Wiesbaden: visionärer Frühschoppen im 60/40

„Engagiert euch!“ war das Thema No. 16 beim visionären Frühschoppen Wiesbaden im Schlachthof-Lokal „60/40“.  „Die Verletzung der Menschenrechte und die Zerstörung der Umwelt gehen uns alle an. Wie aber kann sich jeder Einzelne ganz konkret für eine bessere Gesellschaft stark machen?“ – diese Frage von Stéphane Hessel aus seinem Buch „Engagiert euch!“, das er 2011 ein Jahr nach seiner Aufsehen erregenden Streitschrift „Empört euch!“ veröffentlicht hatte, bildet die Basis dieses „engagierten“ Frühschoppens. Gäste, die etwas bewegen wollen, das Thema aus ganz unterschiedlichen Richtungen beleuchteten und ihre Visionen vorstellten:

  • Birgit Pilz, Vorsitzende Café con leche – Projekte (u.a. Fußball) mit Jugendlichen in der Dominikanischen Republik cafeconleche
  • Anjelina Nafula Namwaya, Gründerin und Vorsitzende, Kenya-ChildVision e.V., kenya-childvision
  • Dr. Gerhard Trabert, “Obdachlosen-Arzt”, Gründer und Vorsitzender Verein “Armut und Gesundheit”, vielfach engagiert auch weltweit bei Auslandseinsätzen in Kriegs- und Krisengebieten, Professor für Sozialwesen an der Hochschule RheinMain. armut-gesundheit
  • Jakob Kirfel, Jugend gegen AIDS e.V. jugend-gegen-aids.de/, Stadtschülersprecher a.D. (2015- Mai 2017)
  • Reinhard Sczech (ich) für das frisch gestartete „Reflecta Network“ reflecta.networkfacebook/Reflecta.Network

Ich fand es sehr spannend, wie schnell sich Anknüpfungspunkte der unterschiedlichen Initiativen finden lassen. Beispielsweise mit Anjelina von Kenya-ChildVision. Haben wir doch gerade von der Sczech-Stiftung das Projekt homeofsmile in Kenia unterstützt. Der Spendenshop von Achim Fuchs ließe sich eventuell auf die Arbeit von Anjelinas  kenya-childvision übertragen.

Das Projekt Café con Leche von Birgit Prinz, unterstützt Kinder und Jugendliche in sozialen Brennpunkten der Dominikanischen Republik mit gezielten Bildungs- und Sportprojekten. Einige Aspekt der Mittelbeschaffung (Sportkleidung, Fußbälle), ließe sich hervorragend in Aktionskarten des reflecta.network umsetzen. Aber da müssen wir in unserem Netzwerk noch kräftig arbeiten, bis die erste Version online gehen kann.

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Dirk Fellinghauer, Moderator vom „sensor – Fühle deine Stadt.Wiesbaden“, Birgit Pilz, Vorsitzende Café con leche, Anjelina Nafula Namwaya, Gründerin und Vorsitzende, Kenya-ChildVision, Reinhard Sczech, Reflecta.Network

Uni Marburg würdigt Clemens Ronnefeldt

„Konflikte können diplomatisch gelöst werden, davon ist Clemens Ronnefeldt überzeugt und reist in dieser Mission in Spannungsgebiete. Jetzt ist er mit dem Peter-Becker-Preis der Universität Marburg ausgezeichnet worden. Seine Botschaft: Man muss an den Ursachen ansetzen.“ schrieb die Süddeutsche Zeitung und druckte ein Interview mit dem Preisträger.

Bei diesen Reisen wurde Clemens Ronnefeldt mehrfach finanziell durch die Sczech-Stiftung unterstützt. Deshalb war die Freude groß, als die Nachricht von der Preisverleihung eintraf.

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Clemens Ronnefeldt Uni Marburg 23. Januar 2017 (alle Fotos Uni Marburg)

Rede von Clemens Ronnefeldt anlässlich der Preisverleihung des Peter-Becker-Preises am 20.1.2017 in Marburg

Sehr geehrte Frau Krause, sehr geehrte Frau Buckley-Zistel,

sehr geehrter Herr Bürgermeister, sehr geehrter Herr Kanzler,

lieber Peter Becker, liebe Mitglieder der Jury, liebes Auditorium,

zunächst möchte ich Dir, lieber Ulrich (Duchrow), ganz herzlich für deine Laudatio danken.

Es war zuletzt Mitte November 2016, als ihr beide, Maximiliane und Johannes, mich zu einem Vortrag im Rahmen der Ringvorlesung und am nächsten Tag zu einem Nahost-Forschungsseminar an die Universität Marburg eingeladen habt.

Dass ich heute erneut als Preisträger des Peter-Becker-Preises eingeladen bin, erfüllt mich mit großer Freude.

Ebenfalls freut mich, dass die Präsidentin des Internationalen Versöhnungsbundes IFOR (die Abkürzung für: International Fellowship of Reconciliation), Frau Davorka Lovrekovic, und der Präsident des deutschen Zweiges, Herr Ullrich Hahn und seine Frau Eva sowie der Vorsitzende des deutschen Zweiges, Berthold Keunecke, gekommen sind.

Ich möchte gerne einige Bilder zeigen, von denen ich annehme, dass sie im Zusammenhang meiner heutigen Ehrung stehen.

Vor mehr als 30 Jahren hat mich die Friedensarbeit auf dem Hunsrück am Cruise-Missile-Stationierungsort Hasselbach geprägt.

In den 90ger Jahren konnten wir mit vielen Menschen zusammen das Leid von Kriegsopfern auf dem Balkan lindern, mit Zivildienstleistenden in Flüchtlingslager in Kroatien, Bosnien-Herzegowina und Serbien neue Lebensfreude bringen.

Als wir im November 1990 in Bagdad waren, sagte uns eine Krankenschwester bei der Entgegennahme von Medikamenten: „Euer Besuch ist für mich wie frischer Tau in der Wüste“.

Auf dem Höhepunkt der 2. Intifada im April 2002 reisten wir mit einer IFOR-Delegation nach Israel und Palästina, die von unserer Ehrenpräsidentin Dr. Hildegard Goss-Mayr geleitet wurde. Wir besuchten u.a. Erzbischof Michel Sabbah in Jerusalem, der kurz zuvor in Bethlehem in der Geburtskirche eine Gruppe von eingeschlossenen bewaffneten Palästinensern durch Verhandlungen davor bewahrt hatte, entweder ausgehungert oder beim Verlassen der Kirche erschossen zu werden. Mich beeindruckte damals, dass es offenbar selbst in ausweglos scheinenden Situationen Möglichkeiten der zivilen Konfliktlösung gibt.Marburg-5 12

2005 nahm ich als europäischer Vertreter an einer Delegation des US-Versöhnungsbundes nach Iran teil. Wir trafen u.a. eine Frauenorganisation, deren mehr als 5000 Frauen sich für Umweltschutz und erneuerbare Energien einsetzen.

In Teheran besuchten wir die größte jüdische Gemeinde und sprachen in der Synagoge mit dem jüdischen Parlamentsabgeordneten Dr. Maurice Motamed.

Zwei Mitglieder unserer Delegation waren jüdische US-Staatsbürger, die von Dr. Motamed für ihren Mut gewertschätzt wurden, auf der Suche nach Verständigung und der Abwendung von Militärschlägen gegen Iran die weite Reise aus den USA auf sich genommen zu haben.

Ich bin überzeugt, dass solche zivilgesellschaftlichen Initiativen des Brückenbauens oder auch Städtepartnerschaften den Boden mit dafür bereiten können, dass auf höherer politischer Ebene leichter Konflikte zwischen Staaten gelöst werden können.

In Palästina beeindruckt mich die Arbeit der Versöhnungsbund-Organisation „Holy Land Trust“. Mein Kollege Marwan Fararjeh baut mit betroffenen Familien und Freiwilligen zerstörte palästinensische Häuser wieder auf. 

In unserem IFOR-Zentrum „Wi`am“ – arabisch für „Herzensverbindung“ – wird traditionelle arabische Mediation sowie Gemeinwesenarbeit für Frauen und Jugendliche angeboten.

Dem Internationalen Versöhnungsbund gehören heute rund 100 000 Mitglieder in mehr als 40 Staaten der Erde an. Sechs Friedensnobelpreis-träger_innen sind seit 1914 aus unserem Verband hevorgegangen, darunter Mairéad Corrigan und Dr. Martin Luther King jr.

2012 besuchten wir mit einer IFOR-Delegation den Botschafter des Vatikan in Kairo und informierten uns über die zunehmend gefährlichere Lage der rund zehn Prozent koptischen christlichen Minderheit in Ägypten.image1

Im März 2016 reiste ich mit einer Gruppe der „Internationalen Ärzte für die Verhütung des Atomkrieges – Ärzte in sozialer Verantwortung“ unter Leitung von Dr. Gisela Penteker und Mehmet Bayval u.a. nach Ankara, Diyarbakir und Cizre.

In Ankara trafen wir den zu fünf Jahren Haft verurteilten Cumhyriet-Journalisten Erdem Gül, der zusammen mit seinem Kollegen Can Dündar wahrheitsgemäß über türkische Waffenlieferungen an Dschihadisten in Syrien berichtet hat.

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Aufruf: „Unterstützen Sie die Arbeit von Clemens Ronnefeldt, Friedensreferent des Versöhnungsbundes“

Starke Nerven brauchten wir, als wir durch Cizre gingen – einer kurdischen Hochburg, die wenige Tage vor unserer Ankunft unter schweren Beschuss der türkischen Armee geraten war.

Seit vielen Jahren sehe ich eine meiner Aufgaben darin, in deutschsprachigen Ländern jenen Personen in Artikeln und bei Veranstaltungen eine Stimme zu geben, die wegen ihres Einsatzes für Gerechtigkeit, Frieden und Menschenrechte unterdrückt werden.

Aktuell ist es mir ein Herzensanliegen, darauf hinzuweisen, dass im Schatten des Syrien- und Irak-Krieges auch andere Menschen, die Opfer von Gewalt z.B. in kurdischen und palästinensischen Gebieten oder im Jemen werden, unsere öffentliche Wahrnehmung und Solidarität benötigen.

Meine bisher größte Herausforderung war im Jahre 2011 zusammen mit dem Journalisten Andreas Zumach die Moderation einer Konferenz für Sicherheit und Zusammenarbeit im Nahen und Mittleren Osten mit 27 Teilnehmenden aus Israel, Palästina, Türkei, Syrien, Jordanien, Irak, Iran, und Kuweit.

Nachdem alle Teilnehmenden ihre Projekte vorgestellt hatten, bildeten wir länderübergreifende Querschnittsgruppen zu den Themen Wasser und erneuerbare Energie, Friedenserziehung, interreligiöser Dialog und eine massenvernichtungswaffenfreie Zone.

Zunehmend beschäftigt mich auch die Frage, wie die Konflikte und Kriege der von mir bereisten Region im globalen Zusammenhang zu sehen sind.

Vielen Menschen ist bewusst, dass das 2-Grad-Erderwärmungsziel bis zum Jahre 2050 nur eingehalten werden kann, wenn 80 Prozent aller weltweit bekannten Vorräte an Öl, Gas und Kohle in der Erde verbleiben.

Konzepte wie Postwachstums- und Gemeinwohlökonomien, Bioregionalismus und das „Lassen“ jener Handlungen, welche die Lebenschancen anderer Menschen und zukünftiger Generationen mindern, sind überzeugend – aber noch wenig umgesetzt.

Einfach leben, damit andere einfach überleben, Teilen statt Töten, den mit Überfluss gefüllten Tisch länger statt Zäune höher machen – diese Botschaften bei immer enger werdenden Spielräumen umzusetzen, wird eine politische und geistige Herausforderung werden.

Schon jetzt freue ich mich darauf, am 17. Februar 2017 bei der Internationalen Münchner Friedenskonferenz u.a. Prof. Harald Welzer zu diesen Fragen moderieren zu dürfen.

Der heutige Amtsantritt von Donald Trump, der Amerika wieder groß machen möchte, erscheint mir als historische Zäsur.

Wie wird sich das Verhältnis zwischen NATO, USA und Russland weiter entwickeln?

„Mein Gott, wenn mich jetzt mein Opa sehen könnte! Der war vor 75 Jahren auch schon einmal hier“, sagt der Bundeswehr-Soldat auf einer Karikatur an der russischen Grenze.

Bei mir war es mein Vater, der noch an Hitlers Russland-Feldzug teilgenommen hat.

„Nie wieder Krieg, nie wieder Faschismus“ – diese Botschaft könnte nicht aktueller sein.DFGVK

Je mehr Gewalt ich in meinem Leben gesehen habe, desto rationaler und überzeugender wurden für mich die Bergpredigt, Gewaltverzicht und Feindesliebe, wie sie Jesus, Gandhi, Martin Luther King jr. und viele andere Frauen und Männer gelehrt und gelebt haben.

Voraussetzung für dieses Handeln ist für mich die Integration meiner Schattenseiten als Beginn aller Friedensarbeit.

Trotz Klimaausgleichszahlungen belastet mich meine persönliche Ökobilanz.

Ich hoffe, dass die Umweltzerstörungen durch meine Reisen am Ende aufgewogen werden können durch das Konstruktive, was ich bewirkt habe.

Am Ende meiner Rede möchte ich denen danken, die mich auf meinem Weg bisher begleitet und geprägt haben:

Meinen verstorbenen Eltern, meinen beiden Beratern bei der Kriegsdienstverweigerung, Joachim Dietermann und Michael Germer, Dr. Marshall Rosenberg, meinen Professoren Johannes Beutler, Medard Kehl und Friedhelm Hengsbach an Jesuiten-Hochschule in Frankfurt, Dr. Hildegard Goss-Mayr, Dr. Christine Schweitzer und dem verstorbenen Prof. Andreas Buro für die Zusammenarbeit bei der Dossier-Reihe „Zivile Konfliktbearbeitung“, meinen Reiseleitungen und Dolmetschern, unserem langjährigen Vorsitzenden und Präsidenten, Ullrich Hahn, dem Vorstand des Versöhnungsbundes und meinen beiden Kolleginnen in der Geschäftsstelle.

Mein Dank geht auch an den Versöhnungsbund insgesamt, der mir seit 25 Jahren diese Arbeit ermöglicht.

Ganz besonders danke ich Peter Becker für die Stiftung des Preises und den Personen, die für meine Auswahl als Preisträger votiert haben.

Meiner Familie möchte ich danken, dass ihr mir den emotionalen Rückhalt gibt, mich für Gerechtigkeit, Frieden und die Bewahrung unserer bedrohten Schöpfung einzusetzen.

Ich danke Ihnen und Euch für die Aufmerksamkeit.

Pressemitteilung: Philipps-Universität würdigt Friedens- und Konfliktforschung

Laudatio von Ulrich Duchrow

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Clemens Ronnefeldt Ostermarsch 2015

Clemens Ronnefeldt im Nahen Osten

Brief an meine Bank wg. Donald Trump

Guten Tag sehr geehrte Damen und Herren Banker,

Sie haben mir eine Werbemail in mein Bank Postfach geschickt.

Überschrift: „Amtseinführung: Donald Trump bewegt die Märkte. Profitieren Sie von Kursbewegungen“

Ich finde das einfach widerlich und bin geschockt von Ihrem Versuch mit Donald Trump Umsatz zu generieren. Sie fordern mich auf „Nutzen Sie Ihre Renditechancen und viel Erfolg beim US-Handel!“

Nehmen Sie bitte zur Kenntnis: Ich finde Donald Trump unmoralisch und gefährlich. Es kommt für mich nicht in Betracht von den Auswirkungen der Politik dieses Menschen Profit zu schlagen. Außerdem ist Donald Trump sprunghaft und unberechenbar.
Wenn Sie Anlageempfehlungen auf Basis dieser Politik aussprechen, muss ich nicht nur an Ihrem Sachverstand zweifeln.

Gruß aus Mainz,
Reinhard SczechComdirectTrumpBankBoni

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Buchtipp: Die Menschheit schafft sich ab

Ausbeutung der Bodenschätze, Verschmutzung der Weltmeere, Verpestung der Lufthülle, Klimaerwärmung: Wir Menschen zerstören unseren Planeten Erde mit großer Geschwindigkeit. Astrophysiker Harald Lesch, bekannt durch seine Wissenschafts-TV-Sendungen, zieht in seinem aktuellen Buch Bilanz und fragt: Schaffen wir uns allmählich selbst ab, wenn wir so weiter machen?

Seit 4,5 Milliarden Jahren zieht die Erde ungestört ihre Bahn. Das Leben gesellte sich viel später dazu. Erst seit rund 160.000 Jahren erschien der aufrecht gehende Homo sapiens, der Mensch, auf der Erdoberfläche. Mit Ackerbau und Viehzucht, Rohdungen und Bewässerungssystemen griff er immer radikaler in die Natur ein, vermehrte sich rasant und besiedelte entlegenste Gebiete. Seit einigen Jahren erörtern Wissenschaftler deshalb die Frage, ob der Eingriff des Menschen die Definition eines neuen Zeitalters rechtfertigt. Die Ursache, das Motiv? Energiehunger und virtuelles Kapital treiben einen zerstörerischen Kreislauf an.

Der Mensch sägt kontinuierlich am Ast, auf dem er sitzt
Geologen, Biologen, Meteorologen und Philosophen stellen die These auf, dass wir bereits im Menschzeitalter angekommen sind. Eines steht bereits fest: Noch nie – außer bei Asteroideneinschlägen und Ausbrüchen von Supervulkanen – hat ein Ereignis das Leben auf dem Planeten Erde so stark beeinflusst wie der Mensch. Immer tiefere hinterließ das sogenannte Anthropozän (Menschenzeitalter) in den letzten 2.000 Jahren seine Spuren. Doch erst seit kurzer Zeit (im jetzigen 21. Jahrhundert) erörtern wir das Thema und wissen, dass wir was ändern müssen.
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Über den Autor Harald Lesch ist Professor für Theoretische Astrophysik am Institut für Astronomie und Astrophysik der Universität München. Einer breiteren Öffentlichkeit ist er durch die im Bayerischen Fernsehen laufende Sendereihe „alpha-Centauri“ bekannt. Seit September 2008 moderiert er die ZDF-Reihe „Abenteuer Forschung“, die 2014 in „Leschs Kosmos“ unbenannt wurde. Er hat mehrere erfolgreiche Bücher veröffentlicht und betreibt bei Komplett-Media zusammen mit dem Physiker Joseph Gaßner den YouTube Channel „Urknall, Weltall und das Leben“.

Harald Lesch ist eine Art von postmodernem Phänomen der Wissenschaftskommunikation: seine Bühne kommt ohne den leicht zu durchschauenden Populismus aus. Sein Ziel: das humanistische Anteilnehmenlassen an dem, was Alexander von Humboldt mit „Genuß“ in Form des Erlebens von Wissen bezeichnet hat. Er hat – auch für das aktuelle Buch – mit anderen Experten gesprochen, auch mit dem Meteorologen und Klimaforscher Prof. Dr. Mojib Latif, der beispielsweise die verursachte Klimaerwärmung von 1,5 Grad Celsius bestätigt.

Die Temperatur steigt also, der Meeresspiegel steigt, das Eis auf Grönland schmilzt, das Eis in der Antarktis schmilzt, die Gebirgsgletscher ziehen sich zurück. Das sind Fakten, die schön längst bekannt sind – und deshalb ist sein Buchtitel gerechtfertigt. Denn das ist für die Meisten noch keine direkte Bedrohung, kein Grund, das Verhalten drastisch zu ändern. Sollte es aber. Und so erklärt Harald Lesch in einem Interview im Blog.diare:

Wenn wir uns unsere tatsächlichen Handlungen anschauen, diese unfassbare Kluft zwischen dem, was wir wissen und machen könnten und dem, was tatsächlich passiert, ist leider erschreckend.

Das Anthropozän liefert uns jedoch die ideale Gelegenheit, Inventur zu machen und nachzuhaken: Was machen wir mit der Inventur? Was sollen wir tun? Wir können dem Anthropozän einen ethischen Platz einräumen. Ich weiß, das ist nicht so gerne gesehen. Ethische Themen sind immer schwierig. Warum? Weil sie keine einfachen Ja- und Nein-Antworten liefern. Bei einem ethischen Thema geht es darum, abzuwägen. Wie können wir in der Weltgemeinschaft, innerhalb einer Gesellschaft, Gerechtigkeit verhandeln?“

Und deshalb ist das Buch auch so wichtig: es stellt wichtige Fragen, deren Antworten bekannt und deren Akzeptanz entscheidend für unseren Fortbestand und auch dem der Erde ist.

Die Menschheit schafft sich ab
Die Erde im Griff des Anthropozän

Komplett-Media, 2016, 29,95 Euro

Kaufen bei Ecobookstore.de

Quelle: Utopia.de
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Home of smile

Achim Fuchs aus Beltheim beschreibt wie alles begann:

Im Januar 2013 habe ich eine Patenschaft für ein Mädchen aus einem Waisenhaus in Kimweas (das liegt in der Nähe von Embu) in Kenia übernommen. Der Verein gab mir Informationen über das „Josephine Wambui Waisenhaus“ und den Alltag dort. Im Juli flog ich mit meiner 17jährigen Tochter dorthin, um mir selbst vor Ort ein Bild zu machen.
Mit vier großen Koffern voll Spenden mit Turnschuhen, Jeans, T-Shirts, Bällen und mehr wurden wir herzlich aufgenommen. 14 Tage waren wir dort und es sollte ein unvergessliches Erlebnis bleiben. Im Dezember 2013 bin ich für zwei Monate wieder dorthin geflogen. Diesmal allerdings, um beim Bau von mehreren Räumen, Toiletten, Klärgrube, Waschraum, etc. zu helfen.

Die Zimmer wurden unbedingt benötigt, damit die 12 Mädchen und 11 Jungen im Alter von 7 bis 16 nicht mehr in zwei kleinen Räumen leben müssen. In den zwei Monaten durfte ich miterleben, wie wichtig es für diese Kinder ist, in einem Heim aufzuwachsen, das ihnen Liebe, Geborgenheit und Schutz gibt. Sie lernen dort füreinander zu sorgen, gehen gemeinsam in die Schule, spielen und machen ihre Haus- und Heimaufgaben gemeinsam. Kurz: Sie helfen sich gegenseitig.

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Eigentlich sollte es nur eine Patenschaft für ein Kind in Afrika sein. Doch Hans-Joachim Fuchs aus Beltheim wollte mehr über die Lebensumstände seines Patenkindes wissen und besuchte es in Kenia. Quelle: homeofsmile.de/

Wieder Zuhause in Deutschland angekommen, war mir schnell klar, dass ich viel mehr helfen möchte. In meiner Familie, bei Freunden, Bekannten und Arbeitskollegen fand ich schnell Unterstützung.
Wir haben den Verein „Home of Smile e.V.“ gegründet. Mit diesem Verein wollen wir mittellose Kinder, deren Eltern an Krankheiten wie z.B. Malaria, Tuberkulose, AIDS etc. gestorben sind, helfen. Viele dieser Waisen leben auf der Straße, ungebildet, verarmt, aufgegeben von der Gesellschaft, sich allein überlassen, missbraucht und ausgebeutet.

Wir wollen ihnen ein Zuhause geben, in dem sie geliebt werden, Geborgenheit erfahren und geschützt sind. Sie bekommen eine Schulausbildung, sollen nach Ihren Fähigkeiten gefördert werden, eine faire Chance erhalten, sich zu eigenständigen, selbstbewussten und für die Gemeinschaft wertvollen Menschen zu entwickeln, sei es im Studium oder Beruf.

Wir brauchen Ihre Unterstützung als Spender, Förderer oder Sponsor. Bitte helfen Sie uns, den Kindern ein menschenwürdiges Leben zu ermöglichen.

Selbstverständlich arbeiten wir alle ehrenamtlich, so dass Ihre Spenden zu 100 % den Kindern zu Gute kommen.


 

Nach einer Vorstellung auf der Gesellschafter Versammlung von Höhenwind hat auch die Sczech-Stiftung beschlossen, „Home of Smile e.V.“ finanziell zu unterstützen. Ein tolles Projekt.

Transformationsdesign

Bernd Sommer und Harald Welzer, Transformationsdesign.
Wege in eine
zukunftsfähige Moderne.

Buchvorstellung von Clemens Ronnefeldt

Nach seinem Bestseller „Selbst denken. Eine Anleitung zum Widerstand“, schrieb Harald Welzer, Professor für Transformationsdesign an der Europa-Universität Flensburg, zusammen mit Bernd Sommer, Leiter des Forschungsbereichs Klima, Kultur und Nachhaltigkeit am Flensburger Norbert Elias Center (NEC) ein weiteres inspirierendes Buch zur Bewältigung gegenwärtiger Krisen.

transformationsdesignAuf den ersten 100 Seiten weisen beide Autoren anschaulich nach, vor welchen dramatischen Herausforderungen im Bereich Klima und Umwelt die Menschheit steht. Auf Seite 61 macht eine Metapher nachdenklich:
„Waren in Sklavereigesellschaften die Herren abhängig von Sklavenarbeit, so sind wir heute abhängig von der Nutzung fossiler Energieträger. (…) Nach Schätzung von John Mc Neill benötigte zum Ende des 20 Jahrhunderts ein Mensch zur Aufrechterhaltung seines Lebensstandards durchschnittlich 20 solcher „Energiesklaven“, also das Äquivalent von 20 Arbeitskräften, die 24 Stunden pro Tag und 365 Tage pro Jahr für ihn arbeiten; der Durchschnittsamerikaner brauchte sogar mehr als 75 Energiesklaven“.

Nicht nur Win-win-Lösungen, sondern Austrag schwerer
Interessenskonflikte

Dass die gegenwärtigen Transformationsprozesse hin zu mehr Nachhaltigkeit und globaler Gerechtigkeit nicht ohne Konflikte und auch nicht ohne Verlierer abgehen können, wird spätestens auf S. 108 deutlich:

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Höhenwind

„Um das 2-Grad-Ziel der internationalen Klimapolitik zur Vermeidung eines gefährlichen Klimawandels zu erreichen, dürfen bis zur Mitte des Jahrhunderts nicht mehr als 565 Gigatonnen Kohlendioxid in die Atmosphäre gelangen. Dem gegenüber stehen etwa 2.795 Gigatonnen CO-2, die bei der Verbrennung der bekannten Reserven an Kohle, Öl und Gas freigesetzt würden, für die verschiedene Ölfirmen (wie ExxonMobil oder Royal Dutch Shell) oder Länder, die wie Ölfirmen agieren (wie Kuwait oder Venezuela), sich bereits die Zugriffsrechte gesichert haben.
Diese Vorkommen entsprechen heute einem Geldwert von 27 Billionen US-Dollar (ebd). Mit anderen Worten, ambitionierter Klimaschutz, der mit dem 2-Grad-Ziel kompatibel ist, bedeutet nichts anderes, als dass diese Ölfirmen und Staaten etwa vier Fünftel ihrer Vorkommen an fossilen Brennstoffen im Boden lassen und damit auf Einnahmen – nach jetzigem Stand – von mehr als 20 Billionen US-Dollar verzichten. Kurz, für sie bedeutet der angestrebte Übergang ins postfossile Zeitalter kein ‚Win-win‘, sondern die Vernichtung eines Großteils ihres Vermögens“.

Ähnliches gilt auch beim Verzicht auf Atomenergie oder der drastischen Reduzierung von Rüstungshaushalten.

Grundlage der Grafik ist der Datensatz HadCRUT4 zu den Lufttemperaturen direkt über Land und Ozeanen, den das Hadley-Center des Meteorologischen Dienstes Großbritanniens (MetOffice) und die Climatic Research Unit (CRU) der University of East Anglia produzieren. Visualisiert sind die Daten von Januar 1850 bis März 2016, dargestellt als Abweichung vom Mittel der Jahre 1850-1900; Quelle: Ed Hawkins/ClimateLabBook
Ideen für nachhaltiges Leben

Im Zweiten Teil ihres Buches geben die beiden Autoren Anregungen, wie „gutes Leben“ bei gleichzeitig verringertem Ressourcenverbrauch möglich ist: „Umgestaltung des Vorhandenen, das Verschwinden des Überflüssigen, die Vermeidung von Aufwand, die Reduktion von Energie und Material. Das setzt voraus: nicht nur andere, sondern weniger Produkte. Keine neuen Aufwände, sondern wiederverwenden, umnutzen, nachnutzen, mitnutzen“ (S. 118).

Bestechend sind einige Beispiele, die zeigen, wie eine neue zukunftsfähige Nachdenklichkeit aussehen könnte, so im Bereich Architektur, wo „die beiden französischen Architekten Anne Lacaton und Jean-Philippe Vassal, die im Rahmen eines Wettbewerbs zu einer Neugestaltung eines Platzes in Bordeaux vorschlugen, den Platz zu belassen wie er war, und die verfügbare Bausumme in die regelmäßige Pflege zu investieren. Sie gewannen den Wettbewerb“ (S. 132).

Berlin_bis_esmir_vom_Leibefaellt_1Ein anderes Beispiel zeigt, wie mit sozialer Intelligenz ein 20-Millionen-Pfund-Umbau einer Schule, die bei gestiegenen Schülerzahlen zu schmale Korridore aufwies, vermieden werden konnte:
„Man schaffte lediglich die Schulglocke ab, die dafür sorgte, dass alle Schülerinnen und Schüler gleichzeitig aus den Klassenräumen strömten. (…) Man installierte in jedem Klassenraum eine Glocke und ließ sie zeitversetzt klingeln, so dass zu große Gruppen in den Gängen gar nicht erst entstanden“ (S. 133).

In Deutschland würde eine solche Lösung möglicherweise daran scheitern, dass im Brandfall alle Schülerinnen und Schüler gleichzeitig in kürzester Zeit evakuiert werden müssten. Die Frage, wie dieses Problem am Beispiel der zeitversetzten Glocke gelöst wurde, bleibt im Buch offen.

Als zukunftsweisend stellen die Autoren die Baumeister der Oxfort University vor: „Als sie zum Ende des 14. Jahrhunderts aus Eichenstämmen den Speisesaal der Universität errichteten, pflanzten sie zugleich neue Eichen, deren Holz Zimmerleuten im 19. Jahrhundert dazu dienen sollte, über die Jahrhunderte morsch gewordene Balken zu ersetzen“ (S. 166).

Mobilität

Zum Thema „Mobilität“ schreiben die Autoren: „Tatsächlich ist die Verfügbarbeit aller Waren zu jeder Zeit an jedem Ort der Welt so wenig ein Menschenrecht wie ein Merkmal von Zukunftsfähigkeit; im Übrigen ist ja völlig unklar, wieso mit dem Sich-Selbst-Gleich-Werden aller Weltteile unter dem Vorzeichen des Konsums und der universalen Verfügbarkeit derselben Waren und Güter personale Mobilität noch weiter anwächst. Niemals zuvor gab es so viel Grund, zu Hause zu bleiben, nie gab es weniger Fremdes zu entdecken“ (S. 171).

Statt dessen plädieren die Autoren für ein bewussteres, entschleunigteres Leben unter den Stichworten: „innehalten, aufhören, zurückgehen, ankommen“ (S. 172f.)

Innehalten: „Jeder Nutzer von E-Mail und sozialen Medien weiß, dass es eine Ökonomie des Nicht-Handelns gibt. Dinge, die erfragt oder mitgeteilt werden, erledigen sich mitunter ganz von selbst, wenn man nicht reagiert“.

BessereWeltSchaffenCartoonAufhören: „Aufhören als moratorische Strategie hätte allgemein den Vorteil, (…) Zwischenräume des distanzierten Betrachtens einzufügen, um was für ein Problem es in welchem Zusammenhang eigentlich geht. (…) Aufhören bedeutet eine Reduktion sozialer, biographischer und physikalischer Mobilität. Oder die Absicht, fertig zu werden“.

Zurückgehen: (…) „In einer Kultur, die den Kern ihrer Existenz im Erreichen quantitativer Extensionen sieht, werden Rückkehr und Rückbau als Zurückfallen hinter das einmal Erreichte betrachtet, auch dann, wenn das Erreichte hinsichtlich der Ressourcenzerstörung die Voraussetzungen seiner eigenen Existenz ruiniert. Sich langsamer oder gar nicht zu bewegen, zu Hause zu bleiben, Gesellungs- und Vergemeinschaftungsformen zu entwickeln, die keine Überwindung räumlicher Distanzen voraussetzen, stellen demgegenüber ganz neue Herausforderungen dar“.

Ankommen: „Ankommen heißt aufzuhören, den Weg gegenüber dem Ziel zu privilegieren. (…) Lebenskunst bestand immer schon in einer Reduktion auf Wesentliches oder, mit Oscar Wilde, in der radikalen Vereinfachung des Geschmacks: stets mit dem Besten zufrieden zu sein.
(…) Ankommen bedeutet ja auch die Erkenntnis, dass es Dinge und Situationen gibt, die keine Verbesserung mehr brauchen“.

Hindernisse und Widerstände

Dass es auf dem Weg in eine nachhaltige Moderne zahlreiche Hindernisse zu überwinden gilt, legen die Autoren erfrischend offen: „Menschen korrigieren einmal gefällte Entscheidungen und einmal eingeschlagene Richtungen ungern, weil das nicht nur den Orientierungsbedarf erhöht, sondern auch die Infragestellung und Revision einer ganzen Kette von Entscheidungen erfordert“ (S. 177).

„Es wäre auch naiv, darauf zu vertrauen, dass das Bessere sich durchsetzen würde, weil es besser ist. Das Bessere, das haben alle sozialen Bewegungen gezeigt, setzt sich erstens nur dann durch, wenn die Konflikte, die mit seiner Durchsetzung verbunden sind, erfolgreich ausgetragen werden, und zweitens, wenn es sich in die Produktions- und Reproduktionsverhältnisse tiefenwirksam einschreibt“ (S. 179).

„Ohne ökonomische Autonomie, die mittels eigenen Strukturen von Produktion und Konsumption hergestellt wird, bleiben Protestbewegungen von den gegebenen Produktionsverhältnissen abhängig. Daraus folgt, dass Gegenbewegungen zum zerstörerischen Prinzip kapitalistischer Wachstumswirtschaft sich nicht auf Aufklärung, Protest und Argumente verlassen können, sondern der bestehenden Ökonomie, Politik und Alltagskultur eine andere entgegenstellen müssen“ (S. 180).

Beispiel-Initiativen mit dem Potential nachhaltiger Zukunftsfähigkeit

Im letzten Teil ihres mutmachenden Buches stellen die beiden Autoren eine Reihe von Initiativen vor, beginnend mit der Transition-Town-Bewegung (transitionnetwork.org), die inzwischen mehr als 500 Gemeinden und Städte in 40 Ländern umfasst, die sich u.a. unabhängig(er) von externer Energieversorgung gemacht haben.

Der us-amerikanische Umweltaktivist Bill McKibben hat eine „Fossil Fuel Divestment“-Kampagne gestartet, „die von der simplen, aber höchst

Bill Mc Kibben, Foto Jennifer Esperanza

brisanten Überlegung aus(geht), dass man ganzen Branchen die
Geschäftsgrundlage entziehen kann, wenn man sein Geld herausnimmt. Das ergibt schon auf der Ebene privater Geldanlagen eine nicht unbeträchtliche Summe, gewinnt aber ganz erhebliches Gewicht, wenn die Stiftungsvermögen amerikanischer Colleges und Universitäten, die Vermögen kirchlicher Organisationen und die Haushalte von Kommunen nicht mehr dort investiert werden, wo künftige Überlebenschancen zerstört werden. Der Erfolg dieser Kampagne, die übrigens einen erfolgreichen historischen Vorläufer im Kampf gegen die Apartheid in Südafrika hat, ist frappierend: Mittlerweile gibt es an fast 400 amerikanischen Schulen, Colleges und Universitäten entsprechende Initiativen, vier Colleges und zehn Städte, darunter Seattle und San Francisco, divestieren bereits. In Europa, wohin die Kampagne sich jetzt ausbreitet, hat sich das University College London angeschlossen, und man muss nur an die Summe der Stiftungsvermögen in Deutschland denken, um zu ermessen, wieviel Kapital dem Falschen entzogen werden kann“ (S. 191f).

„Zum Falschen“ – sofern die Menschheit überleben möchte – zählen noch zahlreiche andere Industriezweige, vor allem die Atom- und Rüstungsindustrie sowie die Großbanken- und Investmentbranche, für die diese Überlegungen zum „Divestment“ genauso gelten – und es spannend wäre zu erfahren, ob es in diesen Wirtschaftssektoren bereits ebenfalls gelungene Beispiele für Transformationen gibt.

Einige bereits bekanntere Initiativen runden das Buch ab: Die „Gemeinwohlökonomie“ von Christian Felber, der sich inzwischen zahlreiche Unternehmen angeschlossen haben, die eine Bilanz danach erstellen, was zum Gemeinwohl der gesamten Gesellschaft beiträgt. Vorgestellt werden auch Grundzüge des bedingungslosen Grundeinkommens und die ökologisch positiven Auswirkungen von Arbeitszeitverkürzungen.
Besonders gewürdigt wird die „Postwachstumsökonomie“ von Nico Paech.

Das Buch endet auf Seite 122:
„Ohne den Abstieg bestimmter sozialer Gruppen und Einheiten und den komplementären Aufstieg anderer – wachstumsneutraler Unternehmen, ökologischer Landwirte, Energiegenossenschaften etc. – kann dieser Pfadwechsel nicht gelingen. Dies bedeutet nicht, dass ‚der Kapitalismus‘ oder ‚das System‘ abgeschafft wird. Auch der Aufstieg der Arbeiterbewegung hat den Kapitalismus nicht ‚abgeschafft‘, aber das Verhältnis von Kapital und Arbeit neu konfiguriert“.

Je härter die gegenwärtigen Krisen eskalieren, desto aktueller und wirkmächtiger wird dieses Buch noch werden.

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Bernd Sommer und Harald Welzer, Transformationsdesign. Wege in eine
zukunftsfähige Moderne, München 2014, Oekom-Verlag München, 236
Seiten, 19.95 Euro

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https://www.dasselbe-in-gruen.de/

Wie hier im Iran, immer mehr Menschen begreifen: Die Zahl 350 steht für Klimasicherheit. Um einen bewohnbaren Planeten zu erhalten, so sagen uns Wissenschaftler, müssen wir die Menge an CO2 in der Atmosphäre von derzeit 400 ppm (Teilchen pro Million) auf unter 350 ppm verringern. Wir glauben, dass eine globale Graswurzelbewegung unsere Politiker mit den wissenschaftlichen Fakten und Prinzipien der Gerechtigkeit in die Verantwortung nehmen kann. Wenn wir das schaffen, können wir damit beginnen, die Lösungen, die uns allen eine bessere Zukunft garantieren, umzusetzen. http://350.org/

Prof. Harald Lesch entlarvt AfD-Programm

Das Thema, mit dem die AfD bekannt geworden ist, ist die Zuwanderung. Aber wie sieht es eigentlich mit ihren Aussagen zum Klima- und Umweltschutz aus? Harald Lesch macht den Faktencheck.

Leider sind AfD Anhänger mit Fakten nicht zu erreichen. Siehe Vertrauen wichtiger als Information.

Kiezkaufhaus: Ökologie aus Wiesbaden

Das Open Ohr Festival 2016 in Mainz steht unter dem Motto „Heimat“. Die Heimat hat bei der verfügbaren Wetter-Bandbreite dieses Mal voll in die Kiste „nasskalt“ gegriffen. Aber es gibt auch viele sonnige Momente und schöne Initiativen. Ein Stand aus Wiesbaden hat es mir besonders angetan.

Das Kiezkaufhaus

Das Kiezkaufhaus ist eine Investition in eine zukunftsfähige Gesellschaft. Es erspart der Umwelt unnötige CO2-Emissionen durch Transporte, entlastet den Verkehr in der Innenstadt und sorgt für korrekte Steuereinnahmen in der Region.

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Inga Ellingen auf kiezkaufhaus.de: „Ich bin immer schon ein absoluter Liebhaber der kleinen individuellen Geschäfte, die eine Stadt besonders machen. Dass das Kiezkaufhaus genau diesen Läden eine Online-Shopping-Plattform bietet, finde ich großartig. Ich wünsche mir, dass wir immer mehr Kunden, Händler und Städte fürs Kiezkaufhaus begeistern können – damit die guten und schönen Dinge, die sowieso schon in den Regalen der Städte stehen, den direkten Weg zum Kunden finden. Ohne Verpackungsmüll und Kleintransporter-Flotten, die die Ecken zuparken“
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Das Kiezkaufhaus Konzept.

Das Kiezkaufhaus ist eine Herzensangelegenheit der Frauen und Männer die es machen. „Die Idee kam auf, als wir uns über den allgemeinen Lieferwahnsinn geärgert haben. Wenn man in Wiesbaden ein Buch bei Amazon bestellt, kann es sein, dass dieses Buch aus Lagerhallen in Polen kommt, obwohl der Verlag in Frankfurt sitzt. Jeden Tag fahren deshalb zahllose Lieferwagen über Deutschlands Straßen. Allein 800.000 Pakete werden täglich retourniert – das entspricht einem Ausstoß von 400 Tonnen CO2.“

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Daniel Sieben auf kiezkaufhaus.de: „Lokale Wirtschaftskreisläufe sind für mich ein wichtiger Bestandteil einer lebenswerten Zukunft. Dabei macht das Kiezkaufhaus gute und vor allem leckere lokale und regionale Produkte sichtbar. Außerdem vermeidet es durch Lieferung per E-Bike Umweltschäden, die durch Lieferverkehr verursacht werden und vernetzt Kunden und Händler auf persönlicher Ebene. Liebe Deine Stadt!“

Es tut sich was und ein Austausch der ökologisch denkenden Menschen aus Mainz und Wiesbaden könnte sehr produktiv sein.

Mehr Infos:  Kiezkaufhaus.de

Mainz: Solidarische Lanwirtschaft SoLaWi Mainz

Mainz/Wiesbaden: Reflecta

Mainz: Open Ohr

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Open Ohr 2016 Sonntagsfrühstück

Jetzt Auslieferung: FIVE!

Die bei Betterplace anvisierte Spendensumme ist erreicht und auf dem Spendenkonto des BDP eingegangen, so dass die Kampagne als voller Erfolg bewertet abgeschlossen wird.

Die Tatsache, dass das Flüchtlingsthema in den letzten Wochen nicht mehr so präsent war, hat sich auch im Spendeneingang bemerkbar gemacht. Für die letzten hundert Meter wurde mehr Zeit gebraucht als für die ersten hundert Kilometer. Da der allergrößten Teil der Summe aber bereits früh zusammenkam, war klar dass 7000 Spiele produziert werden konnten. Die Spiele wurden nun in Schachteln gefüllt und wir freuen uns dass 50 FIVE! Spiele nun auch über die Sczech-Stiftung verteilt werden können oder beispielsweise über Welcome Dinner Mainz.

(Anita, so klein ist die Welt. Ich habe heute Ebi getroffen, er wird ein Spiel nach Bodenheim in die Flüchtlingsgruppe mitnehmen.)  


Dass die Situation in den Erstaufnahmelagern zur Zeit entspannter ist als Ende letzten Jahres macht ein gezielteres Verteilen der Spiele leichter. Es steht jetzt oft mehr Zeit und Raum zur Verfügung um FIVE! vorzustellen und mit Flüchtlingen zu spielen.

Zur Erinnerung

Give me FIVE!“ Ist ein ambitioniertes Projekt des Steffen Spiele Verlags in Kooperation mit dem BDP Rheinland Pfalz. Eine Spielsammlung wurde entwickelt, die speziell auf die Situation der Menschen in Flüchtlingsunterkünften zugeschnitten ist. FIVE! soll in einer hohen Auflage produziert und bundesweit kostenlos in Unterkünften, Begegnungszentren und anderen Einrichtungen verteilt werden.Give_me_five_2

In den letzten Monaten sind Tausende von Menschen aus ihren Heimatländern geflohen und haben in Deutschland Schutz gesucht. Natürlich steht die Sicherung der Grundbedürfnisse an erster Stelle, aber Menschen in Notsituationen brauchen nicht nur eine Basisversorgung.
Soziale und kulturelle Aktivitäten gehören ebenso zum Menschsein wie Nahrung und ein Dach über dem Kopf.
Die Reaktion auf Spielespenden und Spielaktionen, die wir in Flüchtlingsunterkünften durchgeführt haben, hat uns gezeigt, wie groß das Bedürfnis nach Momenten der Abwechslung und Freude ist. Eines der akuten Probleme in den Unterkünften ist der Leerlauf. Die meiste Zeit des Tages verbringen die Menschen dort mit Warten. Kaum etwas aber kann Wartezeiten besser verkürzen als ein Spiel!

Das gemeinsame Spiel ist eine der ältesten kulturellen Handlungen der Menschheit. Gerade im Mittelmeerraum gehören Brettspiele wie Backgammon und Domino bis heute zum täglichen Zeitvertreib.
Spiele bringen Menschen der unterschiedlichsten Kulturkreise und Nationen an einen Tisch und können uns erkennen lassen, dass wir einander oft gar nicht so fremd sind, wie wir denken.

Mit Spielen kennen wir uns aus. Wir möchten unsere Erfahrung als Verlag einbringen und eine ambitionierte Idee umsetzen.
In einer handlichen Spieleschachtel haben wir eine Sammlung aus fünf verschiedenen Spielen vereint. Mit einem Satz aus zweifarbigen Spielsteinen lassen sich sowohl Kinder- als auch Erwachsenenspiele spielen. Der Schachtel soll ein Regelbuch mit Übersetzungen in die wichtigsten Sprachen beiliegen, die in den Unterkünften gesprochen werden.

mehr Infos: Give me FIVE

Scharfe Kritik am Kriegseinsatz der türkischen Streitkräfte

Wir haben eine zweiwöchigen Reise nach Ankara sowie in die Südosttürkei einer IPPNW-Reisedelegation unterstützt. Diese Delegation ist nun zurück und übt scharfe Kritik am Kriegseinsatz der türkischen Streitkräfte gegen die Kurden, am Schweigen der EU und fordert Wiederaufnahme des Friedensprozesses.

Hier ein Link zu ausführlichen Berichten über Begegnungen und Erfahrungen der IPPNW-Delegation.

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