. Darüber werde ich einen eigenen Beitrag schreiben.

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Viele Kameras, viele Reden, wenig Publikum bei den Solutions COP21
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Bei der Rheinland-Pfalz Ausstellung in Mainz war deutlich mehr los als bei den Lösungen für die Weltrettung in Paris 2015
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Ein spannendes Gespräch, wie man die Stimmungen in den Social Media analysiert
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In der ZAC war nun aber richtig was los

Climate Action Zone (ZAC)

In der ZAC sollte eigentlich von den Umweltgruppen die gr20151210_ZAC_6oße Klimaschutzdemonstration am Ende des Klimagipfels vorbereitet werden. Bündnisse aller Schattierungen rund um den Globus hatten ihre Mitarbeit angekündigt. Dann kamen die Terroranschläge am 13. November wie eine Seuche über Paris. Vollständiges Demonstrationsverbot.

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Überwiegend junge Menschen interessiert die Rettung der Zivilisation, die anderen kämpfen mit den Alltagsproblemen

Als Alternative werden nun fantasievolle, gut organisierte, gewaltfreie aber entschiedene Aktionen geplant. Als ich ins ZAC komme, ist die Plenumshalle rappelvoll. Es wird diskutiert was zu tun ist und wie die Lage politisch einzuordnen ist. Im Plenum sitzt auch Naomi Klein. Die anderen kenne ich nicht, viele der Redebeiträge sind in französisch. Sprachbegabung hat man mir leider nicht mit in die Wiege gelegt.

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Diese Menschen zu erleben…. ich bin froh, doch nach Paris gefahren zu sein

Naomi Klein räumt freimütig ein, dass auch sie erst vor 10 Jahren die volle Brisanz des Klimawandels begriffen hat.

Klick gemacht

Wenn ich tief in mich gehe, muss ich gestehen bei mir sind es weniger als fünf Jahre her bis es „klick“ machte. Was eigentlich schon beschämend ist, da ich als Ingenieur sowohl mit Regelkreisen wie auch Statistik und nichtlinearen Simulationsverfahren reichlich Erfahrung sammeln durfte. Aber trotz vielfältiger Literatur hat mein Gehirn sich einfach geweigert die bittere Wahrheit voll zu realisieren. Wie auch. Da liest du eine alptraumhafte Analyse, die menschliche Zivilisation ist dabei sich auszulöschen, das sechste große Massensterben auf dem Planeten hat begonnen, du schaltest den Fernseher an, „und nun die Lottozahlen“.

Sicher, ich war schon viele Jahre vorher umweltbewusst, habe in Windenergie investiert (und damit sehr gut verdient), Müll getrennt, dicke Autos vermieden, Greenpeace unterstützt, die Grünen (oft sehr zähneknirschend) gewählt und nur Ökostrom durch die Steckdosen gejagt. Aber begriffen hatte ich es nicht wirklich.
Jetzt bin ich in Paris, um die Luft um den Weltklimagipfel einzuatmen und ein Gefühl dafür zu bekommen: Wie groß sind die Chancen der Menschheit die Kurve zu bekommen?
Es muss zweifellos eine sehr scharfe Kurve sein, eine Revolution. Die Zeit zum herumzackern haben wir nun wirklich nicht mehr.

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Etwas wehmütig kommt mir der Eiffelturm vor

Islamischer Staat

von Clemens Ronnefeldt

der nachfolgende Beitrag zum Thema "Islamischer Staat" wird (gekürzt)in der nächsten Ausgabe der Zeitschrift "Friedensforum" (Bonn) erscheinen

1. Entstehung

Die Ursprünge des „Islamischen Staates“ (nachfolgend: IS) sind beim irakischen Zweig von al-Qaida zu suchen. Der Jordanier Abu Musab al-Zarqawi kämpfte zunächst in Afghanistan für al-Qaida, bevor er Anfang des neuen Jahrtausends nach Irak ging und von dort Terroranschläge in Jordanien organisierte.

450px-WotboxfrontNach dem Irak-Krieg 2003 wurde al-Zarqawi Befehlshaber von al-Qaida im Irak, von wo aus er mit Anschlägen gegen die westlichen Invasoren, deren Botschaften sowie gegen Schiiten und deren Heiligtümer bekannt wurde. Im Jahre 2006 wurde er durch eine US-Bombe getötet. Sein Nachfolger Abu Omar al-Baghdadi wurde im Jahre 2010 ebenfalls umgebracht. Bereits unter seiner Führung benannte sich al-Qaida im Irak in „Islamischer Staat im Irak“ (ISI) um.

082007_terrorIn dem intensiv geführten sunnitisch-schiitischen Krieg im Irak unterstützte die US-Regierung die sunnitischen Stammesführer, die wiederum al-Qaida bekämpften. Im Jahre 2010 übernahm der heutige IS-Kalif Abu Bakr al-Baghdadi, geboren 1971 im irakischen Samarra, die Führung von al-Qaida im Irak. Nachdem al-Baghdadi aus einem US-Gefangenenlager, wo er im Jahre 2004 mit vielen ehemaligen Offizieren der irakischen Armee unter Saddam Hussein Kontakt hatte,entlassen worden war, promovierte er zum Thema „Scharia“.mappit

Während Michael Lüders schreibt, dass al-Baghdadi „2004 einige Monate in US-Gewahrsam verbrachte“ (S. 89), berichtet Loretta Napoleoni: „Al-Baghdadis Gepflogenheit, sich dem Scheinwerferlicht fern zu halten, wurzelt möglicherweise in seiner fünfjährigen Inhaftierung in Camp Bucca“ (S. 35). Vor seiner Verhaftung 2004 arbeitete al-Baghdadi als Imam in Falludscha, wo die US-Armee besonders gewalttätig agierte. Mit der al-Qaida-Führung in Pakistan kam es zum Bruch: Der Nachfolger von Usama Bin Laden, Ayman al-Zawahiri, wollte einen globalen Jidad gegen die westlichen Invasoren unter US-Führung, al-Baghdadi hingegen kämpfte im Irak vor allem gegen Schiiten und andere Andersgläubige – und wollte einen konkreten Islamischen Staat errichten.

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„Diesen Weg, Ungläubige“

Der Krieg in Syrien verhalf al-Baghdadi zur Machtausdehnung. Der „Islamische Staat im Irak“ hatte die Al-Nusra-Front mitbegründet, deren Ziel vor allem de Sturz der syrischen Regierung war und ist. Im Jahre 2013 erklärte al-Baghdadi, dass der „Islamische Staat im Irak“ und die Al-Nusra-Front zukünftig unter dem Namen „Islamischen Staat im Irak und in der Levante“ (ISIL) firmieren würden.

911-360x270Diese Vereinnahmung der Al-Nusra-Front wollten Teile der Nusra-Front-Führung nicht hinnehmen, wodurch es zu einer Spaltung kam. Wegen der militärischen ISIL-Erfolge, deren Durchschlagskraft und guter Ausrüstung bekam ISIL immer mehr Zulauf, wodurch im östlichen und nördlichen Teil Syriens große Gebiete unter ISIL-Kontrolle kamen, einschließlich der Provinzhauptstadt Raqqa.

Jihad-John-Executes-Syrian-OfficersAl-Baghdadi vermied bis Mitte 2014 militärische Kämpfe gegen die syrische Armee, sondern ging gegen Rebellen vor. Im Juni 2014 eroberten ISIL-Truppen Mosul – wodurch al-Baghdadi und dessen Führungskader riesige Mengen an Rüstungsgütern – Panzer, Geschütze, gepanzerte Fahrzeuge – in die Hände fielen, die zuvor die US-Regierung an die irakische Armee geliefert hatte. Nach der Eroberung Mosuls änderte al-Baghdadi erneut den Namen: aus ISIL wurde IS – der „Islamische Staat“ – und er selbst erklärte sich zum Nachfolger (Khalifa) des Propheten Mohammed: Zum neuen Kalifen des IS. Gegen diesen Anspruch protestieren zahlreiche sunnitische Rechtsgelehrte, darunter auch die für die gesamte islamische Welt äußert bedeutsame Azhar-Universität in Kairo. (Perthes, S. 92-98).

2. Ideologie

Als der IS noch den Vorläufernamen „ISIL“ bzw. „ISIS“ trug, stand diese Abkürzung für „Islamischer Staat im Irak und in Scham“  – wobei „Scham“ sowohl mit „Großsyrien“ als auch mit „Damaskus“ und „Levante“ übersetzt werden kann. „Scham“ umfasst für gläubige Muslime die Gebiete Syrien, Libanon, Israel, Palästina und Jordanien.oil_v

Jerusalem ist wegen des Felsendoms und der Al-Aqsa-Moschee sowie der Himmelfahrt des Propheten Mohammed der drittwichtigste Ort nach Mekka und Medina. Damaskus war während der Zeit der Omajjaden-Dynastie (661-750), deren islamisches Herrschaftsgebiet über die arabische Halbinsel, Nordafrika, Spanien bis an die Pyrenäen und im Osten bis nach Indien reichte, die Hauptstadt dieses größten Kalifats der gesamten Geschichte.

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The Washington Post, 17. Januar 2015

Sunniten wie Schiiten glauben, dass es in „Scham“ zu einem heilsgeschichtlichen Endkampf, einem „Armageddon“ kommt. Sie stützen sich dabei auf den Ausspruch des Propheten Mohammed: „Die letzte Stunde der Geschichte wird erst kommen, wenn die Römer entweder bei Al-A´maq oder bei Dabiq aufmarschieren (beide Orte liegen nordöstlich von Aleppo, direkt an der türkischen Grenze. Mit ‚Römer‘ ist Byzanz gemeint, Michael Lüders). Dann wird eine Armee aus Medina, eine Armee der besten den Volkes auf Erden, aufbrechen und sich ihnen stellen“ (Lüders, S. 88).

Nach der Überlieferung wird die muslimische Armee einer feindlichen Übermacht aus 42 Heeren entgegen treten und diese vernichtend schlagen. Schiiten glauben, dass erst nach dieser endgültigen Schlacht der Erlöser, der Mahdi, erscheinen wird, um die Gläubigen ins Paradies zu führen. „Radikale Sunniten deuten diesen Hadith (Ausspruch des Propheten Mohammed, Anm. von C.R.) als Versprechen eines endgültigen Siegs über die Ungläubigen, einschließlich der Schiiten.

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In den Straßen von Basrah/Irak (Foto R. Sczech 1979)

Die unterschiedliche Auslegung ist ein Grund dafür, warum den Schiiten der Dschihad gegen Nichtmuslime weitgehend fremd geblieben ist“, schreibt Michael Lüders (S. 89). „Dabiq“ heißt die eine Propaganda-Hochglanzbroschüre des IS, die in vielen Sprachen, darunter deutsch, im Internet angeboten wird und auf den zitierten Ausspruch des Propheten Bezug nimmt. IS-Kämpfer sehen sich selbst als die prophezeite „Armee aus Medina“. Michael Lüders zieht als Fazit: „Man sollte die Wirkungsmacht solcher Heilsversprechen unter emotional aufgeladenen Gläubigen, besonders im Umfeld von Krieg und Gewalt, nicht unterschätzen“ (S. 89).

Die Ausrufung des IS-Kalifats erfolgte am 29. Juni 2014, dem ersten Tag des Fastenmonats Ramadan. Michael Lüders zitiert den Islamwissenschaftler Stephan Rosiny, der die erste Freitagspredigt von al-Baghdadi am 4. Juli 2014 in Mosul analysiert hat: „Wegen seiner im ‚Dschihad‘ erlangten Kriegswunde erklomm ‚Kalif Ibrahim‘ nur humpelnden Schrittes die Kanzel. (…) Er war mir schwarzem Turban und Umhang gekleidet, wie sie auch Mohammed bei der Rückeroberung Mekkas im Jahr 630 getragen haben soll“. Lüders folgert: „Deswegen auch die schwarze Fahne des ‚Islamischen Staates‘ und die häufig schwarze Kleidung seiner Kämpfer, die ebenfalls auf dies Rückeroberung anspielen. Mehr noch, schwarze Uniformen und Flaggen gehörten zur höfischen Etikette der Abbasiden im achten Jahrhundert und erinnern so an das goldene Zeitalter des Islam“ (Lüders, S. 92).

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Ausgesprochen freundlich grüßten Kinder am Schatt el-Arab  (Foto R. Sczech, 1979)

Der neue Kalif versprach in seiner ersten Predigt, die „Würde, Macht, Rechte und Führerschaft der Vergangenheit zurückzugeben“ (L. Napoleoni, S. 15). Der „Islamische Staat“ unter dem Kalifen al-Baghdadi sieht sich in der Tradition sowohl des Omajjaden-Weltreiches mit der Hauptstadt Damaskus als auch in der Tradition des nachfolgenden Abbasiden-Weltreiches mit der Hauptstadt Bagdad – und damit als Hüter des Erbes von Mohammed und des wahren islamischen Glaubens. Dies ist auch der Grund, warum der selbst ernannte Kalif al-Baghdadi alle muslimischen Gläubigen weltweit dazu aufgerufen hat, in den „Islamischen Staat“ zu kommen, der seiner Ansicht nach das neue globale spirituell-geistige Zentrum des Islam darstellt: „Wer kann, soll in den Islamischen Staat einwandern, denn die Übersiedlung ins Haus des Islam ist eine Pflicht“, so al-Baghdadi bei der Ausrufung des Kalifats (Napoleoni, S. 96) – und ergänzte: „Eilt, o ihr Muslime in euren Staat. (…) Dies ist mein Rat an euch: Wenn ihr an ihm festhaltet, werdet ihr Rom und die Welt erobern, so Allah es will“ (Napoleoni, S. 98). Der IS-Sprecher Abu Mohammed al-Adnani lässt an Deutlichkeit des IS-Machtanspruchs nicht zu wünschen übrig: „Mit der Ausdehnung des Herrschaftsgebiets des Kalifen und der Ankunft seiner Truppen wird die Legalität aller Emirate, Staaten, Gruppen und Organisationen hinfällig“ (L. Napoleoni, S. 14).

3. Aufbau und Strukturen

Kalif al-Baghdadi hat den IS in Regierungsbezirke aufgeteilt, die wiederum in Provinzen gegliedert sind. Reichere Bezirke zahlen an ärmere eine Art „Länderfinanzausgleich“. Der Kalif hat alle relevanten Berufsgruppen in Syrien und Irak persönlich aufgerufen, am Aufbau des neuen Staatswesens tatkräftig mitzuhelfen.  Schulen und Universitäten sind im IS, auf dessen Gebiet rund sechs Millionen Menschen leben, geöffnet.

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Die Ölfelder des „Islamischen Staates“ sind groß – aber nicht so groß wie angenommen. (Foto: SZ-Grafik, SZ-Recherche)

Es gilt die Wehrpflicht, der neue Staat erhebt Steuern und Abgaben. Davon werden u.a. auch Suppenküchen für Arme sowie Renten für Witwen getöteter IS-Kämpfer finanziert. Mitarbeiter des IS kümmern sich um Stromversorgung und Müllabfuhr, anders als al-Qaida oder andere Terrororganisationen legt der IS großen Wert auf den Aufbau tragfähiger Strukturen eines Staates.

Größere finanzielle Zuwendungen erhält der IS aus den reichen Golfstaaten. Der Verkauf von Erdöl – sowohl an die Türkei wie auch die syrische Regierung (L. Napoleoni, S.52)  – bringt Deviseneinnahmen in Höhe von zwei Millionen US-Dollar pro Tag (Wall Street Journal, 16.4.2014).

Weitere Einnahmequellen sind Schmuggelgeschäfte, Schutzgelderpressungen und Lösegeldzahlungen für die Freilassung von Geiseln. Während viele Regierungen Lösegeld an den IS für ihre jeweiligen Staatsangehörigen zahlen, weigern sich die US-amerikanische und britische Regierung, dies zu tun.

Nach der Eroberung von Mosul im Sommer 2014 beschlagnahmte der IS von der Zentralbank Gelder in Höhe von 425 Millionen US-Dollar, die sowohl für militärische Zwecke wie auch für eine „Kampagne, die Herzen und die Zustimmung der Bevölkerung zu gewinnen“ (Napoleoni, S. 58) verwendet werden. Die Zahl der Kämpfer wird nach unterschiedlichen Quellen auf 25.000 bis mehr als 50.000 Mann geschätzt, ebenso viele Zivilisten sollen im Dienst des IS als Verwaltungsmitarbeiter beschäftigt sein. Kämpfer erhalten einen Monatslohn zwischen 200 und 600 US-Dollar, Verwaltungsangestellte rund 300 US-Dollar, Abteilungsleiter bis zu 2000 US-Dollar, schreibt Michael Lüders (S. 96).kampf_der_religioten_2389185

Loretta Napoleoni dagegen verweist auf Quellen, die von einem niedrigeren Sold ausgehen: „Freigegebene Dokumente des US-Außenministeriums zeigen, dass während einer bestimmten Aufzeichnungsperiode ‚der durchschnittliche Soldat des Islamischen Staates einen Grundlohn von gerade mal 41 Dollar im Monat verdiente, viel weniger als ein irakischer Arbeiter wie beispielsweise ein Maurer, der monatlich 150 Dollar verdient“ (L.Napoleoni, S. 55). Der Kalif hat zwei Stellvertreter, von denen je einer für Irak und für Syrien zuständig ist.

In einem „Führungsrat“ berät eine kleine Gruppe von Vertrauten des Kalifen die Politik des IS. In einem „Kabinett“ sitzen Manager und Technokraten, die sich um Sicherheit, Finanzen, Medienarbeit, Rekrutierung und andere Aufgaben eines Staates kümmern. Auf lokalen Ebenen sind im IS „regionale Räte“ eingerichtet, die mit zivilen und militärischen Aufgaben betraut sind und als Ansprechpersonen für die jeweilige lokale Bevölkerung dienen. In diesen Räten sollen auch zahlreiche ehemalige Offiziere der aufgelösten irakischen Armee unter Saddam Hussein beschäftigt sein.

Eine Religionspolizei achtet auf die Einhaltung der Scharia. In einem offiziellen Dokument mit dem Titel „Bekanntmachung Nummer 006“ des IS vom 18. April 2014 steht zu lesen: „Die folgenden Fakultäten und Abteilungen, die sich gegen die Scharia richten, werden geschlossen und abgeschafft:

  • Fakultät für Jura, Politikwissenschaft und Kunst.
  • Archäologie, Sporterziehung und Philosophie.
  • Tourismus und Hotelmanagment.
  • Abgeschafft werden ebenso alle Lehrinhalte, die gegen die Scharia sind:
  • Demokratie, Kultur, Freiheit und Rechte.
  • Romane und Theaterstücke in den Sprachen Englisch und Französisch und generell Übersetzungen.
Fanatismus einst und heute
Fanatismus einst und heute

Die folgenden Fragen werden nicht thematisiert: Nationalität, ethnische Zugehörigkeit, Geschichte, Grenzziehung. Die Lehrkräfte sind gehalten, stets Folgendes zu beachten: Trennung von Männern und Frauen gemäß Scharia. (…) Diese Bekanntmachung ist ein Befehl. Er ist verpflichtend. Zuwiderhandlungen werden bestraft. Allahs Befehle führen zum Sieg, aber vielen Menschen ist das nicht bewusst. Gott sei gepriesen“ (Lüders, S. 97).

Die Brutalität, mit der IS-Gerichte vorgehen, ist vielfach belegt: „In der syrischen Stadt Manbidsch beispielsweise hackten IS-Vertreter vier Dieben die Hände ab (…), peitschten Menschen wegen Beleidigung ihrer Nachbarn aus, konfiszierten und vernichteten gefälschte Medikamente und exekutierten und kreuzigten mehrere Personen wegen Glaubensabfall und Mord“ (Napoleoni, S. 68).

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Ein Soldat der irakischen Armee führt durch Ur, eine der ältesten sumerischen Stadtgründungen und altes Zentrum in Mesopotamien (Foto R. Sczech, 1979)

Eine Grundlage für den Machtzuwachs al-Baghdadis liegt auch in seinem politischen Pragmatismus. Als im irakischen Falludscha sich die dortigen Stämme weigerten, „die ISIS-Fahnen aufzuhängen, wies er seine Kämpfer an, auf das Hissen der Flagge zu verzichten und statt dessen die Kooperation der Kämpfer bewaffneter Gruppen sowie der Clans und Gläubigen zu suchen“ (L. Napoleoni, S. 53).

4. IS – Produkt verfehlter westlicher Interventionspolitik

Zum Thema „Afghanistan“ zitiert Michael Lüders aus einem Interview der französischen Zeitschrift „Le Nouvel Observateur“ vom Januar 1998 mit Zbigniew Brezinski, ehemaliger nationaler Sicherheitsberater von US-Präsident Jimmy Carter:

kari_usa_false_flagFrage: „Als die Sowjets ihre Intervention mit der Absicht begründeten, dass sie das geheime Engagement der USA in Afghanistan bekämpfen wollten, hat ihnen niemand geglaubt. Dennoch war die Behauptung nicht ganz falsch.

Bereuen Sie heute nichts“?

Antwort: „Was denn bereuen? Die geheime Operation war eine ausgezeichnete Idee. Das Ergebnis war, dass die Russen in die afghanische Falle gelaufen sind, und Sie verlangen von mir, dass ich das bereue? An dem Tag, an dem die Sowjets offiziell die Grenze überschritten hatten, schrieb ich Präsident Carter: Jetzt haben wir die Gelegenheit, der UdSSR ihren Vietnamkrieg zu verpassen. Und tatsächlich, fast zehn Jahre lang war Moskau gezwungen, einen Krieg zu führen, der die Möglichkeiten der Regierung bei Weitem überstieg. Das wiederum bewirkte eine allgemeine Demoralisierung und schließlich den Zusammenbruch des Sowjetreiches“.

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Sechs Wochen nach Kriegsbeginn ließ sich Bush als Sieger feiern

Frage: „Und Sie bereuen nicht, den islamischen Fundamentalismus unterstützt zu haben, in dem Sie künftige Terroristen mit Waffen und Knowhow versorgten“?

Antwort: „Was ist für die Weltgeschichte von größerer Bedeutung? Die Taliban oder der Zusammenbruch des Sowjetreiches? Einige fanatisierte Muslime oder die Befreiung Zentraleuropas und das Ende des Kalten Krieges?“ (S. 24-26).

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Zbigniew Brzezinski’s

Michael Lüders zeigt die aktuelle Fortsetzung dieser Politik mit einem Zitat aus der „New York Times“ vom 24.3.2013 auf: „Mit Hilfe der CIA haben arabische Regierungen und die Türkei ihre militärische Unterstützung für oppositionelle Kämpfer in Syrien erheblich ausgeweitet“ (S. 76).

Auf S. 103 lässt der Autor den ehemaligen CIA-Mitarbeiter Graham Fuller zu Wort kommen: „Die USA hatten nicht die Absicht, den Islamischen Staat zu erschaffen. Aber deren zerstörerische Interventionen im Nahen Osten und der Krieg im Irak waren die beiden entscheidenden Geburtshelfer des IS“.

Lüders fährt fort: „Dessen militärische Führung besteht wesentlich aus der alten Saddam-Generalität, die vor allem mit Amerikanern und Briten noch eine Rechnung offen hat. Ihr Ansinnen ist schlicht, aber offenbar nicht schlicht genug, um nicht doch möglicherweise den gewünschten Effekt zu erzielen. Sie will Amerikaner und Europäer zu einer Bodenoffensive verleiten. Wohl wissend, dass diese einen solchen Krieg nicht gewinnen könnten – siehe Afghanistan, siehe Irak in den Jahren der Besatzung – und sich auf politischen Treibsand begeben würden.

Das erklärt die provokanten Enthauptungen britischer und amerikanischer Geiseln, die größte Empörung auslösten und den innenpolitischen Druck besonders auf Präsident Obama verstärkten, endlich ‚etwas zu tun‘. Vorstellbar auch, dass der IS durch Terroranschläge in Europa eine westliche Intervention mit Bodentruppen zu provozieren sucht. Für den ‚Islamischen Staat‘ wäre sie eine willkommene Gelegenheit. ‚Kalif Ibrahim‘ würde sich als moderner Saladin inszenieren, der den Kreuzfahrern die Stirn bietet, er würde zum globalen Dschihad gegen die Ungläubigen aufrufen.

Eine riskante Strategie, denn der IS würde ebenfalls einen hohen Preis bezahlen – doch nicht besiegt werden zu können ist für eine Guerillaarmee bereits der halbe Sieg. Nicht zuletzt mit Blick auf die Emotionen, die eine weitere großangelegte Militärintervention in einem islamischen Land unter Muslimen weltweit auslösen würde“ (S. 103).

Während der Abfassung dieses Artikels wurden am 13. November 2015 in Paris Terroranschläge ausgeführt, zu denen sich mutmaßlich der IS bekannt hat: „In dem noch nicht verifizierten Bekennerschreiben steht, ‚Soldaten des Kalifats‘ hätten ‚die Hauptstadt der Abscheulichkeit und Perversion‘ angegriffen. Die Schauplätze der Anschläge seien gezielt ausgewählt worden: das Stade de France, weil Frankreichs Präsident Hollande sich dort aufgehalten habe; die Konzerthalle Bataclan, weil ‚Götzendiener‘ dort gefeiert hätten – tatsächlich spielte dort eine Popband. In dem Schreiben wurden weitere Angriffe gegen Staaten angedroht, die sich wie Frankreich an der Militärkoalition gegen den IS beteiligen“(1). Diese Anschläge werden vermutlich Folgen weit über das Jahr 2015 hinaus haben.

IS_bekämpfenJürgen Todenhöfer plädiert für folgende Anti-IS-Strategie:

  1. Fairness gegenüber der muslimischen Welt statt Krieg und Ausbeutung.
  2. Respekt gegenüber unseren muslimischen Mitbürgern statt Diskriminierung.
  3. Enttarnung des IS als anti-islamische Mörderbande, für die der Islam nur Maske ist.
  4. Unterstützung der Wieder-Eingliederung der diskriminierten Sunniten ins politische Leben des Irak.
  5. Bekämpfung der weitgehend unbehinderten Rekrutierungs-Maßnahmen des IS.

Dem Fazit Jürgen Todenhöfers ist wenig hinzuzufügen: „Ignoranz, Inkompetenz und rassistischer Dünkel gegenüber Muslimen führen uns immer tiefer in den Sumpf des Terrors hinein. Das Problem beginnt unlösbar zu werden. Selbst das haben unsere Anti-Terrorkrieger noch nicht bemerkt“ (2).

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Anmerkungen:
(1) http://www.sueddeutsche.de/politik/terror-in-paris-was-wir-ueber-die-spur-zum-islamischen-staat-wissen-1.2737396
(2) http://www.ksta.de/politik/is-todenhoefer-irak-sote,15187246,31246632,item,3.html

Verwendete Literatur:
1. Michael Lüders, Wer den Wind sät. Was westliche Politik im Orient anrichtet,  München 2015.
2. Volker Perthes, Das Ende des Nahen Ostens, wie wir ihn kennen, Berlin 2015.
3. Loretta Napoleoni, Die Rückkehr des Kalifats. Der Islamische Staat und die Neuordnung des Nahen Ostens, Zürich, 2015 
(Hinweis von C. Ronnefeldt: In diesem Buch stellt die Autorin immer wieder m.E. problematische Vergleiche an, weshalb 
ich die Lektüre nur eingeschränkt empfehlen möchte).
4. Jürgen Todenhöfer, Inside IS – 10 Tage im "Islamischen Staat", München 2015.

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Clemens Ronnefeldt ist seit 1992 Referent für Friedensfragen beim deutschen Zweig des Internationalen Versöhnungsbundes

Paris Solidarität

Fassungslos in der Nacht kopiere ich Botschaften, die mich über Twitter erreichen. Ich habe heute gelernt, Klimawandel findet auf vielen Ebenen statt und nicht immer ist der Prozess schleichend.

Dankbar für jeden, der in Sicherheit ist und jeden, der seine Sinne beisammen hält. Es wird sehr nötig sein in nächster Zeit.

Meine in lebende Tochter blieb verschont. Andere Mütter hatten weniger Glück.. Wie viele junge Leute waren wohl an diesem Konzert..Solidarität8

Wir sind 7 Milliarden Menschen, doch die Menschlichkeit fehlt. Warum muss es nur diese Grausamkeit geben?

Mein Herz weint, wenn ich sehe was gerade in meiner Heimat geschieht.

Das was in passiert ist, erleben die Menschen aus dem Nahen Osten jeden Tag. An das „Volk“: Denkt mal rational!

Soli3

In diesen Zeiten brauchen wir . Europäischer Zusammenhalt ist der einzig gangbare Weg.

Wir trauern um die Opfer von u stehen zusammen gg Rassismus,religiösen Faschismus u Staatsterrorismus.Die Zukunft liegt im Diesseits!Solidarität9

Da hängste zwei Tage und Nächte krank in den Seilen, machst Netz an und kriegst erst mal voll einen in die Fresse.

Diese Menschheit ist so scheisse.. egal ob ode sonst was.. sieist einfach scheisse & wir alle kriegen noch unsere Strafe dafür!

Ich habe Angst auf diesen Welt Kinder zu bringen.. Nur noch Angst! Weil ich es schon befürchte dass wir (Deutschland) bald dran sind

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1 of 15 Wounded people were evacuated from the Bataclan concert hall in Paris on Friday. Credit Yoan Valat/European Pressphoto Agency

Warum gibt es hier keinen „verabscheue-ich-Button“ für die ekelhaften rechten Tweets zu den aktuellen Geschehnissen in ?!

Ich will nicht, dass meine Kinder später etwas über den 3. Weltkrieg lernen müssen.

Mehr denn je müssen wir die Flüchtlinge verstehen. Was heute in geschah, passiert ständig in Syrien & Co! Davor sind sie geflohen

Manche Kommentare sind einfach nur respektlos. So unvernünftig und kalt kann man doch gar nicht sein Soli4

Jeder Mensch hat seine eigene Geschichte. Und diese Geschichte wird von grausamen Killern in Sekunden zerstört.

Trotzdem werdet Ihr uns niemals unsere Freiheit, unseren Mut und unsere Offenheit nehmen können. Trotzdem und gerade deshalb!

tief erschüttert, fassungslos, traurig, unglaublich schrecklich

Die Profiteure des furchtbaren Terroranschlags stehen schon bereit Angriff auf die offene liberale Gesellschaft.

Simone Peter hat ZDF heute retweetet

Keine Worte mehr. Nur noch tiefe Trauer.

Solidarität2

Und jetzt kommen wieder die braunen Socken aus den Löchern gekrochen. Mir tun jetzt schon die vielen friedlichen leid.

Jetzt muss ganz Europa zusammenstehen gegen Terroristen und Hetzer. Und besonnen bleiben. In Gedanken bei den Opfern und Familien..

Freiheit Gleichheit Brüderlichkeit Menschlichkeit

Und in Callais brennt nun ein Flüchtlingsheim. Die, die am wenigstens dafür können sollen nun büßen. Das ist furchtbar.

Dieser Abend verändert Europa für immer. Und ich habe große Angst, dass es nicht zum Guten sein wird.

Alle Zeichen der Welt reichen nicht um zu beschrieben wie Schrecklich das ist was gerade abgeht.

Trauer, Wut und Hilflosigkeit. Das ist Krieg. Nichts anderes. An jedem Tag, an jedem Ort der Welt möglich.

An manchen Tagen muss man nicht erst einschlafen, um einen Alptraum zu erleben. Wobei an Schlaf gerade sowieso nicht zu denken ist.

So etwas kann Gott nie gewollt haben. Egal wie er auch heißt. Solidarität3

Wir sind tief erschüttert und trauern mit unseren Nachbarn.

Ich realisiere gerade mehr als jemals zuvor: Man ist nirgendwo sicher. Wer weiß, was morgen wo passiert? Solidarität5

Ist das alles schrecklich was in dieser Welt passiert und wie der Hass und die Gewalt immer mehr werden

KEINE Überzeugung auf dieser Welt – weder politisch, noch religiös, noch persönlich – kann das Töten von Menschen rechtfertigen. Soli2

Starre seit einer Stunde auf meinen Bildschirm, aktualisiere Twitter. Meine Gedanken sind überall und nirgends.

Ich finds gut, dass in ARD v „selbsternannten Islamischen Staat“ redet, um ihnen das eigene Narrativ a Sprecher f „Islam“ zu nehmen.

Terrorism will never defeat democracy. Frieden für .Solidarität6

Frankreichs Vorratsdatenspeicherung hat den Menschen in nicht geholfen.

Kein Gott in keiner Religion wird so eine Tat gutheißen oder belohnen. Im Leben nicht und auch nicht danach!

Unfassbare Bilder, schreckliche Taten, die uns sprachlos und traurig machen. Wir sind in Gedanken bei den Menschen in .

Jeder, der jetzt die Flüchtlingsdebatte in Verbindung mit bringt, entmündigt sich selbst und kotzt seine unendliche Dummheit raus!

MP zeigt sich tief bestürzt über die abscheulichen Anschläge in . Ich bin in Gedanken bei den Opfern u ihren Angehörigen.Solidarität7

Sowas passiert in anderen Ländern täglich. Muss man sich einfach nur mal vor Augen halten. Unfassbar. Traurig.

Ich muss dran denken ich sitze hier zu Hause und in diesem Moment kämpfen Menschen um ihr Leben ich bin echt zu tiefste erschüttert

Diese Welt geht unter…Das wir Menschen uns gegenseitig so was antun können…?! Unvorstellbar…

Gedanken die nicht schlafen lassen: Wie lange und gründlich es wohl geplant wurde. Und was alles in diesem Moment noch geplant wird.

Hoffnungsschimmer

Der britisch-niederländische Ölkonzern Shell stoppt die Suche nach Öl in Alaska. Als Gründe nannte Shell mangelnden Erfolg und zu hohe Kosten. „Die Quelle wird versiegelt und verlassen.“ Weitere Bohrungen seien dort in „absehbarer Zukunft“ nicht geplant, teilte das Unternehmen in London mit.
Ein großer Erfolg der weltweiten Umweltbewegung. Am Samstag vorher noch hatte die Umweltschutzorganisation Greenpeace in mehr als 40 deutschen Städten gegen die Ölbohrungen von Shell in der Arktis protestiert. An den Tankstellen des Unternehmens klebten Aktivisten Protestaufkleber an Zapfsäulen und Werbeplakate.

Greenpeace-Klimaexperte Karsten Smid: „Wenige Wochen vor Beginn der UN-Klimakonferenz in Paris bohrt Shell nach Öl in der Arktis. Das zeigt die Rücksichtslosigkeit, mit der der Konzern an einem überkommenen Geschäftsmodell festhält.“ Shell müsse „die klimapolitische Amokfahrt“ stoppen.

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Und jetzt ist STOPP

Die finanziellen Belastungen für den Stopp bezifferte Shell auf etwa drei Milliarden US-Dollar, bezogen auf den Buchwert des Projektes. Weitere 1,1 Milliarden Dollar dürften für künftige Vertragsverpflichtungen anfallen.

Quellen: Wall Street Journal    Spiegel     The Guardian    CNBC

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Immer mehr Menschen kämpfen für Klimagerechtigkeit

Na also „geht doch“

Von Harpstedt nach Wildeshausen sind am 5. Oktober 2015 knapp 50 Klimapilger gewandert. Die Wanderer wollen mit der Aktion „Geht doch! Ökumenischer Pilgerweg für Klimagerechtigkeit“ für Klimagerechtigkeit bei der UN-Klimakonferenz in Paris eintreten.

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Fotos: Ruth Kuczka

„Wenn jemand zu Fuß durch Länder wandert, will er sehen, was der Klimawandel mit dem Land und den Leuten macht und was getan werden muss“, erklärt Pastorin Elisabeth Saathoff. Das ist einer der Gedanken, die hinter der Aktion „Geht doch! Ökumenischer Pilgerweg für Klimagerechtigkeit“ stehen.

In Flensburg startete die Aktion am Sonntag, 13. September 2015. Zur UN-Klimakonferenz in Paris wollen die Wanderer am 28. November 2015 ankommen. Wolfgang Zarth aus Hamburg will den ganzen Weg zurücklegen: „Es bestärkt mich mit Gleichgesinnten zusammenzusein und nicht immer nur als Spinner zu gelten, weil ich Fahrrad fahre und im Winter auch Zuhause einen Pullover trage und dafür die Heizung nicht voll aufdrehe.“

Auf der Internetseite der Aktion „Geht doch!“ können sich Interessierte für einen Pilgertag oder längere Wegabschnitte anmelden.

Regenbogen

Science: Hilfe, es reicht bei weitem nicht

Quelle:Siencemag.org

Die internationale Staatengemeinschaft haben Verpflichtungen zur Reduzierung der Treibhausgase abgegeben. Viel zu wenig. Mit diesen schon sehr wackeligen Zusagen würde wahrscheinlich die globalen Durchschnittstemperaturen bis zum Jahr 2100 um 3,5 ° C steigen. Diese Modellierungsergebnisse wurden aktuell in Science veröffentlicht. Das ist weit mehr als die 2 ° C die von vielen politischen Entscheidungsträgern und Forschern als höchster Grenzwert nach gerade so verkraftbar angesehen werden.

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Die Analyse, ca. 2 Monate vor dem Treffen der Vereinten Nationen zu Verhandlungen für ein globales Klimaabkommen in Paris veröffentlicht, konzentriert sich auf die Emissionswerte, die die Staaten bisher zugesagt haben. Sie werden offiziell INDCs [intended nationally determined contributions] genannt. Bisher haben etwa 72 Staaten die für rund 65% der weltweiten Emissionen verantwortlich sind, INDCs eingereicht (mehr als 190 Nationen sollen sich beteiligen.) Größere Emittenten , die noch nicht abgegeben haben, sind Indien, Iran, Indonesien, Saudi-Arabien, Südafrika, Thailand, Türkei, Ukraine und Pakistan.

Mehr Infos auch bei  http://climateactiontracker.org/. Dort werden die INDCs mit Kriterien aus vielen unterschiedlichen Studien abgeglichen.