Ebi und Elisabeth unterwegs

Liebe Grüße aus dem mexikanischen Regenwald und und eine tolle Blogadresse erreichen uns heute von Ebi und Elisabeth: https://blauemurmel.blog

Die beiden versuchen im Blog insbesondere auf ökologische und soziale Themen aufmerksam zu machen und werden natürlich viel über ihre Reiseerfahrungen berichten.
Nach Mexico geht es dann weiter nach Nicaragua und dann nach Costa Rica. In 2019 stehen der Senegal, Äthiopien und  Ruanda auf der Route.

Ich bin besonders gespannt auf den Bericht aus Nicaragua. Was ist aus dem Land und Daniel Ortega geworden?

 

reflecta.network im Startup Valley

Am 10. Oktober 2018 berichtete das Startup Valley ausführlich über das reflecta.network:

reflecta.Network Vernetzungs-, Informations- und Professionalisierungs-Plattform

Stellen Sie sich und das Startup reflecta.network doch kurz unseren Lesern vor
Das reflecta.network ist eine Vernetzungs-, Informations- und Professionalisierungs-Plattform für diejenigen, die sich an drängenden Fragen unserer Zeit wagen, wie z.B. Klimawandel, Nachhaltigkeit, Bildung, Inklusion, Digitalisierung, Soziale Innovationen und die Entgegenwirkung von Populismus.

Dieses stetig wachsende Netzwerk begleitet innovative Lösungsansätze, verbindet Akteure und treibt so den gesellschaftlichen Wandel systematisch voran.

Reflecta.Network ist ein Zusammenschluss von Reflecta e.V. (Daniela Mahr), zauberware technologies (Simon Franzen), IMMERWIEDER DESIGN (Jannis Borgers & Miriam Wagner) sowie der Sczech-Stiftung (Reinhard Sczech). Zusammen haben wir die trustchain eG gegründet, die für die Entwicklung der Plattform beauftragt wird. Auftraggeber ist Reflecta e.V.

Warum haben Sie sich entschlossen, ein Unternehmen zu gründen?
Auf den Reflecta Filmfestivals wurden wir immer häufiger danach gefragt, welche Möglichkeiten eine Einzelperson hat, um aktiv zu werden, welche Vernetzungsmöglichkeiten angeboten werden oder wie sie Unterstützung für die Realisierung ihrer Projekte finden könnten.

Um auf all diese Fragen eine Antwort liefern zu können, haben wir die Plattform reflecta.Network gegründet.

Was war bei der Gründung Ihres Unternehmens die größte Herausforderung?
Wie gründet man eine Genossenschaft? Was ist bei einer Unternehmensgründung zu beachten? Was sollte in einer Satzung stehen? Zum Glück setzt sich unser gesamtes Team aus Selbstständigen bzw. Gründern zusammen, so dass wir schnell Antworten auf all unsere Fragen fanden. Seit Oktober 2017 ist die trustchain eG beim Deutschen Genossenschaftsverband eingetragen.

Welche Vision steckt hinter Reflecta.Network?
Wir wollen eine zukunftsfähige Gesellschaft, die miteinander lebt und wirtschaftet und dabei alle Beteiligten miteinschließt. In der der faire Umgang mit allen Lebewesen eine Selbstverständlichkeit ist und man erkannt hat, dass alle Lebensbereiche zusammengehören: das Ökosystem, das Wirtschaftssystem und unser soziales Gefüge.

Wir wollen erreichen, dass sich mehr Menschen oder Organisationen einfacher mit ihren Ideen und ihrem Engagement einbringen können.

Darin sehen wir die eigentliche Grundlage gesellschaftlichen Wandels. Der wird in unserer komplizierten Zeit immer komplexer: Um ihn erfolgreich zu bewältigen und der enormen Veränderungsgeschwindigkeit gerecht zu werden, wollen wir mit der Plattform alle Ressourcen und Know-how bündeln und gemeinsam neue soziale Handlungsweisen entwickeln.

Für dieses Ziel verbinden wir lokale und überregionale Akteure, regen Kooperationen an, unterstützen Professionalisierung und erhöhen die Sichtbarkeit. Wir stärken Organisationen, die bereits aktiv sind. So bereiten wir den Weg, den Wirkungskreis zu erweitern und neue Menschen zu erreichen.

Wir entwickeln zusammen mit den Akteuren einen interaktiven Raum, der alle Projekte, Unternehmen sowie deren Verantwortliche vereint. Wir haben eine intelligente Suche entwickelt, die diejenigen per „Match“ und direkter Aufforderung in Kontakt bringt, die sich finden müssen, damit ihr Vorhaben erfolgreich wird.

Wer ist die Zielgruppe von Reflecta.Network?
Alle, die sich für eine sozial- ökologische Transformation einsetzen möchten: Organisationen, Initiativen, Aktivisten, Unternehmen, Kommunen, Stiftungen, Behörden und Menschen, die sich engagieren wollen.

Was unterscheidet Sie von anderen Anbietern?
Wir möchten Vernetzung, Austausch und Professionalisierung durch eine neue Methode ermöglichen. Das spielerische Element und die innovativen technologischen Möglichkeiten animieren die Menschen zum Mitmachen. Denn das ist es doch, worum es am Anfang immer geht: den ersten Funken zu entfachen. Mit einer Funktion, die das Suchen und Finden ermöglicht, ist es nicht getan. Wer wirklich finden will, der schafft das heute schon über google.

Wir haben dagegen eine intelligente Suche und zielorientierte Plattform entwickelt, die mehr bietet als nur Information:

Austausch, Vernetzung und Professionalisierung von Projektabläufen, die sonst ohne diese Austauschmöglichkeit in viel kleinerem Rahmen oder eben gar nicht realisiert werden würden. Was wir bezwecken ist zudem eine Annäherung an die Frage, wie die Digitalisierung unsere Wirtschaft, unsere Arbeit und die Ausgestaltung unseres Zusammenlebens verändern kann.

Unsere nächsten Kernthemen:

Wissen teilen: Akteure und deren Lösungswege präsentieren und voneinander lernen
Menschen vernetzen: Matching-Algorithmen verbinden Changemaker
Projekte professionalisieren: Passende Tool-Kits für den Projekt-Status
Sichtbarkeit erhöhen: Für bestehende Communities und Organisationen geeignet
Vertrauen schaffen: Mitgliedschaften durch Bestätigung
Vergleichbarkeit schaffen: Sichtbarkeit von Global Goals und Megatrends
Nachverfolgung & Messbarkeit: Social Impact.

Sie sind für den WIWIN AWARD nominiert. Warum gerade der WIWIN AWARD? Was versprechen Sie sich davon?
WIWIN ist ein starker Partner, mit denselben Zielen. Was uns besonders gefällt ist, dass sie keine Angst vor Innovation haben. Zudem ist es einer der wenigen Wettbewerbe, die eine Summe anbieten, mit der ein Startup arbeiten kann. Das ist äußerst fair.
Für uns ist es der erste große Wettbewerb, für den wir uns beworben haben und wir wurden direkt nominiert. Wir erhoffen uns eine verstärkte öffentliche Wahrnehmung unserer Ideen, aber auch der schon in unserem Netzwerk aktiven Projekte. Wir stehen noch am Anfang. Einen durchschlagenden Erfolg durch den Netzwerkeffekt erreichen wir nur, wenn wir mit starken Partnern gemeinsam Ideen weiterentwickeln.

Der Gewinner bekommt 500.000 Euro, was werden Sie damit machen? Wie wichtig ist das für das Wachstum ihres Unternehmens?
Wir haben Handlungsbedarf auf vielen Ebenen: Die aktuelle Funktionalität des reflecta.networks ist noch eingeschränkt. Wir haben zahlreiche Funktionen, die wir unbedingt entwickeln wollen. Viele inhaltliche Ideen und Projekte müssen redaktionell moderiert werden, dafür brauchen wir Ressourcen. Menschen sollen auch offline vernetzt werden. Dazu planen wir weitere Meet Ups und einen eigenen Projektwettbewerb. Außerdem gibt es konkrete Ideen für Blockchain-Anwendungen.

Auch in diesem Bereich suchen wir Partner und Entwicklungsressourcen.

reflecta.Network, wo geht der Weg hin? Wo sehen Sie sich in fünf Jahren?
In 5 Jahren arbeiten viele Akteure gemeinsam und erfolgreich an Lösungen gesellschaftlicher Probleme.
Als vertrauenswürdiges Netzwerk haben wir uns online, über die Plattform und offline durch unsere Veranstaltungen im deutschsprachigen Raum etabliert. Wir haben von derzeit 2000+  unsere Multiplikatoren um 200.000+ erweitert und mit „trusted Identity“ vernetzt. Die Matching- und Kooperationstechnologien wurden erfolgreich entwickelt.

Wir sind die Referenz, wenn es um das Finden und die erfolgreiche Umsetzung nachhaltiger Ideen geht. Zudem ist unser Ziel, in 5 Jahren, „der Partner“ für Social Impact Messungen, im Sinne der Sichtbarkeit und Nachverfolgbarkeit zu sein.

Die trustchain eG ist in 5 Jahren Lieferant und Teilhaber an einer Blockchain-Plattform für nachhaltigen und sozialen Wandel (Trustchain eG wurde 2018 im Bundesverband Blockchain aufgenommen,). Die stabile Finanzierung des Reflecta.Network speist sich aus Abo-Modellen für Premiumdienste, Werbung für nachhaltige Angebote, Projektförderung durch Stiftungen und Verkauf von Dienstleistungen.

Zum Schluss: Welche 3 Tipps würden Sie angehenden Gründern/Innen mit auf den Weg geben?
Einfach machen. Der erste Schritt ist oft der schwierigste.
Ein gutes Team mit diversen fachlichen Kompetenzen, die sich ergänzen und Menschlichkeit ebenso schätzen wie man selbst. Ein ausgeglichenes Geben und Nehmen ist die Grundlage dafür, dass alle von dem Projekt profitieren und motiviert an die Sache herangehen. Daneben sind es die Partnerschaften, die man eingeht. Alleine ist ein solcher Weg kaum zu bewältigen.
Realistische und verantwortungsvolle Planung ist wichtig, um die Visionen auch umsetzen zu können.

Weitere Informationen finden Sie hier

Wir bedanken uns  für das Interview

Aussagen des Autors und des Interviewpartners geben nicht unbedingt die Meinung der Redaktion und des Verlags wieder

Deine Stimme zählt

2017 haben wir die Trustchain Genossenschaft gegründet um ein Netzwerk zu entwickeln:  Reflecta.Network ist die Plattform für alle, die sich an die drängenden Fragen unserer Zeit wagen. Unterstütze oder entwickle Projekte, tausche Dich aus und finde MitstreiterInnen für Deine Themen. Wir vernetzen die Menschen, die sich zur Verwirklichung ihrer Vorhaben finden müssen. Unser Ziel: gemeinsam neue Wege und kreative Lösungen entwickeln.

Wir haben uns mit der Trustchain eG beim WiWinAward für nachhaltige Startups beworben, als Exot unter vielen Technologen.
Immerhin, von 87 Bewerbern haben wir es schon unter die ersten 10 geschafft. Wir fahren am 18. Oktober nach Berlin,

Unsere Ideen können wir dort  im Finale aber nur „pitchen“, wenn wir bei der online Abstimmung unter die besten fünf kommen.
Es gibt richtig gute Mitbewerber.
Wir haben eine Chance, wenn du uns unterstützt.

Denn, Technik alleine löst die großen Probleme nicht.
Den Kampf gegen Ungerechtigkeit, Klimawandel, Artensterben, Plastikmüll, Nationalismus und Vereinsamung können wir nur gewinnen, wenn wir es gemeinsam anpacken.
Das ist das Ziel des Reflecta.Network:
Menschen Online und Offline für gesellschaftlichen Wandel vernetzen.
Wir stehen am Anfang unserer Entwicklung. Du kannst einen großen Schritt mit deiner Stimme weiterhelfen.
Zur Abstimmung: wiwin-award.de

Wir freuen uns auch über deine moralische Unterstützung auf Facebook.

Reflecta.Network

Rettet uns vor dem Fuchs

Es gibt sie noch, die verschrobenen Atom- und Kohlepolitiker. Ein besonderes Fossil ist der stellvertretende Chef der CDU Bundestagsfraktion, Michael MichaelFuchsFuchs. Er wettert gegen die Rüstungspolitik von Wirtschaftsminister Gabriel (weil der angeblich die deutsche Rüstungsindustrie zertrümmere) – und geißelt fehlenden Mut bei Kanzlerin Angela Merkel. Siehe ManagerMagazin

Aus welchem dunklen Unterholz die Spuren des Herrn Fuchs kommen, zeigt sein Leserbrief in der Rhein-Zeitung vom 9.6.2010 zu den deutschen Atomkraftwerken: „Somit erfüllt derzeit nur die Kernkraft die Kriterien Versorgungssicherheit, CO2-Neutralität, Preisgünstigkeit, Unabhängigkeit.“ Dann kam die Katastrophe von Fukushima. Nun will Herr Fuchs wenigstens möglichst lange die Kohleschlote in Deutschland rauchen lassen.
Genau diesen Fuchs hat Julia Klöckners in ihr Kompetenzteam für Rheinland-Pfalz berufen. Meine Fragen dazu und die aus meiner Sicht nichtssagende Antwort von Julia Klöckner sind in abgeordnetenwatch.de nachzulesen.

abgeordnetenWatch
Wer Fuchs verhindern will muss Klöckner verhindern

Die Landschaften unseres Landes sind etwas, auf das wir alle stolz sein und das wir gemeinsam schützen sollten. Die einzige verantwortungsvolle Vorgehensweise ist es, die Risiken des Klimawandels einzudämmen. Das geht nicht mit der Politik von Herrn Fuchs -bestimmt nicht Frau Klöckner!

BessereWeltSchaffenCartoon

Höhenwind mit Soulfood

Der 15. Januar war für mich der faszinierendste Tag im noch neuen Jahr 2016. Werner Vogt, Geschäftsführer der Höhenwind-Park GmbH hatte eine unverfängliche Einladung geschickt: „seit diesem Jahr wirken wir in unserem Repräsentanz Büro im historischen Dreikönigenhaus in Koblenz, welches nun komplett fertiggestellt worden ist. Dies` möchten wir gerne mit Ihnen feiern.“ Na ja, ich hatte in Koblenz studiert, der Intercity ist von Mainz in 51 Minuten am Koblenzer Hauptbahnhof und ich war neugierig auf unser „Repräsentanz Büro“. Die Erwartungen waren nicht sehr hoch „halt auch nur ein Büro“ – dachte ich.

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Koblenzer Höhenwind Repräsentanzbüro im Dreikönigenhaus, in der Kornpfortstraße 15, ganz in der Nähe des „Deutschen Ecks“, der künstlich aufgeschütteten Landzunge an der Mündung der Mosel in den Rhein.

Im kalten Januar rechnete ich mit vielleicht zwanzig Interessierten, die den Weg dorthin finden würden. Dann einige Tage vor dem Termin neue Mail von der Höhenwind Projektassistentin Heike Gilles: „auf Grund erfreulich vieler Anmeldungen findet der Auftakt zu unserer Einweihungsfeier im Gewölbekeller des alten Kaufhauses statt. Später werden wir ins Dreikönigenhaus wechseln.“

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Im Gewölbekeller des alten Koblenzer Kaufhauses. Eines von fünf Gebäuden in diesem Nachhaltigkeitsprojekt

Locker gekleidet in Jeans und Pullover kam ich im Gewölbekeller des alten Kaufhauses in der Koblenzer Altstadt an. Werner Vogt und Rudi Dick begrüßten mich in feinem dunklen Jacket, Clemens Ronnefeldt kann aus München angereist und es versammelten sich so nach und nach an die hundert Menschen, von denen ich nur wenige kannte. Mir war noch nicht klar, dass Gewölbekeller, Dreikönigenhaus und einiges mehr engstens miteinander verknüpft sind.

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Werner Vogt berichtet mit viel Humor über die Anfänge von Höhenwind im Hunsrück
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Martin Görlitz erläutert den Gebäudekomplex bis zu den historischen Ursprüngen in der Römerzeit und bauliche Abenteuer bei der Renovierung

Bei Sekt, Kaffee und den obligatorischen Windbeuteln war die Stimmung locker/feierlich und der Gewölbekeller machte mich neugierig. Nach einigen interessanten Gesprächen landete ich dann am Tisch von Martin-Görlitz, dem Initiator dieses wundervollen Projektes in der Koblenzer Altstadt. Aus dem kurzen Gespräch  zur Umweltsituation frei zitiert: „Wenn ich so weitermache, weil ich nicht weiß was los ist, handele ich grob fahrlässig. Wenn ich es aber weiß, handele ich vorsätzlich – und wir müssen schon lange über die Konsequenzen unsere Lebensweise Bescheid wissen.“

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Standorte der Görlitz-Stiftung in der Koblenzer Altstadt.

Von dem was Martin Görlitz in Koblenz bisher schon geschafft hat, bin ich zutiefst beeindruckt. Kurzer Abriss: Martin Görlitz war Vorsitzender der von ihm gegründeten, später europaweit tätigen GÖRLITZ AG, die Datensysteme für den Energiebereich liefert. 2011 verkaufte er seine Anteile und brachte ein Vermögen in die von ihm 1995 gegründete Görlitz Stiftung ein. Sein Credo auf der Stiftungsseite: „Wir sollten unseren Kindern eine Welt hinterlassen, die lebenswert ist und in der die Grundlagen unserer Existenz nicht zerstört, sondern von uns verbessert wurden. Dieser Verantwortung stelle ich mich und möchte einen Beitrag leisten, gerade deshalb, weil sich unsere Gesellschaft von diesem Ideal immer mehr entfernt.“

Ich empfehle wärmstens auf  Webseiten der Stiftung und ihren Ausgründungen zu schnuppern:
Martin-Görlitz-Stiftung für Energie, Umwelt und Soziales

In Zusammenarbeit mit allen Hochschulen der Region entsteht in der Koblenzer Altstadt ein Zentrum für Nachhaltigkeit und zukunftsfähiges Wirtschaften:

ISSO – Institute for Social and Sustainable Oikonomics

Jugendwerkstatt Energie&Technik

Nach den Vorträgen von Werner Vogt, Martin Görlitz und Clemens Ronnefeldt ging es vom Gewölbekeller zum Dreikönigenhaus. Hier gab es bei Soulfood leckeres Essen, Probefahrten mit Elektroautos von Tesla und BMW, den neuesten Stand zur Elektromobilität, die schönen Büros von Höhenwind und viele, viele interessante Gespräche.

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Die Höhenwind-Park Gmbh residiert ganz oben.

Nach diesen Eindrücken werde ich jedenfalls nun öfters mal wieder den Intercity von der Landeshauptstadt nach Koblenz buchen. Hier laufen spannende Projekte, die hoffentlich weit abstrahlen.

Mitbringsel aus Paris

Alle Fotos zur freien Verwendung, 12.12.2015 Reinhard Sczech

Motivation und Erleichterung

Ich war drauf und dran zu verzweifeln. Kann die Menschheit denn wirklich so blöd sein? Jetzt bin ich wieder hoch motiviert. Das waren lehrreiche Tage in Paris.

ClimateJustice_2015_12_12_Paris_23Ein Gruß an alle Freunde der Hunsrücker Höhenwind Gesellschafter und Bertram Fleck: In einem Pariser Café habe ich einen tollen holländischen Aktivisten getroffen, der voller Begeisterung die Entwicklung im Hunsrück wahrgenommen hat. Eine Botschaft an alle die jetzt noch gegen die Windenergie kämpfen: Ja, es gibt Beeinträchtigungen, ja das Landschaftsbild ändert sich, ja es gibt Fehlplanungen. Aber ihr könnt euch überhaupt nicht vorstellen, mit wie vielen Hoffnungen Menschen aus aller Welt auf Deutschland schauen.

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Der Hunsrück exportiert erneuerbare Energie. Nachhaltig! Bitte macht mit, oder wenn ihr schon nicht mitmachen wollt, macht den Weg frei. Ihr wollt die Heimat erhalten wie sie ist – aber Zerstörungen währen die Folge, die unsichtbar für unsere Kameras und Reporter bei den ärmsten der Armen angefangen haben und auch uns erreichen werden.

Die Prinzen

Saudi-Arabien alimentiert 7000 (geldgierige?) Prinzen. Prinz al-Walid Bin Talil, seine Frau und seine Kinder wohnen in 320 Zimmern in einem sandfarbenen Palast, der mit italienischem Marmor ausgekleidet ist, mitten in Riad.

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Dazu kommen drei Hallen-Schwimmbäder, Tennisplätze, 250 Fernseher, ein Kinosaal und fünf Küchen, die 2000 Gäste auf einmal beköstigen können. In der Garage des Prinzen stehClimateJustice_2015_12_12_Paris_31en 200 Luxusautos, darunter Rolls-Royce, Ferrari und Lamborghini. Dieser Reichtum wird von Öl gespeist. Könnt ihr euch vorstellen, welcher Kampf es war die Zustimmung der Saudis zu bekommen? Könnt ihr euch vorstellen, wie bitter die neusten Abschätzungen der Klimaforscher sind, um selbst ein Kopfnicken zu bekommen, das Saudi Arabiens Geschäftsmodell völlig in Frage  stellt?

 

2050 „klimaneutral“

Die Koalition der „Ambitionierten“ hat sich in Paris durchgesetzt. Beschlossen wurde, dass die Menschheit ab 2050 „klimaneutral“ lebt. Ursprünglich sollte im Vertrag stehen, dass die Menschheit ab 2050 „Treibhausgas-frei“ lebt. Aber das scheiterte an den erdölproduzierenden Ländern. „Treibhausgas-frei“ hätte bedeutet, dass diese Länder bald kein Erdöl mehr fördern dürften. Der jetzige Beschluss besagt, dass die Treibhausgase, die nach 2050 noch entstehen, kompensiert werden müssen – etwa durch Aufforstung oder neue Technologien.

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Climate Justice! Now!ClimateJustice_2015_12_12_Paris_35

„Die Weltgemeinschaft hat verstanden, dass die Gefahren durch den Klimawandel viel größer sind als zuvor angenommen“, sagte Bill Hare, der Chef des Forschungsinstituts Climate Analytics. „Das Paris-Abkommen ist ein historischer Wendepunkt für die ganze Welt.“

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Die roten Linien werden gezogen: Clim Acts aus Australien

Ärmel aufkrempeln

„Wir sind extrem glücklich“, erklärte EU-Klimakommissar Miguel Arias Cañete. Die Schweizer Bundesrätin Doris Leuthard sagte: „Für die Schweiz war es wichtig, dass alle Verantwortung übernehmen und die Zweiteilung aufgehoben wird.“ Aber auch Südafrikas Umweltministerin Edna Molewa sieht einen „Wendepunkt zu einer besseren und sichereren Welt“. ClimateJustice_2015_12_12_Paris_36

Frankreichs Präsident François Hollande sagte sogar: „Wir haben heute die beste und friedlichste Revolution geschafft – eine Revolution für den Klimaschutz“. Und Bubu Pateh Jallow, einer der Chefunterhändler der ärmsten Staaten, sagte: „Der Vertrag ist eine wirklich gute Arbeitsbasis“.

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„Die Unterschrift ist nur der Anfang, jetzt geht es darum, ihn auch umzusetzen.“ Russlands Umweltminister Sergej Donskoj betonte: „Jetzt steht uns die Ratifikation bevor!“ Der hintere Teil der Vereinbarung nämlich, zwölf der 31 Seiten, muss zu nationalem Recht werden. Und das in jedem der 195 Mitgliedsländer, ein Prozess, der im Falle des Kyoto-Vertrages acht Jahre gedauert hat. Aber diesmal soll der Paris-Vertrag bereits ab 2020 gelten – in vier Jahren.

ClimateJustice_2015_12_12_Paris_39Dass dieses Ziel nun benannt wird, bedeutet: Die Weltgemeinschaft hat endlich realisiert, wie ernst die Warnungen sind, die die Klimaforscher aufgestellt haben. So weit, so gut, aber auch so unzulänglich. Denn diese Erkenntnis wird – zumindest noch – nicht ausreichend in konkretes Handeln umgesetzt.

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Fakt ist: Die Treibhausgas-Limits, die die Länder der Erde sich gegeben haben und die die Basis des Paris-Vertrags bilden, bringen die Welt nur auf einen Drei-Grad-Pfad – also auf einen Kurs, bei dem Elemente des Klimasystems destabilisiert würden, darunter der Grönland-Eisschild, die Permafrostböden und die Regenwälder. Höhere Ansprüche trauten sich die Architekten des Paris-Deals nach dem Kopenhagen-Debakel nicht mehr zu stellen.

Gewaltfrei und ohne Presse

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Tolle Tage in Paris, mit Wechselbädern der Gefühle

Tja Leute, wir haben uns das Demonstrationsrecht erkämpft. Entschieden und gewaltfrei. In der deutschen Presse habe ich noch kein Wort darüber gelesen. Über die Demo am Eifelturm wurde bischen berichtet. Aber die vorhergehende und aus meiner Sicht wichtigere in der Avenue de la Grande Armée vor dem Arc de Triomphe wurde fast ausschließlich über soziale Medien, wie diesen Blog transportiert.

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Sind wir mal milde, das Demonstrationsverbot hat natürlich dazu geführt, dass auch die Presse nicht über die Details der Planungen informiert war.

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Ein Tourist aus China macht auch spontan mit. „Very big problems in China“
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und Mainz trifft auf Oppenheim (on the left side Esmathe Gandi, Président ATTAC Togo)

 

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und Mainz trifft auf Oppenheim
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zum Abschluss wird ergreifend mitreißend gesungen
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Reinhard Sczech

Quellen

Klimaretter.Info

Skeptical Science

350.org   

Video von der Demo

DemocracyNOW

ARD Tagesschau COP21 live Blog

SonnenSeite

germanwatch

 

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Paris 2015 kann die Welt ändern

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Die Demonstranten sind entschlossen

Die politische Führung der Pariser Polizei hat die Situation richtig eingeschätzt. Die Demonstranten waren zwar nicht in riesengroßen Massen, aber dafür umso fester entschlossen ein Zeichen zu setzen.

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Es wurde klar gemacht, um 12 Uhr werden wir auf die Avenue de la Grande Armée strömen, den Verkehr stoppen und auf der breiten Prachtstraße vor dem Arc de Triomphe unsere roten Linien ziehen.

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1,5 Grad oder Chaos

Wir fordern Klimagerechtigkeit. Jetzt.

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Ami Goodman von Democracy Now interviewt ein Paar. Democracy Now hat eine fantastische Berichterstattung während des Gipfels gemacht.

Ich saß schon eine Stunde vorher am vereinbarten Treffpunkt unserer Gruppe im Café Victor Hugo. Schnell erkannte ich an den roten Utensilien wer wohl noch alles zu bereit ist, sich über das Demonstrationsverbot hinwegzusetzten.

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Wir brachen auf. In den Nebenstraßen viel Polizei, alle schwer bewaffnet aber entspannt. Wir wussten: diese Auseinandersetzung haben wir gewonnen. Auf der Avenue de la Grande Armée angekommen, war ich einfach nur überwältigt. Die Straße war uns.

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Die Straße gehört uns
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Vorne ringen Clowns den Polizisten ein lächeln ab.

 

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ClimateJustice_2015_12_12_Paris_06 ClimateJustice_2015_12_12_Paris_05 ClimateJustice_2015_12_12_Paris_04 ClimateJustice_2015_12_12_Paris_03

… jetzt bin ich etwas schlapp und trinke mal zur Feier des Tages einen guten Rotwein.

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Reinhard Sczech, Paris 2015

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Blockade bei den Klimaverhandlungen in Paris

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Broschüren mit Gesundheitshinweisen und rechtlichen Infos werden verteilt

Ich bin völlig fasziniert mit welcher Entschlossenheit, Mut, sozialer Kompetenz und vor allen Dingen Phantasie und Intelligenz hier in kleinen Gruppen die Aktionen für morgen vorbereitet werden.

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An alle Aktivisten wird eine rote Blume verteilt

Ich habe aber auch Angst vor der französischen Polizei. Tipps wie „wickele dir Zeitungen ums Schienbein, da hauen die gerne drauf“ beunruhigen mich Schisser eher. Es wird eine Aktionsbereitschaft ermittelt. In die eine Ecke des Raumes gehen die, die sich zutrauen vorne mit dabei zu sein, in die zweite Ecke die, die mehr zuschauen. Dann können sich auch Kleinstgruppen auf dieser Raumachse dazwischen positionieren. Ich stehe im Raum, aber sehr nahe an Ecke zwo.

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Tag der Vorbereitungen, durchdacht und klasse organisiert

Was ist eine Demonstration?

Demonstrationen sind morgen in Paris strengstens verboten. Was ist eine Demonstration? Wenn mehr als zwei Menschen die gleiche politische Meinung kundtun. Deshalb werden wir alle nur zu zweit losschwärmen.

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Neben den roten Blumen wird es morgen viele rote Regenschirme, Jacken und Schals geben, um die symbolischen roten Linien zu ziehen.

Zum Abschluss der Klimaverhandlungen werden also Tausende von Menschen paarweise auf die Straßen ziehen, um das letzte Wort zu haben und um zu zeigen, dass wir unsere Zukunft selbst in die Hand nehmen. So schaffen wir die Voraussetzungen für weitere Aktionen im Jahr 2016.

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So soll es ablaufen: Gegen 11:45 Uhr treffen wir uns auf den Bürgersteigen entlang der Avenue de la Grande Armée zwischen der Place de Etoile und Porte Maillot. (nicht am Arc de Triomphe — dort werden Versammlungen sofort aufgelöst).

 

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Folgen den roten Pfeilen entlang der Straße, um zum Veranstaltungsort zu gelangen

12:00 Uhr sollen Signale eines Nebelhorns ertönen, dann schlendern wir paarweisen Fußgänger auf die Avenue de la Grande Armée bis es anfängt zu strömen. Dort den roten Schirmen und Pfeilen die uns leiten hinterher. Auf der Straße, so der Plan, Tausende roter Tulpen verteilen, riesigen Transparente entrollen und eine lange „rote Linie” bilden.

Wenn die Nebelhörner ein zweites Mal ertönen, heißt es zwei Minuten lang schweigend innehalten, bis Blaskapellen anfangen zu spielen. Danach legen wir unsere Blumen zum Gedenken an die Opfer des Klimawandels auf die Straße.

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Hochkonzentriert werden im Plenum Fragen gestellt und beantwortet
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Der Plan für morgen: Wie auch immer das Gipfeltreffen ausgehen mag, Folgendes gilt weiterhin: Es sind nicht Politiker*innen die Bewegungen anführen – sondern die Menschen.

Der Veranstaltungsort wurde bis jetzt geheim gehalten, damit  effektiv mobilisiert werden kann. Nachdem jetzt alle Details feststehen und noch 24 Stunden bleiben, ist es an der Zeit, dass die Öffentlichkeit über die Aktionen informiert wird.

Die Lösungen liegen auf der Hand: Wir müssen aufhören, fossile Brennstoffe zu fördern und zu verbrennen. Stattdessen, wo immer möglich, erneuerbare Energien ausbauen und Sorge tragen, dass die am schlimmsten vom Klimawandel betroffenen Regionen über die nötigen Ressourcen verfügen um der Krise zu begegnen. Dies könnte ein Wendepunkt sein – dafür kämpfen die Demonstranten in Paris.

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noch einige juristische Hinweise zum mitschreiben

ARD-Reporter Werner Eckert hat beim Klimagipfel eine Veranstaltung von Wissenschaftlern besucht, die Auswirkungen des künftigen Klimavertrags untersuchen. Hier sind seine Eindrücke: „Gefährlich bis tödlich nennt Professor Kevin Anderson vom „Tyndall Center for climate change“ den derzeitigen Verhandlungsstand. Fünf wissenschaftliche Institute sind sich einig: dass darin maximal 1,5 bis zwei Grad Erderwärmung als Ziel festgeschrieben werden, ist gut, aber für sich genommen nur eine Hausnummer. Alle konkreten Vorgaben für die Staaten sind bereits aus dem Entwurf gestrichen. Das ist alles vage und setzt keine klaren Signale, sagt Professor Johan Rockström von der Universität Stockholm. Er rechnet vor: Wenn nur die bereits eingereichten, freiwilligen Selbstverpflichtungen der Länder umgesetzt werden, dann führt das die Welt auf mehr als drei Grad zu. Und da es bis 2030 auch keine Verbesserungen geben muss, wird bis dahin so viel Co2 ausgestoßen, dass damit auch die Chance vertan ist, jemals unter zwei Grad zu bleiben.

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Die Zukunft des Kindes dass dieses Bild zum Klimagipfel gemalt hat, steht auf der Kippe. Bitte auf das Bild doppelt klicken um es zu vergrößern.

Ungenügend nennt auch Professor Hans Joachim Schellnhuber vom Potsdam Institut für Klimafolgenforschung die konkreten Vorgaben für den Klimaschutz. Er vertritt allerdings die Auffassung, dass die Atmosphäre vorübergehend mehr CO2 vertragen würde, wenn man es anschließend – durch Aufforstung zum Beispiel – wieder herausholt. 1,5 Grad erscheinen nach Angaben der Wissenschaftler unrealistisch. Dazu müsste der Kohle-, Öl- und Gasverbrauch der gesamten Welt schon 2020 seinen Höhepunkt erreichen und danach stark sinken, spätesten 2050 „0“ sein. Die Wissenschaftler sind auch enttäuscht davon, dass von „Dekarbonisierung“, also vom Abschied von fossilen Brennstoffen, nicht mehr die Rede ist. Stattdessen ist nun von „Treibhausgas-Neutralität“ die Rede. Das unterstellt nämlich, dass Wälder und Ozeane CO2 aufnehmen. Steffen Kallbekken von der Universität Oslo nennt das riskant. Bislang speichere der Ozean nämlich 55 Prozent der Treibhausgase. Aber erstens wird er dadurch immer saurer und zweitens werde das nicht unbeschränkt weiter so gehen.“

 

 

Climate Action Zone ZAC

Fotos: Reinhard Sczech, 10.12.2015

Wie bei allen meinen Reisen: etwas abgehetzt und vermutlich was Wichtiges vergessen, Einstieg in den IC, Mainz Hauptbahnhof Richtung Mannheim, von dort mit dem französischen TGV weiter. In Schnellzugsteige n in Saarbrücken fünf fett bewaffnete französische Polizisten ein. Sofort Unruhe, kurz darauf Schreie und Sc20151210_solutions_3himpfen. Dann Ruhe. Auf dem Sitz links vor mir, schläft ein junger Mann. Ich wundere mich, warum er trotz dem Lärm nicht einmal den Kopf hebt. Dann kommen drei Beamte zu uns. Sehen mich kurz an, rütteln an dem jungen Mann: „Passport?“. Der etwa 19-jährige schüttelt den Kopf. „Nationality?“ „Afghanistan“. Routiniert zieht einer den Jungen aus dem Sitz, mit traurigem Gesicht und stumm lässt er es geschehen, alle verschwinden im nächsten Wagen. Eine Frau schimpft auf französisch. Zwei Minuten später „außerplanmäßiger Halt in Forebach“. Die Polizisten und sechs junge Männer verlassen den Zug. Die verbleibenden schauen sich betroffen an.
So verlaufen die ersten Stunden meiner Reise zum Klimagipfel nach Paris. Wir fahren gerade 311 Kilometer pro Stunde.

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Solutions COP21

Nachmittags besuche ich das offizielle Rahmenprogramm für den Weltklimagipfel: „Solutions COP21“ im Grand Palais. Wegen Kontrollen wie am Frankfurter Flughafen eine Stunde Wartezeit, obwohl nicht besonders viel los ist. Das Programm finde ich großenteils enttäuschend. 20151210_solutions_2Einige Firmen sind echt bemüht, aber beispielsweise bei Coca Cola werde ich reflexartig misstrauisch. Von einem Schweizer Forscher der „Horizon Social Media Analytics“ nehme ich am meisten mit. Darüber werde ich einen eigenen Beitrag schreiben.

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Viele Kameras, viele Reden, wenig Publikum bei den Solutions COP21
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Bei der Rheinland-Pfalz Ausstellung in Mainz war deutlich mehr los als bei den Lösungen für die Weltrettung in Paris 2015
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Ein spannendes Gespräch, wie man die Stimmungen in den Social Media analysiert
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In der ZAC war nun aber richtig was los

Climate Action Zone (ZAC)

In der ZAC sollte eigentlich von den Umweltgruppen die gr20151210_ZAC_6oße Klimaschutzdemonstration am Ende des Klimagipfels vorbereitet werden. Bündnisse aller Schattierungen rund um den Globus hatten ihre Mitarbeit angekündigt. Dann kamen die Terroranschläge am 13. November wie eine Seuche über Paris. Vollständiges Demonstrationsverbot.

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Überwiegend junge Menschen interessiert die Rettung der Zivilisation, die anderen kämpfen mit den Alltagsproblemen

Als Alternative werden nun fantasievolle, gut organisierte, gewaltfreie aber entschiedene Aktionen geplant. Als ich ins ZAC komme, ist die Plenumshalle rappelvoll. Es wird diskutiert was zu tun ist und wie die Lage politisch einzuordnen ist. Im Plenum sitzt auch Naomi Klein. Die anderen kenne ich nicht, viele der Redebeiträge sind in französisch. Sprachbegabung hat man mir leider nicht mit in die Wiege gelegt.

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Diese Menschen zu erleben…. ich bin froh, doch nach Paris gefahren zu sein

Naomi Klein räumt freimütig ein, dass auch sie erst vor 10 Jahren die volle Brisanz des Klimawandels begriffen hat.

Klick gemacht

Wenn ich tief in mich gehe, muss ich gestehen bei mir sind es weniger als fünf Jahre her bis es „klick“ machte. Was eigentlich schon beschämend ist, da ich als Ingenieur sowohl mit Regelkreisen wie auch Statistik und nichtlinearen Simulationsverfahren reichlich Erfahrung sammeln durfte. Aber trotz vielfältiger Literatur hat mein Gehirn sich einfach geweigert die bittere Wahrheit voll zu realisieren. Wie auch. Da liest du eine alptraumhafte Analyse, die menschliche Zivilisation ist dabei sich auszulöschen, das sechste große Massensterben auf dem Planeten hat begonnen, du schaltest den Fernseher an, „und nun die Lottozahlen“.

Sicher, ich war schon viele Jahre vorher umweltbewusst, habe in Windenergie investiert (und damit sehr gut verdient), Müll getrennt, dicke Autos vermieden, Greenpeace unterstützt, die Grünen (oft sehr zähneknirschend) gewählt und nur Ökostrom durch die Steckdosen gejagt. Aber begriffen hatte ich es nicht wirklich.
Jetzt bin ich in Paris, um die Luft um den Weltklimagipfel einzuatmen und ein Gefühl dafür zu bekommen: Wie groß sind die Chancen der Menschheit die Kurve zu bekommen?
Es muss zweifellos eine sehr scharfe Kurve sein, eine Revolution. Die Zeit zum herumzackern haben wir nun wirklich nicht mehr.

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Etwas wehmütig kommt mir der Eiffelturm vor

Klimaschutz und Gerechtigkeit

Du hast einen schrulligen Onkel der immer noch sagt „Hör‘ mir auf mit Klimawandel, die Wissenschaftler sagen jedes Jahr was anderes? Einen Kollegen, der kundtut „alles halb so schlimm, was geht mich der Klimawandel an“? Einen Chef der ruft: „Wachstum ist am wichtigsten für uns, später werden wir schon was gegen den Klimawandel erfinden“?

Der RBB Film Klimaschutz und Gerechtigkeit ist bestens geeignet für Aufklärung zu sorgen.

Klimaschutz und Gerechtigkeit

16.11.2015 | 28:53 Min. | UT | Verfügbar bis 16.11.2016 | Quelle: Rundfunk Berlin-Brandenburg

KlimaschutzUndGerechtigkeit3Trotz der blutigen Anschläge will Frankreich Ende des Monats Gastgeber des Klimagipfels in Paris bleiben. Die hohen Kohlenstoffwerte in der Atmosphäre und die Erderwärmung zwingen zum Handeln. Der heißeste Sommer seit Beginn der Messungen brachte Deutschland Tornados, brennende Getreidefelder und einen riesigen Flüchtlingsstrom. Gibt es da Zusammenhänge?

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Öl-Lobby sponserte Kriegsverbrecher

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Populäre Wissenschaft
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nano
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Birgit Berg: „Wer sich das Denken abnehmen läßt, darf sich nicht wundern, wenn man ihm bald auch den Kopf abnimmt.“