Die Welt blickt auf den Hunsrück

Pressegespräch in Berlin

Unter der Überschrift „Einmal strukturschwach, immer strukturschwach? Erneuerbare Energien als Chance für Kommunen im ländlichen Raum“ lud Ulrike Höfken, Ministerin für Umwelt, Energie, Ernährung und Forsten des Landes Rheinland-Pfalz in Bertlin mit Dr. Robert Brandt, Geschäftsführer Agentur für Erneuerbare Energien e.V. zum Pressegespräch. Mit dabei, Dr. Marlon Bröhr, Landrat des Rhein-Hunsrück-Kreises. Die eigentlichen Macher der Energiewende, Landrat a.D. Bertram Fleck und Frank-Michael Uhle, waren nicht auf dem Podium.
Der Rhein-Hunsrück-Kreis wurde schon am 21. November 2018 von der Agentur für Erneuerbare Energien aus Berlin (AEE) mit dem bundesweit erstmals verliehenen Jurypreis „Energie-Kommune des Jahrzehnts“ ausgezeichnet.

Allgemeine Zeitung Mainz, 28.9.2019

Siehe auch:

Ankündigungstext der Pressekonferenz:

Focus online 25.9.2019

Ob in der Lausitz, im Mitteldeutschen oder Rheinischen Revier – vielerorts sorgen sich Menschen um die Folgen des Kohleausstiegs. Doch der erzwungene Strukturwandel in diesen und weiteren Regionen bietet auch Chancen: etwa durch den Ausbau von Erneuerbaren Energien und damit einhergehende neue Arbeitsplätze. Im Rahmen eines Pressegesprächs möchten wir über die Frage nach Erneuerbaren als Wirtschaftsmotor sprechen, der Wertschöpfung in der Region halten und gerade dem ländlichen Raum Zukunftsperspektiven bieten kann.

Ein Beispiel für die gelungene Transformation von fossilen auf erneuerbare Energiequellen ist der Rhein-Hunsrück-Kreis in Rheinland-Pfalz, der sich innerhalb einer Dekade zu einem bilanziellen Null-Emissions-Kreis und internationalen Vorbild entwickelt hat. 290 Millionen Euro jährliche Energieimportkosten waren für den Kreis der Grund, diese durch Energieeffizienz und Erneuerbare Energien bis zum Jahr 2050 Zug-um-Zug in regionale Arbeitsplätze und Wertschöpfung umzuwandeln. In den vergangenen 15 Jahren flossen so bereits etwa 105 Millionen Euro in das regionale Handwerk.

Im Rahmen des Pressegesprächs möchten wir unter anderem diese Fragen erörtern:

  • Wie hat der Rhein-Hunsrück-Kreis die Transformation hin zu Null-Emissionen geschafft?
  • Wie lassen sich die Erfahrungen aus Rheinland-Pfalz auf die strukturschwache und im Wandel befindliche Region übertragen?
  • Was können Bund und Land tun, um Kommunen bei der Energiewende zu unterstützen?
Fridays for Future Klimastreik auch in Simmern, 20. September 2019

 

Fr. 20.9: #allefürsklima, darum geht’s

Immer mehr Menschen checken: Es ist allerhöchste Eisenbahn. Wir müssen CO2-Ausstoß reduzieren, ja! Aber wie? Die gute Nachricht: Wir haben den Plan. Und zwar einen wirklich guten, wissenschaftlich sinnvollen Plan. Globaler Klimastreik 20.9.2019 Deutschland: https://fridaysforfuture.de/

Darum geht’s, in einem sehenswerten Video von MAILAB erklärt:

Globaler Klimastreik Mainz & Simmern

20.9.2019: Sternmarsch Klimastreik, Fridays for Future in Mainz.
Hey, auch in Simmern im Hunsrück, super! (Danke Heidrun für den Hinweis)

Im folgenden die Zusatzinformationen aus dem YOUTUBE Channel:

TIMECODES / INHALTSVERZEICHNIS

2:03 Kapitel I: Was muss die Politik gegen den Klimawandel tun?
2:38 Expertenempfehlung: CO2-Bepreisung
9:36 Ist ein CO2-Preis gerecht?
14:54 Schadet ein CO2-Preis der Wirtschaft?
16:38 Reicht ein CO2-Preis als Klimaschutzmaßnahme?
18:32 TL;DW
19:26 Wie wichtig sind politische Klimaschutzmaßnahmen?
20:06 Kapitel II: Was kann ich gegen den Klimawandel tun?
20:16 Hört auf mit Scheinargumenten!
23:49 An die Öffentlichkeit gehen
Links
https://climateactiontracker.org/  Der Climate Action Tracker zeigt eine stets aktualisierte Zusammenfassung der Klimapolitik vieler Länder und die daraus resultierend zu erwartende globale Erwärmung.

Europa ist nicht führend

#allefürsklima

Klimaschutz im Hunsrück

Schon wieder ein Abend um auf den Hunsrück stolz zu sein. Im Prowinzkino in Simmern gab es die Kino-Uraufführung des Films „Pioniere der Energiewende – Die Klimaschützer aus dem Hunsrück“.
Bertram Fleck hatte es geschafft den Präsidenten der Energy Watch Group nach Simmern zu bringen. Überall in der Welt berichtet Fell über die Energierevolution im Hunsrück, jetzt hat er sie persönlich von einer völlig neuen Seite kennengelernt: die Energie, die in den Menschen steckt.
Wer denkt, es dreht sich dabei nur um Windräder, der sollte sich mal fünf Minuten mit dem begeisternden Klimaschutzmanager Frank-Michael Uhle unterhalten – oder zumindest den Film anschauen.

Hans-Josef Fell ist Initiator der Energy Watch Group, deren Präsident er seit März 2014 ist. Er wird neben Michaele Hustedt (Bündnis 90/Die Grünen) sowie Hermann Scheer und Dietmar Schütz (beide SPD) zu den Müttern und Vätern des Erneuerbare-Energien-Gesetzes gezählt, das für 47 Staaten der Welt zum Vorbild wurde.

Der Reisebericht von Hans-Josef Fell.

Fast auch wie ein Jahrgangstreffen der Realschule Kastellaun. Werner Vogt (Höhenwind), Werner Berg (finanziert auch was andere Banker nicht machen, Raiffeisenbank Kastellaun eG), Wolfgang Stemann (Prowinzkino, mit Ursula Stemann und Klaus Endres, beide nicht im Bild), Reinhard Sczech (Urstrom eG, e-Carsharing in Bürgerhand)
Wer hätte das gedacht, nachdem wegen der Abrüstung 10.000 US Soldaten in den 90er Jahren aus dem Hunsrück abgezogen wurden: German District Rhein-Hunsrück: Energy Transition – A Success Story.
Diese Follie konnte Fell nicht zeigen, da der Beamer ausfiel.

15. August im M1 in Mainz: Klimaschutz Erfolgsgeschichten

Klimaschutz und Energiewende als Impuls und Motor für eine nachhaltige Ausrichtung

Erfolgsgeschichten aus der „Energie-Kommune des Jahrzehnts“

Erzählt von Bertram Fleck, Landrat a.D. des Rhein-Hunsrück-Kreises
im UrStromClub am 15.8.2019 (Donnerstag 19:30 im M1, Mainz)

Der Rhein-Hunsrück-Kreis ist Vorreiter der grünen Energiewende, denn schon heute produziert die Region mit Bioenergie, Solarparks und Windkraft das Dreifache an Ökostrom, was die Menschen vor Ort verbrauchen. Das kann sich sehen lassen: Experten aus aller Welt kommen in den Kreis, um ökologische Innovationen, Energiewende und Klimaschutz ebenso wie die neuen Entwicklungschancen durch die regionale Wertschöpfung live zu erleben.

Mit der Auszeichnung „Energie-Kommune des Jahrzehnts“ wurde 2018 bundesweit anerkannt, was der Landkreis geleistet hat: Er ist einer der ersten Null-Emissions-Landkreise deutschlandweit. Siehe auch:

22. August in Mainz: Laufen für die Nachhaltigkeitsziele der Weltgemeinschaft

Am 22. 8.2019 laufen wir im Mainzer Firmenlauf mit der Synthro eG und der Urstrom eG für die 17 Nachhaltigkeitsziele der Vereinten Nationen!

Was sind die 17Ziele?

Die Agenda 2030 schafft die Grundlage dafür, weltweiten wirtschaftlichen Fortschritt im Einklang mit sozialer Gerechtigkeit und im Rahmen der ökologischen Grenzen der Erde zu gestalten. Das Kernstück der Agenda bildet ein ehrgeiziger Katalog mit 17 Zielen für nachhaltige Entwicklung (Sustainable Development Goals, SDGs). Die 17 SDGs berücksichtigen erstmals alle drei Dimensionen der Nachhaltigkeit – Soziales, Umwelt, Wirtschaft – gleichermaßen. Die Agenda 2030 gilt für alle Staaten dieser Welt. Entwicklungsländer, Schwellenländer und Industriestaaten: Alle müssen ihren Beitrag leisten.

In Kooperation mit ENGAGEMENT GLOBAL gGmbH // Außenstelle Hessen, Rheinland-Pfalz, Saarland können wir mitlaufen. Anmelden könnt ihr euch noch bis zum 31. Juli 2019 über aussenstelle.mainz@engagement-global.de

Von diese Stelle folgen dann auch alle weiteren Informationen zum Treffpunkt und Startzeit. Weitere Infos zu Engagement Global findet ihr hier: engagement-global.de

Damit sich die Läufer*innen anschließend vernetzen können, veranstalten Engagement Global und Synthro eG gemeinsam ein Meetup am Montag den 26.8.2019 um 18 Uhr im Coworking-M1

Meldet euch gerne an unter: info@synthro.coop

Je mehr Menschen mitmachen – umso besser. Übrigens, ihr könnt auch Walken, das steht sogar in der Ausschreibung.

Infos

Wir freuen uns, wenn ihr mitmacht. Mehr Infos:

synthro.coop/Laufen-für-die-SDGs

Titelfoto: Kathi Krechting

Video: Höhenwind feiert 25-jähriges Jubiläum im Hunsrück

1994 war die Geburtsstunde der Hunsrücker Bürgerwindgesellschaft Höhenwind. Heute beteiligen sich 330 Menschen, die 16 Windräder betreiben.
25 Jahre! Der folgende Film zeigt Ausschnitte aus der Jubiläumsfeier in Beltheim. Mit vielen Gratulanten wird Geburtstag gefeiert und das neueste Windrad, die „Elisabethmühle“ eingeweiht. Die Einweihung ist genau an dem Platz, wo vor einem Vierteljahrhundert das erste *Windrad im Hunsrück gebaut wurde.

Fortsetzung folgt.

Leider konnte ich nicht die komplette Feier filmen, da sowohl bei meinem Handy wie beim Fotoapparat die Batterien nicht bis zum Schluss durchhielten. Aber es ist noch einiges Material auf meinem Computer.

Die Bockwindmühle, auch „Ständermühle“, „Kastenmühle“ oder „Deutsche Windmühle“ genannt. Das gesamte hölzerne Mühlengebäude ist drehbar auf einem Bock gelagert. Älteste Beispiele datieren von Beginn des 12.Jahrhundert in Belgien und Nordfrankreich, älteste Erwähnung in Deutschland 1222 in Köln.

*Windrad der Neuzeit, danke Herr Fleck für die Anregung. Windmühlen, aus dem Mittlere Osten übernommen, kamen ab dem **12. Jahrhundert in Mitteleuropa in Gebrauch. Während Wassermühlen seit dem 4.Jahrhundert allgemein in der Welt verbreitet waren. Schon im Mittelalter kamen in den rheinischen Ebenen die Windmühlen auf. Die älteste europäische Windmühle wurde im Jahre 1222 in Köln auf der Burgmauer errichtet. Seit 1392 stand auch eine städtische Windmühle auf dem Neumarkt in Köln lieber Werner Vogt, also genau in deiner Wahlheimat-Stadt.
** Deutsche Gesellschaft für Mühlenkunde und Mühlenerhaltung e. V.

Wer immer noch meint „das mit dem Klimawandel ist doch übertrieben“, der möge sich den Bericht im HEUTE JOURNAL anschauen, der gerade bei mir über den Fernseher läuft.

Un dann war da noch der Mainzer Stadtwald:

Konstanz und Großbritanien rufen Klima-Notstand aus

Als erster Ort in Deutschland hat Konstanz den Klima-Notstand ausgerufen. Wie zuvor schon Basel, Vancouver und London hat sich die Stadtverwaltung damit zum Ziel gemacht, Klimaschutz schneller umzusetzen.

Der Gemeinderat von Konstanz hat eine entsprechende Resolution einstimmig angenommen, teilte ein Sprecher der Stadt mit. Unter anderem wird jetzt geprüft, ob die Stadt klimaneutraler bauen kann und mehr Geld in die Gebäudesanierung steckt. Die Idee dazu kam von der Ortsgruppe der Klimaschutz-Bewegung „Fridays for Future“.

Ende Februar hätten Vertreter der Gruppe mit Oberbürgermeister Uli Burchardt (CDU) gesprochen. Der habe daraufhin die Verwaltung beauftragt, eine Beschlussvorlage zu erarbeiten, heißt es von der Kommune. „Um zu gewährleisten, dass die Verabschiedung der Resolution kein reiner Symbolakt bleibt, muss analysiert werden, wer welche Beiträge
erbringen kann und muss“, teilte die Stadt weiter mit.

Die folgende Meldung kommt von Daniela Becker, piquer

Die Abgeordneten des britischen Parlamentes haben einen Antrag angenommen, mit dem sie als erstes Land der Welt offiziell den „Umwelt- und Klimanotstand“ erklären. „Endlich!“, möchte ich persönlich hinzufügen. Denn die Klimatabellen, der Rückgang der Biodiversität, das Artensterben sprechen seit Jahren eine klare und eindeutige Sprache.

Stimmungsbild DER SPIEGEL 3.5.2019 um 9:46Uhr

Dass die Krise nun endlich auch in der Öffentlichkeit angekommen ist, ist allen voran den Streikenden im Rahmen der #FridaysforFuture-Proteste und der Aktionsgruppe Extinction Rebellion zu verdanken. Durch ihre anhaltenden zivilen Ungehorsam haben sie erheblichen Handlungsdruck erzeugt.

Zumindest in Großbritannien. Denn ganz offensichtlich ist das Ausmaß der Krise in der wir uns befinden in Deutschland immer noch nicht angekommen. Wenn ein anderes europäisches Land den „Notstand“ ausruft, könnte man ja schon meinen, dass die ein oder andere Tageszeitung das auf die Startseite oder die Seite 1 hebt, oder nicht?

Natürlich kann das Ausrufen des Notstands nur ein allererster Schritt sein. Die Anerkennung der Dringlichkeit ist wichtig, aber nur ein symbolischer Akt. Der Beschluss wurde zwar ohne Gegenstimmen angenommen, ist aber nicht bindend für die britische Regierung. Nun müssen verpflichtende Vorgaben und ein gesetzlicher Rahmen für die rasche Minderung des CO2-Ausstoßes und den Erhalt lebenswichtiger Ökosysteme geschaffen werden.

Beispielsweise durch die Verabschiedung eines verbindlichen, sektorübergreifenden Klimaschutzgesetzes, wie die deutsche FridaysforFuture-Bewegung es in einer Petition an den deutschen Bundestag fordert. Die Petition droht allerdings bislang am erforderlichen Quorum zu scheitern.

Ich war Unterzeichner Nummer 38.020 am 2. Mai 2019

 

Sir David Attenborough: Schönheit und Zerstörung

Wir fordern: Eine deutsche Synchronisation des neuen BBC Films von Sir David Attenborough muss in ARD und ZDF ausgestrahlt werden – zur Hauptsendezeit.

Link zum Film: David Attenborough Climate Change The Facts

Die Dokumentation gibt einen dringenden Einblick in die Wissenschaft vom Klimawandel und die möglichen Lösungen für diese globale Bedrohung. Sie kombiniert Aufnahmen, die die bereits verheerenden Auswirkungen des Klimawandels auf unseren Planeten aufzeigen, mit Interviews mit einigen der weltweit führenden Klimawissenschaftlern.

Nach einem der heißesten Jahre der Geschichte erklären Klimatologen und Meteorologen die Auswirkungen des Klimawandels auf die Menschheit und die Natur. Wissenschaftler, darunter Dr. James Hansen, Dr. Michael Mann und Professorin Catherine Mitchell, werden die Wissenschaft hinter den extremen Wetterbedingungen der letzten Jahre forensisch auspacken und darlegen.

Der Dokumentarfilm befasst sich auch mit möglichen Lösungen, untersucht Innovationen, Technologien und Maßnahmen, die die Regierungen und Industrien der Welt ergreifen, um eine weitere Erwärmung zu verhindern – und zeigt Personen, die an der Basis Veränderungen herbeiführen.

Klimawandel: The Facts ist Teil des kontinuierlichen Engagements der BBC für Programme, die sich mit der Umwelt und den Herausforderungen für die Natur befassen, unter dem Motto Our Planet Matters.

Dazu noch ein Tipp von Norbert:

Schul-Zirkusprojekt im Hunsrück


Mit großem Erfolg wurde das erste Zirkusprojekt an der Adolf-Reichwein-Grundschule in Beltheim/Hunsrück gefeiert. Ein unvergessliches Erlebnis für die Kinder, das vom Kuratorium der Sczech-Stiftung sehr gerne gesponsert wurde.

Foto: Ortsgemeinde Beltheim

 

#FridayForFuture in Mainz und überall

Schüler*innen, Azubis, Studierende und junge Menschen aus Mainz gingen am 18. Januar 2019, ein Freitag, auf die Straße um gegen die Klimapolitik zu streiken. Nach dem Vorbild der schwedischen Schülerin und Aktivistin Greta wollen sie auch hier in Deutschland eine starke SchülerInnenbewegung für den konsequenten Klimaschutz und somit direkt im Interesse unser aller Zukunft aufbauen.

Bericht im SWR Mainz.

Nick Reimer schreibt dazu in klimafakten.de  unter der Überschrift

„Warum sollen wir lernen für eine Zukunft, die es vielleicht gar nicht mehr gibt?“

Seit einigen Monaten gehen weltweit Jugendliche freitags nicht in die Schule, sondern auf die Straße und fordern mehr Klimaschutz – so auch heute in Berlin und anderen deutschen Städten. Formiert sich da eine neue Bewegung? Und warum sorgt die Aktionsform „Klimastreik“ für Aufsehen?

Vorneweg fährt in Mainz das UrStromMobil: e-CarSharing in Bürgerhand

Sie wollen es am heutigen Freitag wieder tun: Etliche Schülerinnen und Schüler werden um 12 Uhr mittags nicht die Schulbank drücken, sondern vor dem Bundeswirtschaftsministerium in Berlin mehr Klimaschutz fordern und dann demonstrierend zum Bundeskanzleramt ziehen. #FridayForFuture lautet das Motto, und den Kern ihrer Aktion bringen sie in wenigen Worten auf den Punkt: „Warum sollen wir lernen für eine Zukunft, die es vielleicht gar nicht mehr gibt?“

Es ist nicht der erste Schülerprotesttag gegen die Klimaerhitzung, vor einer Woche sollen es rund 25.000 junge Menschen gewesen sein, die landesweit die Schulen bestreikten. In Niedersachsen und Bremen zählte die Polizei 3.500 Streikende, auch in Freiburg waren es nach Polizeiangaben 3.500. Würzburg, Augsburg, Hamburg meldeten je 1.000 Protestierende, in München zogen 750 Schüler zum Geschwister-Scholl-Platz, in Berlin 500 vor das Reichstagsgebäude, in Jena 130 zum Holzmarkt. Mehr als 50 deutsche Städte meldeten Schülerstreiks.

Diesmal haben die Protestler Busse nach Berlin gechartert, aus Köln zum Beispiel, aus Offenbach, dem Saarland, aus Marburg. „Wir kommunizieren über eine Art Schneeballsystem, meist über WhatsApp“, erklärt die Geographiestudentin Luisa Neubauer, 22, die die heutige Demonstration vor dem Bundeswirtschaftsministerium angemeldet hat. Drinnen wird währenddessen die Kommission zum Ausstieg aus der klimaschädlichen Kohleverstromung tagen. „Wir erinnern die Mitglieder an ihre Verantwortung für unser aller Zukunft“, sagt Tariel Leiss, 18, von der Freiburger Waldorfschule St. Georgen. Oder um es mit einem Demo-Slogan auszudrücken: „Wir streiken, bis ihr handelt!“

Die Klimastreiks starteten mit der 15-jährigen Schwedin Greta Thunberg

Weniger Asphalt mehr Wald

Begonnen haben die Klimastreiks vor knapp einem halben Jahr, am 20. August 2018. Es war der erste Schultag des neuen Schuljahres in Schweden, und Greta Thunberg, 15, ging nicht zur Schule. Sie malte auf ein Schild „Skolstrejk för klimatet“ und stellte sich vor den schwedischen Reichstag: „Schulstreik für das Klima“. Dort blieb sie bis zum 9. September, dem Tag der schwedischen Parlamentswahlen.

Es war der heißeste Sommer, den Schweden seit Beginn der Temperaturaufzeichnungen erlebte. Greta blieb nicht lang allein. Aber weil Schule ja doch irgendwie wichtig ist, ging Thunberg nach den Wahlen wieder zur Schule – verabredete sich mit den anderen Klimademonstranten für die kommenden Freitage. „Fridays for Future“ war geboren.

Der Schwedische Protest sprach sich – unter anderem – per Instagram, Twitter und Co. schnell herum: Im November traten in Australien Schülerinnen und Schüler in den Ausstand. Matt Canavan, Australiens Minister für Ressourcen, riet den Jugendlichen, lieber in die Schule zu gehen als herauszufinden, wie man von der Sozialhilfe leben kann: „Man lernt nichts vom Demonstrieren!“ Er erntete einen Shitstorm. Am folgenden Freitag streikten doppelt so viele Schüler. Weltweit breitete sich die Aktionsform aus – nach Irland, Uganda, die Schweiz, Ende November Dezember dann auch nach Deutschland. Und als Greta Thunberg auf dem UN-Klimagipfel in Katowice zu den Delegierten sprach, berichteten Medien rund um den Globus. „Euch gehen die Entschuldigungen aus, und uns die Zeit.“

„In Deutschland ist der Klimastreik vor allem ein Protest gegen die Kohle“

Inzwischen hat die Liste der Regionalgruppen auf der deutschen Kampagnenwebsite mehr als hundert Einträge. Wächst da eine neue Bewegung heran? „An sich ist das Format des Bildungsstreiks nicht neu“, sagt Jana Bosse vom Arbeitskreis Umwelt und Protest des Instituts für Protest- und Bewegungsforschung in Berlin. Die Forscherin erinnert etwa an das Jahr 2009, als im Juni und November Schüler und Studenten zu Hunderttausenden auf die Straße gingen und Reformen am Bildungssystem forderten. Größeres Aufsehen erregten auch Schülerstreiks gegen den Irakkrieg 2003.

Wie es in Deutschland mit dem Klimastreik weitergeht, hängt nach Bosses Einschätzung stark vom Ergebnis der Kohlekommission ab: „Gelingt es ihr, einen die Gesellschaft befriedenden Kompromiss zu finden, verliert der Protest vermutlich an Kraft.“ Weltweit kann sie sich durch die internationale Vernetzung einiges an Dynamik vorstellen – aber, so Bosse, „in Deutschland ist der Klimaprotest der Schüler in erster Linie ein Protest gegen die Kohle.“

Ihren Kollegen Dieter Rucht wundert es nicht, dass der Schülerstreik größeres Aufsehen erregt als andere Klima-Kampagnen – der Schlüssel sei das Alter der Protestierenden. „Ich glaube, wenn Greta Thunberg 30 Jahre alt wäre, wäre sie unbekannt“, sagte er der Süddeutschen Zeitung. „Ein sehr junger Mensch, dem man die Politikfähigkeit noch abspricht, äußert sich politisch, das findet Anklang.“ Andere Jugendliche klinkten sich ein, aber bald auch Medien und Öffentlichkeit.

Der Streik verletzt die Schulpflicht – und sorgt auch deshalb für Aufsehen

Eine Rolle dürfte auch spielen, dass Schulstreiken eine Regelverletzung darstellt – Demonstrationen am Nachmittag oder an Wochenende würden sicherlich weniger interessieren. Freitags um zwölf vor dem Wirtschaftsministerium zu stehen ist ein Verstoß gegen die Schulpflicht, bereits der Aufruf zum unentschuldigten Fernbleiben vom Unterricht gilt als Ordnungswidrigkeit. Der Jugendverband des Umweltverbandes BUND empfiehlt daher: „Bitte lasst Euch zur Teilnahme an der Demonstration vom Unterricht befreien.“

Aber das ist nicht so einfach. „Grundsätzlich kann eine kurzfristige Beurlaubung auf der Grundlage der Verwaltungsvorschriften-Schulbetrieb aus wichtigem persönlichem Grund auch anlässlich einer Demonstration in Betracht kommen“, erläutert ein Sprecher des Brandenburger Bildungsministeriums etwas gestelzt. „Andererseits darf das ebenfalls hohe Gut der Teilnahmepflicht am Unterricht nicht zur Disposition demonstrationsfreudiger Schüler gestellt werden.“

Auf die Schülerinnen und Schüler, die sich heute mittag vor dem Wirtschaftsministerium versammeln, könnte daher eine Strafarbeit zukommen oder ein Verweis. „Wer den Unterricht schwänzt oder unentschuldigt fernbleibt, verstößt gegen die Schulpflicht. Punkt“, fasst Thomas Sattelberger, der bildungspolitische Sprecher der FDP-Bundestagsfraktion, die Rechtslage zusammen. Aber eine gewisse Sympathie für die klimastreikenden Schüler kann auch er nicht verhehlen. „Ich habe übrigens früher selbst am Gymnasium in Stuttgart für Demos die Schule geschwänzt und musste dafür nachsitzen“, erinnert sich Sattelberger. „Das schärft auch die Urteilsfähigkeit, wenn es um das Abwägen eigenen Handelns und der Konsequenzen geht. Es hat mir, wie es so schön heißt, nicht geschadet.“

Quelle: klimafakten.de

Rede des Schülers Maurice Conrad am Mainzer Schillerplatz: