Telefonischer Ersthelfer werden
Wer den Hörer in die Hand nehmen möchte,
macht eine Ausbildung, in der als erstes wichtige
Fragen geklärt werden, wie: Welche Motivation
treibt den Ehrenamtlichen an hier zu helfen?
Welches Menschenbild haben die neuen Zuhö-
rer? Dazu kommen die wichtigen Gesprächs- und
Fragetechniken am Telefon und die Beratungssituation
mit den am häufigsten angesprochenen
Themen. Es geht um die erste Liebe, das eigene
Aussehen oder Sexualität und Gewalt. Die Mitarbeiterin
erzählt: „Oft hatte ich schon vergessen,
mit welcher anderen Sicht ich die Welt mal wahrgenommen
habe.“
Sehr oft findet aber gar kein Beratungsgespräch
im klassischen Sinn statt, denn die meisten
Anrufer sind Scherzanrufer. Bei der Hälfte
der Anrufe ist das so, weitere 20 Prozent legen
schnell wieder auf oder schweigen am Telefon.
„Häufig testen uns die Kinder einfach und
manchmal rufen sie wieder an und es ergibt sich
später ein echtes und ernstes Gespräch“, sagt
Groebe. Nach den Schulungen und ein paar
Hospitationen bei erfahrenen Mitarbeitern darf
dann das erste Mal selbstständig telefoniert
werden.
Nervenkitzel am Telefon
„Das erste Mal selbst telefonieren hat mich auf
die Probe gestellt. Jetzt wurde es auf einmal
ernst“, berichtet uns die Ehrenamtliche. Die Studentin
ist zufällig über Freunde darauf gekommen,
hier etwas Gutes zu tun. Das Team besteht hauptsächlich aus Studierenden und der Generation
50plus. Sie sind hier, weil sie bald einen Beruf
im sozialen Bereich ausüben wollen oder
schon jahrelange Erfahrungen weitergeben können.
Auch ihnen ist es wichtig anonym zu bleiben.
„Wir zeichnen keine Anrufe auf. Die Nummer
gegen Kummer ist dadurch für beide Seiten
ein geschützter Raum.“ Alle zwei Wochen gibt es
eine große Runde, in der von den Erfahrungen
berichtet werden kann. Bei dieser Supervision
kommt nochmal zur Sprache, was besonders belastend
war.
Gemeinsam schweigen
„Es kann auch gut sein, dass man einfach mal
gemeinsam schweigt“, sagt die Koordinatorin:
„Das schafft den Platz, in dem sich Fragen oder
Gedanken entwickeln können.“ Mittlerweile wird
der, seit 1980 bestehende Verein „Nummer gegen
Kummer“ von der Europäischen Union, der Bundesregierung
und einigen großen Unternehmen
getragen. „Klar – als Erwachsener ist es nicht immer
einfach Kinderproblemen zuzuhören. Andererseits
tut es gut, Zeit für andere zu investieren.
Im Alltag reden wir so viel von unseren eigenen
Problem“, erklärt die Ehrenamtliche. Und führt
aus: „Obwohl wir beim Telefonieren allein sind,
wachsen wir als Team an den Anrufen. Das gibt
die Kraft für ein anspruchsvolles Ehrenamt.“
WTF
Die „Nummer gegen Kummer“ ist immer kostenlos
und montags bis freitags von 14-20 Uhr zu
erreichen unter: 0800-1110333. Die nächste
Ausbildung für Zuhörer beginnt im Januar
2015. Informationen gibt es beim KinderschutzZentrum
Mainz, Damaris Groebe, Tel.: 06131-613737, Mail:
damaris.groebe@ksz-mainz.de
Quelle: STUZ Dezember 2014
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