Mitbringsel aus Paris

Alle Fotos zur freien Verwendung, 12.12.2015 Reinhard Sczech

Motivation und Erleichterung

Ich war drauf und dran zu verzweifeln. Kann die Menschheit denn wirklich so blöd sein? Jetzt bin ich wieder hoch motiviert. Das waren lehrreiche Tage in Paris.

ClimateJustice_2015_12_12_Paris_23Ein Gruß an alle Freunde der Hunsrücker Höhenwind Gesellschafter und Bertram Fleck: In einem Pariser Café habe ich einen tollen holländischen Aktivisten getroffen, der voller Begeisterung die Entwicklung im Hunsrück wahrgenommen hat. Eine Botschaft an alle die jetzt noch gegen die Windenergie kämpfen: Ja, es gibt Beeinträchtigungen, ja das Landschaftsbild ändert sich, ja es gibt Fehlplanungen. Aber ihr könnt euch überhaupt nicht vorstellen, mit wie vielen Hoffnungen Menschen aus aller Welt auf Deutschland schauen.

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Der Hunsrück exportiert erneuerbare Energie. Nachhaltig! Bitte macht mit, oder wenn ihr schon nicht mitmachen wollt, macht den Weg frei. Ihr wollt die Heimat erhalten wie sie ist – aber Zerstörungen währen die Folge, die unsichtbar für unsere Kameras und Reporter bei den ärmsten der Armen angefangen haben und auch uns erreichen werden.

Die Prinzen

Saudi-Arabien alimentiert 7000 (geldgierige?) Prinzen. Prinz al-Walid Bin Talil, seine Frau und seine Kinder wohnen in 320 Zimmern in einem sandfarbenen Palast, der mit italienischem Marmor ausgekleidet ist, mitten in Riad.

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Dazu kommen drei Hallen-Schwimmbäder, Tennisplätze, 250 Fernseher, ein Kinosaal und fünf Küchen, die 2000 Gäste auf einmal beköstigen können. In der Garage des Prinzen stehClimateJustice_2015_12_12_Paris_31en 200 Luxusautos, darunter Rolls-Royce, Ferrari und Lamborghini. Dieser Reichtum wird von Öl gespeist. Könnt ihr euch vorstellen, welcher Kampf es war die Zustimmung der Saudis zu bekommen? Könnt ihr euch vorstellen, wie bitter die neusten Abschätzungen der Klimaforscher sind, um selbst ein Kopfnicken zu bekommen, das Saudi Arabiens Geschäftsmodell völlig in Frage  stellt?

 

2050 „klimaneutral“

Die Koalition der „Ambitionierten“ hat sich in Paris durchgesetzt. Beschlossen wurde, dass die Menschheit ab 2050 „klimaneutral“ lebt. Ursprünglich sollte im Vertrag stehen, dass die Menschheit ab 2050 „Treibhausgas-frei“ lebt. Aber das scheiterte an den erdölproduzierenden Ländern. „Treibhausgas-frei“ hätte bedeutet, dass diese Länder bald kein Erdöl mehr fördern dürften. Der jetzige Beschluss besagt, dass die Treibhausgase, die nach 2050 noch entstehen, kompensiert werden müssen – etwa durch Aufforstung oder neue Technologien.

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Climate Justice! Now!ClimateJustice_2015_12_12_Paris_35

„Die Weltgemeinschaft hat verstanden, dass die Gefahren durch den Klimawandel viel größer sind als zuvor angenommen“, sagte Bill Hare, der Chef des Forschungsinstituts Climate Analytics. „Das Paris-Abkommen ist ein historischer Wendepunkt für die ganze Welt.“

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Die roten Linien werden gezogen: Clim Acts aus Australien

Ärmel aufkrempeln

„Wir sind extrem glücklich“, erklärte EU-Klimakommissar Miguel Arias Cañete. Die Schweizer Bundesrätin Doris Leuthard sagte: „Für die Schweiz war es wichtig, dass alle Verantwortung übernehmen und die Zweiteilung aufgehoben wird.“ Aber auch Südafrikas Umweltministerin Edna Molewa sieht einen „Wendepunkt zu einer besseren und sichereren Welt“. ClimateJustice_2015_12_12_Paris_36

Frankreichs Präsident François Hollande sagte sogar: „Wir haben heute die beste und friedlichste Revolution geschafft – eine Revolution für den Klimaschutz“. Und Bubu Pateh Jallow, einer der Chefunterhändler der ärmsten Staaten, sagte: „Der Vertrag ist eine wirklich gute Arbeitsbasis“.

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„Die Unterschrift ist nur der Anfang, jetzt geht es darum, ihn auch umzusetzen.“ Russlands Umweltminister Sergej Donskoj betonte: „Jetzt steht uns die Ratifikation bevor!“ Der hintere Teil der Vereinbarung nämlich, zwölf der 31 Seiten, muss zu nationalem Recht werden. Und das in jedem der 195 Mitgliedsländer, ein Prozess, der im Falle des Kyoto-Vertrages acht Jahre gedauert hat. Aber diesmal soll der Paris-Vertrag bereits ab 2020 gelten – in vier Jahren.

ClimateJustice_2015_12_12_Paris_39Dass dieses Ziel nun benannt wird, bedeutet: Die Weltgemeinschaft hat endlich realisiert, wie ernst die Warnungen sind, die die Klimaforscher aufgestellt haben. So weit, so gut, aber auch so unzulänglich. Denn diese Erkenntnis wird – zumindest noch – nicht ausreichend in konkretes Handeln umgesetzt.

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Fakt ist: Die Treibhausgas-Limits, die die Länder der Erde sich gegeben haben und die die Basis des Paris-Vertrags bilden, bringen die Welt nur auf einen Drei-Grad-Pfad – also auf einen Kurs, bei dem Elemente des Klimasystems destabilisiert würden, darunter der Grönland-Eisschild, die Permafrostböden und die Regenwälder. Höhere Ansprüche trauten sich die Architekten des Paris-Deals nach dem Kopenhagen-Debakel nicht mehr zu stellen.

Gewaltfrei und ohne Presse

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Tolle Tage in Paris, mit Wechselbädern der Gefühle

Tja Leute, wir haben uns das Demonstrationsrecht erkämpft. Entschieden und gewaltfrei. In der deutschen Presse habe ich noch kein Wort darüber gelesen. Über die Demo am Eifelturm wurde bischen berichtet. Aber die vorhergehende und aus meiner Sicht wichtigere in der Avenue de la Grande Armée vor dem Arc de Triomphe wurde fast ausschließlich über soziale Medien, wie diesen Blog transportiert.

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Sind wir mal milde, das Demonstrationsverbot hat natürlich dazu geführt, dass auch die Presse nicht über die Details der Planungen informiert war.

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Ein Tourist aus China macht auch spontan mit. „Very big problems in China“
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und Mainz trifft auf Oppenheim (on the left side Esmathe Gandi, Président ATTAC Togo)

 

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und Mainz trifft auf Oppenheim
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zum Abschluss wird ergreifend mitreißend gesungen
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Reinhard Sczech

Quellen

Klimaretter.Info

Skeptical Science

350.org   

Video von der Demo

DemocracyNOW

ARD Tagesschau COP21 live Blog

SonnenSeite

germanwatch

 

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Afrika, es werde Licht: Schwerkraft statt giftiges Kerosin

Warum sponsern wir das Projekt „GravityLight 2: Made in Africa„?

Knapp 1,5 Milliarden Menschen auf der Erde haben nach wie vor keinen zuverlässigen Zugang zu Strom. Wenn die Nacht sich anbahnt, müssen viele auf Kerosin als Brennstoff zurück greifen um Licht im Dunkeln zu haben. gravitylight

Bei der Verbrennung des Treibstoffs entstehen jedoch hochgiftige Gase. Zudem besteht gänzlich die Gefahr, dass bei Unachtsamkeit ein Brand ausgelöst wird. Das Team von Therefore hat eifrig an einer günstigen und sicheren Alternative zu den gefährlichen Kerosin-Lampen gesucht und diese auch in Form des GravityLight gefunden. Hierbei handelt es sich um eine gerade einmal 5 US-Dollar günstige Lampe, die mit der Hilfe der Gravitationskraft betrieben wird.
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Gravitationslampe ist unabhängig und effizient

Die GravityLight Lampe ist völlig unabhängig vom Sonnenlicht oder anderen Energiequellen. Einzig und allein die Schwerkraft fungiert als Motor. Das Prinzip ist dabei recht simpel und dennoch genial. So wird das Lämpchen hängend über dem Boden befestigt. Zusätzlich befindet sich an der Lampe auch noch ein Gewicht, das hochgezogen werden muss. Während das Gewicht dann langsam wieder Richtung Boden wandert, wird Energie produziert, welche wiederum die Lampe zum glühen bringt. Es wird dabei so viel Energie geliefert, dass die Lampe 30 Minuten leuchtet. Die Funktionsweise der Gravitationslampe ist ähnlich der eines Dynamos.

Ist das Gewicht am Boden angekommen, braucht es nur wieder hochgezogen werden um die Lampe erneut zum Leuchten zu bringen. Die britischen Designer Martin Riddiford und Jim Reeves stecken hinter der Erfindung der Gravitationslampe und haben an dieser knapp vier Jahre getüftelt. 2013 wurde das erste Mal über die Gravitationslampe berichtet. Mittlerweile existiert schon eine Nachfolgeversion, die aktuell auf der Crowdfunding-Plattform Indiegogo präsentiert wird. Hierbei wird das maximal Gewicht in Höhe von 11 Kilogramm verwendet um eine leistungsstarke LED Lampe 20 bis 30 Minuten lang zu betreiben. Die GravityLight 2 wird genau da produziert, wo die Lampe am meisten benötigt wird, nämlich in Afrika. Bereits in 30 Ländern weltweit wurde die erste Version der Gravitationslampe getestet. Nun soll die zweite Version mit noch mehr Effizienz überzeugen und Millionen stromlose Haushalte mit Licht versorgen.

Schwerkraftlampe im Kampf gegen Lungenkrebs

Die GravityLight 2 soll langfristig da zum Einsatz kommen, wo bisher noch auf gesundheitsschädigende Lampen mit Kerosin als Brennstoff verwendet werden. Laut der Weltbank atmen 800 Millionen Menschen täglich die giftigen Dämpfe ein, die mit dem Rauchen von zwei Schachteln Zigaretten an einem Tag verglichen werden können. So kommt es dazu, dass knapp 60% aller weiblichen Lungenkrebsopfer in den Entwicklungsländern Nichtraucher sind.

GravityLight 2 im Video

GravityLight: Made in Africa from GravityLight on Vimeo.

Sponsering über:

https://www.indiegogo.com/projects/gravitylight-2-made-in-africa/x/7741023#/story

in Energie, Technik 31. Mai 2015

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