Kastellaun: Cantania 2018

Cantania findet seit 2012 in Rheinland-Pfalz unter der Federführung des gemeinnützigen Vereines „Musikforum Kastellaun e.V.“ und unter der künstlerischen Leitung von Volker Klein statt. Bisher haben über 6000 Kinder teilgenommen, die in 16 Konzerten in Mainz, Koblenz und Neustadt a. d. Weinstraße die Kantaten „50 Millionen Sekunden“, „Rambla Libertad“ (Straße der Freiheit) und „Babaua. Die Leiden der Mimi“ zu Aufführung gebracht haben. Die Sczech-Stiftung unterstützt das Projekt wie in den vergangenen Jahren auch 2018.

siehe auch Musikforum-Kastellaun

Christiane Wirtz liest im Bukafski am 13. April 2018

Christiane Wirtz wohnte lange Zeit in der Mainzer Neustadt.

Sie ist 34, als plötzlich die erste Psychose auftritt. »Schizophrenie« lautet die Diagnose. Diese schwere Krankheit von großer Zerstörungskraft ist nach wie vor stark angst- und schambehaftet, und es herrscht große Unkenntnis, obwohl Millionen Menschen in Deutschland von ihr direkt oder indirekt betroffen sind. Die sozialen Konsequenzen dieser Mischung aus Krankheitsfolgen, ChristinaeWirtz_NebenDerSpurUnkenntnis und Ablehnung bekommt Christiane Wirtz grausam zu spüren. Sie verliert alles: Job, Freunde, Eigentumswohnung, Altersvorsorge. Das Leben war vorbei. Aber darf die Gesellschaft zulassen, dass Menschen so tief fallen?

Wirtz erzählt, wie sie komplett abrutschte, lässt Ärzte, Psychologen, Anwälte, Eltern, ehemalige Kollegen zu Wort kommen. Sie fordert eine breite Debatte über psychische Krankheiten, ein Ende der Diskriminierung. Sie appelliert an die soziale Verantwortung der Gesellschaft. Ihre Botschaft an die Betroffenen: Lasst Euch nicht stigmatisieren. Und an die anderen: Baut Vorurteile ab und erkennt, dass eine Krankheit Menschen nicht aussondern darf, dass sie während und nach einer Psychose Solidarität verdienen.

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Bukafski Buchhandlung und Café, Kurfürstenstrasse, 9, 55118 Mainz

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SWR2: Nimm doch einfach deine Tabletten

ChristinaeWirtzFASNachtcafe1Bericht in der AZ-Mainz vom 8.4.2018

Nur in meinem Kopf: Christiane Wirtz beschreibt, wie es ist, „verrückt“ zu sein

Von Christiane Wirtz

MAINZ – Vor etwa 17 Jahren: Ich bin 34 Jahre, wohne in der Mainzer Neustadt in der Leibnizstraße, ich bin festangestellte Hörfunkjournalistin, habe in Mainz studiert, doch mein Leben erscheint mir sinnlos. Ich habe mich in jemanden verliebt, den ich kenne, seit ich 19 bin. Wir arbeiten zusammen, wir sind uns sehr nahe, wir schätzen uns sehr, wir flirten miteinander, doch er ist gebunden. In einer Ehekrise lässt er sich trotzdem auf mich ein, ich mich auch auf ihn, aber die Sache geht nicht zu meinen Gunsten aus.

Ich werde merkwürdig. Findet mein Umfeld. Ich kann mich nicht mehr konzentrieren während der Arbeitszeit. Die Buchstaben verschwimmen vor meinen Augen auf dem Computerbildschirm, alles ist zu viel, zu viele Eindrücke, zu viel Kummer, zu wenig Halt.

Keiner weiß genau, was mit mir los ist und ich auch nicht. Ich fühle, dass etwas mit mir nicht stimmt, weil alles so unglaublich stressig ist. Ich beantrage Urlaub, buche einen Aufenthalt in Zypern, doch ich habe plötzlich Angst vor dem Flug, irgendetwas Schlimmes wird passieren, ich trete die Reise nicht an. Nach dem Urlaub hat sich nichts verändert, die Situation ist eher noch dramatischer geworden.

Unsinnige Fragen, unsinnige Sachen

 Ich gehe einfach nicht zur Arbeit, ich verbarrikadiere mich in meiner Wohnung in der Leibnizstraße. Ich sitze an meinem Esstisch, rauche und trinke Tee, trinke Tee und rauche. Ich grübele ununterbrochen. Ich frage mich, was ich nur falsch gemacht habe, aber ich frage mich auch völlig unsinnige Sachen, wie, ob der Bergkäse, den ich in einem Bioladen in der Nähe gekauft habe, mit einem Freund aus Holzkirchen zu tun hat, dessen Hobby Bergsteigen ist. Die unsinnigen Fragen, die verrückten Fragen in meinem Leben nehmen zu. Ich frage mich auch, ob der vorbeifahrende Käfer mit dem Kennzeichen MZ-JH2876 etwas mit jemand zu tun hat, dessen Namensinitialen JH sind. Ich vermute, dass der etwas Böses im Schilde führt. Der verfolgt mich wegen irgendwas. Wegen was? Ich fliehe wieder in meine Wohnung und grübele. Wie eine Verrückte.

Denn das bin ich. Verrückt. Am Ende eines langwierigen, mehrmonatigen Prozesses lande ich in der Psychiatrie der Mainzer Unikliniken. „Psychose aus dem schizophrenen Formenkreis“ lautet die vorläufige Diagnose nach vier Wochen Aufenthalt. Ich bekomme Medikamente, verschiedene werden ausprobiert. Ich bin aber völlig unvorbereitet, mit so einem grausamen Urteil umzugehen. Die Psychiater sagen recht hilflos, was damals Stand der Forschung war: Tabletten nehmen, ruhig verhalten, nicht nachdenken. Für mich ein recht unbefriedigender Rat. Für mich eine Diagnose, die ich nicht akzeptieren will. Ich kämpfe gegen die Krankheit und habe noch viermal eine Psychose, weil ich viermal glaube, ich könnte doch ohne Tabletten auskommen, es ginge mir jetzt gut und ich wäre geheilt. Doch die Krankheit zeigt mir ihre Zähne.

Die vierte Psychose ist die schlimmste

Beim letzten Mal, also durch die letzte Psychose, habe ich sehr viel verloren: meinen Job, meine Eigentumswohnung, habe meine Lebensversicherung aufgebraucht. Vielen Freunden war mein bizarres Verhalten zu viel, viele Bekannte haben sich zurückgezogen. Denn die Wahnvorstellungen wurden immer abstruser: So glaubte ich, ich sei die Tochter von Mick Jagger und die Nichte von John F. Kennedy, mein Bruder der „Red Hot Chili Peppers“-Leadsänger Anthony Kiedis. Einmal dachte ich, mein Vater käme mich mit einem Raumschiff abholen. In der glutheißen Sommermittagssonne habe ich auf dem Kölner Friesenplatz auf ihn gewartet bis in die Nacht. Er kam nicht. Aber ich in die Psychiatrie. Wieder.

Doch ich habe nicht aufgegeben. Die Krankheit hat auch eines erreicht: Sie hat Kraft in mir mobilisiert, von der ich nie geahnt hätte, dass ich sie besitze. Auf die Frage, was mit so einem von vielen Brüchen gekennzeichneten Leben anzufangen ist, habe ich mir die Antwort gegeben: über die Krankheit zu informieren, Missstände, die mir aufgefallen sind, zu benennen und zur Diskussion darüber beizutragen.

Wer schizophren ist, wird ausgegrenzt

Eine Untersuchung der Universität Greifswald aus dem Jahr 2011 nennt erschreckende Zahlen hinsichtlich Stigmatisierungen von Menschen mit einer schizophrenen Erkrankung. Über die Hälfte der Befragten würde es ablehnen, einen Menschen mit Schizophrenie einem Freund vorzustellen (53 Prozent), ihn für einen Job zu empfehlen (63 Prozent), ihn als Mieter zu akzeptieren (58 Prozent), oder in der Familie (60 Prozent). 49 Prozent der Befragten sagen, dass sie sich in Gegenwart eines an Schizophrenie erkrankten Menschen unwohl fühlen, 37 Prozent haben Angst vor ihm. Das sind grausame Zahlen, meine ich. So schlimm habe ich es selbst nicht empfunden, obwohl ich auch Ablehnung und Unsicherheit im Zusammenhang mit meiner Krankheit erlebt habe. Und da muss sich etwas bewegen. Deshalb habe ich meine Geschichte im Hörfunk veröffentlicht. Deshalb habe ich nun ein Buch geschrieben.

Mittlerweile geht es mir ganz gut. Ich wohne in Köln, habe einen Job und einige der Beziehungen, die geruht haben oder die sogar zerrissen waren, sind neu geknüpft. Gerade das Ansprechen dieser Problematik brachte mir viel Resonanz von Betroffenen und Angehörigen. Es haben sich Menschen bei mir gemeldet, die vorher Berührungsängste hatten, nicht wussten, wie sie mit mir umgehen sollen.

„Ich will etwas gegen die Stigmatisierung tun“

Ich nehme Tabletten, aber relativ niedrig dosiert. Die Medikamente haben gar nicht so harmlose Nebenwirkungen, zu denen eine Art gefühlsmäßiges Eingefrorensein gehört. Beispiel: ein Mensch, der hochdosiert Tabletten nimmt, wird ohne Interesse auf erste Anzeichen des Frühlings reagieren. Während „normale“ Menschen ein Gefühl von Begeisterung und Aufbruch empfinden, spürt ein solcher Mensch wenig oder nichts. Das nimmt Lebensfreude. Ich habe die Krankheit, so schwer es ist, angenommen. Ein Schritt war, diesen Artikel unter meinem Namen zu veröffentlichen. So kann ich mir kein Türchen aufhalten, dass ich ja doch nicht wirklich ein Problem habe. Für das es allerdings nicht „die“ Lösung gibt, sondern nur verschiedene Ansätze. Das eventuell immer mit Tabletten begleitet sein wird. Das Stigmatisierungen mit sich bringt. Aber dagegen, dass die Krankheit ein Tabu ist, tue ich ja jetzt etwas.

Ein Traum ist Wirklichkeit geworden…

Ein Dankesbrief erreichte uns zu Weihnachten von Achim Fuchs aus Beltheim, dem Gründer von Home of Smile: Homeofsmile Brief

Wir haben das Projekt sehr gerne unterstützt.

Link zu Home of Smile

 

Foto: Home of Smile

Unterstützung für psychisch Kranke in Südafrika

Die Sczech-Stiftung unterstützt mit 10.000 ZAR (Südafrikanische Rand) ein Fountain House Projekt, eine Organisation der Cape Mental Health Society in Südafrika. Diese engagiert sich das Stigma zu beseitigen, das mit Problemen der psychischen Gesundheit verbunden ist. Das Fountain House Team wurde um neue Mitarbeiter erweitert, damit mehr Menschen in Not erreicht werden können.

Africa_1Cape Mental Health bietet 22 Programme in schlecht ausgestatteten Gemeinden an um die Versorgungslücke im Bereich der psychiatrischen Versorgung zu verringern. Die Eden Karoo ist mit einer Gesamtbevölkerung von 574.265 Einwohnern, der größten Bevölkerung im Alter von 0-39 Jahren und nur 14,9% der Bevölkerung in der Krankenversicherung als das schlimmste Gebiet des Westkaps identifiziert worden.

Fountain House (SA) ist ein gemeindebasiertes PSR-Zentrum (psychosoziale Rehabilitation), das Menschen mit psychiatrischer Behinderung Dienstleistungen anbietet, um ihre Wiedereingliederung in die Gesellschaft und den Arbeitsplatz zu erleichtern. Dies geschieht durch die Erleichterung des Erlernens von Arbeitsfähigkeiten, die soziale Kompetenzen fördern.

Zibele Qwemesha und Brunnen Hou schrieben an die Sczech-Stiftung:

Bei Fountain House (SA) haben wir es uns zur Aufgabe gemacht, Menschen mit psychiatrischer Behinderung die Möglichkeit zu geben, so unabhängig wie möglich in ihren Gemeinschaften zu leben. Die Teilnahme von Dienstleistungsnutzern an Kunsthandwerk und Kunsthandwerk wird als therapeutische Modalität in unseren täglichen Programmen eingesetzt. Wir führen ein preisgekröntes Programm durch, weil wir zweifelsohne der Meinung sind, dass Menschen mit psychosozialen Behinderungen die gleichen Rechte und Möglichkeiten eingeräumt werden sollten wie jedem anderen Bürger. Unsere Botschaft ist kraftvoll und klar - wir konzentrieren uns auf die Fähigkeiten von Menschen mit geistiger Behinderung und nicht auf ihre Diagnosen oder auf das, was andere als Einschränkungen ansehen.
Im Geschäftsjahr 2015/16 waren es 526 Mitglieder, die unseren Service in Anspruch genommen haben.  Die Mitglieder erhielten durch ihre Teilnahme an den Aktivitäten der vier Arbeitseinheiten des Zentrums, nämlich der Verwaltung, der Gastronomie, der Werkstatt für Kunsthandwerk und der Abteilung für Arbeit und Kommunikation, eine "Training on-the-job"-Ausbildung in einer Vielzahl von Fertigkeiten. Es gab 115 Mitglieder, die Zugang zu Beschäftigungs- oder Qualifizierungsangeboten wie dem Übergangs-Beschäftigungsprogramm (TEP), geförderten Beschäftigungsmöglichkeiten, Praktika in Observatorien und Lernangeboten hatten.
Neben der starken psychosozialen Fähigkeit der Kunst, Einzelpersonen dabei zu helfen, Vertrauen zu gewinnen und sich in die Gesellschaft zu integrieren und zu vernetzen, hat die Kunst die Fähigkeit, das Leben unserer Dienstleistungsnutzer auf tiefgreifende Weise zu verändern. Es ermöglicht den Ausdruck in Form von Bildern und Symbolen, um gelebte Erfahrungen unserer Servicenutzer zu erzählen, wenn Worte nicht ausreichen. So ebnet die Kunst den Weg zu Wellness, emotionaler Wiedergutmachung und letztendlich zur Genesung. Unser Hauptziel ist es, unseren Individuen zu ermöglichen, wettbewerbsfähige Partner in der Kunstwelt zu sein. Durch unsere verschiedenen Initiativen im Rahmen unseres Tagesprogramms hoffen wir, dies zu ermöglichen.

Unsere jährliche Ausstellung (Einladung wird nach Fertigstellung verschickt) findet am 22. und 23. Februar 2018 im Theater Nassau statt. Damit diese Veranstaltung ein Erfolg wird, benötigen wir die Unterstützung von Sponsoren wie Ihnen, die uns helfen, das Gespräch zu ändern und etwas anderes auszuprobieren. Alle im Vorjahr getätigten Spenden haben uns im Werkstattbereich enorm geholfen, da es uns gelungen ist, Materialien für die von uns hergestellten und später verkauften Produkte zu beschaffen. Es ist uns auch gelungen, neue Tische und Stühle zusammen mit Schränken zu kaufen, mit denen wir unseren Lagerbestand in der Einheit sicher aufbewahren. In diesem Jahr haben wir die Kunstausstellung mit einem Musikkonzert kombiniert; Ziel ist es, die Talente unseres Künstlers einem anderen Publikum zugänglich zu machen, damit wir seine Verkaufschancen erhöhen und seine Bekanntheit als Kunsthandwerker erhöhen können. Wir haben eine Patenschaft erhalten, die unsere Standardkosten für die Zusammenstellung dieser Veranstaltung decken würde und benötigen Ihre Unterstützung mit finanziellen Mitteln, damit wir unser Projekt kunsthandwerklich aufwerten und unseren Künstlern und Handwerkern ein Stipendium zur Verfügung stellen können. Es ist unsere langfristige Strategie, unsere Ausstellungen und Stände, an denen wir jedes Jahr teilnehmen, zu verbessern, was uns hilft, ein Einkommen zu generieren und unsere Türen offen zu halten.
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Mitgliedern, die in der Werkstatteinheit arbeiten, das Foto zeigt die neuen Tische und Stühle, die wir gekauft haben. Wir hoffen, dass die Fotos zeigen, wie Ihre Beiträge zu bedeutenden Fortschritten in unserer Welt beigetragen haben, sowohl in ästhetischer Hinsicht als auch dadurch, dass sie unseren Mitgliedern helfen, Produkte in einer geeigneten und ergonomisch akzeptablen Umgebung zu betreuen und zu produzieren.
Wir sind dankbar für Ihre konsequente und kontinuierliche Unterstützung, vor allem in einer Zeit, in der unser finanzielles Klima nicht gerade für psychiatrische Dienste attraktiv ist. Fountain House würde es sehr begrüßen, wenn Sie an dieser bedeutenden sozialen Investition in Bezug auf die Förderung unserer Künstler und Handwerker durch Sponsoring unserer Veranstaltung teilnehmen würden.

Mit freundlichen Grüßen,
Zibele Qwemesha,
Brunnen Hou

Der Rhein-Hunsrück-Kreis verzaubert die Energiewelt

Ausgerechnet der strukturschwache Rhein-Hunsrück-Kreis gilt international als Vorbild für erneuerbare Energien. Von Japan bis Afrika kommen Experten und lassen sich inspirieren.

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9.11.2017 SWR2 Wissen: Vorbild Rhein-Hunsrueck -ein Landkreis-verzaubert-die-energiewelt

Ein Gruß an alle Freunde der Hunsrücker Höhenwind und den ehemaligen Landrat Bertram Fleck: In einem Pariser Café habe ich schon 2015 einen holländischen Wissenschaftler getroffen, der voller Begeisterung die Entwicklung im Hunsrück wahrgenommen hat.

Der Kreis produziert heute dreimal so viel erneuerbaren Strom wie er selbst verbrauchen kann. Vor 20 Jahren sah das hier noch ganz anderes aus – keine einzige Kilowattstunde wurde vor Ort erzeugt. Auch im Wärmebereich schreitet die Entwicklung stetig voran. Bei Einsparungen, dem Bau von Nahwärmenetzen und Fotovoltaikanlagen. Der Erfolg des Rhein-Hunsrück-Kreises macht immer mehr Menschen neugierig. Nicht zuletzt durch den Gewinn des Europäischen Solarpreises im Jahr 2011. Wie geht so was? Rechnet sich das – auch wenn es keine staatliche Förderung erneuerbarer Energien gibt? Bisher haben Delegationen aus 34 Nationen den Kreis besucht, um sich von der Energiewende berichten zu lassen … weiterlesen bei SWR2

Demo in Bonn: Rote Linie gegen Kohle

Nach der großen Friedensdemonstration 1983 am 4. November 2017 wieder in Bonn. Mit 25.000 Menschen demonstrierte ich für den Kohleausstieg. Anlässlich der Klimakonferenz in Bonn, die offiziell vom Pazifikstaat Fidschi ausgerichtet wird, waren auch viele Aktivisten aus vom Klimawandel bedrohten Inselstaaten angereist.

Sapperlot, da habe ich tatsächlich meine Hunsrücker von Höhenwind übersehen, aber es war auch echt voll. Diese Foto ist von Thomas Bernhard.

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Thomas Bernhard schreibt dazu: „Liebe MitstreiterInnen, im Anhang einige Fotos. Beeindruckt haben mich als Redner vor allem Hubert Weiger in seiner Klarheit, die Verfehlung der Klimaziele anzuprangern, die junge Frau aus Mozambique (friends of the earth) die klar machte, dass alle Kohle die bei ihnen gefördert wird direkt nach Europa geht und sie selbst keine Energie haben. Anschließend kommt der Klimawandel zurück. Die junge Aktivistin von „Ende Gelände“, die sagte dass es Zeit wird seine eigenen Körper gegen die Bagger zu stellen. Der Amerikaner, der deutlich machte, dass in seinem Land die Kohle gegen die Erneuerbaren schon keine wirtschaftliche Chance mehr hat und Kohlekraftwerke abgeschaltet werden – egal was Trump redet. Und Christoph Bautz von „Campact“, der die hohlen Phrasen von erfolgreicher Klimapolitik unserer Regierung anprangerte. Tatsächlich fallen ALLE Entscheidungen gegen das Gemeinwohl, bei der Dieselaffäre, bei der Förderung der Erneuerbaren, bei der Kohle. Immer für die Industrie. Und das müssen wir ändern. Schön, dass wir da waren und Flagge gezeigt haben – oder Schilder Grüße, Thomas Bernhard

Bonn20171104_151432Berichterstattung in der Tagesschau:

Zu der Demo hat ein Bündnis aus Umweltorganisationen wie Greenpeace, BUND, Nabu und Campact aufgerufen. Laut Veranstalter kamen 25.000 Menschen – weit mehr als erwartet.

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Die Weltklimakonferenz findet 2017 nur wenige Kilometer entfernt von Europas größter CO₂-Quelle statt, dem Braunkohlerevier im Rheinland. Dies nahmen wir zum Anlass, unsere Forderungen – insbesondere an die neue Bundesregierung – mit einer großen, bunten, internationalen Demonstration auf die Straße zu tragen: Für einen schnellen und sozialverträglichen Kohleausstieg und eine entschlossene und gerechte Klimapolitik hier und weltweit.

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Es ist zum heulen. Das Land der Dichter, Denker und Hochtechnologie ist Weltmeister in dreckiger Braunkohle.

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Werner Vogt von Höhenwind: „Wichtig ist jetzt, nicht nachzulassen und durch eigenes Engagement in vielen Bereichen und Diskussionen einen möglichst hohen Beitrag dazu zu leisten, dass die Leute anfangen nachzudenken und man überall erkennt, wie wichtig das Thema „Kohleausstieg“ ist.“

 

Generationenmanifest unterstützen

Unser Wachstumswahn droht die Erde für unsere Nachkommen unwirtlich zu machen, warnen 45 Persönlichkeiten und legen ein „Generationen-Manifest“ vor, um den kurzsichtigen politischen Debatten hierzulande etwas entgegenzusetzen. Es enthält zehn Forderungen für den Koalitionsvertrag.

Hans Joachim Schellnhuber ist genauso dabei wie Ernst Ulrich von WeizsäckerHannes Jaenicke oder Felix Finkbeiner: 45 Persönlichkeiten aus Wissenschaft, Kultur, Wirtschaft und öffentlichem Leben appellieren an die nächste Bundesregierung, sich den zehn größten Gefahren für die kommenden Generationen zu stellen. Es geht um Herausforderungen wie Krieg, Klimawandel, Armut, Hunger und Ungerechtigkeit.

Die Lage fassen die Initiatoren in einem Satz zusammen: „Unsere Leistungsgesellschaft mit ihrem Produktions- und Wachstumswahn ist dabei, die Erde für unsere Nachkommen unwirtlich und unbewohnbar zu machen.“ In Deutschland hätten die meisten Parteien aber nicht einmal einen Planungsmaßstab, der die Interessen der nächsten Generation angemessen berücksichtigen könne.

MainzJan2016In einem „Generationen-Manifest“ haben die 45 Aufrufer deshalb zehn Punkte aufgelistet, die die kommende Bundesregierung im Koalitionsvertrag unbedingt berücksichtigen soll. So heißt es zum Klimaschutz: „Wir fordern die Bundesregierung auf, den Einsatz fossiler Brennstoffe bis 2040 zu beenden sowie ein tragfähiges Konzept für CO2-Besteuerung beziehungsweise Emissionshandel vorzulegen.“ Weitere konkrete Forderungen betreffen Bildung, Migration, Digitalisierung, Müll und Unternehmenshaftung.

Das Generationen-Manifest ist die Fortschreibung eines ersten Manifests von 2013, das mehr als 105.000 Menschen unterzeichneten. Nach einer intensiven Diskussion mit Experten aller Altersstufen formulierte eine Gruppe um den Klimaforscher Schellnhuber, die Ökonomin Maja Göpel und andere vor einigen Wochen die Endfassung.

 

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Die Generationen-Initiative richtet den Blick auf Entscheidungen, die erst unsere Nachkommen betreffen – wie beim Klimaschutz.

 „Nicht länger so tun, als wäre nichts“

Die Initiatoren sehen ihr Manifest als Startschuss für einen langfristigen Dialog mit der Zivilgesellschaft. Generationengerechtigkeit soll wieder in den Mittelpunkt der gesellschaftlichen Debatte rücken. Die abschließende Forderung lautet, „Generationengerechtigkeit in das Grundgesetz aufzunehmen und so sicherzustellen, dass Haftungsforderungen im Namen zukünftiger Generationen eingeklagt werden können“.

Das Generationen-Manifest könne viel bewegen, „wenn wir aufhören so zu tun, als wäre nichts“, sagt Ko-Autorin Maja Göpel. Stattdessen sei jetzt die Zeit, „die Themen auf den Tisch legen und gemeinsam an der Welt arbeiten, die wir uns alle zusammen vorstellen“. Auch Schellnhuber sieht die Krise als Chance: „Wir können vermeiden, dass unsere Nachkommen schlechtere Lebenschancen haben als wir.“

Hier können Sie sich den Forderungen im Generationen-Manifest mit Ihrer Unterschrift anschließen.

Eine Petition auf Change.org fordert, die zehn Punkte in den Koalitionsvertrag aufzunehmen

Quelle: klimaretter.info

Reflecta Film-Festival in Mainz

Die Sczech-Stiftung unterstützt das Reflecta Film-Festival, das vom 11.-13.08.2017 an der wunderbaren Planke Nord in Mainz stattfinden wird. Freut euch auf drei Tage voller großer Fragen mit vielen Facetten, ohne einfache Antworten. Zwischen Schiffscontainern widmen sich das Festival der Zukunft, die wir leben und gestalten möchten – in Form von Filmen, Workshops, Entdeckungstouren, guter Musik und feinem Essen.

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REFLECTA 2017 @Planke Nord Mainz

Festival Programm

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Wiesbaden: visionärer Frühschoppen im 60/40

„Engagiert euch!“ war das Thema No. 16 beim visionären Frühschoppen Wiesbaden im Schlachthof-Lokal „60/40“.  „Die Verletzung der Menschenrechte und die Zerstörung der Umwelt gehen uns alle an. Wie aber kann sich jeder Einzelne ganz konkret für eine bessere Gesellschaft stark machen?“ – diese Frage von Stéphane Hessel aus seinem Buch „Engagiert euch!“, das er 2011 ein Jahr nach seiner Aufsehen erregenden Streitschrift „Empört euch!“ veröffentlicht hatte, bildet die Basis dieses „engagierten“ Frühschoppens. Gäste, die etwas bewegen wollen, das Thema aus ganz unterschiedlichen Richtungen beleuchteten und ihre Visionen vorstellten:

  • Birgit Pilz, Vorsitzende Café con leche – Projekte (u.a. Fußball) mit Jugendlichen in der Dominikanischen Republik cafeconleche
  • Anjelina Nafula Namwaya, Gründerin und Vorsitzende, Kenya-ChildVision e.V., kenya-childvision
  • Dr. Gerhard Trabert, “Obdachlosen-Arzt”, Gründer und Vorsitzender Verein “Armut und Gesundheit”, vielfach engagiert auch weltweit bei Auslandseinsätzen in Kriegs- und Krisengebieten, Professor für Sozialwesen an der Hochschule RheinMain. armut-gesundheit
  • Jakob Kirfel, Jugend gegen AIDS e.V. jugend-gegen-aids.de/, Stadtschülersprecher a.D. (2015- Mai 2017)
  • Reinhard Sczech (ich) für das frisch gestartete „Reflecta Network“ reflecta.networkfacebook/Reflecta.Network

Ich fand es sehr spannend, wie schnell sich Anknüpfungspunkte der unterschiedlichen Initiativen finden lassen. Beispielsweise mit Anjelina von Kenya-ChildVision. Haben wir doch gerade von der Sczech-Stiftung das Projekt homeofsmile in Kenia unterstützt. Der Spendenshop von Achim Fuchs ließe sich eventuell auf die Arbeit von Anjelinas  kenya-childvision übertragen.

Das Projekt Café con Leche von Birgit Prinz, unterstützt Kinder und Jugendliche in sozialen Brennpunkten der Dominikanischen Republik mit gezielten Bildungs- und Sportprojekten. Einige Aspekt der Mittelbeschaffung (Sportkleidung, Fußbälle), ließe sich hervorragend in Aktionskarten des reflecta.network umsetzen. Aber da müssen wir in unserem Netzwerk noch kräftig arbeiten, bis die erste Version online gehen kann.

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Dirk Fellinghauer, Moderator vom „sensor – Fühle deine Stadt.Wiesbaden“, Birgit Pilz, Vorsitzende Café con leche, Anjelina Nafula Namwaya, Gründerin und Vorsitzende, Kenya-ChildVision, Reinhard Sczech, Reflecta.Network

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Uni Marburg würdigt Clemens Ronnefeldt

„Konflikte können diplomatisch gelöst werden, davon ist Clemens Ronnefeldt überzeugt und reist in dieser Mission in Spannungsgebiete. Jetzt ist er mit dem Peter-Becker-Preis der Universität Marburg ausgezeichnet worden. Seine Botschaft: Man muss an den Ursachen ansetzen.“ schrieb die Süddeutsche Zeitung und druckte ein Interview mit dem Preisträger.

Bei diesen Reisen wurde Clemens Ronnefeldt mehrfach finanziell durch die Sczech-Stiftung unterstützt. Deshalb war die Freude groß, als die Nachricht von der Preisverleihung eintraf.

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Clemens Ronnefeldt Uni Marburg 23. Januar 2017 (alle Fotos Uni Marburg)

Rede von Clemens Ronnefeldt anlässlich der Preisverleihung des Peter-Becker-Preises am 20.1.2017 in Marburg

Sehr geehrte Frau Krause, sehr geehrte Frau Buckley-Zistel,

sehr geehrter Herr Bürgermeister, sehr geehrter Herr Kanzler,

lieber Peter Becker, liebe Mitglieder der Jury, liebes Auditorium,

zunächst möchte ich Dir, lieber Ulrich (Duchrow), ganz herzlich für deine Laudatio danken.

Es war zuletzt Mitte November 2016, als ihr beide, Maximiliane und Johannes, mich zu einem Vortrag im Rahmen der Ringvorlesung und am nächsten Tag zu einem Nahost-Forschungsseminar an die Universität Marburg eingeladen habt.

Dass ich heute erneut als Preisträger des Peter-Becker-Preises eingeladen bin, erfüllt mich mit großer Freude.

Ebenfalls freut mich, dass die Präsidentin des Internationalen Versöhnungsbundes IFOR (die Abkürzung für: International Fellowship of Reconciliation), Frau Davorka Lovrekovic, und der Präsident des deutschen Zweiges, Herr Ullrich Hahn und seine Frau Eva sowie der Vorsitzende des deutschen Zweiges, Berthold Keunecke, gekommen sind.

Ich möchte gerne einige Bilder zeigen, von denen ich annehme, dass sie im Zusammenhang meiner heutigen Ehrung stehen.

Vor mehr als 30 Jahren hat mich die Friedensarbeit auf dem Hunsrück am Cruise-Missile-Stationierungsort Hasselbach geprägt.

In den 90ger Jahren konnten wir mit vielen Menschen zusammen das Leid von Kriegsopfern auf dem Balkan lindern, mit Zivildienstleistenden in Flüchtlingslager in Kroatien, Bosnien-Herzegowina und Serbien neue Lebensfreude bringen.

Als wir im November 1990 in Bagdad waren, sagte uns eine Krankenschwester bei der Entgegennahme von Medikamenten: „Euer Besuch ist für mich wie frischer Tau in der Wüste“.

Auf dem Höhepunkt der 2. Intifada im April 2002 reisten wir mit einer IFOR-Delegation nach Israel und Palästina, die von unserer Ehrenpräsidentin Dr. Hildegard Goss-Mayr geleitet wurde. Wir besuchten u.a. Erzbischof Michel Sabbah in Jerusalem, der kurz zuvor in Bethlehem in der Geburtskirche eine Gruppe von eingeschlossenen bewaffneten Palästinensern durch Verhandlungen davor bewahrt hatte, entweder ausgehungert oder beim Verlassen der Kirche erschossen zu werden. Mich beeindruckte damals, dass es offenbar selbst in ausweglos scheinenden Situationen Möglichkeiten der zivilen Konfliktlösung gibt.Marburg-5 12

2005 nahm ich als europäischer Vertreter an einer Delegation des US-Versöhnungsbundes nach Iran teil. Wir trafen u.a. eine Frauenorganisation, deren mehr als 5000 Frauen sich für Umweltschutz und erneuerbare Energien einsetzen.

In Teheran besuchten wir die größte jüdische Gemeinde und sprachen in der Synagoge mit dem jüdischen Parlamentsabgeordneten Dr. Maurice Motamed.

Zwei Mitglieder unserer Delegation waren jüdische US-Staatsbürger, die von Dr. Motamed für ihren Mut gewertschätzt wurden, auf der Suche nach Verständigung und der Abwendung von Militärschlägen gegen Iran die weite Reise aus den USA auf sich genommen zu haben.

Ich bin überzeugt, dass solche zivilgesellschaftlichen Initiativen des Brückenbauens oder auch Städtepartnerschaften den Boden mit dafür bereiten können, dass auf höherer politischer Ebene leichter Konflikte zwischen Staaten gelöst werden können.

In Palästina beeindruckt mich die Arbeit der Versöhnungsbund-Organisation „Holy Land Trust“. Mein Kollege Marwan Fararjeh baut mit betroffenen Familien und Freiwilligen zerstörte palästinensische Häuser wieder auf. 

In unserem IFOR-Zentrum „Wi`am“ – arabisch für „Herzensverbindung“ – wird traditionelle arabische Mediation sowie Gemeinwesenarbeit für Frauen und Jugendliche angeboten.

Dem Internationalen Versöhnungsbund gehören heute rund 100 000 Mitglieder in mehr als 40 Staaten der Erde an. Sechs Friedensnobelpreis-träger_innen sind seit 1914 aus unserem Verband hevorgegangen, darunter Mairéad Corrigan und Dr. Martin Luther King jr.

2012 besuchten wir mit einer IFOR-Delegation den Botschafter des Vatikan in Kairo und informierten uns über die zunehmend gefährlichere Lage der rund zehn Prozent koptischen christlichen Minderheit in Ägypten.image1

Im März 2016 reiste ich mit einer Gruppe der „Internationalen Ärzte für die Verhütung des Atomkrieges – Ärzte in sozialer Verantwortung“ unter Leitung von Dr. Gisela Penteker und Mehmet Bayval u.a. nach Ankara, Diyarbakir und Cizre.

In Ankara trafen wir den zu fünf Jahren Haft verurteilten Cumhyriet-Journalisten Erdem Gül, der zusammen mit seinem Kollegen Can Dündar wahrheitsgemäß über türkische Waffenlieferungen an Dschihadisten in Syrien berichtet hat.

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Aufruf: „Unterstützen Sie die Arbeit von Clemens Ronnefeldt, Friedensreferent des Versöhnungsbundes“

Starke Nerven brauchten wir, als wir durch Cizre gingen – einer kurdischen Hochburg, die wenige Tage vor unserer Ankunft unter schweren Beschuss der türkischen Armee geraten war.

Seit vielen Jahren sehe ich eine meiner Aufgaben darin, in deutschsprachigen Ländern jenen Personen in Artikeln und bei Veranstaltungen eine Stimme zu geben, die wegen ihres Einsatzes für Gerechtigkeit, Frieden und Menschenrechte unterdrückt werden.

Aktuell ist es mir ein Herzensanliegen, darauf hinzuweisen, dass im Schatten des Syrien- und Irak-Krieges auch andere Menschen, die Opfer von Gewalt z.B. in kurdischen und palästinensischen Gebieten oder im Jemen werden, unsere öffentliche Wahrnehmung und Solidarität benötigen.

Meine bisher größte Herausforderung war im Jahre 2011 zusammen mit dem Journalisten Andreas Zumach die Moderation einer Konferenz für Sicherheit und Zusammenarbeit im Nahen und Mittleren Osten mit 27 Teilnehmenden aus Israel, Palästina, Türkei, Syrien, Jordanien, Irak, Iran, und Kuweit.

Nachdem alle Teilnehmenden ihre Projekte vorgestellt hatten, bildeten wir länderübergreifende Querschnittsgruppen zu den Themen Wasser und erneuerbare Energie, Friedenserziehung, interreligiöser Dialog und eine massenvernichtungswaffenfreie Zone.

Zunehmend beschäftigt mich auch die Frage, wie die Konflikte und Kriege der von mir bereisten Region im globalen Zusammenhang zu sehen sind.

Vielen Menschen ist bewusst, dass das 2-Grad-Erderwärmungsziel bis zum Jahre 2050 nur eingehalten werden kann, wenn 80 Prozent aller weltweit bekannten Vorräte an Öl, Gas und Kohle in der Erde verbleiben.

Konzepte wie Postwachstums- und Gemeinwohlökonomien, Bioregionalismus und das „Lassen“ jener Handlungen, welche die Lebenschancen anderer Menschen und zukünftiger Generationen mindern, sind überzeugend – aber noch wenig umgesetzt.

Einfach leben, damit andere einfach überleben, Teilen statt Töten, den mit Überfluss gefüllten Tisch länger statt Zäune höher machen – diese Botschaften bei immer enger werdenden Spielräumen umzusetzen, wird eine politische und geistige Herausforderung werden.

Schon jetzt freue ich mich darauf, am 17. Februar 2017 bei der Internationalen Münchner Friedenskonferenz u.a. Prof. Harald Welzer zu diesen Fragen moderieren zu dürfen.

Der heutige Amtsantritt von Donald Trump, der Amerika wieder groß machen möchte, erscheint mir als historische Zäsur.

Wie wird sich das Verhältnis zwischen NATO, USA und Russland weiter entwickeln?

„Mein Gott, wenn mich jetzt mein Opa sehen könnte! Der war vor 75 Jahren auch schon einmal hier“, sagt der Bundeswehr-Soldat auf einer Karikatur an der russischen Grenze.

Bei mir war es mein Vater, der noch an Hitlers Russland-Feldzug teilgenommen hat.

„Nie wieder Krieg, nie wieder Faschismus“ – diese Botschaft könnte nicht aktueller sein.DFGVK

Je mehr Gewalt ich in meinem Leben gesehen habe, desto rationaler und überzeugender wurden für mich die Bergpredigt, Gewaltverzicht und Feindesliebe, wie sie Jesus, Gandhi, Martin Luther King jr. und viele andere Frauen und Männer gelehrt und gelebt haben.

Voraussetzung für dieses Handeln ist für mich die Integration meiner Schattenseiten als Beginn aller Friedensarbeit.

Trotz Klimaausgleichszahlungen belastet mich meine persönliche Ökobilanz.

Ich hoffe, dass die Umweltzerstörungen durch meine Reisen am Ende aufgewogen werden können durch das Konstruktive, was ich bewirkt habe.

Am Ende meiner Rede möchte ich denen danken, die mich auf meinem Weg bisher begleitet und geprägt haben:

Meinen verstorbenen Eltern, meinen beiden Beratern bei der Kriegsdienstverweigerung, Joachim Dietermann und Michael Germer, Dr. Marshall Rosenberg, meinen Professoren Johannes Beutler, Medard Kehl und Friedhelm Hengsbach an Jesuiten-Hochschule in Frankfurt, Dr. Hildegard Goss-Mayr, Dr. Christine Schweitzer und dem verstorbenen Prof. Andreas Buro für die Zusammenarbeit bei der Dossier-Reihe „Zivile Konfliktbearbeitung“, meinen Reiseleitungen und Dolmetschern, unserem langjährigen Vorsitzenden und Präsidenten, Ullrich Hahn, dem Vorstand des Versöhnungsbundes und meinen beiden Kolleginnen in der Geschäftsstelle.

Mein Dank geht auch an den Versöhnungsbund insgesamt, der mir seit 25 Jahren diese Arbeit ermöglicht.

Ganz besonders danke ich Peter Becker für die Stiftung des Preises und den Personen, die für meine Auswahl als Preisträger votiert haben.

Meiner Familie möchte ich danken, dass ihr mir den emotionalen Rückhalt gibt, mich für Gerechtigkeit, Frieden und die Bewahrung unserer bedrohten Schöpfung einzusetzen.

Ich danke Ihnen und Euch für die Aufmerksamkeit.

Pressemitteilung: Philipps-Universität würdigt Friedens- und Konfliktforschung

Laudatio von Ulrich Duchrow

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Clemens Ronnefeldt Ostermarsch 2015

Clemens Ronnefeldt im Nahen Osten