Geschichte & Erinnerung

Der Fall Werner Mauss

Ein Geheimagent im Nachbardorf – und was das Hunsrück-Forum darüber herausfand

Abgeschirmtes Anwesen in Altstrimmig im Hunsrück, aufgenommen 1988
Altstrimmig 1988: das abgeschirmte Anwesen, über das das Hunsrück-Forum berichtete.

Während im Hunsrück über Atomraketen gestritten wurde, gab es ein paar Täler weiter eine zweite Geschichte – eine, die über Jahrzehnte immer wieder auftauchte und nie ganz aufgeklärt wurde. Sie handelt von einer abgeschirmten Villa in Altstrimmig, von Briefkastenfirmen in der Karibik und in Panama, von Anwälten und von Spenden an eine Partei.

Ein Agent im Hunsrück

1969 erwarb der Privatagent Werner Mauss unter dem Decknamen Richard Nelson ein Anwesen in Altstrimmig. Der Spiegel nannte den Grundbucheintrag 1985 „eine amtlich abgeschirmte Täuschung". Mauss, der für Versicherungen, Konzerne und Sicherheitsbehörden arbeitete, tauchte über die Jahre in einer erstaunlichen Reihe von Fällen auf – beim gestohlenen Kölner Domschatz, bei Geiselbefreiungen, bei der Terroristenfahndung, in der Affäre um das „Celler Loch".

Das Hunsrück-Forum berichtet – 1988 und 1991

Im April 1988 schrieb Wolfgang Bartels im Hunsrück-Forum Nr. 20 unter dem Titel „Mauss-Loch in Altstrimmig" über die Bautätigkeiten und die Überwachungsanlagen auf dem Grundstück. Eine Firma Nolilane N.V. – eine Offshore-Gesellschaft auf Curaçao – ließ über ein Simmerner Anwaltsbüro gerichtlich die Veröffentlichung eines Fotos untersagen.

Drei Jahre später, im August 1991, folgte im Hunsrück-Forum Nr. 45 der Artikel „Geheimagent baut die Mauss-Höhle im Hunsrück" von Reinhard Sczech – mit bis dahin unveröffentlichten Fotos der Anlagen und der Frage, wem das Anwesen eigentlich gehört.

Titelseite des Hunsrück-Forums Nr. 20 von 1988
Hunsrück-Forum Nr. 20, 1988
Titelseite des Hunsrück-Forums Nr. 45 von 1991
Hunsrück-Forum Nr. 45, 1991
Fotografie des versteckten Landeplatzes bei Altstrimmig, 1988
Der versteckte Landeplatz bei Altstrimmig
Einer der Zugänge zum Anwesen in Altstrimmig, 1991
„… hier endet die Recherche 1991 an einem der Eingänge."

2016: Panama Papers – und Löschforderungen nach 25 Jahren

Im Frühjahr 2016 machten die Panama Papers Schlagzeilen, und mit ihnen kam der Name Mauss zurück in die Nachrichten; Süddeutsche Zeitung, Tagesschau und SWR berichteten, in Bochum lief ein Steuerstrafverfahren. Fast gleichzeitig forderten Münchner Anwälte im Auftrag von Werner Mauss, zehn Stellen in dem Heft des Hunsrück-Forums von 1991 zu löschen – ein Vierteljahrhundert nach dem Erscheinen. Mauss bestritt die Vorwürfe und ging juristisch gegen die Berichterstattung vor.

Im Herbst 2016 räumte die CDU Rheinland-Pfalz ein, dass zwischen 2008 und 2015 rund 82.000 Euro verdeckt über ein Anwaltsbüro geflossen waren – Geld aus einer Stiftung, hinter der Werner Mauss steht; der Löwenanteil ging an die Kreis-CDU Cochem-Zell. Wenige Wochen später kamen weitere 44.000 Euro aus den Jahren 1999 bis 2005 hinzu, darunter Spenden unter dem Namen Richard Nelson. Nach dem Parteiengesetz wären solche verdeckten Zuwendungen unzulässig.

Das vollständige Dossier mit den Originaltexten von 1988 und 1991, der Zeitleiste der Fälle und den Quellen aus Presse und Fernsehen: Der Fall Werner Mauss auf pydna.de. Der Artikel von 1991 steht dort vollständig – einschließlich der zehn Stellen, die gelöscht werden sollten.

Wie es im selben Zeitraum ein paar Kilometer weiter um Atomraketen ging, steht auf der Seite Pydna und die Friedensbewegung.

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