Gesellschaft

Nummer gegen Kummer

13. Dezember 2014 · Sczech-Stiftung

Nummer gegen Kummer
Das hilfreiche Callcenter Bei der Nummer gegen Kummer hören sich Erwachsene und Studenten an, was Kinder im Alltag alles beschäftigt: die erste Liebe, Hausaufgaben oder Streit mit Mama und Papa. Wir haben das Mainzer Kinderschutzzentrum besucht. Von Micha Wiebe Hallo, hier ist das Kinder- und Jugendtelefon.“ So beginnen in ganz Deutschland täglich viele Gespräche wenn man die berühmte „Nummer gegen Kummer“ wählt. Hat man diese Telefonnummer im Raum Mainz gewählt, spricht man höchstwahrscheinlich mit einem der 20 ehrenamtlichen Mitarbeiter des Kinderschutz-Zentrum Mainz. Die Erwachsenen spenden ihre Zeit, ihre Lebenserfahrung und Geduld um den kleinen und großen Problemen Gehör zu schenken. Manchmal arbeiten beide Elternteile und auch Alleinerziehende haben viele Aufgaben zu schultern – die Gründe dafür, dass man als Kind niemanden zum zuhören hat sind vielfältig. Genauso kann die Anonymität und Vertraulichkeit am Telefon ein wichtiger Grund sein, weshalb die Kinder und Jugendlichen anrufen. Anonymität und Vertraulichkeit „Wir bieten hier telefonische Ersthilfe an. Das heißt, wir sind kein kontinuierliches Hilfsangebot und leiten bei Bedarf an die entsprechenden Stellen weiter“, erklärt Damaris Groebe, die Koordinatorin für das Telefon in Mainz. Wichtiger als immer die perfekte Lösung zu haben, ist es, den Anrufern durch Zuhören und Mitgefühl entgegen zu kommen. Das bedeutet aber nicht, dass man glaubt, aus der eigenen Kindheit die Gefühle des Anrufers genau zu kennen. „Diese beiden Welten auseinander zu halten ist manchmal ein ganz schön schmaler Grat“, sagt uns eine der Ehrenamtlichen. Deshalb gehört eine, durch das KinderschutzZentrum Mainz geleistete, intensive Ausbildung dazu, bevor es ans Telefon geht. Auch auf der anderen Rheinseite bietet der Kinder- und Jugendtelefon Wiesbaden e.V. einen Kurs an. Im dortigen Verein gibt es sogar ein erweitertes Angebot – zum Beispiel Jugendliche beraten Jugendliche. Ein Angebot, das jeden Samstag von 14-20 Uhr Anrufe entgegen nimmt. Rund um die Uhr ist in Wiesbaden die Em@il-Beratung erreichbar, die durch einen passwortgeschützten Zugang Sicherheit und Schutz gewährt. Damaries_Groebe_KJT_STUZ_12_2014 Telefonischer Ersthelfer werden Wer den Hörer in die Hand nehmen möchte, macht eine Ausbildung, in der als erstes wichtige Fragen geklärt werden, wie: Welche Motivation treibt den Ehrenamtlichen an hier zu helfen? Welches Menschenbild haben die neuen Zuhö- rer? Dazu kommen die wichtigen Gesprächs- und Fragetechniken am Telefon und die Beratungssituation mit den am häufigsten angesprochenen Themen. Es geht um die erste Liebe, das eigene Aussehen oder Sexualität und Gewalt. Die Mitarbeiterin erzählt: „Oft hatte ich schon vergessen, mit welcher anderen Sicht ich die Welt mal wahrgenommen habe.“ Sehr oft findet aber gar kein Beratungsgespräch im klassischen Sinn statt, denn die meisten Anrufer sind Scherzanrufer. Bei der Hälfte der Anrufe ist das so, weitere 20 Prozent legen schnell wieder auf oder schweigen am Telefon. „Häufig testen uns die Kinder einfach und manchmal rufen sie wieder an und es ergibt sich später ein echtes und ernstes Gespräch“, sagt Groebe. Nach den Schulungen und ein paar Hospitationen bei erfahrenen Mitarbeitern darf dann das erste Mal selbstständig telefoniert werden. Nervenkitzel am Telefon „Das erste Mal selbst telefonieren hat mich auf die Probe gestellt. Jetzt wurde es auf einmal ernst“, berichtet uns die Ehrenamtliche. Die Studentin ist zufällig über Freunde darauf gekommen, hier etwas Gutes zu tun. Das Team besteht hauptsächlich aus Studierenden und der Generation 50plus. Sie sind hier, weil sie bald einen Beruf im sozialen Bereich ausüben wollen oder schon jahrelange Erfahrungen weitergeben können. Auch ihnen ist es wichtig anonym zu bleiben. „Wir zeichnen keine Anrufe auf. Die Nummer gegen Kummer ist dadurch für beide Seiten ein geschützter Raum.“ Alle zwei Wochen gibt es eine große Runde, in der von den Erfahrungen berichtet werden kann. Bei dieser Supervision kommt nochmal zur Sprache, was besonders belastend war. Gemeinsam schweigen „Es kann auch gut sein, dass man einfach mal gemeinsam schweigt“, sagt die Koordinatorin: „Das schafft den Platz, in dem sich Fragen oder Gedanken entwickeln können.“ Mittlerweile wird der, seit 1980 bestehende Verein „Nummer gegen Kummer“ von der Europäischen Union, der Bundesregierung und einigen großen Unternehmen getragen. „Klar – als Erwachsener ist es nicht immer einfach Kinderproblemen zuzuhören. Andererseits tut es gut, Zeit für andere zu investieren. Im Alltag reden wir so viel von unseren eigenen Problem“, erklärt die Ehrenamtliche. Und führt aus: „Obwohl wir beim Telefonieren allein sind, wachsen wir als Team an den Anrufen. Das gibt die Kraft für ein anspruchsvolles Ehrenamt.“ WTF Die „Nummer gegen Kummer“ ist immer kostenlos und montags bis freitags von 14-20 Uhr zu erreichen unter: 0800-1110333. Die nächste Ausbildung für Zuhörer beginnt im Januar 2015. Informationen gibt es beim KinderschutzZentrum Mainz, Damaris Groebe, Tel.: 06131-613737, Mail: damaris.groebe@ksz-mainz.de

Quelle: STUZ Dezember 2014

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