2011 Projekt „Zirkus Combo“

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OLYMPUS DIGITAL CAMERAProjekt Konzeption von Hotte Schneider, Fachdienst hkj Rheinland-Pfalz
Das Langzeitprojekt „Zirkus Combo“ ist zeitlich in vier Phasen eingeteilt:
1. Schnupperphase
2. Spezialisierungsphase
3. Aufführungen
4. Etablierung

 

Diese Konzeption bezieht sich auf die 1. Phase und 2. Phase und deren Umsetzung im Zeitraum August 2010 bis Ostern 2011.
Prägendes OLYMPUS DIGITAL CAMERAErfolgserlebnis
Für Kinder, die nach langem Üben bei einer Zirkus-Vorführung Freunde, Lehrer, Erzieher oder Eltern faszinieren, ist deren Beifall ein für das Leben prägendes großes Erfolgserlebnis. Zirkuskinder , die mit einem solchen positiven Selbstwertgefühl ausgerüstet sind, die Konflikte durchgestanden haben, Ängste überwunden und sich selbst neu entdeckt haben, werden keine Gewalt mehr nötig haben, um sich bei anderen durchzusetzen. Und sie werden auch keine Drogen nehmen müssen, um „etwas Besonderes“ zu erleben oder um das Leben bewältigen zu können.

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Dabei geht es bei hkj-Zirkus-Aufführungen nicht um spektakuläre Höchstleistungen. Die Pädagogen nutzen hier nur die Bewegungslust und Fantasie der Kinder, um deren psychisch-motorische und soziale Entwicklung mit attraktiven, einfallsreichen Angeboten und gemeinsamen Aktivitäten zu fördern. Im hkj-Zirkus erfahren Kinder Aufmerksamkeit und Anerkennung. Sie können hier vielfältige Erfahrungen sammeln und dabei lernen, dass sie erstaunliche Fertigkeiten besitzen und etwas Besonderes leisten können. Das macht sie innerlich und äußerlich stark.
Die Zirkuspädagogen
Die Zirkuspädagogen bei der HKJ setzen sich zusammen aus dem Projektleiter, Trainern und Zirkusbezugserziehern.

Der Projektleiter ist ein Diplomsozialpädagoge mit theaterpädagogischer Zusatzausbildung und vielfältiger Erfahrung mit entsprechenden Projekten. Er beobachtet ständig den Entwicklungs-Prozess im Projekt und lenkt die Abläufe. Er strukturiert die Inhalte und Zeitplanung. Der Projektleiter benennt und koordiniert die Handlungsschritte und gibt auch die künstlerische Hauptrichtung vor.

Die Trainer sind erfahrene Künstler und Pädagogen mit Spezialkenntnissen. Sie bilden die Kinder in ihren Fertigkeiten aus. Die Trainer werden von der Zirkusleitung ausgesucht und je nach Bedarf eingesetzt.

Die Zirkusbezugserzieher sind Pädagogen in den Wohngruppen, die die Zirkuskinder in ihrem Alltag begleiten. Den Zirkusbezugserziehern fällt für eine erfolgreiche Pädagogik im Zirkus-Projekt der hkj eine Schlüsselfunktion zu. Sie sollen die Kinder motivieren, ihre Stärken erkennen und fördern. Die Zirkusbezugserzieher sollen den Kindern bei Entscheidungen helfen und sie zum Durchhalten ermutigen. Sie sollen helfen, Möglichkeiten zu entdecken und zu entfalten. Sie sollen den Kindern bei der Verarbeitung von Konflikten und Ängsten beistehen. Das positive Gefühl für Zirkusspiel soll von den Zirkusbezugserziehern aufrechterhalten werden. Darüber hinaus sollen die Zirkusbezugserzieher die Teilnahme der Kinder im Zirkus in Absprache mit der Gruppen- und Projektleitung ordnen und organisieren. Mehr prozess- als produktorientiert
Das Erfolgserlebnis bei den Aufführungen ist dabei nur das gemeinsame Endziel. Auch der Weg dorthin birgt unendlich viele pädagogische Ansatzmöglichkeiten für positive Entwicklungsschritte der Kinder. Zum Beispiel, wenn sie lernen, regelmäßig zu den Trainings zu kommen, eigene Interessen und Fähigkeiten zu entdecken.und sich ins Gruppenleben einzufügen.

Die Faszination durch den Zirkus und die oft vorhandene Eigenmotivation zum
Zirkusspiel sind gute Voraussetzungen, um mit Kindern und Jugendlichen ein gemeinsames Betätigungsfeld vorzufinden, an dem sie Spaß haben. Der Zirkus bietet dabei eine seltene Vielfalt, die eine Integration der unterschiedlichsten Kinder mit jeweils speziellen Möglichkeiten zu erreichen. Dabei wird auch eine weitere wichtige Eigenschaft gefordert und gefördert: Durchhaltevermögen.
Motivation zum Dranbleiben
Am Anfang kommen die Kinder für gewöhnlich gerne und freiwillig zum Zirkus-Training. Sie haben Lust am Kennenlernen und Ausprobieren der angebotenen Dinge. Nach einer gewissen Zeit müssen sie sich jedoch für einen eigenen Bereich entscheiden und daran arbeiten. Hier sind Zirkuspädagogen besonders gefordert. Denn solche Entscheidungen fallen nicht allen Kindern leicht.

Bei vielen Kindern können im weiteren Verlauf ihre persönlichen Schwierigkeiten erkennbar werden. Manche tun sich schwer bei konzentriertem und beharrlichem Üben und bei einem längeren Erarbeiten von festen Programmnummern. Andere Kinder zeigen Probleme, sich in die Gruppe einzupassen. Da der Erfolg der Zirkuskinder stark von deren Motiviertheit abhängt, ist hier von den Pädagogen eine Gradwanderung zwischen Lenken und Laufenlassen gefordert. Die Zirkus-Teilnahme sollte deshalb auf keinen Fall als ein willkommenes Werkzeug für Sanktionen herhalten (wenn du nicht parierst, darfst Du nicht zum Training), sondern im Gegenteil als Medium für positive Verstärkungen dienen. Der Zirkus bietet dabei vielfältige Methoden und anregende Inhalte, Bewegungs- und Gestaltungslust der Kinder wach zu halten.

Nur die Gruppe zählt
Mit viel Geduld und über eine offene und freundliche Atmosphäre werden eine anfängliche Euphorie und verschiedene individuelle Interessen hinüber geführt in ein Gruppengefühl. Dabei nehmen die Kinder eine wichtige und feste Funktion bei Gruppennummern und in der Großgruppe ein. Jedes Kind muß sich auf das andere verlassen können und muß seine Sache gut machen. Dabei ist wichtig, dass jeder freiwillig sein Bestes gibt und mit Spaß und spielerisch bei der Sache ist. In den ersten Monaten sollte den Kindern vermittelt werden, dass sie dazugehören und wichtig sind. Jedes Kind soll versuchen, mindestens eine Rolle oder Aufgabe im Zirkus zu übernehmen und mit Engagement auszufüllen. Dabei wird per Ritual großer Wert darauf gelegt, dass die Kinder sich gegenseitig selbst erarbeitete Zwischenergebnisse zeigen können, Applaus erhalten und mit diesen Erfolgserlebnissen fortschreitend motiviert werden und ganz nebenbei auch die Angst vor Publikum verlieren.

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