Beerdigung Martin, Ansprache von Knut
23.07.2015 / 14h Ev. Kirche Kastellaun
Lesung Lk 16,19-31
Am 7. Juni noch hat Martin hier bei uns den Gottesdienst besucht.
In meiner Erinnerung war das eines der letzten Male.
Damals hat Gottfried Lunkenheimer über das Evangelium vom reichen Mann und dem armen Lazarus gepredigt.
Als wir später zu dritt beim Kaffee über die Predigt sprachen, war Martin davon begeistert und sagte:
„Das wäre ein guter Text für meine Beerdigung!“
Auch wenn ich es nicht mehr mit ihm besprechen konnte, habe ich diese Geschichte deshalb für heute ausgewählt.
Hört die Worte von Jesus aus dem Lukasevangelium, Kap. 16.
à Lesung Guido
2 Lieder mit Gemeinde mit Klavier / Gitarre & Team (s. Liedblatt):
– Kraftlos und müde (LL+ 109)
– Herr ich komme zu dir (LL+ 115)
Ansprache Lk 16,19-31
Liebe Jola,
liebe Verena, lieber Lukas, lieber Simon,
liebe Angehörige von Martin Sczech,
liebe Freunde, Nachbarn und Bekannte,
liebe Trauergemeinde,
was hat Martin wohl bewogen, diese Geschichte vom reichen Mann und vom armen Lazarus in Verbindung zu bringen mit dem Tag seiner Beerdigung?
Dem Tag, an dem wir, die ihn geliebt haben, alle noch einmal da sind, um uns an ihn zu erinnern.
An das, was ihn ausgemacht hat und an das, was ihm wichtig war.
Ich stelle mir vor, dass vor allem letzteres ihm vorschwebte.
Die Geschichte ist ja eine merkwürdige Geschichte.
Eine Geschichte darüber, dass Menschen ganz Unterschiedliches nach ihrem Tod erleben können: Gutes und Qualvolles
Und vor allem das, was manche Übersetzungen gar mit „Hölle“ übersetzen, kommt uns fremd und bedrohlich vor an einem Tag, wo wir doch Trost suchen.
Ich will aber direkt sagen: Ich glaube nicht, dass wir heute alles 1 zu 1 übertragen können oder das Martin das wollte.
Es ist aber eine Geschichte immerhin von einem kranken Mann (voller Geschwüre), der stirbt und anschließend von den Engeln in Gottes gute Arme getragen wird, wo es ihm besser geht als zuletzt auf der Erde.
Es ist auch eine Geschichte über eine Botschaft aus dem Jenseits oder dem Totenreich (oder dem Himmel).
Und sie will uns mahnend erinnern an den Zusammenhang, der besteht zwischen unserem Leben und unserem Sterben und der Ewigkeit.
Und der Zusammenhang ist: ob wir auf Jesus Christus und seine Gnade und Liebe vertrauen und diese Liebe an andere weitergeben.
(oder eben nicht)
Viele von euch, die ihr heute hier sitzt, wird Martin in seinem Leben einmal oder mehrmals angesprochen haben auf Fragen des Glaubens oder den Sinn des Lebens – ob ihr in dem Moment wolltet oder nicht.
Viele von euch wird er irgendwann einmal eingeladen haben zu einer Veranstaltung unserer Kirchengemeinde.
Manche gibt es vielleicht, die im Rückblick sagen: Dieser Anstoß von Martin hat mir gut getan. Es hat mir gut getan, dass er in seiner charmant-sturen Art nicht locker gelassen hat.
Dass er dran geblieben ist. Dass er sich nicht von meiner ersten Absage hat täuschen lassen.
Dass er sogar so hilfsbereit war, mich abzuholen und wieder nach Hause zu bringen.
So war Martin.
Alles was er gelebt hat, hat er mit Leidenschaft gelebt. Da kommen wir später noch drauf.
Eben auch seinen Glauben du die Einladung dazu.
Und weil er sich nicht selbst genug war, war es ihm wichtig, dass viele andere auch merken, wie gut es ist, mit Gott zu leben.
Und ich denke, er wollte – so will ich es einmal sagen – viele von uns in der Ewigkeit bei Gott wiedersehen.
Das war ihm ein wichtiger Trost im Sterben.
Auch darum kam er vermutlich auf diese Geschichte.
Er wusste sich – hier auf der Erde , aber auch in der Ewigkeit – verbunden mit der großen Gemeinschaft von Männern und Frauen, die an Jesus Christus glauben – egal in welcher Konfession oder Kirche.
Nur wenige in unsere Kirchengemeinde hatten oder haben ein so großes Herz für die Ökumene wie Martin.
Unsere Kirchengemeinde ist ihm dafür und für sein vielseitiges Engagement zu Dank verpflichtet.
Er war viele ( ) Jahre Presbyter und stellvertretender Vorsitzender im Presbyterium.
Auch im Kirchenkreis hat er sich lange Jahre eingebracht.
Und er hat überall dort mitangepackt, wo es nötig war.
Stühle stellen, Gemeindefeste organisieren, Menschen besuchen, Geld sammeln für die Bedürftigen oder die historische Kirche und vieles mehr.
Er hat in den letzten Jahrzehnten durch seine Visionen von einer modernen lebendigen Kirche für Jung und Alt, für Nah und Fern maßgeblich dazu beigetragen, dass wir als Kastellauner Kirchengemeinde heute auf diesem Wege sind.
Und manche seiner Visionen – wie die Feier eines Gottesdienstes, der auch Spass macht oder die Gemeinschaft, die Fremde zu Freunden macht – bleiben uns dauerhaft Leitbild.
Martin hatte eine Fürsorge und Leidenschaft für andere Menschen.
Das habt ihr als Familie oft gespürt.
Gerade auch in der letzten Zeit – in der er so viel mit seiner Krebskrankheit beschäftigt war – hat er immer auch an seine Lieben gedacht und wie es ihnen geht.
In seiner Krankheit und bei seinem Sterben, aber auch danach.
Manchmal hättet ihr euch vielleicht auch gewünscht, er hätte euch etwas weniger schonen wollen.
Aber auch das war seine Art: Er hat nicht gefragt, wenn es darum ging anderen zu helfen und zuzupacken.
Und solchen Menschen ist es oft schwer, sich selbst helfen zu lassen und Hilfe anzunehmen
Die Geschichte von Lazarus ist ja auch eine Geschichte von arm und reich, und zwar eine kritisch-ernste!
Martin hatte auch eine Leidenschaft und ein Herz für die Armen.
Ihr als Familie habt das in der Nacht nach seinem Tod so ausgedrückt.
„Er hat gelitten an dieser Welt. An Not, Elend, Umweltzerstörung, Ausbeutung und Ungerechtigkeit. Er wollte helfen, er wollte seinen Glauben weitergeben, der ihm Kraft und Zuversicht gegeben und durch viele Schicksalsschläge geholfen hat. Martin hat sich gekümmert. Er war die treue, große und warme Seele, die regelmäßig die kranken und einsamen besuchte.“
Auch (aber nicht nur) in unserer Kirchengemeinde hat er das getan.
Hat sich eingesetzt für die Menschen ganz persönlich und die politischen und gesellschaftlichen Strukturen im Großen.
Er hat sich engagiert für die Erlassjahrkampagne, eine Entschuldungsinitiative für die ärmsten Länder, um nur ein Beispiel von vielen zu nennen, wo sein Hunger nach Gerechtigkeit zum Tragen kam.
Und so gibt es viele Beispiele – und sicher fallen auch euch heute welche ein – wo deutlich wird: Martin hat ein intensives und leidenschaftliches Leben für andere geführt.
Er war ein guter Freund.
Er war dir Jola – so hast du es formuliert – ein guter Ehemann in dieser viel zu kurzen Zeit, die noch so viele Pläne offen gelassen hat.
Und er hat euch als Kindern vieles hinterlassen, was ihr als Vorbild mitnehmt oder schon mitgenommen habt in euer Leben.
Und wenigstens in den letzten Jahrzehnten war der Motor für sein intensives und leidenschaftliches Leben sein Glauben an Jesus Christus.
Aber intensiv und leidenschaftlich hat er eben auch sonst gelebt.
Motorradtouren mit dem Motorradclub Hunsrück – oft genug hart an der Grenze zum Unvernünftigen. Und oft genug auch hier schon dem Tod von der Schippe gesprungen oder gefahren.
Zuletzt bist du, Jola mit ihm noch an eurem Hochzeitstag am 4. Juli nach Boppard auf dem Motorrad unterwegs gewesen.
Kopfstände auf den Kneipentisch und anderswo mit anschließendem Schlüsselsuchen.
Verrückte kreative Ideen, die sonst niemand hatte: Schlittenaufzug mit der alten Glockensteuerung aus dem Kirchturm zu Beispiel.
Die einbetonierte Kleiderstange im Auto.
Und oft genug hat er Dinge getan, bei dem ihm ganz egal war, was die anderen denken.
Z.B. in den Osterferien an der Ardeche – in seiner Ardeche-Gemeinschaft: Da wurde dann am Ostersonntag zu Ehren des Auferstandenen der Jogging-Anzug gegen Sakko und weißes Hemd getauscht und am Tisch gebetet.
Gelächter oder Spott hat ihm nichts ausgemacht. Auch da war er unbekümmert.
Manche von euch haben seine verrückte Dichtkunst zu später Stunde gekannt.
Und die meisten von uns haben sicher auch schon mit ihm gefeiert. Das mochte und konnte er.
Gastfreundlich war er und einladend und offen. Das bezeugen Hunderte Feiern, Grillabende und Feste im Hause Sczech.
Eine lange Familienzeit mit euch drei Kindern, aus der euch über den Tod hinaus viel Gutes verbindet und bleibt.
Martin wusste aber auch, dass er nicht alles richtig gemacht hat im Leben. Und er hat dafür Versöhnung und Verzeihung gesucht.
Auch das gehörte für ihn zu einem Leben, das sich ernsthaft auf die Ewigkeit bei Gott vorbereitet.
Gerade in der letzten Zeit war es ihm wichtig,– wie die Bibel sagt – die Sonne über dem Zorn und den Fehlern nicht untergehen zu lassen, sondern sich rechtzeitig jeden Tag zu versöhnen.
Die Krebsdiagnose im Februar letzten Jahres und die Erkrankung hat er in der ihm eigenen Art zu meistern versucht: Er hat es mehr als aktiv angepackt.
Aber er musste hierbei auch erleben, dass er an seine Grenzen kam. Zuletzt an seine letzte Lebensgrenze.
Er hat sich akribisch auseinandergesetzt mit allen möglichen und unmöglichen Therapieformen, um für sich den besten Weg zur Heilung zu finden.
Das war für viele von uns oft schwer nachzuvollziehen.
Und es war tragisch, dass er dabei auch zwischen die Mühlen mancher alternativer und klassischer Mediziner geraten ist, die nicht so im guten und hilfreichen Gespräch waren, wie Martin sich das gewünscht hätte.
Am Ende blieb ihm und bleibt uns die schwere Aufgabe, zu akzeptieren und Frieden damit zu schließen, dass es zu einer Heilung nicht gekommen ist.
Dass auch Gott offensichtlich einen anderen Plan hatte, als ihm noch die 20 Jahre zu schenken, die er sich vor wenigen Wochen noch gewünscht hat – und wir alle mit ihm.
Das ist heute ein harter Brocken für uns alle.
Mag sein: Martin wollte uns in seiner Fürsorge diesen Brocken leichter machen mit der Geschichte von dem (armen und) kranken Mann, der erleben darf:
Hoffnung kommt nicht nur auf dieser Erde zum Ziel. Sondern im letzten eben erst in der Ewigkeit bei Gott. Dort aber dann richtig!!!
Wenn wir irgendwo so richtig intensiv und in Fülle leben und feiern können, dann eines Tages dort bei Gott.
Martin ist schon einmal vorausgegangen. (Amen)
….. Martin hätte sich sehr gefreut, wie Predigt und Lieder auch bei anderen Glaubensrichtungen (und damit sind nicht nur die katholischen gemeint) angekommen sind. Herzlichen Dank an alle Mitwirkenden.
Links:
zur Ansprache von Knut bei Martins Beerdigung


